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Die Gegenwart · 1870-11-25 · 48 (25.11.1870) · p. Seite 425

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
48 (25.11.1870)
Date
1870-11-25
Page
Seite 425 (sequence 5)
Language
German
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dienst« für die ftubirrnbe Jugend, Fast alle Kinder waren von ihren Eltern begleitet und der EultuS-Vorftand war auchl ziemlich stark vertreten. Da» deutsche Lied u. z. Psalm 19 wurde nach dem Einheben, der Thora zum Mincha-Ge« bete und ein Liedniach der Exhorte vom Prof. Sicher com« ponirt, abgesungen. Sulzer hat in freundliebster Weise bei diesem solennen Gottesdienst celebrirt. Da» x'v» Gebet wurde nicht nochmahl» recitirt, sondern bloß rmp laut vorgrtragen. Einen besonder» mächtigen Eindruck auf die jugendlichen Gemüther machte unstreitig die zwar kurze, doch gedankenreiche und für da» kindliche Alter angrpasste Predigt de» Hrn. Dr. Jelinek der ihnen in eindringlichen Worten die Wohlthat de» andächtigen Gebete» an» Herz legte, indem sie früher keine Gelegenheit dazu hatten und jetzt auch verstehen, wa» sie beten, er forderte sie auf, sich fleißig und anständig daran zu betheiligen und die heilsamen Lehren der Thora sich tief in» Innere einzuprägen. Gehobenen Gemüth verließ man die AndachtSstätte. Nächsten Sabbat soll Herr Dr. Güdemann daselbst die Exhorte halten, und dann werden abwechselnd einzelne jedoch der befähigst«, Rabbinat»- Kandidaten in kurzen Ansprachen die Jugend belehren. Wochenchronik. V Zur Stadtverordneten««^. Wir machen die Herren Wähler der Josephstadl aufmerksam, sich am Tage der Wahl weder in der Nähe de». Wahllokale» noch in den zu demselben führenden nächst gelegenen Gassen von Agitatoren behelligen oder gar die Wahlzetlcl au» Händen nehmen zu lasten. J'.eun» darüber gemachte Meldung werden wir au», führlich vesprechen, so wie die Namen der Agitatoren, von den ihnen gebührenden Randglosten begleitet, veröffentlichen. Deßgleichen wolle man im Wahllokale selbst darauf achten, daß kein Unberufener die Lcgitimationdkarte eine» Anderen vorzeigt, wie es bei der letzten Landtagswahl geschehen ist. %* Habt Acht! Jene Herren Wähler, deren Stimm* zettel verdorben wurde», können gegen Vorweisung des Le» gitimationsschcineö und gegen Rückstellung de» unbrauchbaren Stimmzettels im Präsidialbureau im altftädtcr Rathhause II. Stock Thüre Nr. 1 oder am Wahltage d. i. am 28. November bei der Wahlkommistion auöwcchseln. Es laste sich Niemand im Wahllokale beeinflußen. V Der Iosrfflädtrr Lumpensammler. Gegenüber den sich so oft wiederholt habenden Misvräuchen, die die bi-her gewühlten Stadtverordneten der Joscfstadt von ihrem Mandate gemacht und die durch deren Excentricität und von bitterem Haßt durchzogenen Extemporationen zu Tage gefördert wurden, wodurch allgemein die Meinung aufgetaucht ist, jene Dolmetscher de» deutschen Casino'» hätten zu solche allgemeinen Aerger erregenden Reden von den Juden da» Mandat erhalten, sind die Wähler der Josefstudt nunmehr zur besseren Ueberzeugnng gelangt, daß solche Vertreter nie nützen, nur schaden könnten, Man istnun dirßmal davon abgetommen, dem Diktate de» deutsch. Casino'» zu folgen und entschlossen selbstständig anfzutreten. Dieser korrekte und autonome Vorgang scheint jedoch dem, von, au» jüdischem Gcmeindegelde jährlich fließenden tausend Gulden sich nährenden Müßiggänger der Eultu»--Repräsentanz und Wählerzuschicker dr» beutschen Casino'» nicht zu behagen und dieser erklärt einen je» i cn, der nicht Herrn Schwab wählen würde, für einen '»mp. Wir hoffen, daß die Wähler der Josefstadt sich an da» Urtheil de» Josefstädter Lumpensammler» erst recht nicht kiehren und nur jenen wählen werden, den der amtliche Hau», knecht der Cultu».Repräsentanz nicht haben will. V Pfänd»»» «ezr, L»tv»ßn»er *) Der hiesig« Kauf- - mann F., besten Wolhabenheit außer Zweifel steht, hat nach zweimaliger Erhöhung fefttrr Eultussteuer bei der tsr. Eultu». Gemeinde. Repräsentanz reklamirt und ist, ohne jede andere Begründung, al» die, abgewiesen worden, daß die Umlag»» komistion keine Veranlassung findet, die Eultu-steuer de» Petenten herabzusetzen. Diesem hätte e» sich keineswegs darum gehandelt, die für ihn angesetzte Steuer unter normalen Verhältnissen zu zahlen, die den faktischen Bedürfniffen einer isr. Eultu-gemeinde entsprechen, da man aber eine Amt-kanzlei mit jährlichen Kosten von nahe 8000 fl. unterhält, während notorisch die Haupterforderniffe unserer Gemeinde nicht einmal eine so hohe Summe erheischen, überdieß e» vorgekommen ist. daß man für verstorbene Personen Gehalte in- Budget ein. gestellt hat, so glaubte Herr F. ganz solid zu handeln, die für ihn bemestene CultuSstcuer nicht zahlen zu wollen und ließ er e» . auch auf die Pfändung ankommen, die Dienstag vorgenommen wurde. Eine bereit» von Amt»wegen versiegelte, goldene Uhr soll die isr. Cultu»gemeinde-Repräsentanz bezahlt machen. v Krriorabdinat und Vezirlwschairäthe. Der„Politik" wird von Horii Folgende» berichtet: Mit Erlaß vom 20. September I. I. Nr. 40317 wurde der Repräsentanz der böhmischen Judenschaft Seiten» der k. k. Statthalterei die Mittheilung gemacht, daß der Minister für Kultu» und Unterricht die Aufhebung de» Institute» der Krei-rabbiner im Principe genehmigt hat. Wir glauben keine Unbescheidenheit zu begehen, wenn wir diesen Erfolg zum großen Theil, vielleicht ganz al» Verdienst der .Politik" in Anspruch nehmen, welche wiederholt diesem Gegenstände bereitwilligst die Spatten öffnete. Für heute konstatiren wir. daß dieser Erlaß allgemein von den Juden am Lande mit großer Befriedigung ausgenommen wurde, da dieselben dadurch von einer ebenso ungerechte«, al» drückenden Last befreit werden. Da ferner da» Ministerium flir Kultu» die Repräsentanz der Judenschaft um ein Gutachten angegangen ha.', die Modalitäten anzugeben, unter welchen da» UebergangSstadium stattzufinden hätte, so gestatten Sie e», diese» Thema auch öffentlich zu besprechen. Unserer Ansicht nach sollte die sogleiche definitive Aufhebung dieser längst abgelebten Institution ohne Sorge für die künftige materielle Stellung der zur Zeit noch angestellten Krei-rabbiner um so mehr unverzüglich platz, greifen, al» dieselben bi» nun zugleich „Lokal-Rabbiner" in den betreffenden Gemeinden sind, wo dieselben doiniciliren, und sie, wie die» selbstverständlich ist, ihren Sitz in solchen Städten aufgeschlagen haben, die an und für sich zu den fetten Pfründen zählen, daher ohneweiter» im Stande sind, gleich minder bemittelten Gemeinden. für die materielle Existenz der Krei-rabbiner, resp. ihrer Lokal - Rabbiner zu sorgen. Zum Uebrrfluße könnten Gemeinde», die im betreffenden Kreise bestehen, ohne im glücklichen Besitze eine» Lokal Rabbiner» zu sei«, zur Erhöhung seine» Gehalte» brizusteuern, verhalten werden, dafür aber hätte jede Beitrag»« leistung in den Gemeinden, di« selbst einen Lokal-Rabbiner au»halten, unverzüglich zu entfallen.**)— Da wir un» die», mal schon mit den Juden am Lande beschäftigen, möchten wir noch einen Gegenstand anregen, der, fall» seine Durch» führuog gelingen sollte, wa» freilich bei dem allgemeinen Widerstande die Juden auf dem Lande hart treffen würde, nur al» schreiende Ungerechtigkeit 'bezeichnet werden müßte. Wirzweinen den 10 di» 16 pCt^Zuschlag zu den direkten •) Wir foKMCM »ächsten« auf diese« Lapitel zu sprechen. (D. Red.) **) Wir habe« bereit« im >. Jhg dieser Blätter Ne. 7 tn d-m Artikel: „Da» «nUtabW«at und da« schlächteramt." d-bgleichen im ». 2H». dies« Vlätter Rr. IS in dem Artikel : „Da« KeriSrabbinat ein« varmärzlich« Institution" für Abschaffung de« jkrei»rabbin it» plaidirt. nicht« desto weniger schreiben wir der „Politik" da« grShere Brrdienst zu, zur Beseitigung diese« Institute« beigrtragen;u haben. In Folg« dieser pndticifttsche« Intervention ist «in«, von einer grSsiern Anzahl Mitglieder der bShm. Lande«jud«!nsch,st unter,-ichnete Peliton an dlr Repräsentanz der böh« standr«jud«nschast gerichtet woroen. Aus S.und dieser Petition hat dir gmanntr Repräsentanz die geeignei-a Schritte gethan. (D. Red.)

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