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Die Gegenwart · 1870-11-25 · 48 (25.11.1870) · p. Seite 422

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
48 (25.11.1870)
Date
1870-11-25
Page
Seite 422 (sequence 2)
Language
German
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wir an Herrn Schwab nie die Anforderung, die Kneipen-za . schließen, die Prostitution zu regrln oder die TyphuSkrcmknr I zu pflegen und zu heilen, wir konnten aber mit Recht von ' ihm verlangen, daß er dem ganzen Collegium die Verhältaisse der Ioscfstadt unterbreite, da» SicherhritSdr partement der k. k. Polizeidirektion weniger zu politischen al» vielmehr zu Humanitären Zwecken anrufe, auf die überhand genommene Demoralisation jene« Stadtviertel» aufmerksam mache und auf Beseitigung jener UebelstSnde, die e» nahezu verrufen machen und jedem ordentlichen Menschen den Aufenthalt daselbst verleiden, hinwirke. Wahrlich ist e» so weit gekommen, daß der ordentliche Bewohner der Josefstadt sich schämt, sein Domizil nahmhaft zu machen. Wenn Hr. Schwab jedoch sein Gewissen damit beruhigt glaubt, durch Opposition in der Nationaltheaterfrage, wo er unter neunzig Stadtvcrtretcrn der einzige war, der gegen die Subvention gewiirhet hat. wenn er bei der Debatte über die Trennung de» Prager Polytechnikum» für da» deutsche Casino die Kastanien au» dem Feuer geholt, während bekanntlich kein deutscher christlicher Vertreter sich dazu htrgegebrn und Herr Dr. Wiener damals den Standpunkt Palacky's eingenommen hatte, so hat sich Herr Schwab vielleicht Verdienste uni seine Partei, der er angrhört, erworben. aber diese Umstände sprechen noch nicht dafür, daß er rin Vater der Stadt, ein Vertreter der Josefstadt war. Für solche Thatrn möge ihn da» deutsche Casino beloben, die Josesstadt hat am wenigsten'Ursache, sich dafür zu bedanken. Noch skincni ganzen Gebahren zu schließen, war Hr. Schwab nicht» andere» al» die Fabcr'sche Sprechmaschine der deutschen Clique , strickt sich an ihr Diktando zu halten, ward ihm Gebot, wehe, wenn er e» nicht befolgt hätte, er hätte sich Tag» darauf eine Rüge zu Schulden kommen lassrn, während, sebald er seiubrav pvrirt hatte, zum Lohne de» Fleißes und der guten Sitte eine gute Note in der „neuen freien Presse" erhalten hat. Ist doch auch wa» werth, mochte Herr Schwab gedacht haben, weit werther al» da» Vertrauen der Wähler der Ioscfstadt, für die c» nach Auffassung der Clique, noch immer Mittel gebe, sie zu Paaren zu treibe». AuS allem dem Gesagten, wie bei einer vorurtheil»- Men Perspektive, die man über die sonst schön situirte Josefstadt genießt, bei der Nonchalance, mit der Herr Schwab gerechte Klagen der. Bewohner jene» Stadtviertel» nnberuckfichligt ließ, in socialer, geistiger und sanitärer Beziehung nicht heilend, spndern igeradezu destruktiv gewirkt hat, läßt sich ganz ehrlich darauf schließen, daß Herr Schwab Alle» in Allem kein Vertreter der Josefstadt war, auch wenn er glaubte, ein guter Parteigänger zu sein. Der größte Theil der Wähler der Joscphstadt hat nun klares Licht in der Situation erhalten und wahrlich, konnten sie kein besseres Gegenstück zu diesem au»gezischten Schauspieler gefunden haben, als inDr. Ludwig Bendiener. Dieser, bei seiner Stellung, konnte, wa» jeder zugeben dürfte, dieselben Rechte in Anspruch nehmen, die von manchem seiner College« in übersprudelnder Anmaßung zu gewöhnlichen, ja unwürdigen Zwecken mißbraucht wurden, er hat e» jedoch vorgezogen, anstatt in demonstrativen, zügellosen und beleidigenden Tiraden, wie sie so gerne mit gewiffem Knallefekte los geschlagen werden, zu glänzen, der Wissenschaft dienend: Vorträge zu halten, er hat nie eine Narrenkappe auf den Kopf gesetzt, wie so viele Narren, die sich heute Respekt verschaffen wollen und morgen der bodenlosen Ausgelassenheit fröhnen, er war stet» ernst in seinem Berufe, gerecht und klar in seinen Anschauungen und hat er unter allen Verhältnissen das Banner der Religion hochgehalten, die ihm ein Kleinod schien; während andere, die mit jüdischen Interessen umzuspringen, die Kühnheit besitzen, in der Beobachtung religiöser Vorschriften, Rückschritt, Unsinn und eitlen Tand erblicken, den Sabbat entweih:«, die Religion nicht achten, in der Meinung, sie erzielen dadurch die Achtung der Christen, ist Bendiener streng religiös, ohne Jesuit zu sein, den Jesuitismus überläßt er jenen, die je nach Opportunität und gerade immer bei Wahlen ihren Glaubensgenossen schmeicheln und diese dann, wie eine saftige Citrone abgebraucht, in den Koth werfen. Bendiener ist die Humanität selbst, mau frage nu^ die vielen armen Clienten ohne Unterschied der Confession, sie werden antworten, wie er ihnen ^roieffe, Klagen ganz uneigennützig, unentgeltlich führt und ihre An- Ü. auf der Altstadt; Schade für jedes Wort, ist selbststän. d!g. dnrchschaut uns. marsch, — untauglich. M\ auf der Altstadt, findet der Arzt — untauglich, Auditor R. nimmt den Mann über sich niitden Worten : Der Man» steckt sehr tief in einem Proeeffe,— tauglich. M. in der Josesstadt ist zwar etwas blödsinnig, thnt nichts, gut tnr Arankenwärterdienste — tauglich. T. ans der Altstadt, zwar nationalgesinnt, ist viel schuldig, hat zu kämpfe» darum — tauglich. St. in der Josesstadt fällt auf einen Fuß auf. demnach schwankend, bei dem Umstande jedoch, daß Hr. Adjutant T. auf de» Buch, lialter bei dem Lohne seines Geschwisterkindes, das verheiratet ist an der Fra» der Tochter deS EpeeerkiwaarenhäiidlerS, dcffen selige Frau Schwester mit seiner Schwester gut bekannt war, Einstuft übe» will — tauglich. I. in der Josesstadt, indifferent, den isr. Rächstenliebeverein öfter in Anspruch nehmend, wird vom Arzte untauglich, vom Direktor des RächstenliebevereincS D:. R., der zugleich DivisionSgencral zu Pferd ist, erklärt kur — tauglich. P. auf der Altstadt, vcrtaffmigSsckuvindsuchtig. hat jedoch bei »iner Kammer ein Gesuch eingcbracht, deffen Erledigung von der Tauglichkeit abhängt, ist — tauglich. V. aus der Altstadt, ivas denn der, der sißt in einer Cnltuseommistion — 4. tauglich. So geht es säet bis die Agitation» . Affentirungskommiffion die Asientinmg einstellt. Die Agitationsarmee bestehend aus Dok. toren. Hausmeistern. Kommis, Handelsmännern. Diurntiten, Amtsschreibern wird in verschiedene Treffen formirt. Jeder einzelne nimmt über sich wenigstrns zehn Mann mit Lack und Pack. Nun beginnt da» Manövriren von Hau» zu Haus, von Gewölb z» Gewölbe; wo nichts zu mißen scheint, wird von mehreren ein Sturmangriff gemacht, wo dieser nicht ausreicht, wird schwere- Geschütz aufgcfahreu, und selbst die Junkerpartei wird nicht verschont, sie muß niit ins Feuer, es fühlt sich ja der Herr S. geschmeichelt, wenn ihm der Herr von P., der sich das ganze Jahraus ihn nicht nmschaut, doch einmal die Ehre gibt, sein Gewölbe zll betreten, eS fühlt sich ja die sonst schlichte jüdische Bürgersfrau hochgeehrt, wenn der Herr von D. eiserner Ritter, sich einpfchlen läßt und der junge Herr K. ihr die Hand küßt und sie „meine Gnädige" titulirt, wo sollte es dann an dem Eiustuß fehlen, d-n sic aus ihren Gemahl ausübt. Wir wollen nun die verschiedenen Raketen anführcn, mit denen man die armen jüdische» Wähler beschießt, um die Größe der Keckheit zu bemessen, deren sich die jüdische Junkerpartei und ihre Lohndicncr bedienen. Es werde» vor Allem RccoguoScirungspatrouillen ausgcschickt. Munition, bestehend in allerlei Lügeubombe», Lchreckkartätscheu gefüllt mit UltramontaniSmus. Feudalismus, Raub der Gleichstellung werden mitgeführt. An Fouragc fehlt es nicht, Jeder nimmt den Mund voll. 1. Lieutenant (bei der Agitationslandwehr) zum Wähler: Der Herr Sch. läßt sich empfehle», Sic möchten ihn gefälligst den Wahlzettcl schicken. Wähler: Wer ist Herr von Sch.? Agit a t i 0 n s l i c n t e u a n t . Ich bitte — Herr von Sch., den sollten Sie nicht kennen? er ist ja auS der langen Gaffe. Wähler Ah! das ist der Sch., aber ich bitte Sie, wa» wollen Sie denn und waS will er, in feinem Leben hat mir der Mann nichts eingetragen, weil er vielleicht einmal eine Auszeichnung habcn will, deßhalb soll ich nach seinem Geschmack wähle», fällt mir nicht ein. Agitationslieutcuant: Run, ich bitte deS Hrn. von Sch. feel. Onkel hat eine Alterversorgungsanstalt gegründet und Hr. Sch. ist ja sein Reffe, warum sollte» Sic ihn nicht wählen, meint doch dieser, daß jeder, der ihn nicht wählt gleich in das Aitervrrsvrgnngshaus seines Onkel» wandern muß. 2. E i n ll n b e k a n n t e r, seines Zeichens Handlung»kom.

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