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Die Gegenwart · 1870-11-25 · 48 (25.11.1870) · p. Seite 421

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
48 (25.11.1870)
Date
1870-11-25
Page
Seite 421 (sequence 1)
Language
German
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SR«ti «lonnictfM« Prag» «»,,jährig fl. 5.— Halbjährig „ 2.50 viert«ljährig„ 1-80 Mil Poslzoseuduag: Gauzjädrig fl. 5.50 Halbjährig „ 2.75 vierteljährig,, 1.50 Für- Ausland r Sa»,jährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Jaserate werden billigst berrchaet. Die Gegenwart. Israelitische Wochenschrift stk politische, sociale und religiöse Interessen. Erscheint a« jedem Freitag. «rdaNiaa AtzM. »lflratia» Vr»G «ttttr,,fleNral408— 1 »adl» alle Briefe «. «rldleadaage, >, richte» stad. Zuschrlfte» »erde franco erdete». Mw »»skripte werde» hei Nichivrrwe»d»»g a»f vrrlangro jrdach »asrankirt znriicker. stattet. Prag 25. llorember 1870« Ul, Jahrgang. \\x, 48. Zwei Kandidaten der Jßsesftadt. Rach Ablauf der dreijährigen Wahlperiode im Stadtverordnttcnkollegium ist dießmal der bisherige Stadtrath Hr. Schwab an der Reihe, aus dem Kollegium zu scheiden, um der Ergänzungswahl zu harren^-auder er wieder hervorgehen soll oder nicht. Wir haben uns in unserem letzten diesbezüglichen Ar. tikel in Rücksicht auf die Feststellung eines Candidaten für die Iofejstadt ganz neutral verhalten, eS vielmehr den Wählern dieses Stadtviertels überlassen, selbstständig vorzugehen, wodurch wir uns gewissermaßen gegen einen Borwurs, ent« weder einseitig zu handeln oder mehr im nationalen Inter« esse zu wirken, schon im Borhinein gewahrt haben. Wie wir nun authentisch vernchmen und überdieß ein uns zugeschickter Wahlaufruf dafür spricht, haben sich bisher die meisten Wähler der Iosefstadt dahin geeinigt, ihre Stim* men nicht Herrn Schwab, sondern Hrn. Jur. Dr. Ludwig Bendiener zu geben. Zu diesem Zwecke wurde dieser von einer Anzahl Wähler aufgefordert, selbst zu kandidiren, hinterher jedoch wurde vou diesen Herr Gendiener, dem seine bekannte Bescheidenheit ein selbstständiges Auftreten nicht gebot, kandidirt und mit diesem Schritte das bisher an der Tagesordnung gewesene Diktat einer schon znm Ueberdruß gewordenen Clique zurückgcwiesen, die von einem Stadtverordneten Feuilleton. Eine Ordre de bataille. Erschrecken Sie nicht, Sie haben es hier nicht mit dem blutigen deutsch-französischen Kriege zu thun, den nicht allein alle Journale in langen Spalten besprechen, sondem auch bereitdie Spatzen auf bcu Dächern zuin Stoff ihres Gesprächemachen, ich erzähle blovon den Ezcrcitien und Manövern, die jedesmal einer Wahl vorangrhen, sobald efich handelt, einen Easinocandtbaten durcbzukämpfen. DaS Hauptquartier hat seinen Sitz iin deutschen Casino und die Inden sollen da- Groder Armer bilden. ES wird vor allem ein Generalstab gebildet, der die Aufgabe hat, den Plan zu entwerfen, daS Hauptaugenmerk wird ans die Juden der Alt- und auf die der Iosefstadt gerichtet. Die verschiedenen Brigadier- und Divisionäre werden in- Hauptquartier der», fen, um die Ordre de bataille zu empfangen. Einige von ihnen erheben Bedenken gegen die Stichhältigkeit der Landwehr, weil sie, in Friedenszeiten. unbeachtet von den Agitation-.Offizirrcn, nicht nur schief angesehen, sondern auch nicht einmal einer Salntirung gewürdigt werden. Die Obcrkommandantrn machen die Einwendung, es ginge nicht ander», wenn man seine Würde behaupten wolle, mehr politische-al-national ökonomische- Wirken verlangt hatte. Die Wähler kamen freilich erst spät, aber doch immer nicht zu spät zur Uederzeugung, daß der Posten eine» Stadtver« ordneten für di« Iosefstadt einen Mann erheische, der der» selben ei» wachsames Auge schenken würde. Wir geben un» mit der Kandidatur de» Dr. Bendiener schon deßhalb zusricven, weil sie als selbstständig behandelt, von dem Fortschritte der leider so lange Zeit an der Leine gesührten isr. Wähler jene« Stadtviertels zeugt. Ein andere» Interesse können und dürfen wir an dieser Kandidatur nicht haben. E» erübrigt nur noch zwischen Hrn. S bwab und Hrn. Dr. Bendiener die Unterscheidungslinie zu ziehe», um zu de« monstriren, ob ersterer den Abschied verdiene und letzterer würdig sei, gewählt zu werden. Ilm auf die Wirksamkeit de- Stadtrathe» Heu. S chwab zu kouiine», müßte man sich vorerst die Frage aufwerfen, was während seiner Amts Periode in der Iosefstadt Ersprießliches geschehen ist und ob diese überhaupt einen, einer Großstadt würdigen Aufschwung genommen hat. Wenn Herr Schwab die vielen Branntweinkneipen, den Sammelplatz so vieler Lästerseclen, die vielen Spelunken, die Residenz der Phryueu und die Schule der Prostitution, wenn er den Huugerthphns, der unter seinem stadträthlichen Auge auSgrbrocheu ist und viele weggerafft hat, als Beweise seiner Wirksamkeit aufzählt, dann hat in der Thal Herr Schwab Großes geleistet, uns scheint e» jedoch, daß Herr Schwab sich eben dckourch al» Stadtverordneter für ewige Zeilen unmöglich gemacht. Allerdings stellten II!■ -M. I ■■ und man brauche nicht Sorge zu tragen, 5afl die Inden für uns die Waffen ergreifen, wen» man die vielen Zwangsmittel kennt, die unS zu Gebote stehen, und die gehörig angcwendet, uns die Treue der Armee sichern. Ans Grund dieser Erklärung werden tu der Kanzlei de» Dr. R.. in der Wohnung deS Handelsmannes E.. der hochgebildeten, geist- und talentvollen Kanafaß-Brnder A, in der jüdischen EultuSre« präsentanz und an anderen Orten Wcrbliczirke aufgeschlagrn. Ju diesen wird, unter Zuziehung der Offiziersaspiranten. über dir Mittel berathen, die gegen renitenlc Wähler anznwcnden sind, und der Personalstarus geprüft, der die Aedettc zn bilden hätte. E» wird sodann zur Rachaffentirung der Zweifelhasten geschritten, der auch verfaffungstreue Doctore» der Medizin zngezogen werden. A. auf der Altstadt als Lredillheiinchmer der böhmischen ESkoinptebank — tauglich. P. in der Iosefstadt. natioiialgcsinnt bekannt, th»t nichts, als Schwager des stiftungsgrnießriiden B. — tauglich. S. auf drr Altstadt zeigt ivol von PerfaffnngSschwäche, genicht jedoch tn der Fabrik von P. einen respektablen Lredtt daher — tauglich. F. in der Iosefstadt, hat zwar de» einen Fub kürzer, souach er auf dem Boden der Be>faff»»g schlecht steht, liegt aber im Streite mit der Eultu-rcpräsentaiiz ivegen ritte» Theilhauses, di« zu seinen Gunsten entscheide» kann,— tauglich.

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