Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 46 (11.11.1870)
- Date
- 1870-11-11
- Page
- Seite 408 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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kümmern, ohne sie genau zu kennen, nilymt das famose Or« m pif Heißhunger jede Dcnuncialion audem jüdischen Wttndehüuse entgegen^ die ihm von einem kultuellen MüsiägLoqer ÜKekbr'acht wird. Dajüdische Organ für deutsche Wessen iy der Ueberzeugung, die verfaffung-trcue Partei Nsekze mü der Zeit zusammen, will sich wenigstendje lüden defünften Viertelretten, von deuen da-Sein oder tchkfein der Verfassung abhängig gemacht werden soll. B. Zur Reform Leo Iudeuthums.; . 1 „Eovfrffion-losigkett, die jetzt hie und da auftaucht, ist rin Zeichen der Zeit, eine Mahnung an die Häupter der VhNagogt, die dringende Reform nicht muthwiUig zu verzögern" mit diesen ernsten Worten tritt die „Neuzeit" vor j da- Forum de- Judcmhums. Die „Nzt." begnügt sich aber l lischt mit der einmaligen Aufforderung, sic wiederholt sie im- I tflft eindringlicher in jedem Blatte, auf jeder Seite; der l Tr-pfen Nlüß ja endlich doch den Stein au-höhlen. In er- I sier Reihe sollten eigentlich die au- Israel- Gemeinschaft hervorgegflngenen Constffionslosen und Jene, die auf dem Wege dahin begriffen sind, diese Aufforderung beherzigen ujtd tnüthig Hand an- Werk legen, da ja zunächst ihnen zu Bebe die Reform bewerkstelligt werden soll; wir könnten aber lange und lange warten, bisie diesen Gegenstand in Veralhung ziehen und zum Abschluß bringen, daher wollen wir. diese Mahnung in Betracht ziehen, auf die Zweckmäßigkeit der Reform eingrh-'n und wenn wir diese finden auch sofort mit rinstilumen. Sollen wir jedoch der Aufforderung der „Nzt." willig nachkoiumcn, so wird sie uns schon erlau» hcn vorerst einige Fragen vorzulegcn, mit deren Bcantwor' tUng wir unbeschäftigen müßen, um auf die Bahn der Reform zu gelangen. I.^WaS drängt zur Reform? 2. Wer sind die Häupter der Synagoge, die mit dem Reformwerk sich befaßen sollen? 3. Worin soll die Reform bestehen? Die erste Frage: was drängt zur Reform? hat eigent. lich die „Neuzeit" schon im vorhinein beantwortet; eist vorzüglich die EonsrßionSsosigkeit, die allmälig ihr Haupt erhebt und ihr Unwesen treibt, da soll man vorbcngen, daß sie nicht fruchtbar werde und sich vermehre, und die „Nzt." erblickt in einer Resormirung de- JudenthumS dabeste Mittel, dieser Fortpfianznng und Ueberhandnahme der ConsrssionSso läßt sich dasselbe bchauptcn, wcim sich die ©elfter in einer Sphäre begegnen, wohin da» Interesse der Engherzigkeit nicht zu dringen vermag. Rur in der Mitte zwischen der Gemeinheit und der sübljpikn Denkkraft verstehen die Menschen einander nicht mehr. Daß allerdkng» vom Allgemeinen zum Gemeinen der Sprung nicht weiter ist, al» vom Erhabenen zum Lächerlichen, und daß de her auch da» Spiel zum Laster werden kann, geben wir gerne zu. R lt darf man den Werth de» Spiele» für echte Civilisaticn auch ni ht unterschHjikn. Jedenfalls wird man erkennen, daß da» Schachspiel den von Menschenhaß und blödsinnige» Vorurthcile verfolgten und gepeinigten Juden de» Mittelalter» den Verkehr zwischen dem Ghetto Und des Außenwelt, zwischen den Opfern de» Fanatismus und dry Hopdhadkni der Gewalt vermittelte. Wie mancher scharfsinniger Schachist rettete durch eine einzige Partie da» Leben von Hunderten seiner. GlanhenKgenosie». und wie häufig bot da» Brettspiel Gelegcnheit. die hohe Begabung der verachteten Paria» kennen zu leriien I Fand doch selbst ein Lcsiing »och seinen Mendelssohn am Schachspiele, und wer wird e» daher unserem Barabun verübeln, daß er stknen Sohn nicht früh genug mit dem einzigen Mittel, sich al- Mensch zu documentiren, bekannt machen konnte. (Fortsetzung folgt) losigkeit Einhalt zu thun, wie Pharao einst die Ausbreitung der Juden zu hintsrtreiden suchte, nur mit hem Unterschiede, daß dieser rmit Erschwerungen aller Art durchsetze« lposist, die „Nzt." hiugegey tnit Erleichterung aller Art ihr Project versizcheu will. Die „Nzt." hat aber selbst proclqmirt: Religion ohne Eonsessi-n hat niemand, weil jede religiöse Htze» ihren Ausdruck sucht. Wenn also Jemand sich confession-lyS erllärt, so erklärt er sich damit religionslos, und «ach der „Rzt.^ selbst, geisteskrank, und da glaubt sie im Ernste mU einigen Reformen solche Geisteskranke zu heilen, solchen „Geruchlosen" wieder Geruch zuzuführen? Sollen wirllich solcher „Narren" wegen, denen selbst jede- Pietätsgefühl af.>* Hauben gekommen, heilige Institutionen, an denen unzählige Juden mit aller Pietät noch hangen, mit allen Fasern mit ihnen verwachsen sind, entwurzelt werden, damit auch den Pietät-vollen die Pietät unterbunden würde? — Wir stimmen mit der „Neuzeit" überein, daß die Ecklärung der Confeffionslosigkeit eine Apostasie sei. wir stimmen ihr aber nicht zu, daß eine solche Erklärung so viel sei als eine Taufe; denn sie ist noch mehr, noch schlimmer. Die ftü- Hern Coiivertiten werden nach MaimonideS bloS als paröS onoia betrachtet. Man hat auch sehen können, wie sie sich quälen und drücken ließen, lrnge und lange mit sich kämpften und Vieles daran setzten, um nur diesen Schritt nicht thun zn müßen; erst dann, wenn sie keinen Ausweg mehr hatten, wurden sie schwach und gingen über; sie hatten keinp solche moralische Festigkeit, besaßen keine solche Selbstverleugnung, um die Aussicht auf eine ruhige, gesicherte Existenz fahren zu laßen, im Herze» aber blieben sie Juden, sie sag, teil sich ja nicht gerne loS vom Judenthum und die Heuchelei des UcbcrtritteS suchten sie zu entschuldigen, daß man sie durch die bürgerliche Beschränkung und AuSnahmöstellung zu solcher Lüge und Heuchelei zwang. Könnte man jetzt eine Erklärung der Confeffionslosigkeit auch noch als ein paN’n1? löio betrachten. Alle Beschränkungen sind gefallen und eine solche Erklärung ist ein fälliger Abfall vom Glauben, nicht bloS ein äußerliche- Lossagen, von den Verhältnissen gedrängt, sondern ein gänzliches Lo-rcißen vom Judenthume, mit dem man gar keinen Anknüpfungspunkt haben will, voy dem auch da- Herz sich abwendet. Wer gar keine Sprache spricht, wie die „Nzt." den Confession-loscn darstellt, mit dem ninß A. B. C. angefangen aber nicht in Metaphern und Symbolen gesprochen werden, für die er um so weniger Berständniß hat. Wakönnen da Reformen nützen? ES müßten erst, viele Experimente angestellt werden, die Gcrych-- organe der „Geruchlosen" zu afficiren, und wer weiß noch, ob ein Experiment gelingt, und um diese- Zweifelwillen sollen wir unsere Blüthen ihren Duft verflüchtigen laßen? Wer weiß, ob wir dann nicht für diese neugeschaffeuen Gerüche selbst geruchlos werden. Nein, da- Schrcckbild der Con« fesiionslosigkeit drängt wahrlich noch nicht zu Reformen, weif die Zweckmäßigkeit sich nicht Herau-stellt. ES sind aber noch andere Zeichen der Zeit, sagt die „Nzt.", die nach Reformen, schreien, diese wollen wir bei der 3. Frage besprechen; jetzt! wenden wir unS zur 2. Frage: Wer sind die Häupter der Synagoge, an welche die, Mahnung gerichtet ist, sich mit der Reform zu beschäftigen? Sind edie Rabbiner allein? Nein! Im Judenthume gibt eS leinen geistlichen Stand, dessen Au-spruch maßgebend für Alle wäre. Der Rabbiner ist nur die Autorität und da- Organ seiner Gemeinde, die ihm da- Vertrauen geschenkt. Sinh, cdie Vorstände der Gemeinde? Auch nicht! l. haben sie nur für die Administration und nicht zur Entscheidung in, rein religiösen Dingen ihr Mandat von den Gemeln-en; 2. wie viele Vorstände werden bei all ihrer Tüchtigkeit uyd. bet all ihrer vielseitigen Bildung dennoch gestehen, daß sie in rein religiösen Angelegenheiten sich kein UrtheN erlauben, dürfen und viele wieder, die sich ewohl erlauben würden, ohne eS zu verstchrii. — ES sind also die Gelehrten Israel-, die Männer der Wissenschaft ohne Unterschied, ob. sie. ein Amt bekleiden oder nicht, die zusaimyentreten uisdie Reformen in- Leben rufen solle»; nuy dieist ja schon ost