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Die Gegenwart · 1870-12-02 · 49 (2.12.1870) · p. Seite 431

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
49 (2.12.1870)
Date
1870-12-02
Page
Seite 431 (sequence 3)
Language
German
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veraltete ״Normen de« Talmud«- spötteln, die sie nicht verfttfyn( __ Und diese Herren sollten an die Spitze de- Se» minar« gelangen, sollten in ihrem Geiste neue Jünger der Unwissenheit und Gesetzesläugnung schaffen. — Wäre ein Mann da, der eminente talmudische Bildung mit weltlichem Wissen verbindet, der v״pv נאה תיש יגאה, der nicht nur in der Theorie sondern auch praktisch da« jüd. Gesetz zur Geltung gelangen ließe — wir sind davon überzeugt, verbessere und intelligentere Theil der orth. Juden wäre leicht für die Idee dieser Bildungsstätte für Rabbinen gewonnen. — Daß dem nicht der Fall ist, mag sich die Gegenpartei selbst zuschreiben. WaS nun die, in den Congreß - Statuten sich manisestirenden übrigen Bestrebungen der s. g. Fortschrittspartei (s. v. v.) betrifft, habe» darüber die bedeutendsten Rabbuineu des Auslands ihr Gutachten abgegeben, die orth. Rabbinen natürlich im Sinne ihrer Partei, die fortschrittlichen zu Gunsten der ihrigen. Mir kommt die gan;c Komödie mit diesem Gutachten - Einhcbcn höchst lächerlich vor. Komisch ist'«, wenn die Einen sagen, derjenige scheide auS dem Verbande des JudenthumS, der die Statuten anerkennt. Mit dem Judenthum haben diese Statuten nichts gemein. Wer sich willig einem vielparagraphigen Statute unterwirft, daS ihn seiner Autonomie beraubt, und der Willkühr durchs LooS gezogener Richter Preis gibt, der scheidet von seinem bessern Ich, der ist ein seiger, erbärmlicher Wicht, der nicht den Mulh hat frei zu sein; — Komisch ist's 'hinwiederum, wenn die oben angeführte Meinung, die Rabbinen der anderen Partei durch ellenlange citatenreiche Gutachten zu entkräften sich bestreben. Aber nol. komischer als Beides ist der Umstand, daß selbst Oderaddiner Löw in Szegedin in seinem jüngst erschienen Merke: ,Der jüd. Congreß in Ungarn,- der Kongreß sowohl vom religiösen als rein rationellen Stand- Punkt — lächerlich macht. Richtwähler, die die Neugierde an den Ort gelockt habe», wo mau etwas zu hören hätte. Man wartete, doch vergebens, eS kam kein Wähler mehr, man hörte nichts, aber man sah essen und trinken. llnterdeflen ging Schwäblein vom Hause weg und ging — aus den Leim. Halloh, hieß es, er kommt und in den Speisesaal tritt der edle Herr von Schwab feierlichen Schritteein, legte seinen lieber, zieher ab. glättete seinen Salonstack, bestellte ein Gläschen Bier und schritt in der Gestalt einer schwarzen Siegellackstange aus und ab. drückte jedem der 5 sage fünf Wähler, nicht mehr stadträthlich. sondern ganz ergeben die Hand und machte sich zum Kampfpicle bereit. Wie blamirt schaute der Arme drein als er nach einer Stunde langem Warten die Wähler nicht vermehrt und sich aus. gesessen sieht, während der Gegner ganz warm im trauten Kreise seiner Lieben auf dem Lande saß, und weder bettelte noch sich als nicht redender Redner blamirte. Der schwäbische Held verließ ganz bestürzt den Speisesalon. wo er sich den Magen verdorben hat und dachte: was wird daS Casino dazu sagen? Auf der Sttaße wartete sein Leibstldwebrl, der ganz enttüstet ob dieser Täuschung sich erbot, noch zu warten, vielleicht werde erst um 12 Uhr Mitte» nacht eine Wählervcrsammlung sein. WaS mit dem Feldwebel geschehrn ist, weiß ich nicht, vielleicht wartet er noch immer. Ten andern Tag war die eigentliche Wahlschlacht. Wie rS auf schwäbischer Seite zuging, braucht nicht beschrieben zu werden, wenn man nur weiß, wie cs immer in der Iosephstadt zugeht. Der Gegner ist wohl auf dem Felde der Ehre so gefallen, daß der Fall in Anbetracht der Umstände mit einem Siege identificirt werden kann, der schwäbische Thränengießer hat jedoch einen Pyrrhussieg mit allerlei Blamage und theuer erkauft. Da er nach vielem Schrecken und Fieber durchgckommen ist, möge er wenigsteneinmal im Jahre fasten am — Schwaben tage. So verworren sind bei un« die jüdischen Berhältniffe: Ob nun eine Scheidung den Streit au-gkeichen wird oder ob eS gelingen wird, die obwaltenden Differenzen auSzugleichen und die alten, innigen Beziehungen wieder herzustellen— das wird die Zukunft lehren. Wir wollen sie nicht unvorbereitet herantreten lasten! Schmidt. Wochenchronik. *** Wahlresuttat. Die am 28. v. M. ftattgrhabten Ergänzungswahlen in daS Stadtoerordnetenkollegium ergaden ein für die Fortschrittspartei überaus glänzendes Resultat. In sämmtlichen Vierteln der k. Hauptstadt Prag wurden sämmtliche Kandidaten der Fortschrittspartei mit eminenter Majorität gewählt, während sämmtliche Kandidaten des deutschen Casinos mit eminenter Majorität durchgefallen sind. Nur die Josephstadt, wo die FoitschrittSpartei keinen Kandidaten ausgestellt hat, wurde der Kasinokandidat Adolf Schwab unter 88 erschienenen Wählern von 46 meist abhängige» jüdischen Wählern gewählt, während sein Gegenkandidat I. Dr. Ludwig Bendienrr von 41 unabhängigen Wählern 41 ehrliche Stimmen erhalten hat. Herr Schwab hatte somit nicht mehr als eine Majorität von vier Stimmen. Das jüdisch deutsche Casino so wie sein Ableger die jüdisch deutsche CultuSrrpräsentanz mögen die Zahl 4 in die Lotterie setzen, vielleicht machen sie einen Haupttreffer, bisher war es nur der geringste Treffer. Herr Schwab hat überdieß wenigstens Gelegenheit gefunden, sich zu übrrzrugen, wie eS mit seinen Sympathien aussieht, trotzdem er von HauS zu Hans sich Stimmen erbettelt, und, wie man unS versicherte, an einem Orte sogar geweint hat. Ein so schmählicher Sieg wird nicht verfehlen, ihm die Thränen zu trocknen, so wie des geistvollen Herrn Dr. TedeScv jugendliche Naivheil zu steigern, mit der er vorhergrsagt hat: Arbeit und Kummer wird« geben, den Schwab durchzubringen, aber man muß halt alle möglichen Hebel in Bewegung setzen, wenigstens jene zu bestimmen, dir sich bestimmen lassen m ü ss e n. %* Kein Schwa benvertilgungsmittel. Unter den vielen Inseraten, mit denen dir Zritungsblättrr überflutet werden, findet man auch jenes: ״Keine Schwaben mehr". Bei der letzten Agitation in der Josefstadt wollte der speciell n u r in Wahlsprktakrln bekannte Dr. Markus Teller Zacherl widerlegen und beweisen, je mehr Schwabe», desto besser. So bildete sich dieser Dr. Markus Teller ein, er werde für den Casinvkandidatrn so arbeiten, daß dir Stimmen dessen Gegnerö sich auf Null rrduzircn müßten. Nun hatte dieser Markus Teller Gelegenheit gehabt, sich von seiner Mißliebigkrit zwar so zu überzeugen, daß diese sogar bei einem Wähler sich bald in schlagenden Beweisen manifestirt hätte, wen» nicht Markus Teller sich rechtzeitig aus dem Staube gemacht hätte. Zwar weiß dieser Doktor der Wahlenkunde, daß sein Einfluß ein erbärmlicher ist, allein rS ist ihm nicht so sehr umS Agitiren zu thun, wie um daS Katzenbuckeln und Schmarotzen bei der Cliqne, die er durch das Her-und Hinlaufen in den Gassen ebenso irre führen will, wie ein Praxisloser Arzt, der in eine Gasse geht, »m aus der andern zum Vorschein zu kommen. Ben Akiba sagt zwar, eS sei Alles schon da gewesen. Daß aber ein meckicinw Doktor anstatt zu praktiziren, den Lohndiener einiger Leute macht, ist noch nickt da gewesen. %* Mittellose isr. Aniversttätvhörer. In der General- Versammlung des Vereines zur Unterstützung mittelloser isr. Univrrsitätshörrr in Prag fand eine Neuwahl in den Borstand resp. Ausschuß statt. In den Vorstand wurden gewählt die Herren S. Klein weck. st. zum Vorstande, I Fantl weck, st. zu dessen Stellvertreter, E. Thorsch zur. st. zum Schriftsührer und S. Bondy weck. »t. zum Kaffier; in dm Au«- 49*

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