Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 44 (28.10.1870)
- Date
- 1870-10-28
- Page
- Seite 390 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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390 - Im Talmud wird Überall rin Unterschied gemacht zwischen Personen, die hören und nicht reden, reden und nicht hören, und zwischen Personen, die nicht hören und nicht re» den. Diejenigen, die hören und nicht reden, oder reden und nicht hören, sind überall den Vernünftigen gleich zu achten.') Nur MaimonideS will den Stocktauben dem Taubstummen gleickstrllrn, abrr eS fehlt ihm jede, Begründung au» dem Talmud. *) Auch in Jore dea J, 6 wird de- Unterschieds zwischen Taubheit und Stocktaubheit nicht erwähnt, da auch^ der Blinde so wie der Blindgeborene wir jeder andere Mensche zu achten ist. *). Solche Stumme aber, dir ihrer Taubheit halber nicht reden können, waren damals, wo keine Taubstummen-Inslitutc existirtrn, gewöhnlich in der Entwicklung ihres Ver» ständezurück, dem Blödsinnigen und Minderjährigen gleich» gestellt.«) tchne Vernunft ist der Wille bloß eine thicrische Will» kühr, ober nicht freier Wille; daher können noch dem Talmud Taubstumme keine giltigcn Verträge abschließen. (6ittio 59) Icdech die Civilgcsltze haben au- Gründen der Billigkeit manche Modifikationen eintretcn lassen. ג) Man schwört nicht auf die Anklage eines Taubstum» men, Unsinnigen oder Unmündigen •) beim Letzteren jedoch kommt ein שנועה היפת. Für Beschädigungen und sonstige Verpflichtungen ist der Taubstumme nicht verantwortlich. י) י) המדבר ואינו שימעזהו ח־ש. ש־מע ואיני מדבי זהו אלם זה וזה הרי הן נסקחץ לכל דבריהן חנינה ב׳ טור חושן מש.5ט ם" רלה. .bemerkt מגיד משנה הלנית מנירה ניט ב׳ wie *) ר׳ ים נרה, השן משפט צ״ו. 4) חרש שדברו הנמים בנל מקום שאינו שימע ואינו מדבר חרש דומיא דשוטה קטן מה שוטה וקטן דלאו בגי דעה אף חרש דלאו בר דעה הוא חנינה ב׳ ג) מי" הלכות מנייה נ״ט. •) אין נשנעין על טענת ח שיו שבועות ליח. Der Taubstumme ist zu wichtigen NechtSgeschäften nicht befähigt, darum muß ihm ein Curator gestellt werden. *) Je» doch werden die Handlungen eine- Taubstummen giltig er» klärt, wenn eine genaue Untersuchung seinen Verstand con» statirt, •) so wurde von den Rabbinen dem Taubstummen da- Recht eingeränmt. sein Leben durch Handel und Erwerb erhalten zu können. '•) Ein Taubstummer kann kaufen und verkaufen dadurch, daß er andern und andere ihm die Gedanken durch Winke ausdrücken;" er kann auch in eigenen Angelegenheiten als Kläger erscheinen. (Odooekan Llisedpat 96.) Taubstumme können ferner eine giltige Ehe schließen, weil eS die Rab» binen gestatten, '*) da eS gerade für solche Gebrechliche erwünscht ist, daß sie in dem Ehegenoffen einen Gehilfen er« halten. Wenn er bei der Schließung der Ehe taubstumm, so kann er wieder als solcher in die Scheidung willigen, '*) wie fr durch Zeichen die Bewilligung zur Ehe gegeben, kann er wieder durch Zeichen die Bewilligung zur Scheidung erthei- חרש שוטה וקטן פגיעתן רעה החובל בהם חייב והם שחנלו (T באחדים פטירין אפילו אחר שנדלו ונתרפאו פרק החובל דף ם• ז בעל התרומות שער ליו חשן משפט תקכיוי. •) השוטה והחרש דנן כקטנים ומעמידן להן אפטרופסץחשן משפט ר'«. י) בודקץ אותו נ״פ אם אמר על לאו לאו על הן הן פרק מי שאחזו דף סי ז ע״א חשן משפט דלה.. •י) חרש רומו ונרמז גטין ניט. 11)כיצד הואהמכי ברמיזה שרומז באצבעותיו חשן משפט דלה. ") ח־ש וחי־שת אינן בני קדוש ן מן התורה לא שנא נשאו כיוצא בהן לא שנא חיש שנשא לפקחת אבל חכמים תקנו להם נש י אין יבמות דף קי״ב מייט' פ״ד. 3'> כשם שהוא נינם ברמיזה כך הוא מוציא ברמיזה יבמות דף קייב. befriedigt und stolz auf sein bischen Menschheit nach Hause. Und doch hat jener Affenapostel eine große Wahrheit nur etwas einseitig verfochten. ES handelt sich hier um den Evnvergcnzpunkt, den er anstatt in der Zukunft in die Vergangenheit, in die Vorzeit versetzt. Denn steh einmal, waS ich dir vorhin von dem posiirlichcn Affentanz erzählt, da» paßt so recht eigentlich auf die Menschheit unserer Zeit im großen Manzen und auf die Menschen im Kleine», Da spielen zivei collosale Rationen brüderlich mit einander, gebärden sich al» Träger der Livilisation und Eultur, führen vor dem gesammten europäischen Publikum einen friedlichen sich gegenseitig umcumcnden Tanz auf, deklamircn dabei ein Langes und Breite» von Einigkeit und unzerstörbarer freundschaftlicher Beziehung, von den großartigen durch vereinte» Mitwirken aller Rationen, für die g-sammtr Menschheit errungenen moralischen und geistigen Fortschritten und ähnlichen Fräsen, welche die unmittelbare Rühe des tausendjährigen Reiche» in Aussicht stellen, daß dem Zuschauer da» Herz im Leibe vor Wonne hüpft und kracht. Doch plötzlich fallen einige LändeifuchtS-Rusie unter sie, und doS schöne Spiel hat ein Ende. Wie die boshaften Affen stürzen sic auf einander, zerreiße» und zcrsteiscbcn sich, verleugnen ihren göttlichen Ursprung und gebrauchen die kleine Dosis Himmclölicht, ״um thicrischcr als jedes Thier zu sein. "Da» nennen sie: Um der Menschheit große Lachen ringen!! Aber, ivirst du mir erwiedcrn. Nichts Reue» unter der Lonne, da» ist ]11 alle» da gewesen, zu alle» Zeiten haben die Menschen, selbstsuclitigcn Despoten zu Liebe, grauliche Affcntänze3 anfgeführt. Darauf will ich dir folgende» antworten: Wahr ist», daß Eri» zu allen Zeitc» ihre blutige Locken geschüttelt; wahr ist», daß die armen Mruschc», die von Furien gepeitscht, die Hölle gegen einander aufboten, die Schlünde de» Vulkan zwangen Fcurr und Sch.-oeielströme, Tod und Verderben über friedliche und srgcnreichcn Gefilde, über unsckmldige Menschen auSzugirßrn, aber da» war noch in jenen trüben Zeiten gewesen, wo da» Volk noch unmündig gewesen, von Freiheit und Menschenwürde die primitivsten Begriffe hatte. Wenn aber heute Rationen, welche — man darf e» ohne Übertreibung sagen — den Gipfelpunkt der Enltnr und Bildung rrklomnie», die Tag für Tag durch ihre öffentliche Organe die Majestas populi bis zur Unantastbarkeit herausputzen ließen, wenn solche Rationen, sag ich, wie die wilden Bestien sich gegen cmander Hetzen lasten und durch unbändige Grausamkeiten beweisen, daß alle jene schönen Reden nur Seifenblasen gewesen, daß die Bildung die Bestialität aus dem Menschen nicht zu verdrängen vermag, dann muß der Genius der Menschheit traurig sein Haupt verhüllen und an alle Zukunft verzweifeln, dann ist dadurch jene Unmöglichkeit bewiesen, daß zwei rückwärts convergirende Linien noch eimnal auf der entgegengesetzten Seite sich schneiden. Roch rin anderes gewichtiges unS speziell angehendes Moment ist nicht zu übersehen. Wenn vor Zeiten die Bölker sich in den Haaren lagen, wenn die Welt den Anblick einer schauerlich anfröstelndcn Winternacht darbot, daß eine fühlende Menschensecle da draußen verzweifeln und verenden muhte, so gab e» doch immer auch in dieser so beschaffenen Welt, eine) gemüthliche, von warmer und reiner saucrstoffhältigcn Athinosvbäre durckduitctc Stube, die hoffnungskrok unS anmutete.- uns die tiesin»erste Werkstätte des menschlichen Geistes erschloss, den wir am sausenden Wcbstuhl die Zeit an der Gottheit lebendigem Kleide wirken sahen und über die Uncrquicklichkeit der Gegenwart hinweggehen konnte. So gab eS in dieser auS allen Angeln gehodenen Welt einen festen dnrch keine Stürme, Stöbe vcrrückbarcn Punkt, eine in sich gekehrte, de» verlorenen Menschen in ihrem Schooßc für beffere Zeiten ansbcwahrende Hütte. Es war dies das— I u d c n t h u m. Eine Windsbraut nach der anderen brausten vorüber, faßte es an allen Enden und Ecken und vermochte eS nicht zu erschüttern. Von allen Seiten nnterminirt, ffogen Erd und Gestein ringsumher mit furchtbare» »krache» gegen Himmel, schlugen verzehrende Flammen in die Wolken; allein die jüdische Hütte blieb nach wie vor felsenfest, sie konnte vom dichten Qualm umhüllt und geschwärzt, doch nicht zerstört werden. Und mitten au» dem lodernden Scheiterhaufen, dem flackernden Auto-dafe rief sie der Menschheit zu: Ich bin dein Heiz und d» schlägst nach nur, der Tempel deine» Gottes, der!räger deiner Liebe, deine Erzieherin. Lehrerin, deine Mutter, und du wirfst Feuer und Schwefel nach