Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 48 (25.11.1870)
- Date
- 1870-11-25
- Page
- Seite 427 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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I Ehrenbüger, der Professor Dr. Ephraim Salomon Unger. Angchörig der ersten jüdischen Familie, welche hier, und zwar im Jahre 1810, ein Niederlassung-, und Bürgerrecht erlangte, entfaltete der Verstorbene die Wirksamkeit eineganzen Lebenin hiesiger Stadt und größtentheilfür dieselbe. Seine Dienste leistete er der Wissenschaft im allgemei- „eii der Schule, der Stadlgemeinde, der Judengemeinde und manchem Bürgertreise. Als Autorität im Gebiete der Mathematik schon im Jugendalter gewürdigt, wurde ihm durch Diplom vom 20. September 1810 die Doctorwürde verliehen; er wirkte zunächst als Schriftsteller und als Docent an der hiesigen Universität. Nach deren Aufhebung erhielt er den Auftrag, Vorttäge für hiesige Offiziere zu halten. Schon während dieser Periode übernahm er seit dem Jahre 1820 ein Lehramt an öffentlichen Schulen. Er erkannte da- Bedürfniß. hier eine Realschule errichtet zu sehen. Aldie städtischen Behörden wegen mangelnder Geldmittel mit Errichtung einer solchen zögerten, schritt Dr. Unger selbst, und lediglich aus eigenen Mitteln zu deren Errichtung; unter seiner Direction wuchs in den Jahren 1834 bis 1844 eine Privat - Realschule zu einer lebenskräftigen Anstalt heran. Diese so begründete und bewährte Anstalt bot er sodann der Stadtgemeinde an, obwohl er hierbei wegen seiner Religion das Opfer zn bringen hatte, auf die fernere Direction verzichten zu müssen. Diesem Anerbieten folgte noch im Jahre 1844 die Gründung der städtischen Realschule. Mit schlichtem Sinne, nur von Liebe zur Sache beseelt, nahm Dr. Unger eine einfache Lehrerstelle an dieser Anstalt an, in welcher er treu und segensreich auSharrle, bis er im Jahre 1862, im Alter von 75 Jahren, sich nicht mehr die Kraft zutraute, daS Amt eines mathematischen Lehrers zu bekleiden. — Seinen öffentlichen Verdiensten und seinen besondcrn Leistungen für Wissenschaft und Schule zollte die StaatSrcgierung eine besondere Anerkennung durch Verleihung dcS PrädicatS als Professor im Jahre 1849. Neben seiner BerufSthätigkeit widmete er sich gern und eifrig den Communalintereffen. Lange Jahre war er ein sehr thätigeS Mitglied der Stadtverordnetenversannulung. Seine Glaubensgenossen vereinigte er zu einem festen, für sie und für die Stadtgemeinde nützlichen Verbände. Er führte die hiesige Synagogengemeinde in'S Leben, indem er für die hier lebenden Juden im Jahre 1811 das Syndikat übernahm, die Genehmigung der Finanz- und Domäncnkammer ä. d. 29. April 1812 zur Bildung einer kirchlichen Gemeinde erwirkte und das Borsteheramt derselben bis zum Jahre 1835 führte. Ans das Bereitwilligste machte er sich hiesigen Bürgerkreisen nützlich, insbesondere durch gediegene wissenschaftliche Gutachten in Kassensachen, namentlich über Lebensfähigkeit beabsichtigter oder bestehender VersorgungSkasscn. Sein öffentliches und häusliches Leben und Wirken, von den Stadtbehördcn geehrt durch Verleihung des Ehrenbürgcrrcchtö bei der Feier seines fünzigjähr. Doctorjubiläums wird in der Bürgerschaft unvergessen bleiben, wir rufen ihm — so schließt der Magistrat der Stadt — die wärmste'Anerkennung nach. (Magdeburger Zeitung.) Karlsruhe. Von 304 Stimmberechtigten wurde Leopold Guggeuheim, Kaufmann in Gailingen. mit 206 Stimmen als Bürgermeister gewählt. Er ist der erste Israelit in Baden, der zu einer solchen Stelle gelangt. Hamburg, 4. Nov. Dem „F. I.« wird von hier geschrieben, daß Marschall Bazaine die jenseits Altona gelegene Billa de« fei. Earl Heine, mit dessen Wittwe, einer geborenen Fould, er verwandt sei, zum Wohnsitz nehmen werde. Biele wollen hieraus schließen, daß Buzaine Jude, oder doch jüdischen Ursprungs sei. Dieser Schluß ist jedoch zu voreilig, da die Familie Heine und Fould sich vielfach mit christlichen Kamillen verschwägert habeu. Die Pflegetochter des kinderlosen Carl Heine ist eine geborene Katholikin und hat sich auch mit einem Katholiken verheirathet, die Witwe des ehemaligen Ministers Achille Fould ist eine Protestantin. Ucbrigens ist die Angabe irrig, daß Frau Heine eine geborene Fould sei; sie ist eineFourtado, die allerdings milden Fould« sehr nahe verwandt sind. KriegS-Lkizzen. i X Bon eisernen Kreuzen für Juden haben wir in die' ser Woche nichts erfahren, dafür nennen wir zwei jüdische Damen, welche sich in dem ihnen znstehenden Wirkungskreise ausgezeichnet haben. ,J. Ehr.- berichtet von einer Wittwe, Frau H y m a n S aus Amsterdam, welch« sich einem SanitätScorpS, das zuerst in Saarbrücken stand, anschloß und wegen ihrer vorzüglichen Dienste von der Königin von Preußen mit ihrem Portrait und einem goldenen Ringe beschenkt wnrd-. Die „A. Z. d. I.- nennt ein Fräulein Hirschfcld aus Bonn, welche sich seit Beginn des Krieges auf eigene Kosten der Pflege der Verwundeten widmet und sich im Lazarethe zu Ars s. Mos. befindet. Die „Bonner Zeitung" rühmt nach dem Berichte von Augenzeugen ihre hingebende Thätigkeit. „Js.W.* Verlustliste jüdischer Soldaten im deulschen Heere. (Audem „Heb«»") (Fortsetzung). Schlacht bei Metz. 14. August. (3teS Ostpr. Inf. Reg. No. 4.) Grcu. Jacob Piot» rowöki aus Schmikwalde, Kr. Osllrode, Schuß in den Fuß. Gren. Joseph SoSnowSki aus MertinSdorf, Kreis Allenstein, vermißt. Gren. Joseph Czarnowöki ans Ge. Maraunen, Kr. Allenstein, Schuß in« linke Auge. Füs. Samuel Lehmanna. Lipnak, Kr. Osterode, todt. Füs. F. Seelig aus Hcrzfeld, Schuß durch den linken Arm. (Wcstphäl. Inf. Reg. No. 13 und 55 Füs. Beruh. Jacob aus Dülmen, Kr. EocSfeld leicht verw. Füs. Jos Hcymann a»S Dülmen Kr. EöSfeld, leicht verw. Schuß in den rechten Fuß. MuSk. Herrmann Goldmann a. Bönigfeld, Kr. Lemgo vermißt. Gefr. Josef Hartmann auS Borgcnteich, Kreis Marburg, leicht verw. (Ostpr. Gren. Reg. No. 4.) Gren. Jos. Reiman a. Kainen Kr. Allenstein. schwer verw. Gren. Jos. Blum a. Sauerbäum, Kr. Rössel vermißt. Bei Metz, 18. August. (Erstes Garde Regiment.) Einjähr. Freiw. Alexander Jacoby aus Nauen, Kr. Osthavelland, Schuß in den Arm. Gren. Elias Siegel a. Gla;, Schuß in die rechte Hand. (Kaiser Alexander Garde Gren. Reg.) Gren. Jos. Fuchs a. Lcobschütz, Obcrschlesien, todt. Schuß in den Kopf. Gefr Louis Rosenkranz a. Rybnik, schwer verw. Schuß durch den Arm. Füs. Samuel Schütze a. Haröleben Kreis Halberstadt, todt. Füs. Moritz Wolff a. Rothemune, Kr. Gremmcn leicht verw. Füs. Julius Baum a. Brcölau, vermißt. Füs. Ernst Easper a. Berlin, leicht verw. Füs. Isidor Rothcr a. Lan. gendorff, Kr. Reiße vermißt. Schlacht bei Wörth, 6. August. (Nassauisches Inf. Reg. No. 87.) MuSk. Jacob Schaumann a. Straßcbersbach schwer verw. Schuß in die linke Hand, 2 Finger weg. MuSk. Phiuvp Hirschfeld a. Friedorf, Kr. Wiesbaden, schwer verw. MuSk. Isidor Wiegand aus Schweben, Kr. Fulda, todt. Schuß in die Brust. (Hess. Inf Reg. No, 82.) Gefr. Ernst Holländer a. Freudendcrg Kreis Siegen, Schuß in beide Arme. Musk. Earl Marcus a. Halver, Kr. Altona, MuSk. Michael Elsässer aus Vollmarz, leicht verw. Musk. Anton Hirsch a. Niederröd. Kr, Frankfurt a. M. todt. MuSk. Joseph Rosenthal a. Freinohl- Kr. ArnSbrrg, todt. Füs. Jsaac Heß a. Borkenheim, Kreis Hanau, todt. Füs. Ad. Wolffram a. Eschenstrnt, Kr. Kassel, todt. Füs. Jos. Jacob Israel a. Oberralh. Kreis Fcanssurt a. M. todt. Füf. Moses Löwenbrrg a. Neuenrode Kr. Al« tona, todt. (3teS PoscnschcS Inf. Reg. No. 58.) Füs. Jacob Braun aus Gladni, Kreis Buck, Schuß in die echte Seite. Füs. A. Abraham a. Santop Kr. Buck todt. (Werft-