Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 44 (28.10.1870)
- Date
- 1870-10-28
- Page
- Seite 393 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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393 i vale keine größere Schmach anthun \n können, o« daß er mit Rücksicht darauf, daß in der Redaktion desselben ein Jude thätig ist, da« Redaktion-personal mit dem Au-drucke „Sanhedrin" beehrt und höchst gelehrt hinzufügt, unter diesem Au-drucke werde der Gerichtshof dealten jüdischen Reiche« verstanden. (»Neue Zeitin New-York.) Eine Stimme aus dem deutschen Cafino. Prag den 23. Oktober 1870. - Angesichtder bevorstehenden ReichSrathSwahlen, wollen Sie mir» einem Mitgliede dedeutschen Casino'S, ge» statten, ein kleine- Bild desselben zu entwerfen, zu dem Zwecke, jene Juden aufzuklären, welche in den Ton angebenden Elementen de- Casino's ihren MesiiaS erblicken. Ich gehöre seit fünf Jahren diesem Institute an, ohne mich we> der zu der einen noch zu der andern Partei geschlagen zu haben. Bei dem Umstande, daß ich, als Kosmopolit vom reinsten Wasser, mich jeder Politik fern halte und jede- Urtheilüber die Richtung der deutschen und tschechischen Partei enthalte, liegt eS keineswegs in meiner Absicht, für die eine oder die andere Propaganda zu machen oder gar eoram pudlico zu agitiren. Ich beschränke mich, wie gesagt, auf die Schilderung dedeutschen Casino's, vielleicht könnte man zu dem Resultate gelangen, waS manche im deutschen Casino unter BerfassungSfreundlichkeit verstehen, wie diese praktisch betrieben und durchgeführt wird. Nicht jener Zeit zu gedenken, wo jüdische Direktion-. Mitglieder gegen die Ausnahme von Juden protestirten, später erst nur solchen Juden die Aufnahme gestatteten, welche sich ihre- Protektorateerfreuten, will ich von dem Zeitpunkte beginnen, wo man praktischer zu denken anfing, Juden ohne Ausnahme Thür und Thor des „deutschen HauseSzu öffnen, einerseits, um mit ihnen die Reihen des Wahl- und AgitationScomite zu verstärken und sich ihrer Stimmen bei Wahlen zu versichern, anderseits, die Existenz de- „deutfchen Hausesins Auge fassend, den praktischen Standpunkt zu wahren: je mehr Juden, desto mehr zwölf Gulden, je mehr Geld desto bester. So gingen viele Juden und auch ich, in meiner Schwäche, auf den Leim und so bin ich noch jetzt Mitglied deS deutschen CasinoS, besuche dasselbe mehr auS Gewohnheit als aus Geschmacksrücksichten zwar sehr sellen und glaube nicht mehr lange Mitglied zu bleiben. Dadeutsche Casino ist der Sammelplatz der verschiedensten Stände, Doktoren, Landes gerichtSräthe, Kaufieute, Lehrer, HandlungScommiS, doch ist zumeist die Bureaukratie vertreten. Nun sollte man meinen, dieser Centralpnnkt werde von dem demokratischsten Geiste beseelt und die Strahlen, die von ihm ausgehen, leuchten Leutseligkeit und Liberalismus; pjM pnn nttph.tti, deiUsche C»fina-wird^M7 tMTTTnT Geiste beherrscht, er nennt sich — Kastengeist. Dieser rührt größtcntheil« davon her, daß daS deutsche Casino unter oligarchischer Herrschaft steht. So kommt eS, daß der sogenannte Club der Deutschen fast allabendlich zusammrngcwachsen ist, daß sich Aristokraten zu Aristokraten, zu ihnen aufgeblähte Männer gesellen, die die Welt glauben machen wollen, sie seien industrielle Capazitätcn.daß cm besser gestellter Jude von einem minder bemittelten Juden nicht« wisten will, der sich, da mau im Allgemeinen auf ihn von oben herab sieht, in der peinlichsten Berlegenheit befindet. Die Leutseeligkeit im deutschen Casino, zum Modeartikel geworden, hat aber auch ihre Saison, bei Wahlen in die Direktion, bei Landtags-, Stadtverordneten- und Handel-kammerwahlen. Einige Abende vor diesen Zeitpunkten, spielen freundliche Mienen, mimische Bemerkungen von einem Tisch zum andern. Flatterten und Händedrücke eine Hauptrolle, find die Wahlen vorüber, werden die Complimente, Flattereim und Händedrücke in« Meer der Lrrgeffenheit gesenkt und vor dm so glückfeelig aewesenm stehen sie wieder reckenhaft da die aristokratischen Krähwinkler, die wiederum vor distinguirten Personen in den Staub kriechen. Der Jude, in so lange er nicht politische Gckensteherdienste versieht, spielt in der That im deutschen Casino eine sehr erbärmliche Rolle, die ihm allabendlich zugetheilt wird. So hörte ich einmal eiym Juri- Doktor sagen, „bald wird ekommen, wird man vor Juden nicht hergehen können" ein andere- Mal machte sich ein höher gestellter Beamte da- Privatvergnügen, einem Juden den Stuhl unter den Füßen wegzuziehm, daß der Jude fiel, ein andere- Mal ließ Jemand über einen Juden, der von ihm da- Zeitung-blatt abverlangte, die Aenßerung fallen : Der Jud könne warten. Nicht erst der Damcnabende und Tanzkränzchen zn gedenken, an denen es, trotz der effektvollen Beleuchtung, den jüdischen Damen unheimlich wird, mußte ich oft die Aufgeblasenheit der verfassung-freundlichen Honneurs bewundern, die oft selbst ein zurückschrcckendeS Exterieur haben. Ich könnte noch mehrere Fälle aufzählen, wollte ich nicht zu sehr aus der Schule schwatzen. Das Abendgefpräch ist rein politischer Natur, möge man nun seine Diskussion mit den Japanesen oder mit PräuscherS Museum einleiten, man kommt stet« darauf zurück, daß die Japanesen verfaffungSfrcundlich oder PräuscherS Wachsfiguren dualistisch gesinnt seien, man möge die DiSkuffionSkatze werfen, wie man wolle, sie wird immer ans die politischen Pfoten fallen. Wehe dem, der ein gerechtes Urtheil fällt oder gar das Benehmen der Deutschen in gewiffen Fällen tadelt, der läuft Gefahr, sich der Spionage verdächtig zu machen oder gar da» eoasilium ndeuncki über sich zu verhängen. Im deutschen Casino ist einmal Alles politisch, man behauptet sogar, daß die daselbst von Inden, in erster Reihe vom Vorsitzenden der israelitischen CultuSreprüscntanz verzehrten SchweinekottcletS nur politisch zubereitet wären; ist dieseder Fall, dann kämen sie freilich in keine Collision mit den jüdischen Speisegcsetzen. Alle« in Allem genommen, herrscht im deutschen Casino keine Gemüthlichkeit, die Ton angebenden Juden gehen von der Ansicht aus, sie seien ganz andere Juden und die wirklichen Juden müßten froh sein, daß man diesen Zwölf Gulden Jahresbeitrag nicht zurückweise und für gutes Geld Speisen und Getränke kredenze. Selbstverständlich befinden sich jene Juden, denen da« Glück zu Theil wird, in christl. burcaukratifchen Kreisen zu essen, zu trinken und zu spielen, in der besten Verfassung. So steigert sich ihre BerfassungSfreundlichkeit iminer mehr, je mehr sich der Kreis erweitert und die anderen Juden bilden bloß die politischen Knechte.r. --Wochemhronlk. *.* Kui) war die Spielerei. Was wir vorhergesagt, ist in Erfüllung gegangen. Die Armcncommission hat am 24. d. am Tage der Nordlichterscheinung an der jüdischen RathhauSthüre Folgendes publicirt: „Die im Namen mehrerer erren Gemcindemitglicder zu jedem Neumonde ftattgefnndene eldvertheilung an Arme ist bis auf Weiteres eingestellt.- %* Ehrendiplouie. Der Vorstand der israelitischen BeerdigungSbrüdrrschaft, dieses mehr als 300 Jahre alten Vereines, hat auf Anregung des um denselben viel verdienten errn M. A. Wahle beschlossen, Männern, die sich um da« udenthum im Allgemeinen, um jüdische Wissenschaft insbesondere in hervorragender Weise Verdienste erworben haden. zy Ehrenmitgliedern zu ernennen. Zu dem Zwecke wurden, unter.Angabe der Zeichnung von Seiten de» H. Wahle, mit Emblemen reich au-gestattete Diplome angefertigt, in deren mittlerem weißen Felde der Name de- Ehrenmitgliedes so wie der auf deffen Wirksamkeit Bezug nehmende Text in