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Die Gegenwart · 1870-09-30 · 40 (30.9.1870) · p. Seite 358

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
40 (30.9.1870)
Date
1870-09-30
Page
Seite 358 (sequence 2)
Language
German
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358 Papiere, für die Juden im Allgemeinen nickt erquicklich und nützlich sein kann. Abzusehen von einzelnen in unserer Hauptstadt in flagranter Weise Krakrhl treibenden Individuen, deren Namen zu nennen, fast schon widerlich erscheinen muß, tauchen auf dem Lande sporadisch, und dieß sehr selten Subjekte höchst primitiver Natur auf, die eben so wenig an sich zu verlieren haben, wie derjenige, der einmal so tief gesunken ist, im berauschenden Getränke die Theorien üb r da« Sein und Nichtsein zu verdusrln. Wenn wir daprovocire.;de Benehmen unserer hauptstädtischen Schmarozerflanzen nicht in einer nicht umzubringenden Verfassungstreue sächen, uns jenes vielmehr damit erklären, daß die verfassungstreuen jüdischen Grenadiere als »deutsche Borposten/ mit welchem Ausdrucke man sie lächerlich zu machen sucht, einen goldenen Kragen höher schätzen, als 'die Volksmeinung und das Vaterland, so überrascht es nnS schon heutzutage nicht, wenn der erste beste Landstreicher die Tribüne besteigt, als rednerische Bestie Stände. Körperschaften und selbst eine ganze Nation zerfleischt, um sich dann an dem verpestenden Aas seiner Rede mit Hyänenapetit zudclektiren. Aufklärung nennt man es, wenn der erste beste HaUunke in beleidigenden Tiraden feine rhetorische Feuerprobe bestehen will, bei der er ein ganzes historisches Staat-recht sammt Haut und Haaren zu verschlingen sucht, weil er cS noch nicht dahin gebracht, der erste »Beamte im Staate" zu sein. Verfasiung-treue heißt c-, wenn man Alles, wa« nicht deutsch ist, begeifert, besudelt und in den Koth zerrt. So weit ist eS schon gekommen, daß man, sobald man Jemanden auf die Czechrn schimpfen hört, von ihm einfach sagt: Ja, das ist ein Verfassungstreuer! Nun gibt eüberall, natürlich die Juden nicht ausgenommen, BerfaflungStreue in diesem Sinne, ja es finden sich unter den Juden zuweilen solche, die die Verfassung vom Alpha bis zum Omega gar nicht ver- ■Bü^asaneBa=9999a9nnBmB999SBBa denschaft und Bosheit getrieben, schon frühzeitig den Kein» der Undankbarkelt und Unverträglichkeit müssen ausgenommen habe». Und ich frage Sie, finden sie es klug, finden Sie.eS rathsam bei all dem Phrasenschwall von Freiheit bei der kurzen Zeit ihres Genusses, daß in einer Zeit, wo Aufregung herrscht, wo die Bölkerdiffcreuzcn mehr alS je dcS Ausgleiche« bedürfen, sich Juden, zumal jüdische Lehrer von blohcr Eitelkeit sich htnreifien lasten, die Rednertribüne zu betreten, um Zwietracht und Hast zu streuen. Ich glaube, daß gerade Mäßigung und Zurückhaltung selbst da am Platze seien, wo Beschwerden zu erheben, eine gegründete und gerechte Ursache wäre.. Gehen Sie ja nicht von der Ansicht au«, daß die Zeiten vorüber find, in denen der Jude sich Manche« gefallen taffen nnißte. rechnen Sic mit der Zeit, mit dem Fortschritte in kluger Berechnung. Anstatt die Anforderungen eine« Bolke«, das die Freiheit will und achtet, zu schätzen, scheinen dir Juden vielmehr im Taumel ihrer Errungenschaften an vergangene Knechtschaft zu vergestcn, der Wermuth der Leiden schien nur ihnen bitter gewesen zu sein, anderedürfen für die Bitterkeit keine Empfindung haben. Gebcrdcn Sie sich nicht, ich meine e« Ihnen gut, ja sehr gut, al« hätte Ihre Existenz zwei Jahrtausende hindurch der Freiheit Schimmer genostcn, der heute zu erblasten droht, zeigen Sic, daß Sie die Freiheit verdienten, indem Sie einem Bolke mit und unter dsw Sic leben, beste» Leiden und Freuden, besten Thräncn Sie zu theilc». bestimmt sind, die Freiheit gönnen und nicht widerstrebend, nicht anschwärzend in ungeziemenden Handlungen nab Reden, den bitter» Mermuth der Leiden auf Ihre Landsleute ergießen, deren Streben nur brüderliche Eintracht ist. Nie wchmüthig mußten nicht die vergangenen Reujahrstage auf da« Gcniüth jede« Juden wirken I während hier einige unbedeutende unserer GlaubenSgenosten, ohne zu wisten, waS ne wollen. ohne sich de« Rasenplatzes zu freue», der ihnen nach iangjährigem Drucke gegönnt wurde, mit einer Leidenschaft hadern, nm nur die Spannkraft zu erhöhen, die zwischen zwei Bölkerstämme unsere« theuern Baterlande« herrscht. Rirmand unter so vielen Be« gabten der Iudenhett hat sich bisher gefunden, eine vermittelnde Rolle zu spielen. <S« ist in der Thal traurig, sehr traurig. Die Einseitigkeit kann kein gute» Ziel verfolgen. — — stehen und nur deßhalb Verfassungstreue sind, weil ihr Freund x ein solcher ist, gder weil sie überhaupt von Verfassungstreue sprechen hören. So hat auch ein Theil der Jude« die in ihrem Fleische eingefreffene Gewohnheit »mit der Regierung" zu gehen, und wäre selbst deren System nach kamschadalischen Muster, noch nicht abgestreift, von der Ansicht ausgehend, die Regierung schütze sie. Allerdings war dieß oft der Fall, aber manscheint e« zu übersehen, daß wir in unserem Staate auch einmal eine Regierung hatten, die anstatt die Juden zu schützen, dieselben vertrieben hat; die Jude» hielten dcmohngeachtet damals mit jener liberalen Regierung, da diese doch so liberal war, die vertriebenen Juden wieder zurückzutreiben. Man kann demnach nicht annehmen, daß dir Juden aus Liebe zu dieser oder jener Verfassung mit der Regierung gingen, sondern nur instinktmäßig ihrer altherkömmlichen Sitte folgten. Natürlich läßt sich diese Jahrhunderte hindurch behauptete Sitte in Dezennien nicht so leicht aufgeben und man kann es nicht leugnen, daß sich schon heute der Grundsatz suksessive geltend macht, man solle mit dem Volke gehen, ohne auf die Regierung zu schimpfen, entgegensetzt der Maxime mit der Regierung zu gehen und auf das Volk zu schimpfen. Bor Kurzem erlaubte sich sogar, allerdiugs ein ungehobeltes nicht maßgebendes Individuum die Juden als »deutsche Vorposten" anzusehen, ohne auf die Geschichte zurückzublicken, wie diese Vorposten einst in Deutschland decimirt und massakrirt wurden und die gerettete Bedettc ihre Zuflucht in slavischc Gegenden nehmen mußte, wo sie die gastfreundlichste Ausnahme gefunden hat. Wohl gibt eö Inden, welche in der Rolle »deutscher Vorposten" sich so sehr gefallen, weniger das Deutschthum zu schützen, als vielmehr das Judenthum über den Haufen zu WäbrendHundcrttansendc von Menschen, tausende unserer GlaubenSgenvsscn auf dem Schlachtfeldc verbluten einer Idee wegen, sagen sich die Juden in unserem engeren Baterlande einer Idee lo«, für die zu kämpfen sie nicht minder vcrpstichtet sind. Wke konnte mir bei dem Posanncntone zu Muthe sein, ivcnn ich über die Auffassung der Eivilisation von mancher Seite nachsanu und hinbrütcte über das sündhafte Streben Einzelner, die einst vor dem Richtcrstuhlc de« Höchsten Barbarei und Bandalisuuls zu verantworten haben. Und wenn man nun im Wetteifer des Schlachten» auf den blutgetränkten Feldern Orgien hält und im bcffercn Hinwürgen unschuldiger ^Erdensöhne eine „Fügung Gottes" erblickt, dann mahnt einen jeden fühlenden Menschen der Posannenton an da« Weltgericht vor dem einst die blutgierigen Tyrannen gebeugt und zerknirscht ihr Urthcil hören werden. WaS ist dann Freiheit, weil» mau die schönsten Tugenden in Fesseln schlägt und das jLcben unschuldiger Menschen, diese blühcndc, Freiheit athmcnde Rose, frevelhaft zernickt. Was ist Emancipation, wenn Lehrer in öffentlichen Versammlungen Zwietracht predigen und in bitterbösen Radomontadcn über die edelsten Söhne des Vaterlandes herfallen, ohne auf 'die Versöhnung schmetternde Posaune z» horchen, wenn Prediger aus der Kanzel als leuchtende Vorbilder anstatt Moral Gehäffigkeit herabdonneric und in Toasten eine ganze Bürgerschaft beleidigen, waS ist dann die Freiheit, wenn der EgoiSmnS einem andern da« natürliche Recht vorenthält. Liegt doch da« Beispiel so nahe an dem gefallenen Kaiser, der feinem Volke, dessen Sohn er so gut wie der schlichteste Bürger ist, die Freiheit nicht geben wollte, weil er nur seinen Thron frei haben wollte. AlS Gefangener numnchr muß er sehen wie man die edelsten Söhne Fransreichs hinopfert, um wenigsten« dem Baterlande die Ehre zu rette». Eremieux, ein Jude, thellt mit andem da» Schicksal, das Vaterland vor weiteren Gefahren zu retten, Juden, wie Richtjude» stürzen sich In da« heiße Schlachtgetümmel, »cm für» Vaterland zu sterben. Und sollte der Jude in unserem Baterlande nur mit dem Schwerte in der Hand zur Zeit der dasselbe bedrohenden Gefahr, sollte er nicht auch mit dem Gefühle und den geistigen Waffen kämpfen, sobald es sich um dir Interessen de» Vaterlandes handelt k

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