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Die Gegenwart · 1870-11-11 · 46 (11.11.1870) · p. Seite 407

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
46 (11.11.1870)
Date
1870-11-11
Page
Seite 407 (sequence 3)
Language
German
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407 Ist, eine solche Schule zu errichten oder nicht. Auch muß es sehr auffallend erscheinen, daß Dr. Wiener, als Vertreter der jüdischen Lonfession im t. k. LandeSschulrathe, über eine Schule referirt hat, die er im letzten Augenblicke alconfes. fiontloS aufgefaßt hat. Nun damit hat eS eine ganz andere Bewandniß. Dr. Wiener so wie dessen Assistent Dr. Roudnitz,'beide wiffen so gut wie der eiste beste Schuljunge, daß die Jvsesftüdter Schule eine Judenschule ist, um deren Fort, deftond ihnen weniger zu thun war/ als vielmehr dem Stadtrathe Opposition zu machen. Wie nun diese durchführen, um die Regierung für sich zu gewinnen, das honette Mittel war gesunden. Begründung konfessioneller Schulen steht im Widerspruche mit den Staatögrundgesetzen, nun wußte man die Jvsesftüdter Schule flugs zu einer evnfeffionölosen Schule zu machen, ohne hiesür die Begiündung zu haben. Allerdingkoni man jetzt erst darauf, daß die isr. CultuSrepräsentan; vem Jahre 1851. mit der der Vertrag abgeschlossen war, nicht im Sinne der Präger Jsroelitengemeinde handelte, allein jetzt ist zu spät, so wie einst zu spät sein dürste, einzusehen. daß die gegenwärtige isr. CultuSrepräsentanz nicht im Sinne der Jsroelitengemeinde handelt, wenn sie durch Krakehlsncht, Hetzereien und allerlei Dlmouftrativnen allgemeinen Aerger erweckt und nur Haß und Zwietracht sät. Der Laie natürlich hält die beiden Doktoren für juristische Akrobaten und jeden ihrer Gewaltstreiche für einen Geniestreich, waS Wunder dann, wenn jedes Husarenftückchen dem heiligen Geiste der beiden Cäuliäihe zng'schrieben wird, daS im Grunde genommen, jeder Mundant treffen müßte, wenn er als Verfassungstreuer im k. k. Landesschulrath fitzen würde. Die natürliche Folge deS politischen Far» benspieleS bleibt nicht aus, denn Hütte der Stadtraih, wir wollen von jedem Vertrag absehen, den Beschluß gefaßt, in der Josesstadt eine deutsche Schule zu errichten, flugs hätte die jüdisch deutsche Clique dem Stadtrath Opposition gemacht, weil er sie nicht in der Mitte des Alftädker Ringes gesetzt hätte. Und wie wol die jüdische CultuS - Repräsentanz auf die Auflaffung der Jofefstädter Schule und auf die Penffonirung der an derselben angestellten Lehrer aus Cultusmitteln gefaßt war, WaS wir sehr oft aus dem Munde ei- Geheimstube auf dcm Söller, wo drei Spiegel standen, welche ihm die Zukunft in Bildern enthüllten, und befragte sie um das koi». wende Schicksal des Neugeborenen. Da blitzten alle drei im hell, fien Lichte auf. Der eine zeigte ihm den Sohn al- Jüngling vom Weisheitsglanze uniflosien; der zweite den Mann, wie er auf dem Throne sitzt, ein Diadem um die Stirn; der dritte zeigte den Greis im Bußgewande, daS Haupt vom heiligen Glorienscheine umstrahlt. Da nannte Barabun seinen Cohn Elchanan, d. i. Theophil oder AniadeuS, zu Deutsch Gottlieb, Liebling GotteS. und bald be. währte sich an dem schonen, aeiflvvllen Knaben die Propbezeiungdes Spiegels. Elchanan, daS Wunderkind, war daS Tagesgespräch zu Mainz, und selbst zu deS Bischofs Ohren drang der Ruf deS jungen Barabun. Der Bater ließ sich - nicht nehmen, seinen Cohn selber in die Hallen der Wissenschaft einzuführen, und erschloß dein Knaben, sobald dieser sie zu fassen vermochte, die Geheimnisse des— Schachspieles. Doch hier müssen wir die Erzählung unterbrechen, um dem weniger eingeweihten Leser die eulturhistorische und sociale Bedeutung, die dem Schachspiele in alter Zeit beigelegt wurde, verständlich zu machen. Das Spiel im Allgemeinen hat eine weit höhere Misfion ini gesellschaftlichen Leben, als bloS die Arbeit obzulösen, die Erholungsbedürftigkeit zu befriedigen und den Geist im angeneh. mer Weise thätig zu erhalten. Am klarsten wird uns die moralische Erhebung, die das Spiel zu gewähren vermag, an der Art, wie Friedrich II. König von Dänemark, es richtig aussaßte, so oft er daran ging, sich zu erlustigen. Er warf nämlich den königlichen Mantel ab und sagte: „Nun laßt unS Possen treiben, weil der König hinweg ist.* Hatte er des Spiels genug, schwang er den Mantel um die Schultern und sprach: „Hollah, jetzt heißt'» ruhig sein, der König ist wieder da.* — Im Spiele tritt da» reine Menschthum aus allen Zuthaten, womit Berus, Rang, Stellung und sociale Ordnung et verbarricadiren, wieder hervor und hebt Niger Repräsentanzmitglieder zu hören bekamen, ist fle im letzten Augenblicke zu der despotischen Logik gelangt: „Der Stadtrath ist wol in seinem Rechte, weil er nun im Rechte ist und wir im Unrechte sind, ergo muß der Stadtrath im Unrechte sein und wir müffen Recht haben.* Alsbald wurden die geeigneten Persönlichkeiten hervorgeholt, die den Muth haben, mit einem Zündhölzchen einen großen Brand zu stiften. Wem bleibt denn nicht die, in der am l. Mär; 1870 stattgebabten öffentlichen Sitzung der isr. CultuSrepräsentanz abgespielte unwürdige RefignationSkomödie des Dr. Raudnitz im Gedächtniß, der zu se:...r Schande, selbst eingestanden, „für den Bezirksschulrathposten sei mehr eine vermittelnde eoneiliatorische als eine streitige Natur nothwendig.* Nun sieht man denn doch, wozu eiue streitige Natur, wozu die Assistenz eines höchst unbeliebten Individuums noth« wendig ist. Die lüdischen Carbcnari können nur solche Elemente brauchen, ein gerechter unparteiischer würde kaum sich ihr hergeben, Schci gendienfte zu leisten. Darum braucht Ihr Herren eine „deutsche Schule," weil Ihr mit diesem Worte gut und sicher heute anzukommen glaubt, trotzdem Ihr wol wisset, daß es keinem deutschen Christen einsollen würde, sein Kind in Cure Schule zu schicken, übrigens etwas geringeres als eine Schule, wir meinen den Platz, wohin Cure Akten gehören, gebe Euch auch Stoff zu einem Rechtsbruche. Und diesen Rechtsbruch billigt das famose jüdische TageSblatt für deutsche Jntereffen, welches aus dem gerechten Vorgänge des StadtratheS politisches Kapital schlägt; um sich nur vor seinen Auftraggebern, deö Vorwurfes zu entledigen, nichts Ordentliches für seine Partei zu leist.n als nur zu schimpfen und zu brülle», muß es knapp vor den Wahlen mit einer Dose Lügenessenz getränkt werden, um darin alles, waS nicht nachdem Pfiffe der, jüdisch deutschen Clique tanzt, zu ersäufen. So sucht das von verfassungstreuen Knalleffekten über« strömende Organ nach so vielen an den Juden durch Hetz- und Schmähartikel begangenen Sünden immer vor den Wahlen mit Heuchlermiene die Juden in Schutz zu nehmen, zu dem einzigen Zwecke, diese der Bevölkerung verächtlich zu machen. Ohne sich sonst um die Verhältnisse der Juden zu alle künstlichen Unterschiede der Stände für eine kurze Weile auf. Das Spiel, sei e' Zufalls., Verstandes- oder Kraftfpiel inacht alle Spieltheiluehiner gleich, sie Alledem (Sitten Gesetze unterwerfend, derselben Macht unterstellend, und läßt keinen anderen Vorrang gelten, als den die eigene phisische oder geistige Kraft denc Individuum von Natur aus verliehen hat. Die Spiele galten daher immer als wirksam gegen die spröde Abschließung und separatistischen Gelüste einzelner Stände und Familie». Co fanden die Griechen in ihren olympischen Spielen ein Band, da» sie umschlungen hielt und die Eifersnchteleieir^miter den Hellenen verscheuchte. So war es Der Kampf der Wagen und Gesänge, Der aus KorinthuS Landesenge ‘ Der Griechen Stämme froh vereint. Und so war eS im Mittelalter, das die ganze Menschheit nach Zünfte» und Innungen nnmmerirt IJnttc und sie in ein Aggregat von partieularistischen Stünden zu) zersplittern drohte, da» edle Schachspiel, welches die schroff gevenübeestehenden Kreise näher brachte. Im Schachspiele, das der rctize, von allen Rücksichten der Coeietät losgeschälte Menschenverstand beherrscht, kommt da» Be» wußtsein der Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit zum Durch, bniche und dämmert die Ahnung Hera», daß e» eine Humanität gebe, die keinen jener künstlichen Unterschiede zwischen Menschen und Menschen anerkennt. Im Schachspiel ist eine Pasigraphie wie in den Ziffern und Zahlzeichen gegeben, eine Schrift, die allgemein leserlich ist und die sich frei von ollen Einflüssen der trennenden Nationalitäten, Confessionen und Rangstellungen erhält. In dieser objeetiven Uebung de» reinen Geiste» finden sich die Menschen alle gleich, wie in der Entartung und Gemeinheit, und wenn Heine richtig sagt: „Selten habt ihr mich verstanden. Selten auch verstand ich euch; Nur wo wir in Koth uns fanden. Da verstanden wir uns gleich* — 46*

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