Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 40 (30.9.1870)
- Date
- 1870-09-30
- Page
- Seite 361 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4890378-5433916-5434074--863-4891151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— Ml - sich der Congreß für Simultanschulen au«] von der richtigen Ansicht ausgehend, daß dieselbe, während sie einerseits den leidigen Religionsunterricht verschwinden macht, auch einm besseren Unterricht ermöglicht etc. Die Beschlüsse, welche im Laufe dieser Woche noch wahrscheinlich veröffentlicht werden dürften, werden dann dem „Parlamente und der Regierung behufs Sankzionirung unterbreitet werden." Soweit der „Wanderer" Wir hätten nochhinzuzufügen, daß die beabsichtigte Sankzionirung von einer siebengliedrigen Durchführungscommission eifrigst betrieben wird und das dieselbe statt des früheren Lebomre-KackatK Organes Magyar Zsido,' ein „Organ der Autonomie orth. Judenheit Ungarn'« und Siebenbürgen" unter dem Titel das traditionelle Iudenthum" *) hcrauSgibt, das wir damit anempfohlen haben wollen. Wir versichern noch schließlich, daß die Herren Congreß - Faiseurs mit verbiffenem Jngrimme — die Rasen hängen lasien. — *) Adresse Schwarzadlngass« Nr. 7 Pest. Efseg. In einer der letzten Sitzungen rief das Gesuch der hiesigen israelitischen Cultuögemeinde wegen gänzlicher Befreinng der Zahlung für die zum Tempelbau angekauften Baugründe eine sehr lebhafte Debatte hervor. Die Cultusgemeinde hatte nämlich vor drei Jahren zwei der schönsten Baugründe inmitten der Stadt für den Bau eines neuen Tempels aus zweiter Hand um den Preis von 8000 fl. erstanden und sich der Commune als Zahler verpflichtet. Mehrmals zur Zahlung des Kaufschillings und der Verzugszinsen, welcher Posten seit drei Jahren im Präliminare der Stadt als ordentliche Einnahme steht, aufgefordert, wurde zuerst um Verlängerung des Zahlungstermines angesucht, später um einen Nachlaß für jene Grundfläche, welche der Tempel einnimmt, gebeten und auch vom Gemeinderathe ein Drittheil Nachlaß mit dem Bedeuten bewilligt, für die Zahlung der restirenden zwei Drittthcile binnen 14 Tagen genügende Sicherheit zu stellen, widrigen« der Bau eingestellt werden würde. Die Cultusgemeinde fand es aber nicht der Mühe werth, den Bescheid deS Gemeinderathes auch nur zu beantworten, sondern baute ungehindert den Tempel so weit aus, daß er bereits vollendet ist, und wendet sich jetzt neuerdings bittlich an den Gemeinderath'um gänzlichen Nachlaß der Zahlung. Nur dreiGemeinderäthe unterstützten die Eingabe, die Majorität erging sich in heftigen Ausdrücken über das Vorgehen der CultuSgemeinde, die Alles angewendet hat, um ihren Tempel auf den schönsten und theuersten Platz der Stadt zu bauen, während ihr die Commune hiezu bereitwilligst einen anderen Platz gratis überlassen hätte, wenn darum angesucht worden wäre, und verlangte zur Wahrung der Autorität des Gemeinderathcö die stricte Aufrechterhaltung des bereits vor fünf Monaten gefaßten Beschlusses und die Zurückweisung jedes neuerlichen Gesuches um weiteren Nachlaß oder Befreiung von der Zahlung. Der frühere Gcmeinderathsbeschluß wurde im Sinne deS Majoritätsantrags aufrecht erhalten und der CultuSgemeinde ein neuer peremtorischer Termin von einem Monate zur Zahlung, beziehungsweise Sicherheitsleistung gestellt. („Osten") Ausland. Neuenburg. Die hiesige „Liberale Union" bringt einen Nekrolog des vor Kurzem in einem Alter von 70 Jahren verstorbenen protestantischen Geistlichen und früheren Professor der Literatur, Herrn A. F. Petavel. Derselbe war ein großer Freund der Jude». Groß war sein Lob. das er den Söhnen Abraham-, den Erben der Verheißung, zu Theil werden ließ. In vielen seiner Schriften trat er al- Verthei - diger der Juden auf. Seine „Tochter ZionS," sein „Brief an die Gyuagogen Frankreich«' haben große Aufmerffamkbit erregt. Er war ein tteuer Anhänger der „All. J-r." <Jew. Ehr.) Chalon». Eine große Anzahl jüdischer Soldaten von der Pariser Mobil« Garde hatten Freitag Abend, den 10. August im Lager von 'ChalonS im Haufe des Herrn Lang zu Mourmelon Gottesdienst gehalten. Allen sah man de» Ernst der Zeit an und Bielen flössen die Thränen herab und von Vielen wurden Seufzer gehört. Manche unter ihnen hatten vielleicht in ihrem ganzen Leben nicht zweimal eine Synagoge betreten; aber der Gedanke an den Krieg vereint mit dem der Religion bewegte alle Herzen. (Arch. J-r.) Kunst, Theater -und Literatur — Auder Feder des rühmlichst bekannten MilitärschriftstellerS Ed. Rüffer Verfassers der „Strategen und Strategie der neuesten Zeit" und „Eine strategische Studie über Dalmatim, Montenegro, Bosnien, und IHerzogovina," erscheint im Berlage der xylografischen Anstalt von F. Bärtel in Prag ein sehr interessantes Werk über den jetzigen Krieg, betitelt: „Der Deutsch-französische Krieg 1870 politisch-strategisch geschrieben, illustrirt mit dem PorttaitS der berühmten . Persönlichkeiten, Städte und Festungsansichten Plänen etc. in mehreren Lieferungen und in eleganter Ausstattung. — Das Burgtheater in Wien bereitet, Mosenthal'» „Maryna" vor. KriegS-Skizzkn. * „Le Soir“ berichtet: Am 11. August war ein preußischer Soldat bei Z a b e r n dem Tode nahe und verlangte nach einem Geistlichen. Man konnte Niemand stnden, der ihm den letzten Trost geben konnte, als einen Rabbiner. *) Das eiserne Kreuz haben erhalten: Der Gardefüsilier Dorn, und Isidor B ö tz e l. Crsterer hat sich in der Schlacht bei Mars la Tour ausgezeichnet, ist unvrrwnndet geblieben. *) E i n Zug jüdischer Rache. Ein jüdischer Reservist eines GardeNegimcntS (Warschauer auS Schlochau, wir können für den Namen jedoch nicht bürgen) hatte lange als einziger Jude in seiner Compagnie gedient und war von dem Capitain nicht eben freundlich behandelt worden. Bet der Mobilmachung wurde er wieder derselben Compagnie zugetheilt und von dem Hauptmann mit den Worten begrüßt: „Habe ich schon wieder den vcrd — Jude»!" Unser Mann, groß und stark, war Flügelmann der Compagnie und stand so dicht neben dem Hauptmann in der vinie (in welcher Schlacht können wir nicht-angcben). Da schlug eine Granate zwischen beide, zerschmetterte dem Offizier den linken Fuß, dem Flügelmann den rechten llnterarm, das Tressen stürmte vorwärts. Vergebens suchte der Capitain sich aufznrichten, fortzubewegen, und der Jude mühte sich vergeben» ihn zu stützen. „Lassen sie mich," sprach der Capitain, "Sie sind ja selbst verwundet." Aber der Soldat nahm ihn mit dem unversehrten Arm auf und trug ihn fort, bis er Hülfe fand. Als der Hauptmann wehrend wieder holte: „Cs ist genug,'Sie können ja nicht weiter", sagte der Mann: „Herr Hauptmann, das ist bloß, weil Sie mich immer den Juden genannt haben." Jetzt liegen beide im Lazareth. der Offizier hat darauf bestanden, daß sein tteuer Helfer in demselben Zimmer, dicht an seinem Bette verpflegt werde, und hat die Thatsache selbst den Angehörigen des Mannes geschrieben. Aus Darmstadt berichtet der „Israelit": „Siegmund Neustadt von hier wurde bei Ausbruch de» Krie-