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Die Gegenwart · 1870-12-16 · 51 (16.12.1870) · p. Seite 449

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
51 (16.12.1870)
Date
1870-12-16
Page
Seite 449 (sequence 5)
Language
German
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449 1 feinen dauernden, segensreichen Erfolg errunze«. Und da« zerstörte Heiligthum und die wüste Gotte-stadt ward Wied«« gewonnen und die öden, trauernden ZijonSstraffen füllten sich wieder mit Wandrern, und der entweihte Altar trat wieder in seine geheiligten Rechte, und da- Licht des Herrn, daverlöscht war. wurde wieder gezündet in den heiligen Räumen. Und statt derohen Siegesjubels wüthender Kriegs- Horden, die in dem Heiligthum hatten geschaltet, erscholl das DankeSlied der heiligen Sänger in freudigem Chore, singend und preisend — nicht die Helden und nicht die ruhmge» frönten Sieger, sondern den Gott Israels, der sich wieder hatte bewährt als der Wahrhaftige und Einige, als Der, der sein Volk nicht lasset und im Kampfe zur Ehre seine- Namens ihm beigestanden, — den Gott, der wieder hatte da- Licht und den Glan; seiner Erkenntniß aufgehen lassen in Israel. — - So tritt das Fest der Tempelweihe uns als eine Erinuerung an große, edle Menschen, an eine Zeit glorreicher Erhebung wieder ein; aber nicht damit wir mit dem Gedächtnisse uns begnügen, oder mit dem bloßen Anzünden der Leuchten uns abgefertigt glauben; — es tritt als ein Ruf ein an die Gegenwart, daß sie von der Vergangenheit lerne, an ihr sich sammle und einige, durch sie sich läutere und verkläre; daß sie, von ihr erhoben und unterwiesen, die Kraft und den Math und die Treue sich wiedergewinne für die Heiligthümer Israels! Denn ob auch die Zeiten sind anders worden und ein milderer Geist und ein menschlicher Sinn die Friedenspalme auf Erden schwingt; ob auch der äußere Zwang und die rohe Willkür vor der Macht der Gerechtigkeit mehr und mehr gewichen: — die Stellung Israelist denn doch immer die der Zurückgesetzten, mit scheelem Blicke Angesehenen; es ist noch imm:r daalte Bornrtheil und der alte Bruderzwist, der ungesühnt und ungestillt hier und da auftaucht, da und'und dort noch gar nicht entschwunden ist! Ihr habt es selbst noch erfahren und lernen können, daß der Wahn des Mittelalters von der ihrer Erleuchtung sich rühmenden Welt nicht ganz sei abgethan; ihr habt es zu eurem eignen Erstaunen erlebt, daß hie und da die neue Zeit sich nicht schämt, von der alten, vcrgangeneu — bodenlose Lügen und niederträchtige Verleumdungen auf Borg zu nehmen und, so lange sie brauchbar sind und länglich, sie gelten zu lassen. Ihr habt es nicht vergessen, — denn ihr könnt es nicht vergessen, ihr werdet täglich daran erinnert, — daß es noch lange währen wird, eh' die Sonne des Heils überall wird aufgegangen sein. — Und weil der Druck und weil der Haß und Neid schleichender, versteckter, verhüllter geworden; weil er das Gewand gewechselt, rbei* nicht sein Wesen; weil er einen äußern Anstrich gesucht und gefunden, der ihn blöden Augen unkenntlich machen soll: darum müssen kvir immer gewaffnet sein und gerüstet, ihm entgegenzutreten; darum uns nie und nirgend einschläfern lassen und einwiegen! — Und welche Rüstung und welche Waffen fordere ich? — Keine anderen, als die dort in Judäa so siegreich sich haben bewährt, die schärfer waren und - unzerstörbarer dauerten, als die der kampfgeübtc Feind dem wehrlosen Häuflein entgegentrug! ״Diese mit Wagen und Jene mit Rossen; wir^ aber riefen den Namen des Ewigen unseres Gottes an. Jene sanken nieder und fielen, wir aber standen aufrecht und hielten uns." *) — Es war die Liebe und Treue, die innige Anhänglichkeit an Gott und der Glaube an ihn, der jene Wehrlosen bewaffnete und ihnen einen unbeugsamen Muth und eine unbezwingliche Stärke gab. ES war die Begeisterung für ein Hciligthum, die als lichte Flamme in ihnen brannte und loderte und sie lehrte aufzustehn, als Alleum sie her feig und muthloS zitterte. Es war der brüderliche Sinn, der in ihnen waltete, der sie trieb, wo die Einen eingeschüchtert und geschreckt in dumpfem Träumen hinbrüteten, — wo die Anderen, die Feilen und Verworfenen, au-ttaten aus dem Bunde und di, schwachen Brüder im Stkche ließe»/ um zu dem mächtigen Dränger überprlaufen. ES war der Glaube, die tief erfüllte Ueberzeugung von der Herrlichkeit und Hoheit und Bedeutsamkeit der Lehre Iisraeö, die al« ein höchstes Kleinod gerettet und mit dem L-benSdl«te geschützt unh geschirmt, wieder errungen werden mußte, — was ihnen dir Löwenkraft untf Heldenstärke verlieht Und»» Liebe und Treue und Begeisterung, wo brüderliche Innigkeit und uneigennützige Aufopferung die Stelle eingenommen, die Herzen und Geister ausfüllen, — da gibt ekeinen Schwache« und Ohnmächtigen; da ist der Schwächling Held; da hält kein Feind Stand, und der Stärkste und Gewaltigste ist efn Schwacher und Wehrloser! — DaS lernet von der Vergangenheit; dafür seien uns die HaSmonäer erhellende, leuchtende Vorbilder, — Vorbilder edlen, heiligen Wollen- und ernsten Ringens! Sie setzen sich selber ein, um ihren Brüdern Alles zu gewinnen; darum waren sie siegreich und kräftig. Ihr aber, '— 0 meine Freunde, daß ich es leider anssprechen muß! — ihr setzet s» oft lieber da- Ganze ein und stellet es auf das Spiel, um für euch selber zu gewiynen. Darum gewinnt da- Ganze nicht durch euch, und ihr verlieret euch selber! Und wie er dort ia seiner Macht sich hat bewährt, der Geist der Wahrheit und der edlen, uneigennützigen Hingebung, — meinet ihr, er werde nicht noch heute den Sieg erringen? — Ob auch die Zeiten sind anders worden, die Herrlichkeit und Hoheit des Edlen und Unsterblichen ist nicht verändert, u»d sie wirket heute, wie damals! Und wo und wann und von wem immer ein Wort wird gesprochen werden, daau« de» Tiefen der Seele dringt, das aus dem heiligen Quell tiefster Ueberzeugung, wahrhafter Liebe und Begeisterung für Recht und Wahrheit; für die Wahrheit de- Lehre I-raelS und für das in ihm gehöhnte Recht zeugt. — um das werden die Gemüther sich schaaren und die Gr'.ster sich sammeln. Und wenn wir so selten das erhebende, freudige Schauspiel vor uns sehen, daß ein kräftiger Ruf, ein freimüthiges Wort in unserer Mitte erschallt: cS ist die schwere Anklage der Selbstsucht und Schlaffheit und Lauheit, die darin uns trifft! — Darum ruf' ich euch das Gedächwiß wieder zurück an alte Zeiten und Helden, in denen da- Licht und die Flamme der Begeisterung brannte, und die es wieder zündeten in Israel. — Und auch wir, indem wir alljährlich der Väter Brauch ehren und befolgen, mahnen uns selber an die Pflicht, die Helle und den Glanz der Erkenntniß und Ueberzeugung uns zu gewinnen, in drm Heiltgthum des Herrn Licht und Wahrheit zn gründen, in den Gemüthern der Jugend den Gottesfunken der Liebe und Treue für die Lehre Israels zu entzünden! ״Wer auf die Lichte am Chanuka hält, deß Kinder werden Weise und GesetzeSkanlüge.**) Wen da- Licht am Chanuka mahnt an jene« heilige Licht, um das die HaSmonäer gerungen, der wird in seinem Hause, der wird in seinen Kindern die Flamme de- Glauben» und der Treue für Gott und sein Wort entzünden und mit heiliger Scheu warten und pflegen! Und so möge denn das Licht uns mahnen an Den, der in das Licht sich hüllet wie in ein Gewand, der I-rnel» Glanz und Pracht und sein Tag und seine Sonne ist, — uns mahnen an sein Wort, das da» Aug erhellet und erleuchtet, daß es immer lichter und Heller werde in I-rael, daß das Licht sich immer steigere und erhöhe, und dar »ir Nachkommen dem Rufe des Propheten: — ״Haus Ja«- kobs, auf! und lasset uns wandeln im Lichte des Herrn!*׳••> — Amen! ׳) Labb. 23,1>..•) התיל בנר דויין ליה בנים תלמידי חכםים י) Ies. 2, 5• .ביון יעקב לכו ונלכה באור הי (** *< אלה ברכב ואלה בסוסים ואנחנו בשם הי אלהיגו נזכיר. Ps. 20, 8. 9,

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