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Die Gegenwart · 1870-12-23 · 52 (23.12.1870) · p. Seite 454

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
52 (23.12.1870)
Date
1870-12-23
Page
Seite 454 (sequence 2)
Language
German
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gfaAt, heikle» schreit und sich auf offener Straße hcrumwälzt, aeberdet sich der ^age-bote"; rasend wie ein entsprungener Tollhäuster brttlst und schäumt cr vor Wuth, so oft ihn die fixe Idee, eine Bedecktung zu haben, beschleicht. Zu einem förmlicheck Depot für geistigen Unrath und selbst für Straßenkoth, mit dem er jeden anständigen Menschen bespritzt, gestaltet sich der „Tagesbote" in seinem Bewußtsein geistiger Schwäche, in seinem Mangel an politischen Kenntnissen, in seiner Eifersucht auf begabte Männer der böhmischen Nation, zu denen er hinaufblickt wie der kleine David, ein geistiger Schwächling. Verdiente nicht schon längst ein solche» Blatt eher, anstatt der Ecnsur, einer psychiatrischen Untersuchung unterzogen ru werden de» Pareres wegen, ob der llrheber solcher publicistischen Raserei unter Aufsicht eine» Arzte» gestellt werden solle? In der Thal und gerade deßhalb wäre ein solche» Blatt, wie der „TageSbotc," würdig, mehr bedauert wie verdammt zu werden. Ist e» aber dann auch möglich, da den Deutschen in Böhmen der gesunde Sinn nicht abgesprochen werden kann, aiizunehmen, der „Tagröbote" sei ein Organ der Deutschen in Böhmen? Beileibe nicht! der „Tagesbote" ist nur Organ eine» deutschen WirthShause», in welchem beim Tarokspiel die Hetzereien in der Contur entworfen werden, um sie dann, wol fabrizirt, mit all ihrem Fusel, in die geduldige Drucker» schwärze zu tauchen. Ein wahrer Kikeriki einer deutschen Gesellschaft, die hinter dem „TageSboten" steht, ist dieser schwarzweiße Harlekin nicht» andere» al» eine Dampfmaschine, die Wuth schnaubt und Koth spritzt. Wer könnte e» da wagen, den friedlichen deutschen Bürger unsere» Vaterlandes und seiner königlichen Hauptstadt, der Gemeinschaft mit;enem besudelnden Organe zu zeihen, wer darf e» wagen, da» wahre Dcntschthum mit einem Blatte in Verbindung zu bringen, da» ihm durch die unedelsten Sprachformeu, durch die frivolsten Ausdrücke, durch die Sprache eines Gassenhauer- Hohn, biltern Hohn spricht! Der vielgerühmten drutschen Publicistik müßte die Schamröthe in'» Gesicht steigen, würde sie Gewahr werden, daß ein Organ, welches mit Ostentation da» Stigma de» Dculschthnmö mit aller Gewalt an sich tragen will und von jedem deutschen Provinzialblatte in Sprache und Geist überflügelt, zur Parodie wird auf die ganze deutsche Literatur. Deutscher Arndt! dachtest du nicht daran, daß ein deutsche» Organ in der böhmischen Hauptstadt cxistirc, welche» Deutschland größer haben will, welche» in seinem Delirium die preußische Pickelhaube für eilten Leuchthurm ausieht, von dem Licht erstrahlen sollte über die ganze Erde? NcugcstalteteS Deutschland! zeige dich dankbar der jüdisch deutschen Kreuzzeitung in Prag, hilf ihr, die so oft in krampfhafte Verzückung geräth und poltert und zappelt, so oft ein preußisches Sicgesbnllctin von dem clcc- Irischen Draht in i>w Gehirn geleitet wird! Wer hat denn ander» die Einigu«.^ Deutschlands zu Wege gebracht als der „Tagcsbote"? wie viel deutsche und selbst jüdische Preußen ai»S Böhmen, — nach Tausenden zählen sic, — hat er über die Gränzc geschickt, die mithalfcn für die große deutsche Idee zu kämpfen! Und so wie der „TageSbotc" mit seinem bramarbasirenden Kiel für Deutschland einsteht und neben bei gesagt ein preußischer Uhlane zu sein scheint, so wirkte er für sein kleine» Deutschland in Böhmen, au» Begeisterung? Pah! au» Fanatismus? Pah! Und wie denn ander»! ein programmlosc» Journal, da» selbst China in Deutschland haben wollte und in dem kleinen deutschen Lager in Böhmen Streitigkeiten hervorricf, Persönlichkeiten attaguirte, im eigenen politischen Fleische wühlte, kann ein solches Journal Organ brr Deutschen in Böhmen heißen? Wir berufen un» hiebei auf die seiner Zeit in Wien erschienene verfassungsfreundliche .Debatte", welche im Jahre 1W9 in Nr. 151 an den .Tagrsboten" folgende Worte richtete: .Sie sind und bleiben rin Prager Sch—alk. Die Partridi-ciplin, die Sie beobadachten, läßt übrigen» dir Rolle besser begreifen, welche die Deutschen in Böhmen hie und da spielen. Nehmen Sir sich doch ein Beispiel an dem hiesigen „Bolksfreund. dieser beschimpft und verleumdet nur seine Gegner. Auch hat er den Vorzug, daß er sich nicht mit der berüchtigten Frechheit de» -in fremde Händel mischt." Die .Debatte" ein Blatt. da» gleichfalls auf die böhmische Nation Pech und Schwefel regnen ließ, hat den schwarzweißen Harlekin recht gut aufgefaßt, so faßt ihn jeder Deutsche auf. Was aber jene» angeschmöckelte Organ in Bezug auf da» Vcrhältniß zwischen Juden und Christen in unserem Vaterlande geleistet, übersteigt fast da» Unglaubliche; dessen kann sich in der That kein zweite» Organ rühmen. Wol wissend, daß der „Tagcsbote" zumeist von dem Einflüße einer jüdischen Clique abhängig ist, hat die, über die impertinenten Schmähungen jenes Blattes bei verschiedenen feierlichen Anlässen der böhmischen Nation erbitterte Menge, für solche Ungezogenheit zwar nicht die böhmische Judenheit verantwortlich gemacht, dieser aber keineswegs freundlich in» Auge geblickt, sie hatte den Grimm verbissen, der durch die Verletzung ihre» Nationalgefühle» wach gerufen wurde. Das kümmerte den unbedeutenden .TageSboten" nie; wie ein Rabe setzt cr sich auf die e hrcnwertheste Person, wühlt in deren Charakter herum, und delcktirt sich an der kleinsten Lappalie, um mit' Wollust über sie her zu fallen und sie mit seinem Geifer zu überziehen. So wußte vor Kurzem erst dieser jüdisch-deutsche Bajazzo die kühnsten Evolutionen über die hiesige Stadwertretung zu machen, weil diese ungerechte und ungerechtfertigte aus dem deutschen Casinoreindel herausgebackenc Verleumdungen zurückgewiescn und für die Beschuldiger den verdienten, richtigen Ausdruck gebraucht hat. Mit demselben Gepolter, mit dem einst der Eigenthümer de» ,.Tagesboten" in der Joscfstädtcr Schule als Landtag», abgeordneter kandidirt hat, mit demselben Spektakel producirte sich der „Tagesbote" in einem Referate über die letzte Sitzung im Stadtverordnetenkollegium; in allerlei Gliederwrschrenkungen und pöbelhaften Gassensprüngen schreit und lärmt er wie ein Wiener Schanzelweib, entblödet sich nicht einmal, dem greisen, ehrwürdigen Bürgermeister in rücksichtslosester Weise nahe zu treten. — All den brutalen Auslassungen des „TageSboten", der kothigen Fährte dieser phautasiereichen Anthologie, die kothiger ist als der Straßcnm orast, den selbst der „TageSbotc" zu einer politischen Wichtigkeit macht, zu folgen, dazu sind wir wahrlich zu — rcinlichkeit»- liebend. Und weßwegen gerieth der Kikeriki de» deutschen Casino so außer sich, wcßhalb hat er die Sinne verloren? nun, weil ein Jude so blöde war, im Namen des deutschen Casino» den verlegenen Stotterer zu machen und weil er Jnvektiven zu entschuldigen nicht vermochte. Deßhalb darf in den Augen de» groß- und kleindeutschen Donjuan, der bald dem, bald jenem Regierungssysteme den Hof macht, der Deutsche nicht mehr sicher auf der Straße sein, weil — so sagen wir — sich jeder Deutsche schämen muß, nur zu hören, cr sei durch den „TageSboten" vertreten. Dieser Geist de» Faustrecht», den der „TageSbotc" in seinen Spalten erscheinen läßt, diese cynische Vergewaltigung, manifestirt in den rohesten Angriffen, lebt eben nur im „TageSboten" und dieser, möge er zappeln, starren, kleben, ist und bleibt eine politische Nullität; denn — wir wollen theilweise mit seinen eigenen Worten sprechen : „Nicht nur mit der Dummheit, sondern auch mit Narrheit kämpfen die Götter selbst vergeben» l" 8. Wien den 21. Dez. (O.-K.) In einer Nummer der dieswochentlichen alten „Presse" plaidirt ein angeblicher Jude für eine durchgreifende Reform de» alten, bisher hier üblichen Gottesdienste», der nach seiner Meinung von dem scl. Manheimer zu wenig im fort» schrittlichen Sinne eingerichtet worden sei; die jetzige Zeit sei eben schon weiter gekommen in Intelligenz und Bildung, da genügen nicht mehr Chor und deutsche Predigt, sondern e» muß eine viel radikalere Umgestaltung Platz greifen, da c» unserem »vorwärts blickendem Geiste widerstrebe, noch mit

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