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Die Gegenwart · 1870-11-11 · 46 (11.11.1870) · p. Seite 410

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
46 (11.11.1870)
Date
1870-11-11
Page
Seite 410 (sequence 6)
Language
German
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410 Saft. Wir fotmntn übrigen* noch auf den Verein „Chanua* )u sprechen. %* Slerdefall. Ein eigrnthümlich tragischer Fall ereignete sich hier vor einigen Tagen, der nicht verfehlte, einen traurigen Eindruck zurückznlassen. Sr. Chrwürden Herr KreiSrybbiner Albert Lohn au- Raudnitz traf verflossenen Freitag zu Zwecke der Vornahme einer DauungSfunction in Prag ein. Ten darauffolgenden Sonntag nahm er auch den weihevollen Akt vor und Tagdarauf ereilte den sonst rüstigen Mann schon der Tod, während gleichzeitig seine Schwiegermutter in Raudnitz da« Auge für immer schloß. Gestern wurden die beiden Verblichenen zu Grabe bestattet. *«* Cin unterirdisches Gewölbe, so läßt sich die „Boh." schreiben, ist vergangenen Samstag in dem Keller des Hause- Nr. 78— 6 auf dem Dreibrunnenplatze on der Ecke der Würselgasse entdeckt wvrdm. Dian stieß im Keller de- Hause« auf eine von Holz und Humus bedeckte Steinplatte, hob dieselbe und sah, daß hier die Treppe in ein unterirdisches Gewölbe verschloß, welches aber fast ganz mit Wasser gefüllt war. Da- Wasser wurde ausgepumpt, in dem Gewölbe selbst aber weiter nicht« Besonderes aufgesunden, doch ist bei dieser Veranlassung die Behauptung aufgetaucht, daß doS Haus Nr. 78—5, welches übrigens gegenwärtig oberhalb der Erde ein ziemlich neuer Bau ist, früher ein Irfuitenklofler und eine Münzstätte drS Jesuitenordens gewesen sei. Dies ist eine ganz willkürliche und nicht zu de, gründende Vcrmuthung und die urkundlichen Nachweise über die» Haus in den städtischen Grnndbüchern Prag« bieten hiesür nicht den mindesten Anhaltspunkt dar. ES geschieht des Hausein den Grundbüchern zum ersten Male im 1.1611 Erwähnung, wo Jakob, auch Juda gennant, rin „spanischer Jude", dasselbe von Rabbi Bazare Weib Regina kaufte. ^Vielleicht ließe sich sicherftellen, wer Rabbi Lazar war und wann er gelebt hat. AIS benachbarte HanSbrsitzcr sind genannt Rabbi Ehaim und Hillel Polkin. Im Jahre 1652 überging es an die Brüder Fauber (?) und David Neugrvfchel Taust, von denen eö 1668 Jäckel Joseph Goldschmied, aber „ohne den Keller", kaufte; 1721 wird als Besitzer-Mordechai Löbrl Taust, genannt Schlcmcssin", angeführt. Gegenwärtig ist cS ein ThrilhauS. Eine warschein. kichere Vcrmuthung über die Bestimmung drS unterirdischen Gewölbes ist die, daß es zu dem Frauenbade, der sog. „Tuck", welches sich in dim anstoßenden Gebäude in der Würselgasse seit den ältesten Zeiten befindet, gehört hat. WaS die Sage von der Münzstätte betrifft, so dürfte eine Verwechslung mit dem gleichfalls auf dem Dreibrunncnplatze gelegenen Hause Nr. 76, einem architektonisch interessanten Bau aus dem 17. Jahrhundert, obwalten, wo sich in der That eine Münzstätte befunden hatte, als das Münzregal verpachtet gewesen war. V Am Privattheater ju St. Virla» wird am 20. Nov. zum Besten des EhristbaumsefteS des Vereins zum Wohle hilfsbedürftiger Kinder ohne Unterschied der Eonsrffion die Kaiser'sche Posse: „Eine Posse als Medicin" aufgeführt werden. *** Zweiter Lantor. Der Vorstand de» israelitischen Tempels hat dem RcgenSchorie desselben Herrn D. Rubin die zweite Eantorstelle verliehen. Ausland. Breslau, I. Novem. Gestern wurden der RabbinatScandidat Dr. Hermann E o h n aus Eidlitz (Böhmen), zu Grabe getragen, nachdem er einem längeren beiden, deffrn er sich in nnr allzugroßer Pflichttreue mit Beharrlichkeit zu erwehren suchte, endlich erlegen ist. — Herr Dr. Glaser wurde zum Prediger und Schuldirektor für Lipnik-Biala «it Aulamation gewählt. Herr Ludwig Kahn ist al- Adjunct de» KirchrnrathS Dr. v. Mayer nach Stuttgart berufen worden. (Ist. W.) Königsberg. 1. November. Der Kaufmann Bloch von hier, Gutsbesitzer Wedel Absintfcheim und Kaufmann Leop. Perl» aus Danzig (Bruder de» hiesigen Privat-Docenten) sind zu Offizieren ernannt. Die Soldaten Cohn und Bank von hier haben das eiserne Kreuz erhalten. Alle Genannten sind Juden. (Jsr. W.) Hamburg. DaS Testament der am 2. October Hierselbst verstorbenen Frau Friederike geb. von Halle, de» Herrn I. A. von Halle Wittwe. enthält folgende Legate zu Gunsten hiesiger milder Stiftungen: Beo. M. 100,000, für die I. A. von Holle-Stiftung, Beo. M. 5000 für die Mädchenschule der israelitischen Gemeinde, Beo. M. 5000 für die iSr. Mädchenschule von 1798, Bco. M. 5000 für das Paulinenstift (Waisenhaus für israelitische Mädchen), Bco. M. 5000 für die israelitische Freisckule, Bco. M. 2000 für da» Krankenhaus der deutsch-israelitischen Gemeinde, Bco. M. 1000 für die allgemeine Armenanstalt, Bco. M. 1000 für die Taubstummenanstalt für Hamburg und das hamburgiche Gebiet, Bco. M. 1000 für die Blindenanstalt von 1830 Bco. M. 500 für das Pestalozzi Stift, Bco. M. 500 für den Verein zur Bertheilung von Feuerung an israelitische Arme. Bco. M. 500 für den Verein der jungen iSr. Armenfreunde zur Vrrtheilung von Brod und Suppe, Bco. M. 500 für den Stipendien-Vercin für iSr. Studirende, Bco» M. 500 für die Eduard Klei-Stiftung, Bco. M. 500 für das Paulsen-Stift und außerdem eine Reihe von-Legaten für Verwandte und Freunde der Verstorbenen. Die Erblasserin bestimmt ferner, daß auch der Rest des NachlaffeS, über den sie keine Verfügung getroffen, an die I. A. von Halle-Stiftung falle. Diese von der Legatarin im Jahre 1868 zum Andenken an ihren verstorbenen Mann mit einem Capital von Bco. M. 50,000 und jetzt mit einem Legat von Bco. M. 100,000 bedachte Stiftung hat den Zweck, hiesigen Einwohnern, ohne Unterschied der Confeffion, welche eine Mieihe von Crt. M. 300 jährlich zahlen, zinsfreie Vorschüsse zu gewähren. Da» Capital, über welches die wohlthätige Stiftung im Laufe der Zeit zu verfügen haben wird, dürste eine sehr namhafte Höhe erreichen. Jerusalem. Sir Moses Montefiorc hat auf die verflossenen Feiertage den 17 Einwohnern in den von ihm errichteten Freiwohnungen 600 fl. überschickt. Der verstorbene David Solomon hat ein Legat Hintersassen, dessen Zinsen für die Armen im heiligen Lande bestimmt sind. Die ersten jährlichen Zinsen im Betrage von 720 fl. kamen jüngst zur Bertheilung hier an. Herr David Reis ließ anf die Feiertage 1000 Rubel auStheilen. (Habazele'h.) Tiflis. Herr Josef Tscharni hat nunmehr seine Reisen nach den kaukasischen Ländern und dem Araratgebirge beendet und berichtet im „Hamagid" über seine erzielten Erfolge an die „All. ISr."; besonders hebt er darin hervor, daß e» ihm gelungen, daß die höchsten griechischen und armenischen Kirchenfürsten Hirtenbriefe an ihre Religionsgenoffen gerichtet, in denen diese aufgefordert werden, nicht mehr an die Verläumdungen gegen die Juden, als hätten diese zur Bereitung ihrer Mazzoth Christenbluth nöthig, glauben und überhaupt in Frieden und Eintracht mit den Juden leben sollen. Herr Tscharni verspricht sich von diesen Kundgebungen die besten Resultate. Kriegs-Skizzen. Verlustliste jüdischer Soldaten im deutschen Heere. (Fortsetzung). Schlacht bei Saarbrücken. 6. August. (Hannoversch. Juf. Reg. No. 77) Sec. Lieutenant Moritz Jacobsohn, leicht verwundet, Schuß in» Gesicht. Füst

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