Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 45 (4.10.1870)
- Date
- 1870-10-04
- Page
- Seite 397 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wt«» afotniirtfMT Vra»r •Wiirtrii fl. 5 — Hlbjährig „ 2.50 virrleljährig,, 1.80 Mit Postznsenbnng: Gsnzjährig fl. 5.50 Hnldjährig „ 2.75 vierteljährig,, 1.50 Für- AuSland r Ganzjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate werde» billigst berechnet. Die Gegenwart. Israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Jutereffen. «Erscheint an jedem Ireitag- SftlaftiM «. Kl«(> «istratian frtj, Mtttrgaffevr,. 408—1 w»hi» aste (triefe n. Geldsendnnge« ,, richte« sind. Anschriften werde, sraneo erbeten. Rn. nnslripte werde» bei -iichtvrrwendung ans Verlangen jedach nnsrankirt znrücker, stattet. Vr. 45. Prag 4. November 187V. III♦ Jahrgang. Die böhmischen Israeliten vor den Nrichsrathswahlen. leit sich vorausbestimmen läßt. Da dieser Schachzug bei den Israeliten nicht zu erwarten ist, so ist auch anzunehmen, daß sämmtliche israelitische Wähler, mit Ausnahme der von den Am Borabende der Wahlen in den Wiener Reichsrath, die morgen die Gruppe der Städtebezirke und die königliche Hauptstadt beschäftigen, ist eS an uns, an die Israeliten unseres Bater'andes ein beherzigendes Wort zu richten, bevor sie zur Wahlurne schreiten. Haben wir unsere GlaubenStenossen zu öfteren Malen schon über die von der oentschen lique eingeschlagenen Richtung, über deren AuSgletchSschcu aufgeklärt, so erübrigt uns nur noch heute die friedliche Hal- ^tung der böhmischen Israeliten bei den letzten LandtagSwah- 'len in Erinnerung zu bringen, die zum schlagendsten Beweise wurde, daß die Israeliten mit der Politik des deutschen Eaj sino's nicht einverstanden sind.! ES unterliegt gar keinem Zweifel, daß, um nach den! letzten Wahlresultaten und der gegenwärtigen Constcllation zu urtheilen, die nationale Partei auch diesmal siegreich hcrvorgehen werde; im Hinblicke darauf, würden die Stimmen der wankclmüthigen israelitischen Wähler nicht maßgebend er scheinen und diese nur zu ihrem eigenen Fiasko beitragen, wenn sie sich zu einer bereits angekränkelten Eotterie schlagen würden, deren Schlappe fast mit mathematischer Gcnauigeinzelnen Casinodirigentcn abhängigen, ihre Stimme dem nationalen Candidaten geben werden, um so ihre friedlichen Bestrebungen neuerdings zu mavifestiren und sich der Anerkennung der böhmischen Nation zu vergewissern, die allerdings höher zu schätzen als das Odium des deutschen .Easino zu fürchten ist. daS der eine oder der andere Israelite mit der Wahl nach seiner Ueberzeugung, auf sich zu laden glaubt. Kein böhmischer Israelite wird sich der Täuschung hingeben, daß daS politische St.wergcwicht und die Entscheidung über daS Wohl unseres Vaterlandes im deutschen Easino zu suchen sei, welcher Israelite also dessen Theorien nachjagt, kennt ihre Ziele nicht. ES dürfte aber auch kaum einen Israeliten, mit Ausnahme jener Lciblakcicn der berüchtigten Elique, geben, der nicht wissen wurde, daß es dieser nicht um die Herstellung dcS gestörten Gleichgewichtes in unserem Batcrlande, sondern lediglich nur um Behauptung ihrer Herrschaft zu thun sei, welche die fast bis zum Eulmi« nationspunkt getriebenen Wirren geschaffen hat und unserem Baterlandc die Individualität und da« Prestige zu rauben sucht. Bedenkt man nun, welches Unheil diese Elique seit ih- Feuilleton. Plaudereien (zweite Folge) XII. ES ist nicht allein die Beschäftigung mit den Feiertagen und die Feiertage selbst, die einen Juden zuweilen abhalten, in dieser Zeit einem jüd. Wochenblatte Beiträge >zukommen zulasten; es ist i auch die fcicrtägigc Stimmung. Ernst aber doch heiter legt sich in j dieser Zeit daS Leben um den Menschen, er verscheucht die Sorgen, | will einmal festliche Tage verleben, warum also de» gute» Humor sich verderben? und der wäre weg, wenn man sich befasse» wollte, \ an so Manches seine Kritik zu üben. Doch nach den Feiertage», | da wir wieder in de» mannigfaltigen Tborhcitcn »iiö einleben und j mit dem vielen ungereimten Zeug mehr zu schaffen haben, kommt j eS schon auf eine Thorhcit mehr oder weniger nicht mehr an; der! gut« Humor ist ohnedies weg, die Sorge rücket an den Leib und! der Tisch an den Ofen, da nimmt man nun wieder die Feder zur j Hand, um eben der Sorge ein Paroli zu bieten, mit den Wolfen zu heulen, mit den Uebersponnten Ueberspanntes, mit den Dorwitzi-! gm Vorwitziges, mit den Gelehrten auch Leeres und Langweiliges zu schreiben. Doch wo beginnen? Wenn wir Politiker wäre», würde eS unS freilich jetzt an Stoff nicht mnngelu, doch auch dann wären mir in arger Verlegenheit, wir wüßten wieder nicht, ivcge» Ueberfullc des Stoffes, wo zn beginne». Der jetzige deutsch.französische Krieg, die Art und Weise, wie die zwei eivilisirten Rationen sich gegenfestig so brüderlich morden, wie sie um die Wette sengen und brandschätze». Napoleon und Wilh,tm. Bazaine und Mnttke, Inlea Linr^ und Bisiuark bis auf den preußischen Ehef der Hagelschlag-Section in Pest herab, der so trcuherstg war. auSzuplandern: „Bald wird auch im Lande dao Gesetz sein, was wir vorschrcibcn" — welch unerschöpfliche Fundgrube uni Glossen zu machen! Doch wie gesagt, wir verstehen nichts von der hohen Politik, die die Menschen nie. dcrstrcckt, und beschränken -unS daher bloü Gedanken oder Gedaukenloses Anderer initzuthcilcn. So behaupten Einige: Bisniark widersctze sich nur aus dem Grunde der Meinung MoltkcS. das Bombardement von Paris sofort vorzunehme», weil dann »ach Einnahme dieser Weltstadt der Krieg beendet wäre und die Regiiisitioneu aufhören inüßten; auch da» Zetergeschrei der Preußen über die Zerstörung dcS schönen St. Cloud durch die Fraiizosen wird nur deshalb erhoben, weil man lhne» in das Handwerk de» Bandalismuö gepfuscht und sie um eine Großthat ärmer sind. Manche ivieder behaupten. steif und fest, daß die künftige Kaiserkrone Deutschlands, wenn sic nicht König Wilhelm selbst wieder mit allerhöchst eigener Hand vom Altar« de« Herrn nehmen und mit Gottes Gnade auf sein gesalbtes Haupt setzen werde, keinem Andern als