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Die Gegenwart · 1870-09-30 · 40 (30.9.1870) · p. Seite 359

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
40 (30.9.1870)
Date
1870-09-30
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
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359 schießen. Wenn Juden vom deutschen Casino als PlänNer sich miSbrouchen lassen, in öffentlichen Versammlungen Aerger erregende Reden zu führen, anstatt diese den Generalen der deutschen Casinoarmre zu überlassen, so sind diese Juden „deutsche Vorposten wenn ein arroganter jüdischer Leh rer in einer Lehrervrrsammlung unsinnige- Zeug zusammen» schwätzt, in der Meinung, er nütze der guten Sache, während er derselben schadet, so ist dieser Lehrer, der Erziehung in erster Reihe bedürftig, ein „deutscher Vorposten;" wenn jüdische Landtag-abgeordnele. die gleichzeilig da- Judenthum in einer tausend Seelen zählenden jüdischen Gemeinde repräsentiren, au-,reiner Liebe zum Judenrhum, da- Interesse für dasselbe ganz aus dem Auge verlieren, so sind sie „deutsche Vorposten." Wer sind also die „deutschen Vorposten?" etwa d l e Juden, welche auf Landc-auSschußstellen, auf *LandeSschulräthe, aus Orden und andere Auszeichnungen zielen und mit ihrer Vrrfost'ungSschwindsucht ihre eigene Existenz befürchten. Derlei „deutschen Vorposten" in böhmischen Gegenden muß cS demnach gerathcn erscheinen, sich von ihrem strategischen Culturunsinn in einem Rarrcnhansc heilen zu lassen, in welchem sie eine ihren großen Ideen angepaßte Verfassung sinden, mit der sie „stehen oder fallen" können. In einer Zeit, wo ein Ausgleich der Völker Oesterreichs sehnlichster Wunsch ist, ragen aus der Judenheit einzelne räudige Scheinpolitiker hervor,'dit, um nur von sich reden zu machen, um allen Preis Skandal Hervorrufen, möge dieser auf die ganze Judenheit noch so garstig rrflektiren. Dank dem gesunden Sinne unserer böhmischen Bevölkerung und ihrer politischen Reife, mit der sie die Ansichten einzelner Vernnnftloser von den der böhmischen Juden zu trennen wissen, verhallen solche beleidigende Reden, wie Worte in die Wüste gesprochen. Uebereinstimmend mit dem 'taktvollen Benehmen der Bevölkerung gegenüber solchen Ausschreitungen, sollten die Juden in Prag zur Verhütung ähnlicher Mißverständnisse in vorkommenden Fällen dem Beispiele jener böhmischen Gemeinden folgen, die sich gegen die gemeinen Expektorationen eine- Lehrers öffentlich verwahrt haben. v. Griefe aus Angarn. v. Wie wir versprachen, wollen wir in unserem heutigen Briefe das Verhältniß der Orthodoxie zum ersten isr. ung. Congreffe auseinander setzen; umsomehr, als dann das Verständnis unserer weiteren Briefe leichter wird. ES war von Vornherein ein Mißgriff unseres EultuSminifters nach erfolgter Proklamation der Judenemanzipation sich in die religiösen,, innern Verhältniße derselben zu mischen. Unter dem Vorwände der in den Gemeinden herrschenden Unordnung zu steuern, die Autonomie derselben herzustellen, hatte derselbe im Feber 1868 eine Eonferenz einberufm, deren Aufgabe darin bestehen sollte, für einen zusammenzuberufenden allglmrinen Landes - Eongreß die Wahl-Statuten auS- Eic stehen vor dem VersöhnnngStage, dein Eabbath der Cabbäte, Sic werden beten und bereuen, fühlen und empfinden, und so wie manche trübselige Erinnerung in Ihrem Keifte auftauchcn wird, so wird inanchrr Seufzer Ihrer gepreßten Brust entgleiten. Ein Tag der Weihe und der Reue dieser Tag. auf dem Sie sich auf die Anklagebank vor Gott dem höchsten Richter begeben, ein Tag der Versöhnung, möge auch bald jener VcrsöhnungStag kommen, der die Völker Österreichs mit einander versöhnt. Fördern Sie daö gute Werk, um jeden Vorwürfefrei zu sein. zuarbkitrn, die Aufgabe diese» Congreffe», seinen 'Wirkungskreis und seine zu berathenden Gegenstände vorzuzeichneu. — Doch hatte diese Conferenz blo» eine beratende Natur. — Trotzalldem aber wurde darin die Vorlage der Fortschrittspartei der orth. Minorität aufgedrängt, die der Minorität! bei Seite gelegt und das Wahlstatut mit geringen, nichtsaj genden Veränderungen noch im Lause diese- Jahrepublizirt. i Im Dezember d, I. wurde der Eongreß znsammenberufen.— Eüberraschte Niemanden als die Fortschrittspartei in überwiegender Majorität erschien. Die Wahlstatuten hatten j dieermöglicht; daß in orthodoxen, ja in chassidäischen Gel meinden — hyprrneologe Deputirte gewählt wurden; hatten! eS ermöglicht, daß auch die grldgradelte, nobel thuende, | s. g. jüdische Aristokratie, mit ihren holen Köpfen und vol- \ len Taschen da im Kreise der Fortschrittsleute gähnte und i sich ennuhirtr, während gesinnung-tüchtige, jüdisch - suhlende , Männer lhatloS znsrhen mussten, wie der JudifferentiSinuS , und die Hohllöpsigteit dem ung. Israel Gesetze schrieben, - Daß unter solchen Verhältnissen die Aemtchrn alle mit FortschrittSleuten besetzt wurden, ist wol selbstverständlich. Da wurden denn die Männer der Minorität, wenn sie gegen die so oft zu Tage tretende Vergewaltigung ihre Stimme erheben, durch die unerbittliche Präsidenten - Glocke zum Schweigen gebracht, Beleidigungen von anderer Seite mußte sie ruhig hinnehmen und als sie darüber beim EultnSminister sich beschwerte, wurde sie ganz einfach — zum Congress - Präsidenten gewiesen. Aber noch ein anderes machte ihnen den Eongreß verleidet. Die Vorlagen aller Comiffioncn wurden angenommen, während ihre Vorlagen alle durchfielen. Daß aber der orth. Jude z. B. die Schule anders einrichten, den hebr. Unterricht in derselben anders bemessen werde, als der Neologc, ist doch selbstverständlich. Daß dieser seine Gemeinde anders ordnen wolle, als Jener, seine Einrichtungen auderS treffen wolle ist eben so selbstverständlich. — Die Minorität protestirte anfangs nnd da dies Nichts half, blieb sie auS. — Nach einigen Monaten wurden die von der Majorität ausgearbeiteten Statuten auf Vorlagen des Enlms . Ministers von Sr. Majestät genehmigt. Die Herren von drüben aber paukten nun überall, der König hätte ihre Statuten s a n k t i o n i rt und nun begann eine Paschawirthschüft, die in der Bach'schen Periode ihres Gleichen suchen muß. Orthodoxe Gemeinden wurden mittels Panduren gezwungen, die Beschlüsse des EongrcffeS anzuerkennen. Die DistrittSpräsidenten vergewaltigten die Gemeinden, daß eS eine Schmach war. — Aber trotz alldem blieben dieselben unerschütterlich nnd unter Leitung des Schoinrc-hadatll-Bereinepetitionirtcn sie vierhundert an der Zahl, beim Landtage der am II. März d. I. sich dahin entschied, die Eongreß-Statuten können niemandem aufgezwnngen werden, und cö stehe Jeder Gemeinde frei, sich ihnen anzuschließen oder dieselben zu verwerfe». Einmal vom Joche derselben frei berief der Schomre-hadath zu Anfang vorigen Monats einen Eongreß orth. Gemeinden zusammen, der in selbstständiger Weise seine Angelegenheiten in die Hand nahm und in Ordnung brachte, ohne jedoch Gewissenszwang zu üben und jemanden zwingen zu wolle», denselben beizutrctcn. Dies ist das Verhältniß der Orthodoxie zum Eongreß- Statut. Und nun zu den FortschrittSmünncrn. Schmidt. Wochenchronik. %* Besterreichifche» Strafrecht und ein böhmischer Jude. Mit Vergnügen rcgistiren wir, daß an der hiesigen Universität das oestcrrcichischc Strafrecht wieder in einem Inden seinen Mann gefunden hat. Im LectionSkataloge der Präger Universität finden wir nebst Herrn Dr. Gundling auch Herrn Dr. Zncker (Israelit) verzeichnet, der über oesterreichischeS 40*

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