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Die Gegenwart · 1870-10-04 · 45 (4.10.1870) · p. Seite 398

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
45 (4.10.1870)
Date
1870-10-04
Page
Seite 398 (sequence 2)
Language
German
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398 rer Herrschaft gestiftet, wie sie nicht nur den politischen, son. dern auch den nationalen Hader provocirt und genährt hat. so ruft ihre bisherige Thätigkeit nur die größte Entrüstung hervor. Die Clique lebt ja nur von Zwist, so dieser aufhört, hält sie sich verloren. Und in der Thal, will sie eher den Ruin de- Vaterlandes, bevor von ihrer Suprematie ein Iota abzugeben. Was von ihrem ehrlichen Oesterreicherthum zu halten ist, davon spricht ihre Haltung im preußisch-französischen Kriege zu deutlich. Hatte nicht oft die hippokritische Bcrfassungstreue der Großmogule des deutschen Casino's glauben machen können, diese streben die Consvlidirung dcö Reiche-, die Einigung und Kräftigung desselben an? Nichts von alle dem. Eine verfassungstreue Hand hot die andere gewaschen, alle Ehrenämter und einträglichen Pfründen sind den politischen Werlelmännern zugefallen und darum hielten und halten sie noch die Fahne der Verfassung hoch; so bald diese sinkt, sink» ihr Muth, ihr erheuchelte« Oesterreicherthum. Ma» terieller Nutzen ans der Verfassung, daist der Anfang und da- Ende vom verfassungstreuen Webe. Diese Opportunitätspolitik unterwühlt den Boden deganzen Reiches, daeinem politischen Vesuv gleicht. Wer e« jedoch ehrlich mit unserem Baterlande, wer eS ehrlich mit Oesterreich meint, der kann unmöglich das deutsche Casino zum politischen Wegweiser nehmen und dem Unkenrufe seiner egoistischen Matadore folgen. Und über kurz oder lang muß die Katastrophe hereinbrechen und nur ein politisches Sedan der Casinopartei kann den Sieg des Vaterlandes bedeuten. Zu ihm führt Beharrlichkeit und Vaterlandsliebe. Wird unser Vaterland wieder in seine Rechte eingesetzt, wird seine Würde jn dem österreichischen StaatSkörper vollends zu Ehren gebracht werden, dann wird ihm Heil und Segen erblühen und der glückliche Böhme wird auch ein wahrer Oesterreicher sein. Darum Israeliten, schließet Euch der Nation an, kämpfet mit für ihre heilige Sache, deren Segnungen auch Ihr genießen werdet. Der Kampf um die Iosefstädter Schule. DaS k. k. Unterrichtsministerium hat in Angelegenheit der Iosefstädter Schule im Sinne de- LandeSschulratheS, der den Beschluß des StadtratheS wegen Auflasssung der Iosefstädter confeffionellen Schule sistirte, somit für Aufrechterhaltung derselben entich eben, wogegen der Stadtrath als Vertreter der iStadtgemeinde auf Grundlage eines zwischen der israelitischen Cultu «gemeinde und der Präger Hauptgemeinde bestehenden Vertrages sich nicht beirren läßt und die in demselben vom 6. Iuü 1860 vereinbarten Rechte und Verbindlichkeiten keine Aenderungen erleiden, vielmehr in ihrem ganzen Umfange aufrecht erhalten bleiben. Die Stadtgemeinde ist ihrer Verpflichtung, wonach sie die Erhaltung der Iosefstädter Schule, vom 1. November 1851 angefangen, bis zu der ihrem Ermessen anheim gestellten Zeitpunkte in eigener Regie übernommen, vollen« nachgekommen, sie hat ferner da« an jener Schule angestellte Lehrpersonale noch durch zehn Jahre d. i. bi« Ende dem Könige von Baicrn wird angetragen werden, da dessen Trup. pen in diesem Kriege bei allen Schlachten und Gefechten den Aus - schlag gaben und nur sie cf waren, die immer zu rechten Zeit eingriffcn und den Sieg an die deutsche Fahne feßelten. DaS ist uicht so auS der Luft gegriffen, meinte Einer, alS man dieser Wahrsagerei mit ungläubigem Kopfschüttrln begegnete, nicht umsonst würde die Köln. Ztg. jetzt in einem Artikel „Der Zustand der deutschen Armer" die preußischen Truppen biS in den Himmel erheben, ihre Zucht und Ordnung über alle Maaßen anpreisen und den Baiern vorwerfen, daß sie den Dienst auf etwas lockere Weise betreiben, daß sie und ihre Officiere voran, in ein Ouarticr eiligerückt, zuerst effcn und trinken und sich eS recht trequem machen und denken erst dann an ihre Waffe». Montur und Pferde; ja. man legt ihnen sogar ihre Maroden und Kranken u,r Lall wiewol selbe nur daber rühren mögen, weil sie in fcfc angestrengten Eilmärsche,» hcrbeieilen mußten, um den Sieg zu erringen. Hingegen wird den sächsischen Truppen, da man das kleine Sachsen alS Mitbewerber der Kaiserkrone nicht zu fürchten bat. alles Lob erlheilt und zwar nur darum, weil eS „glücklicherweise,, in militari, scher Hinsicht ganz unter Preußen steht. Einerlei für uns Oesterreicher, sagten Andere, wir schließen allenfalls Allianz mit Preußen, obgleich eS »US aus Drutschlnnd delognte. 3. Hirsch -bat und wenigstcns drei volle FricdrnSjahre prophereiht; wenn »ns auch dann Preußen wieder hintcrS Licht führt, so zeigen wir der Weit doch unseren Fortschritt, da wir »nS jetzt erst nach drei Jahren von Prcußen dupiren lasten, ivährend wir nach dem dänischen Krieg von Preußen schon nach zwei Jahren dupirt wurden. Es ist kein z» großer Sprung, wenn wir vom KriegSschauplatze auf de» Artikel „Metaphisik deS Krieges" zu sprechen kommen. Dieser Soldat, da» muß man sagen, versteht zu recognoSciren; nur hätte er »och einen Schritt vorwärts, eigentlich rückwärts thun sollen, bis zu KainS und Abel» Vater, da hätte er die „Urquelle dieser Geißel der Menschheit" entdeckt. Den ersten Krieg finden wir im Mensche» selbst. „Nicht streiten soll mein Geist im Menschen für immer" spricht Gott, so berichtet un« die Bibel eine Seite weiter im Innern des Menschen ist der erste Streit, da lauert der Feind unaufhörlich und von Innen wird der KriegSschauplaß »ach Außen fortgepstanzt, Wäre i», Innern der Menschen heiliger, unverbrüchlicher Frieden, eS würde nie zu einem Kriege nach Außen kommen, (s. Targum Jeruschalmi z. St. auch Religionsphilosophie v. Dr. S. Hirsch ö. 114 Wir wollen aber auch diesem H. RecognoScirenden sagen, daß er nicht der Erste auf dieser Fährte ist. er befindet sich dabei in guter alter Gesellschaft, in Gesellschaft deS Midrasch Rabba. Im Kapitel 22 heißt eS dort: Weshalb haben Kain und Abel gestritten? Sie sagten zu einander, wir wollen zwischen un» die Welt theilen. Da nahm der Eine den Boden, der Andere daS Bewegliche in Besitz. Nun fing der Streit an. Jener sprach: Der Boden auf welchem Du stehest, gehört mir! gehe weg aus meinem Gebiete — und dieser sprach: Alles, womit Du bekleidet bist, ist mein, lege eS ab; während deS Streites schlug Kain seinen Bruder todt. Die „Presse" brachte unlängst einen Auszug au» dem Bortrage des Proffessors Hyrtl, in welchem derselbe beinerkte, daß die Scheu vor dem Secircn der menschlichen Leichnahme, die man bei allen Bollern vorfand, von dem Gedanken deS FortlebenS nach dem Tode herrührte. Da der H. Professor auch die Gebräuche der Juden bei der Bestattung der Todten schilderte, so hatte er wahrscheinlich bei ihnen auch dieselbe Ursache vorausgesetzt. Wir wissen nicht, ob die Annahme des H. Pr. bei den andern Böllern begründet sei, so viel aber wissen wir, daß bei den Juden die Scheu vor dem Scciren keineswegs auf dem Gedanken deS FortlebenS nach dem Tode beruht, sondern einzig und allein auf Achtung vor dem Menschen selbst nach seinem Hinscheidcn. Wir finden die« ausdrücklich im Talmud. 63 wird dort die Ansicht, man könnte die Sicherstellung, daß der Ermordete in voller Lebenskraft war, mittelst Sccirung darthun, abgcwiesen mit den Worten KSnjö Kl man würde dadurch den Leichnam schänden; eS ist also nicht der Gedanke des FortlebenS nach dem Tode, der die Scheu deü Secire ns erregt. (Forsetzung folgt) Esther II- Die in Bälde bevorstehende Aufführung de» Drama» „Die Jüdin" von Walter Lindau auf der Bühne de» deutschen Lande«» theatcr» macht eS gewiß dem Leser erwünscht, die Geschichte kennen zu lernen, der der Verfasser den Stoff zu seinem Drama entlehnt hat. Wir lassen sie hier folgen, wie sie nach Kraushaar'» in polnischer Sprache verfaßter Geschichte der Juden in Polen von Dr. M. 3» zusammrngestellt ist:

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