Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 51 (16.12.1870)
- Date
- 1870-12-16
- Page
- Seite 450 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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450 Wochemhroulk. %* Mit welchem Maah die Cultus-Nepräsenlanz mißt. Am 13. November d. I. hat sich der Vorstand deS Vereine» „Chanuka“ an die isr. Cultusrepräsentanz bitllich gewendet, dieselbe möge dem Vereine Odauuka eine Unterstützung au» der CultuSkassa bewilligen. Der Vorstand glaubte sich zu dieser Bitte um so eher berechtigt, als erstlich seine Mitglieder CultuSgemeindrmitglieder sind, sodann bereitzwei Vereine auf ihr Gesuch eine namhafte Spende erhielten. Am 0. Dezember d. I. wurde da- Gesuch de- Vorstandes de» Vereine- „Cilunuka" mit der Motivirung abgcwiescn ,daß der Verein ohnehin die Mittel seiner Wirksamkeit von den Mitgliedern der Cultnsgrmeinde erhält, dieselben daher doppelt in Anspruch genommen würden und ein die Cultuöcassa belastender Pr äcedenzfall geschaffen würde, indem alle anderen wohlthätigcn Vereine der Gemeinde denselben Anspruch erheben dürften." Da wir dies« Begründung im Principe anerkennen, so müssen wir vor Allem annrhmrn, daß die CultuS« repräsentanz dem Vorstände eines WohlthätigkeitSvereineS einen, einer Rüge ähnlichen Bescheid zu geben nicht berechtigt sei, vielmehr sich selbst in den Anklagestand versetzensollte, weil sie, bei der enormen CultuSsteuer, die für kultuelle Zwecke von den Gemrindcmitgliedern gezahlt wird, diese mit separaten jSanmlungen wie für Passabcdürfnisse, Talmud Thora u. s. w. belästigt. Die Eultu-repräsentanz verschwendet die Grmrindegeldcr fi,r eine AmtSkanzlei, für ein zwecklose» rabbinischcS Provisorium, für MazzcSerzeugung, bei der, nur de- Monopols willen, Jahr für Jahr enormes Geld zugesrtzt wird, für eine höhere Talmud Thora, die schließlich mit Skandal geschlossen werden mußte, für den Kauf eine» Hausein einem elenden Stadlwinkel, um nur einen Hauptgläubiger zu retten, für außerordentliche Ausgaben, die von der Repräsentanz augewissen Gründen nicht specificirt werden können und für derlei Dinge noch, und dennoch bc. lästigt diese Cultusrepräsentanz die Gemeindemitglieder in unverschämtester Weise. HciratSkandidatrn müssen noch heute — wenn auch nur unter dem Namen Spende — eine Taxe erlegen, die gir^cincr Judenstcuer sich hinauf gespielt hätte, hätten wir der Repräsentanz seiner Zeit nicht einen Riegel vorgeschoben. Und diese wagt e-, sobald e» sich um Unterstützung eine» Vereine» handelt, dessen Aufgabe eist, hilflosen Kin» bern bcizustrhen, von den Mitteln zu reden, die der Verein von den Mitgliedern der Eultusgemeinde erhält, welche, nach Anschauung der Repräsentanz doppelt in Anspruch genommen würde. Der Chanukavcrrin kann bei seiner Tendenz unmöglich auf Mitglieder, die einen Jahresbeitrag von nur Einen Gulden leisten, angrtviescn sein, weßhalb zum größten Theile Spenden zur Ausführung eines so edlen Werke», arme Kinder zu bekleiden, beitragen und e» wäre von der Repräsentanz nicht» als billig und schicklich gewesen, sich gleich nach der Gründung dieses Vereinemit einem, wei n auch nur drscheidenen Beitrage, an die Spitze der wohlthätigen Spender zu stellen. Jeder andere WohlthätigkeitSverein wie: der Nächstenliebe Derech Jcschara Darlehen-Verein u. s. w. dietet seinen Mitgliedern da» Recht der Nutznießung, waS beim Chanukaverein nicht der Fall ist. Was den die EultuScaffa belastenden Prücedenzfall betrifft, demgemäß alle anderen wolthätigen Vereine der Gemeinde denselben Anspruch erheben dürsten, so wäre dieser Entschuldigungsgrund nur dann al» stichhältig anzusehen, wenn nicht die EultnSrepräsentanz den Präeedknzfall s c I b st geschaffen hätte. Denn in der öffentlichen Sitzung d.r isr. Eultn» Rrpr. vom 13. Feber 1870 wurde rin Gesuch de» Unter siützungsvcrciiics für isr. Studirrnde mit fiifr Spende von 50 st. erledigt. Warum hat nicht scher, damals die Repräsentanz das Gesuch im selben Sinne erUdigt wie dem Ehanukavrrrine gegenüber, da doch der Unterftützniigsverciii für isr. Sludircndc gleichfalls beitragende Mitglieder der Prager Jsraelitengemeindt bat und auch Spende» saninrrl» läßt? Dabei blieb cs noch nicht und in der öffeutl. Sitz, der isr. EultnSrrpr. vorn lO.April 1870 wurde dem Militär-Veteranen-Vererne, auf Ansuchen um eine Unterstützung, ein Betrag von 50 fl. au» der EultuScaffa bewilligt, ohne daß die Repräsentanz einen Präcedenzfall befürchtete. Unsere Sache ist e» freilich nicht, den Grund zu erforschen, warum gerade dem Militärveteranen-Vereine da» Gesuch ,n so charmanter Weise erledigt wurde, ob vielleicht Herr Dr. Randnitz einmal Grenadier, Herr Dr. Gitschin Dragoner, Herr Schwab Husar, Herr Schütz Jäger oder Herr S. Kohn Feldkaplan war, oder ob die Repräsentanz mit dem Abweichen von ihrem Principe, sich bei der hohen k. k. LandeSstelle ein guteSAugc verschaffen wollte, un» intereffirt nur wesentlich die eine Frage: Welcher Verein liegt den k u l t u e l l e n Interessen näher, der Militärveteranen-Berein oder der Verein zur Unterstützung armer israelitischer Kinder? Diese Frage geben wir den Jesuiten der EultuS-Rkpräsentanz zu bedenken und nachher die Erledigung aus daS Gesuch deS ChanukavereineS. Wir haben gewiß nicht» gegen die Unterstützung deS einen oder des andern WohlthtäigkeitSvereineS, ja wir plaidirten immer für dieselbe, aber einen Verein unterstützen, den andern vor den Kopf schlagen, spricht an und für sich, für den gerechten Sinn, der die isr. CultuSrepräfentanz beseelt. *** Chanukc verein. Dieser Verein, zur Unterterstützung armer isr. Kinder, gegründet im November 1869, also erst ein Jahr alt, hat einen überraschenden Aufschwung genommen so zwar, daß Heuer 51 Kinder mit kompletten Anzügen und Schulrequisiten betheilt werde», während man im Vorjahre nur 20 Kinder berücksichtigen konnte. Dieser erfreuliche Fortschritt zeugt von der Sympathie, deren sich der Verein erfreut und von der unermüdlichen Thätigkeit seines Vorstandes und de» von diesem gewählten DamenkomiteS. Nicht der CultuS- Repräsentanz, die mit Parteilichkeit wirtschaftet, bedurfte eS, um einen WohlthätigkeitSverein zu gründen und ihn emporzuschwingen, die Gemeindemitglieder selbst haben zur Hebung eineso edlen WcrkeS beigetragen. Wie erbärmlich stünde e» mit diesem Vereine, wenn er von der CultuS-Repräsentanz Gnaden ins Leben gerufen worden wäre! Man sieht e» deutlich, wie weit rS die Armenkomiffion, ein morscher Zweig der jüdischen Gemeindevertretung, mit ihrem Armenwesen gebracht, wie ein Verein, der die Verbreitung jüdischen Wissen» sich zur Aufgabe gestellt, nur deßhalb zu Grunde gehen wird, weil er nicht selbstständig zu handeln versteht und sich mit der Repräsentanz, ihre Mucker mit eingezogen die dem Judenthume und seiner Wiffenschaft die größte Apathie entgegentragen, liirt hat. Der Verein „Chanuka“ hat dieß gleich Anfangs wol eingesehen und sich nicht dazu hergegeben, der Repräsentanz den Pantoffel zu küssen und deßhalb proSperirt erst recht Dnr Verein. Am 25.d. findet, wie schon einmalerwähnt, der festliche BctheilnngSakt im Conviktsaale und bis zu diesen Zeitpunkte die Aufnahme neuer Mitglieder pro 1870 durch den Verein-vorsitzenden Herrn Fr. Lechen (KinSkischeS Palais altftädter Ring) statt. Auch hat Sr. Erwürben Herr Prediger Prof. Kämpf wie im Vorjahre so auch heuer die an ihn ergangene Einladung zur Abhaltung der Festrede freundlichst entgegengenommen. *** Ernennung. Herr A. KarpeleS Kaufmann ist vom k. k. Handelsgerichte zum beeideten Sachverständigen für Tuch- und Manufakturwaarcn ernannt worden. *** Der Verein der Prager Litografen- und Steindruekereibesihrr hat in seiner am 4. d. avgehaltenen Generalversammlung ihren ehemaligen VorstandSstellvertreter Herrn Ignaz Fach« zum Vorstände gewählt. *** Der erste isr. Bürgerschullehrer. Unter den 5 Kandidaten, die sich bei der pragrr k. k. PrüfungS-Commission im verflossenen Oktober zur Lehramtsprüfung für Bürgerschulen meldeten, waren 3 isr. Confession. Von sämmtlichen 5 Kandidaten wurde nur Einer approbirt u. z. der seit 10 Jahren an der öffcntl. Lehranstalt deS Herrn Jakob Frey ongestellte Hauptschullehrer Herr Wolfgang Freund, der zum Lehramte für Bürgerschulen als gut befähigt erklärt wurde. Unsere» Wissenist er der erste Bürgerschullehrer isr. Confession in Böhmen.