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Die Gegenwart · 1870-12-16 · 51 (16.12.1870) · p. Seite 451

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
51 (16.12.1870)
Date
1870-12-16
Page
Seite 451 (sequence 7)
Language
German
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V Znmrverria. Seit längerer Zeit besteht hier ein Verein, dessen edle Tendenz dahin geht, armen Leuten den ZinS zu beschaffen, welche durchs Loogezogen werde«. Wenn man erwägt, wie drückend der ZinS, eine allviertel» jährlich sich wiederholende Last, für einen armen Hausvater ist, so kann man sich die Wohlthat erklären, welche auS dem ZinSvereine erwächst. Dieser erheischt zur Durchführung seiner Aufgabe ein bedeutendes Capital, welches nur durch wohlthätige Spenden erzielt werden kann. Herr Rafael KauderS ist bereit, dieselben entgegenzunehmen. Inland. Wien. Die bisherige Direktorin de- KönigSberg'schen Mädchen-JnstitutS hat sich vermält und in Folge davon die Demission eingereicht, welche vom Kuratorium angenommen wurde. Bereits sollen sich mehrere würdige Komprtentinnen für die vakante Stelle gemeldet haben. Ein Damenkomite, bestehend aus den Frauen Adelheid v. Goldschmidt, Marie Kompert, Rosalie Neustadt und Hermine v. Mauthner wurden zum Beirath des Institutes erwählt, und hat dieser Tage bereits die ökonomische Verwaltung deS Stiftungsinstitutes übernommen, Bfen. lieber die hiesige LandeS»Jrrenanstalt berichtet die „Wiener Med. Wochenschrift" unter Anderem wie folgt: «Roch wollen wir nicht unerwähnt lasten, wie die religiöse Gleichberechtigung in diesem traurigen Hause beachtet wird. Neben der kathol.Kapelle, welche sich einfach aber sehr würdig repräsentirt, befindet sich das Protest. BethauS und ein jüdischer Tempel; diese volle Gleichberechtigung geht so weit, daß kein Seelsorger irgend einer Religion im Hause wohut, weil man auch in dieser Beziehung keine Religion bevor« zugen will." A u sl a n d. Königsberg. Das. diesige ostpreußische Tribunal hat nunmehr augeordnet, daß Juden zur Uebernahme von Bor» mundschaftöämtern über Christen ernannt werden dürfen. — Herr Geh. Kommerzienrath Moritz Simon hat dem hiesigen „Israelitischen Waisenhause", welches bisher nur Knaben aufzunehmen im Stande war. die Summe von 10.000 Thlr. übermittelt, um demselben künftig auch die Aufnahme von Waisenmädchen zu ermöglichen. München. Bekanntlich ist der Literat, Dr. juris Josef S i g l, Redakteur de« „Vaterland" dahier, einer der wüthend« sten Judenfeinde. Sigl hatte beim Ausbruch dieses Krieges nach Frankreich telegraphirt, daß Baiern zum Kriege kein Geld bewilligen werde und derg. Diese Depesche wurde von den Deutschen in St. Cloud aufgefunden; Sigl ist nun des Vaterlandsverraths angeklagt, und hat sein Vergehen bereits eingestanden. (I. S.) Wie man der „Magd. Ztg." schreibt, macht in Nom das folgende Begebniß viel von sich reden. Bor etwa 17 Jahren gelang es den Jesuiten, einen Juden, NamenS De' C o r i, zum KatholiciSmuS zu bekehren und dadurch die Familie deSUebergetrctenen zu sprengen. Man nahm nämlich der Mutter ihre drei Kinder von sechs, vier und einem halben Jahre weg und erzog dieselben „christlich". Die unglückliche Israelitin verließ in ihrer Verzweiflung Rom und siedelte sich in Livorno an. Endlich nach 17 Jahren wurde die Sehnsucht nach den Verlorenen z» mächtig; Frau De' Cori machte sich auf und reiste nach der Ewigen Stadt, wo sie vor etwa vier Wochen anlangte. Nach tausendfachen B mühungen wurde sie zu ihren Söhnen, die inzwischen die erfreulichsten Fortschritte in der Gottseligkeit gemacht hatten, zugelassen; allein sie durfte mit ihren unreinen Händen keines der Kinderberühren. Die Audienz dauerte zehn Minuten. Auf ihre inständigen Bitten vertröstete man sie auf ein ander mal. Sie möge am 26. November wieder kommen. Alsie jedoch »« Zeit bei den Jesuiten anpochte, ward ihr nicht aufgethau» Sie läuft seitdem von Hinz zu Kunz, aber ihre Söhne bekommt sie nicht zu sehen: Und der General Lamarmora? Ec läßt die Vergewaltigung ungestraft! Die Kinder sind sämmt. lich minorenn, über die Rechtsansprüche der Mutter kan» also kein Zweifel abwalten. Trotzdem blieb bis jetzt dieser Akt der Willkür völlig ungestraft. Stockholm, Die praktische Wirtschaftsschule für Mädchen in Gothenvurg erhielt von Frau Amalie Phillippson in Nor» köping, Tochter des verstorbenen Moritz Jakobsohn in Gothenburg,, zum Andenken an ihren verstorbenen Vater, die Summe von 30000 Thlr. — I« der Stadt WlSby, Provinz Gothland wohnen jetzt zwanzig polnische Juden. (Hamagld.) — Hier wurde eine neue Synagoge, eine'der^ schönsten in Europa eingeweiht. vercelli. Dem Hrn. Bedarida Moses in Bercelli wurde, wegen feines ausgezeichneten abgelegten Examens im technischen Fache von der Handelskammer in Turin 100 Lire al» Belohnung zu Theil. — Der Bankier Vitale Bonajut, Präsident der Provinzial-Austcttung in Alexandria, so »ie der Hr. Ritter DeangcliS, Vizepräsident erhielten da» Ritterkreuz der Krone Italiens. Frau HymanS, eine israelitische Witwe aus Amsterdam widmete sich der Pflege der Verwundeten, und zeichnete sich so au», daß dieKöniginihr ihr Porträt und einen prachtvollen goldenen Ring als Zeichen ihrer Gewogenheit schickte. Warschau. In der Nacht vom 1*. zum 10. v. M. wurden mehrere hiesige vornehme Juden verhaftet und in daS Polizeigefängniß abgeführt. Am 19. Vormittag wurde» sie vor den Polizeiobcrkomißär geführt, der ihnen strenge Strafe androhte, wenn sic den von der Regierung eingesetzten Rabbiner nicht anerkennen würden. Mit diesem, von der Behörde der Warschauer Gemeinde aufgedrungenen Rabbiner verhält eS sich folgender maßen: 'Nach dem der hochverehrte Warschauer Oberrabbiner im vorigen Jahre gestorben war, machte der Gemeinde Verstand alle Vorbereitung einen andern Rabbiner zu wählen, der seines Vorgängers (MeiselS) würdig wäre, plötzlich wurde aber der Vorstand vou der Behörde mit einem amtlichen Schreiben überrascht, daß er sich nicht mehr über eine Rabbinerwahl zu kümmern brauche, da die Behörde schon einen Rabbiner gewählt habe, der Vorstand war verdutzt und zog ein saueres Gesicht, doch mußte er gute Miene zum bösen Spiel machen, da durch den französisch-preußischen Krieg mit den Behörden nichts sich ändern ließe. Der Vorstand und sämmtliche Gemeindeglieder, die den neuen Rabbiner nicht anerkennen wollten, verhielten sich ruhig und theilnahmSloö dem neuen Rabbiner gegenüber. gang so als wenn gar kein Rabbiner für sic da wäre, wegen dieses wurden die erwähnten Juden verhaftet. Rach dem der Oberkommistär sic hart angesprochcn und strenge aufgefordert hatte, den von der Regierung eingesetzten Rabbiner zu ehren und zu schätzen, wurde» sie gnädigst entlassen. (L. II Montgomery. Hr. E. Fader wurde zum Major ernannt. Jerusalem. Sir. Moses MontcfiorDchat <»00 fl. unter die Armen daselbst verthcilt.Der scl. David Salomon machte ein Legat, dessen Jnteresteu für die dortigen Armen bestimmt sind. Die erste hieher geschickie Geldsumme beträgt 700 Gulden. — Hr. David Reis lies 10« >0 Goldrubel unter die Armen an den letzten Festtagen verlheilcn. — Die israelitische Gemeinde in Cincinnati bestimmte 1000 Dollar zur Errichtung eines ScminärS zur Bildung angehender. Rabbiner, Prediger und Lehrer. Kunst, Thraker und Literatur — „DaS Chanukalied" vom seeligen Herr Prof. M. Stößel in Brünn, das seiner Zeit vom „Ben Chananj»- «l» das beste prämiirt wurde, ist von dem auf musikalische» Gebiete vortheilhaft bekannten Herrn David Rubin für Si»-- stimmen, Orgel oder Clavirr in Musik gesetzt worde» «ich

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