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Die Gegenwart · 1870-11-25 · 48 (25.11.1870) · p. Seite 426

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
48 (25.11.1870)
Date
1870-11-25
Page
Seite 426 (sequence 6)
Language
German
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Steuern) den die Bejirksschulräthe in den unterschiedlichen > Bezirken au-zuschreiben für gut fanden. Wie, fragen wir, kämen die Juden um Lande dazu, daß sie, welche mit den größten Opfern ihre eigenen Privatschulen auS eigenen Mitteln erhalten, noch eine 10 bis 16 pCt. Steuer in einem ganz fremden Bezirk-schulfond zahlen sollten, von welchem sic nicht den geringsten Nutzen ziehen? Wie kämen Fabrikanten, Industrielle, Kaufleutc die ohnedies nach Möglichkeit besteuert sind, dazu, daß sie für Schulzwccke Opfer brächten, an denen sie gar nicht participiren? .Wir wollen uns für heute mit diesen Andeutungen begnügen, in der Hoffnung, daß die ganze Institution der Bejirksschulräthe als ein tobt* geborene- Experiment bald zn Grabe getragen fein werde, jedeSfallS müßten sich die jüdischen Gemeinden auf dem Lande entschieden und bei Zeiten gegen eine solche Zumuthung verwahren. %* Sin Wahlaufruf. Bon einem isr. Wähler der Iosefstadt, derzeit Mitgliede des deutschen Casino'S ist uns folgender von „vielen Wählern" der Josefstadt Unterzeichneter Wahlaufruf zugekommen. Er lautet: Am Borabende der Ergänzung-Wahlen in da- Stadtverordnetenkolegium ist es auch unsere gemeinsame Aufgabe auf die Wahl eines Vertreters der Ivscfstadt besondere Rücksicht zu nehmen, eine- Vertreter-, der nicht nur mit den Berhältuissen dieses Stadtviertels vertraut,, sondern auch geeignet ist, denselben Rechnung zu tragen. ES genügt nicht, nur auf die materielle Seite dezu Wählenden ein Gewicht;n legen, sondern sind vielmehr deffen geistige und moralische Eigenschaften zu würdigen. Wir waren stetgewohnt — gestehen wir es offen — von der Wahlfreiheit nicht den rechten Gebrauch zu machen. Die Folge davon war ein unverzeihlicher MiSgriff, durch den die Interessen unsere- Stadtviertelnichts weniger als gewahrt wurden. Ein Mann, der sich willenlos einer Partei hingibl, vertritt zwar eine politische Fraktion, aber nicht nnS; vertritt politische Interessen, aber nicht die Interessen unsere- Stadtviertels. Dadurch haben wir die Erfahrung gemacht, daswir eines milden, vermittelnden, aller Leidenschaftlichkeit baren Eharakterbedürfen. Bei einem solchen Charakter können wir von jeder Nationalität absehen, sic wird ihn gewiß nie zum Verletzer de- Friedenmachen, der unein Heiligthnm ist. Ein scharfer Blick, ein gerechter Sinn und ein fühlendes Herz müssen sich in dem Manne unserer Wahl vereinigen. Diesen Anforderungen entspricht der Euch vor» geschlagene Candidat I 11. Dr. Ludwig Bcndirncr, Advokat in Prag. Ebenso mäßig wie gerecht, ebenso charakterfest wie leutscelig wird er stetsein Mandat im Auge behalten, er wird gerechten Klagen von Jedem zu jeder Zeit Gehör geben nnd wo cnothwendig wird, gehörigen Ort-, ein offenes Wort sprechen. Gebe» wir daher vollzählig zur Urne, lassen wir nnnicht beeinflußen und wählen wir wie ein Mann I. U. Dr- Ludwig Bendicncr, Advokat in Prag. — Der Einsender macht mit seiner vollen NamenSuntcrschrift z» diesem Wahlaufrufe nachstehende Bemerkung: Leid fest wie'Sicht Bei dieser W>l>l Sprecht der Prenion .'t»r Spott und Hohn .-Zeigt, wn» man kann Bei scslem Willen , Und wählt den Mann, Der glänzt im Stillen. Nnd ist ihm dann das koos belchieden — Dann wollt ihr auch den wahren Frieden. *** Wozu das provisorische Nabdinatrrollkgium. Sr Ehrwürden der Exrabbinrr Herr Fürth, dem die Scction der rituelle» Beaufsichtigung über Schlachtvieh zugetheilt wurde, überzeugte sich vor Kurzem von der Zwecklosigkeit der Institution. Er bestieg nämlich ans dem Gänsemarkt in der Rittcrgassc euiigc Günsewägen, um anatomische Studien über die Luftröhre jenes geflügelten Geschöpfes zu «lachen, durch dessen Geschnatter bekanntlich das Capitol in Rom gerettet wurde. Beim jedesmaligen Aufstcigcn begrüßte den Herrn Gänseseelsorger die Bäuerin mit den Worten: Milost pane tady dostacou Iacin£jgi (Gnädiger Herr da kaufen Sie billiger.) Der Rabbiner besichtigte, fragte, die Bäuerin antwortete regelmäßig mit dem Preis. Der Rabbiner unterließ die weitere Revue und Nagte seinem in Pelz gehüllten Lcibjägcr, daß sich leider nichts machen ließe. Inland. Wien. (Wahlbesprechung der israelitischen Kultusgemeinde.) Vorige Woche fand ans Anlaß der vorzunehmenden Wahlen für den Vorstand der hiesigen israelitischen KnltuSgemeinde eine Wahlbesprechung statt. Nachdem ein Wahlkomite, bestehend auS den Herren Dr. Max Engel (Vorsitzender,) Dr. M a u t h n e r Julius R. v. Goldschmidt eingesetzt worden, theilte der Vorsitzende mit, daß von den Heuer auSscheidendcn Vorständen die Herren Frankl, Dr. v. HoffmannSthal, Kuranda und Dr. Mauthner sich zur Wiederannahme einer Wahl bereit erklärt haben, während Dr. M a tz e l wegen GeschäftSüberhäufnng auf eine Wiederwahl verzichtet und außerdem Baron Friedrich S ch c y aus Gesundheitsrücksichten sein Mandat niederlcgte. Als Kandidaten für die zwei neuzubcsetzeiiden BorstandSstellcn traten auf Herr Gustav Simon und Herr Hildburghäuscr Herr S. Tr ebitsch kandidiere den Dr. Kneplcr, welcher bereitbei der vorjährigen Wahl eine ansehnliche Stimmenzahl erhalten, worauf der anwesende Dr. Kneplcr unter Berufung auf seine vorjährige Kandidatenredc sich bereit erklärte, dem an ihn ergehenden Rufe der Wähler zu folgen. Hofrath v. Weil richtete hierauf an Gemeinderath Frankl eine Interpellation in Betreff des CentralfriedhoseS. Nachdem Herr Frankl im Gemeinderathe in dieser Angelegenheit jüngst gesprochen, fragt der Interpellant, ob die allgemein verbreitete Auffassung deS GemeinderathSbefchluffeS richtig fei, daß nach demselben Juden und Christen untereinander auf dem Centralfriedhofe sollen begraben werden. Der Interpellant macht dagegen rituelle Bedenken geltend und hofft, der Verstand der KnltuSgemeinde werde Sorge tragen, daß in dieser Hinsicht nichts den jüdischen Glauben Verletzendes präjudizirt werde. Der Vorsitzende erwidert, daß der Vorstand dieser Angelegenheit bereits seine Aufmerksamkeit zugewcndet habe, und Herr Frankl erklärt, daß schon vor zwei Jahren der Gemeindcrath den prinzipiellen Beschluß gefaßt habe, daß es jeder ReligionSgenoffenschaft freistehen solle, gesonderte Abthcilungen auf dem Central-Friedhofe zu verlangen. Die liberale Majorität des GemeinderatheS habe mit ihrem Beschluß keinerlei Zwang irgend einer Konfession auferlcgcn wollen, sic verwarf nnr den Programmpunkt, der schon im Vorananordnet, bei der Anlage des Ccntral- FrirdhofeS auf nach Konfessionen geordnete Abtheilungen Rücksicht zu nehmen, weil sic dem Central-Friedhofe keinen konfessionellen Charakter aufdrücken, und den ReligionSgenossi'nschaften nicht präjudiziren wollte. In diesem Sinne habe auch er gesprochen, nnd betont, man solle es den Religion-- genoffenschaften überlassen, gesonderte FriedhosSabtheilungen zu verlangen. Diese Erklärung wird mit Befriedigung entgegengenommen. Nachdem noch von mehreren Mitgliedern eine Reform, respektive Abkürzung deS jüdischen Gottesdienstein Anregung gebracht worden, schritt die Versammlung zur Probewahl. Bei derselben wurden 64 Stimmzettel abgegeben, und erhielten Frankl 62, Kuranda 60, Dr. Philipp Mauthner 59, Dr. v. HoffmannSthal 48, Dr. Kneplcr 48, Gustav S i m o n 35, und Hildburghäuser 30 Stimmen. Ausland. Erfurt, den 2. November. Im hohen Greisenalter nach verdienstvoller, anspruchsloser Laufbahn starb gestern unser

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