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Die Gegenwart · 1870-10-28 · 44 (28.10.1870) · p. Seite 391

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
44 (28.10.1870)
Date
1870-10-28
Page
Seite 391 (sequence 3)
Language
German
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Ten.'4) So rechtskräftig die Rabbinen seine Ehe gemacht ebenso! rechtskräftig ist auch seine Einwilligung zur Scheidüng. Ist aber da« Gebrechen in der Ehe zugestoßen, so kann er keine Einwilligung zur Scheidung geben. (Iben eser 121.) Die Art und Weise, wie das Ehebündniß und die Schei« düng der Taubstummen zu geschehen hat, befindet sich genau Zemach zedek. 77. Hinsichtlich des Minjan sind die Taubstummen ebenfalls den Blödsinnigen und Unmündigen gleichgestellt. ״) ,Ich will geheiligt sein unter den Söhnen Israels," diesem Texte haben unsere Weisen entlehnt, daß bei jeder Heiligung des Namen Gottes mindestens zehn erwachsene, vernünftige Personen sein muffen. Es sagt Rabbi Iehoschua ben Lewi, einen Unmündigen darf man zu neun erwachsenen Personen verbinden und das ist auch die Meinung deS Rabenu Tam: jedoch bemerkte Tosefoth, Rabenu Ascher, Mordechai, obwohl Rabenu Tam einen Unmündigen zu neun Erwachsenen zum Minjan zu verbinden erlaubte, hat er eS selbst doch nie gewagt, solches an seinem Orte zu vollziehen; darum bemerkt (ריב״ש) Rabbi Iizchak bar Schescheth: Diejenigen, die da erlauben wollen, einen Unmündigen zum Minjan zu gebrauchen, müssen sich streng nach dem Lehrsätze jeneS Weisen halten, der nur dann den Unmündigen zu verbinden erlaubt, wenn er weiß, zu wem er betet; keinesfalls aber unter sechs Personen, wenn er noch so tüchtig ist. Rabenu Ascher will durchaus keinen Unmündigen zu,n Minjan verbinden: außer er habe die Reife der Großjährigkeit erlangt, nämlich: wenn er 2 Haare unter der Achselgrub׳ vorweisen kann. Dieser Meinung ist auch Maim.,'״) nur bei außerordentlichen Fällen darf ein Unmündiger zu Minjan unter oberwähnten Bedingnissen verwendet werden. tr)' ES ist nun quS den früher angeführten Stellen erfichtlich, daß unsere Weisen, trotz der Gleichstellung der Taubstummen mit einem Blödsinnigen und Unmündigen, dem Taubstummen so manchen Borzug ertheilt und so manche ״) אבן העזר קכ״א בית שמואל טי. ג,) ונקדשתי בתוך בני ישראל. •י) פרק ה' הלכות תפלה טור אבן העזר סימן קע׳יב. י,) ראב״ד קצ״ט בב״י. mir, schiltst schwarz und mißgestaltet? Ja ich bin schwarz, weil du mich geschwärzt, aber nur von außen, in meinem Innern jedoch da lebts und webtS, da kocht ein ewiger Frühling; ich schlafe, aber mein Herz ist wach. Habe ich nicht in deinem Felde gearbeitet, für deine Zukunft und Glückseligkeit mich allen Unwettern preisgegeben, dich nicht mit meinem Herzblut genährt, an meinen Brüsten großgezogen, und weil ich au- Kummer über dich gealtert, höhnst und mißhandeltst du mich, mich deine liebende Mutter? So oft ich die Stelle im Hohenliede lese, überläuft mich kalt; denn ich erinnere mich immer der alten haarsträubenden Sage, die mir meine alte Großmutter des öfteren zu erzählen pstegte. und dieln einem ione, der mir alle- Blnt in den Adern erstarren Mächte. ES war einmal, so erzählte sie, ein sündhafter Mensch ge. wesen, der ging in den Wald, um Holz zu spalten und da kam er zu einem Baum, den er fällen wollte. Und als er mit der Azt ansholte und mit wuchtiger Schwere sie in deS BauineS Leib senkte, siehe, da hörte er ein tiefe- Aechzen, ein langgedehntes Weh l Und obgleich dieser sündhafte Mensch darob erschrack, ließ er doch noch einmal mit dein Aufwande seiner letzten Kräfte das Eisen in da- Holz fallen, daß es dumpf im Walde erdröhnte und die Rinde in Trümmer splitterte. Und ein Blutstrahl entquoll dem Baume, und ein dreimaliges furchtbares Weh entwand sich demselben, daß der Sünder davon betäubt und regungslos dastand. Und min ließ sich eine Stimme von oben vernehmen I Halt ein du Mnttermörder! WaS willst du beginnen? Du hast ״ach dem Geiste deiner Mutter, der deiner Sünden wegen in diesen Baum für so lauge gebannt ist, bis du breit geschlagen, willst du deine um dich leidende Mutter morden? Halt ei», bevor es zu spät wird! In allen seinen Grundfesten erschüttert, sank jetzt der Sünder in die Knie,'stammelte Modification mit ihm vorgenommen haben. Und da außerdem, selbst positive RechtSgesetze durch Modifikationen verbessert werden können, da sie nur dann RechtSgesetze sind, wenn sie den gegebenen Umständen und. Verhältnissen entsprechen. Um heute in unserer Zeit, wo Taubstummen«Institute existiren, und der Verstand der Taubstummen entwickelt wird, und sie reden lernen, könnte man selbe als verständig detrachten und zu Minjan gebrauchen; jedoch müßte diese Modifikation von einer ganzen Religionsbehörde vorgenom׳ men werden; 19 aber so lange noch Ernst und Besonnenheit Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit in jüdischer Wiffenschast heimisch sind, wird gewiß keine einzelne Gesetzautorität e« wagen, gegen den Ausspruch so vieler zu handeln. Wohl mag in der Neuzeit, wo das Studium jüdischer Wiffenschast ein Handlanger znm Umsturz jüdischen Lebenist, so mancher auch jeden isolirten Ausspruch eines Einzigen aufhaschen; aber bei der Wahrheit, die unserer Lehre schönstcrj Edelstein ist, bei der Wahrheit, die unsere? Gattes Namen ist, einpfehle ich fortan auf dem Gebiete unserer heiligsten Angelegenhciten nur die ernsteste Wissenschaftlichkeit und die redlichfte Wahrhaftigkeit auf unseres Volkes Altar als Spende zu weihen. OroShä; den 24. Oktober 1870. De A. Naber. Prediger und Raddiner. . 19,) יבמות עי׳ט תומי א״ח הלכות מנלה הי׳ הרע״ט מ״א בוי. Lriefe ans Ungarn. VI. Schauen wir un« denn im gegenseitigen Lager um! Die Schaar, die dort Kampfbereit jede Bewegung in orth. Lager belauert, sie nennt sich mit nicht zu unterschätzen« der Eitelkeit, mit unangenehm duftenden Dünkel: Fortschrittstpartei! Sehen wir einmal, was sie ״Fortschritt" nennt! Wenn der Prediger statt nach dem Ausspruche deS ein Gebet, that Buße — und nun ward der Geist seiner Mutter befreit. — Auch der jüdische Baum wurde also von seinen Peinigern befreit, und leider flog auch mit der Freiheit die Seele und daS Herz aus. Während da- Judenthum ehedem die Affentänze der übrigen Welt gründlich durchblickte und allenthalben ausdeckte, macht es jetzt dieselben im Großen und Kleinen mit. Es sucht die Lücken, welche der ausgcstogene Geist zurückgelassen mit fadenscheinigen Kleidern zu verdecken, mit geborgten phraseiireichen Deklamationen zn verhüllen, und wir sind nachaerade so weit damit gekommen, wir mit jenem Franzosen ansrusen tonnen: ״Cest In phratit‘, qui nous tue.“ Ja die Phrase schlägt uns todt. will uns über die gähnende innere Holheit hinwegtänschen, mit «ffentänzen uns unterhalten. WaS führt denn unsere Journalistik hüben und drüben uns vor? Einen Affentanz l WaS zeigen uns die tausende viel sprechenden und wenig schaffenden Vereine? Affentanz l Was treiben die großen Herren am grünen Lische? WaS machen die kleinen ihnen nach? WaS geschieht auf Kanzel und Katheder, iva» unter Gelehrten nnd Dilettanten? Antwort! Affentanz, nicht» als Affentanz! Will denn kein Simson diesem Philifterthum aus die Finger klopfen, daß etwas Furcht hineinfährt? Will kein haarbuschiger. Wahrheit», fester Geselle erscheinen und einige schwer anfzuknackenden Rüste unter diese große» nnd kleinen länzer werfen, damit davereheliche Publikum einmal die prosaische Nacktheit dessen zu Gesicht bekomme, wa» ihm so hübsch vorgeschineichelt wird? Th. M. 44*

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