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Die Gegenwart · 1870-09-30 · 40 (30.9.1870) · p. Seite 362

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
40 (30.9.1870)
Date
1870-09-30
Page
Seite 362 (sequence 6)
Language
German
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362 -e» -um Lieutenant ernannt. Sowie ihn ftüher seine Borgesetzten geschützt hatten, so hing nun seine Mannschaft an ihm mit Leib und Seele. Vor dem Abmarsch ins Feld werden die Soldaten mit neuer Uniform, Munition und Proviant ausgerüstet. Ein Mann aus seiner Compagnie, den die schmerzvolle Trennung von Frau und Kind über die Zeit hinaus aufgehalten hatte, fehlte bei jener Vertheilung. Damit er der gesetzlichen Strafe nicht verfalle, ließ der edeldenkende Offizier die Effecten zu sich bringen, um sie in seinem Hause dem Manne zu überliefern. Gerührt von die« sem bei Vorgesetzten seltenen Acte liebevoller Fürsorge eilten die marschbereiten Soldaten zu den Eltern des braven Os« ficiers und schwuren begeistert: ״Kein Haar soll unserm Lieutenant gekrümmt werden, so lange noch ein Tropfen Blut in unfern Adern rinnt.״ — Wohl meinten sie'S redlich, die treuen Seelen; aber ein Höherer hat den Braven geschützt. Der Tag, da der Tod. un siebzig der glänzendsten ׳?kamen auden Reihen der Hessen blutig durchftrichen, er ist an ihm glücklich vorübergegangen. Acht volle Stunden stand seine Compagnie im wüthendsten Granatenfeuer, gegen Abend war jie auf 35 Mann zusammengeschmolzen, alle Offiziere tobt oder verwundet, bis auf den Oberlieutenant Sartorius und Lieutenant Reustadt. Da erholten diese Beiden Ordre, mit den Trümmern ihrer Compagnie nochmals losznstürmen. es fallen wiederum fünf Mann, der Oberlieutenant erhält einen Schuß durch den Fuß; aber unversehrt kehrt unser Held auch aus dieser Gefahr zurück. Einer Nachricht zufolge hat er sofort auf dem Schlachtfeldc die Oberlieutenantsstelle erhalten." (Ist- W.) M i ö c t l l e ,1. Sine mysteriöse Beschichte, die thrilS in Wien theilS in Pest spielt, wird im. »llng. L." folgendermaßen erzählt: Es mögen ungefähr drei Jahre sein, seitdem der Goldarbcitrr I. Schw., der sich in Angelegenheiten seines Geschäftes nach Wien begab, wie in Pest allgemein bekannt ist, spurlos verschwand. Alle Nachforschungen waren vergeblich und die verzweifelte Gattin wartete vergeblich auf. einen Strahl, der dieses gehcimnißvvlle Dunkel erhellen sollte. Die widersprechendsten Versionen, die sich bald zur Annahme eines Unfall-, bald eines Verbrechens hinneigten, wurden zur Zeit, als der Vorfall bekannt wurde, geltend gemacht. Wie über viele wichtigere, so schien auch über dieses Ercigniß GraS gewachsen zu sein, als dieser Tage ein Fall eintrat, der uns von kompetenter Seite mitgetheilt wurde, und der geeignet ist, die Erinnerung an das Verschwinden des Sch. wieder zu beleben. Vor etwa acht Tagen, so berichtet unser Gewährsmann, langte an das Ofner Oberrabinat ein rckommandirteS Schreiden aus Wien an, dem ein weißes Lcincnsncktuch mit den Initialen I. S. und eine Fattura über gelieferte Goldwaaren vom Jahre I8(;1; brigelrgt war. Der anonyme Briefschreiber leitet seine Mittheilnng mit den Worten ein, daß er, der am Rande des (Grabes stehe, nicht ruhig werde strrden können, wenn er nicht ein Geheimniß, das ihn schwer niederbeuge, der ׳Welt kund thuc. Im August des Jahres 1867, fährt er dann fort, kam Jakob Schwarz, Goldarbeitcr aus Pest, den er seit seiner Jugendzeit kannte, nach Wien, um daselbst Goldabfällr zu verkaufen und für deren Erlös Edelsteine cinznkanfen. Der anonyme Briefschreiber wies ihn an einen sicheren Rosen b erg, der sich mit dem Ein- und Verkauf von Edelsteinen befaßte. Die Beiden schlossen wirklich ein Geschäft im Betrage von 800 st. ab und begaben sich hierauf mit dem Einsender in ein BicrhauS auf dem I Alsergrund. Heiter und guter Dinge wurde dort gezecht und da es, als sic das BierhauS verließen, schon spät war, nahm Schwarz, der nicht gerne in sein Hotel zurückkehren mochte, das Anerbieten des Rosenberg bei ihm zu übernachten, an. 1 Der Schreiber-und Rosenberg wollten sich eben auch zu / Bette begeben, — Schwarz hatte sich früher niedergelegt — als der Letztere laut aufschrie. Sie eilten an sein Bett und fanden ihn — entseelt. Sie begossen ihn mit Waffer, frottirten ihn, wandten alle möglichen Wiederbelebungsversuche an, alles umsonst — Schwarz war tobt. Es war ll Uhr Nacht-, Beide fremd in Wien, scheuten sich, der Polizei Anzeige zu machen, um nicht den nahe« liegenden Verdacht eine- Raubmordes zu erwecken. In ihrer rathlosen Angst ergriffen sie die Leickie, hüllten sie in Pack- Papier und grobe Leinwand und banden sie mit Stricken, um ihr die Ferm eines WaarenbalienS zu geben; sie riefen hierauf einen Fiaker und bedeuteten ihm, sie auf die Fischerzeile zu führen; dort angclangt, ließen sie halten und warfen den Leichnam in die Donau. Dem Fiaker wollten sie 5 fl. bezahlen, dieser aber wies das Geld mit den Worten zurück: ״Ich sehe schon, daß hier etwas Besonderes vorgeht: wenn mir die Herren nicht mindesten- 100 fl. geben, schlage ich Lärm und zeige den Vorfall der Polizei an." Nach längerem Unterhandeln gaben ihm die Beiden 40 fl. In die Wohnung des I. Schwarz zurückgekehrt, zerschnitten sie die feinen schwärzen Kleider deö Schwarz in kleine Stücke und warfen sie in den Abort; in den Taschen fanden sie, nach der Angabe des Schreibers, eine braunlederne Brieftasche mit einem Inhalt von 4 fl. 36 kr., zwei Ringe und eine goldene Busennadel. welche Gegenstände sich Rosenberg, der mit dem Tode abging, ancigntte; außerdem das dem Briefe beigelegte Sacktuch und die Faktnra. Der unbekannte Korrespondent versichert noch, daß er esich habe angelegen sein lassen, zu erfahren, ob die Leiche etwa vom Wasser auSgewvrfen worden sei, doch gelangte hierüber nichts zu seiner Kenntniß. Der Briefschreiber meint, er werde sich vor seinem Gotte, vor dem er bald erscheinen werde, rechtfertigen und ermahnt den Oberrabbiner, seine Pflicht zu erfüllen, da ein junges Weib seit drei Jahren das Verschwinden ihres Gatten betrauert und die Ungewißheit schmerzlicher sei, als die schrecklichste Gewißheit. Zum Schluffe sagt der anonyme Briefschreiber, der Rabbiner werde nicht erwarten, daß er ihm nach so delikaten Mittheilungcn seinen Namen nennen werde, theilt jedoch mit, daß sein Vorname ״Juda Leb" sei, daß sein Vater Nießan hieß, der sich eine längere Reihe von Jahren in Altofen aufhielt, und daß er selbst ein Jünger des berühmten Altofner Rab- * binerS Moses Müne war. Soweit der Brief. Herr Oberrabbiner Hirsch konnte nichts Anderes thun, als das Schreiden im Einvernehmen mit dem Gcmeindevorstande dem Vorstande der Pester israelitischen Kuttuögemeinde zu über- Mitteln, da Schwarz in Pest zuständig war und auch seine Gattin und deren Familie daselbst noch gegenwärtig ihr Domizil haben. Wochenanzeiger. im Monate Oktober I. Samst. — 6. Tischri ש*ש Thoraabschn.וילך Hasthara, שובה ישראל Sabbathcing. ft ll. 25 M. SabbathauSg. 6 Uhr 35 M. 2. Sonntag — 7. Tischri 3. Montag — ״ .8 4. Dienst. — ״ .9 5. Mittw. , — 10. ורם כפור Iom-Kipurcing. 6 11. 10 M. Joni'KipurauSg. 6 u. 25 M. ft. Donnerstag — 11. Tischri 7. Freitag — ״ .12 8. Samstag — 13. ״ Thoraabschnitt האזינו Hafthara וידבר דוד Sabbatheingang. 5 Uhr 55 Minuten Sabbathau-g. 6 Uhr 10 Minuten

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