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Die Gegenwart · 1870-11-25 · 48 (25.11.1870) · p. Seite 423

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
48 (25.11.1870)
Date
1870-11-25
Page
Seite 423 (sequence 3)
Language
German
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grlrgcnheit mit einem Eifer, betreibt, als ob eS sich um fette Einkünfte handeln würde, mit einem Worte Bendiener ^cr, einigt in sich alle Eigenschaften, die von einem Manne gefordert werden, der zum Vertreter einer große» Körperschaft prädestinirt werden kann. Seine Mäßigung in all seinem Thun und Lasten im Vereine mit der nöthigen Energie, seine Leutseeligkeit im Umgänge machen ihn gerade zum Stadtverordneten der Josefsladt geeignet, und eben deßwegen abftrahiren wir ganz von seiner politischen Gesinnung. Als Stadtverordneter würde Bendiener gewiß ebenso gewissenhaft - wie in seinem Berufe handeln, sich nie zu Ausschreitungen | hergeben, sondern einzig und allein die Interessen deS ihm anvertrauten Stadtviertels im Auge haben, jede Beschwerde I berücksichtigen und sie zu beheben suchen. Und darum können! wir Herrn Dr. Bendiener auch den christlichen Wählern der Josefstadt warm empfehlen. Wenn Herr Schwab der Ritter ohne Furcht und Tadel ist, wenn er das Bewußtsein hat. Außerordentliches geleistet zu haben, wenn er, wie er zu glauben, so unbescheiden ist, sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreut, muß eS nur unbegreiflich erscheinen, daß er am hellen Tage, wo eS, wenn mau Butter auf dem Kopfe hat. gefährlich ist. unter die Sonne zu gehen, in Begleitung seines Ergebenen Dr. Gitschin als Stimmenalmosenier zn den Wählern für sich betteln gegangen ist. Glaubt man denn wirklich die Josefstadt sei eine Maschine mit einem großen Loche, durch das der erste beste zu Wählende mittelst eines CasinolnftdruckeS fix und fertig -um Vorscheine kommt? Gemach! meine Herren, die Wähler ter Josephstadt sind heute von einer andern, bessern Ueberzeigung getragen, als sich nach Eueren Befehlen zu richten uhS möget Ihr auch die ganze CultuSrepräsentanz ins Feuer schiken. Bedenket, daß Ihr von den Wählern abhänget und nicht diese von Euch, in ihrer Hand liegt die Existenz Euere« ßhrgcitzeS, mit einem Ruck und Ihr stürzet von der Sttife herab, zu der Euch Euere Ehrsucht gebracht. Warum gönnet Ihr niemand Anderem v erd i e n t e, nicht erschwindelte Snnpathien. müßt Ihr denn immer durch Schmeicheleien um lügenhafte Versprechungen die Stimmen der Wähler erschlichen, um diesen nachher mit Stolz und Aufgeblasenheit u begegnen? Daß ist Euere Methode, mit der Ihr jedoch Mie mehr durchdringen werdet, merkt Euch das! Man kennt sittsam Euere Miltelchen beim Agitiren, wie Ihr, um nur Euere« Kandidaten groß ru machen, einen anderenherabsetzet, wie Ihr mit allerlei Klopffechter« die edelste« Charaktere rücklings anzutasten. Euch zur Bagatelle machet, wie Ihr, jedem, der Euch nicht dient, das TodeSurttzeil ' sprechet. Wähler der Josefstadt! wappnet Euch mit eiserner Eonsequenz' gegen diese Fliegenarmee, sie ist feig und schwach, engherzig und matt, sie benützte von jeher bloß Euere Schwäche, Euere bisherige Indolenz, erwäget und lernet schätzen Euere Macht, von der jene abhängen. die aus Euch sonst Nicht« machen. Darum haltet zusammen wie eine Phalanx! I h r seid die Herren! gebet Ihr diesmal das Recht aus Eueren Händen, dann habt Ihr Euch ohnmächtig gezeigt. Achtet Ihr Euch selbst, dann werdet auch Ihr geachtet. ö. Zur Urform im Iudenthum, Fortsetzung und Schluß. Man würde uns jedoch groß Unrecht thun, wenn man glauben sollte, daß wir, mit Blindheit geschlagen, nicht sehen, wie Manches im Judenthume faul fei. daß sich viele Mißbräuche eingebürgert haben und es nothwendig wäre, solche auSzureuten; dennoch wiederholen wir: mit Reformen wird jetzt nicht abgeholfen. Die Ausrufe verhallen jetzt sogar klanglos ohne ein Echo wiederzugeben; das Ohr hat sich schon an! die Aufforderungen, wie der Müller an da« Geräusch der j Mühle gewöhnt, daß eS von diesen Mahnungen schon gar keine Notiz nimmt; eS hat gegen diese Posaunentöne, wie warnend sie auch klingen, das Trommelfell schon ganz verhärtet. ES würden höchstens Leute sich finden, die, wenn man auch den ganzen Schulchan Aruch mit einem Stück Bibel dazu abschaffen und in Bann legen möchte, dem Einreißen! ruhig zusehen würden, nimmer aber um einen neuen Bau j gleichmüthig gewähren zu laßen. Die jetzigen Juden haben > zu ihrem religiösen Bau ihre eigenen Pläne und Zeichnun- I gen eigene Phantasiestücke, selbsterfundene H^beSken, und bedürfen keines Baumeister«. Der Schult^mAruch, hören sie sagen und glauben es ufs Wort, ist veraltet, enthält für miS zum Wähle: Herr von S. läßt um den Wahlzettel bitten. Wähler: Wo ist Herr von S., was ist Herr von S., weil er sich cinbildet, t„e Capacität zu sein, darum soll ich mich von ( ihm bestimmen last,,, wollen Sie mich dem Hem« von S. em- > psehlen, wenn er fei, besseres Geschäft für niich hat, so mag er sich auch daS aufhebet. Unbekannter: Schon gut, merken Sic sich es, Herr S. st Censor. 3. Ein Cu l tue. A mt s d i c n e r zum Wähler: Ich bitte Sie nicht zu zürnet, daß ich Sie belästige, W ä l, l e r: Cie kommen wieder um Neujchrsgeld! Amtsdiener: Nein! Der He.rr von Doktor T. und dx Herr von Dr. W. beide brave Leute, die sehr viel thun, lasien hje gar schön bitten, Sie mögen Ihre Stimme dem Cafinokandidate, geben, sie lasien gar schön bitten, j Wähler: Meine Stinnne VjD ich geben? wie soll ich dann über die CultuSsteuer schreien, ioenn ich meine Stimme hergebe. Gehen Sie in GotteS Namen! (zur Frau) Sieh mal her mein Kind, wofür man sein Geld aulgibt. er soll der Gemeinde dienen, dient er gar dem Casino. 4. Ein Buchhalter: Herr von S. übersendet seine Bisitkarte und bittet um den Wahzcttel. er läßt Ihnen sagen: Sie mögen sich an jenen Dienst erünern. den er Ihnen seiner Zeit erwiesen hat. Wähler: Da laben Sie den Zettel. waS soll ich machen, ich muß Ihnen offen gesthcn. ich thue eS ungern. 5. Der junge Fal> rikan^ P. (kommt vorgefahren.) Ich komme persönlich meine Aufwartmtz machen und bitte. — ich bin zwar von Ihrer Gesinnung überyugt, — mir Ihren Wahlzettel zur Ausfüllung zu überreichen. W ^h l e r (geht inS Comptoir die Frau befragen) WaS soll ich thun, ich muh Dir grade sagen, ich will von diesen Leuten nichts wiffen. (Beide verlaßen das Comptoir). Frau: Run, wenn der Herr von P. eigenS zu unS hergefahren konunt, so können wir ihm die Bitte nicht abschlagen. Der junge Fabrikant ninunt den Wahlzettel, begegnet den dritten Tag der gefälligen Frau und — kennt sie nicht mehr. 6. D o c t o r T. (Feldarzt bei der AgitationSamee.) Die Geschwulst ist zwar noch nicht gefallen, aber demohngeachtet erlaube ich Ihnen heute zur Wahl zu gehen. Wähler: Entschuld'gen Sie Herr Doktor, bei Ihrer gestrigen Visite haben Sie mir nach. \ drücklichst verboten, vor 14 Tagen ja nicht daS Zimmer zu verlas- ' sen und heute verlangen Sie von mir, daß ich ausgehe 7 D o etot: Nnn eS handelt sich heute nicht um Ihre, sondern um unsere Bersasiung, mn derentwillen jeder sterben soll. Wähler: Wie Sie ein Doktor sind, so sieht meine Geschwulst auS. Nach den gemachte,» Streifungen wird den Candidaten der Wahlbezirke Bericht erstattet. Die Agitationsoffiziere werden für i Auszeichnungen, je nach dem Grade der Heldenthat, in Bormer. * kung genommen. Der Eine hat Anspruch Mitglied der Steuer¬ oder Armeneommisiion zu werden, der andere wird mit dem kulj tuellen Hosenbandorden behängt, einem Dritten wird von der Cul- * tuSstener abgeschrieben. Die Subalternen werden »nt Remunerati- V onm bedacht. Die Schlacht ist aut, der Generalfiab im deutschen ' Casino lacht sich die Haut voll, und^ denkt sich, wir haben die Juden dränge „krie-tt."

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