Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 39 (23.9.1870)
- Date
- 1870-09-23
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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352 Bekanntschaft mit k. k. Regierung-beamten ungemein stützen und in dieser eine voraussichtliche Erledigung ihrer angestrrbten Zwecke erblicken. Wir sind bereit diese- Selbstvertrauen zu erhärten. Gegen ein? derartige Vertrauen-seeligkeit wird es natürlich den isr. Gemeindemitgliedern immer schwierig, da anzukämpfen, wo es sich um deren eigenen Interessen handelt. Wohin soll man dann seine Beschwerde richten, wenn schon im Vornherein dir Herren der jüdischen Repräsentanz ihre- Siege» gewiß sind? Die Entscheidung über die Josesstädter Schulangelegenheit liegt nun nach der vom Stadtrathe angemeldeten Berufung in den Händen de» h. k. k. Staat-Ministeriums, von diesem hängt es ab, die Gründe der erstinstanzlick.e. *rlcdi. gung zu prüfen, und zu entscheiden, ob man r .i Rerbe die Jugend und deren Bedürfnisse oder die 'Kütr'.ö'"' . Vo jüdischen CultuS-Repräsentanz ins A' / zu Sollte wider Erwarten die Entschc .!.!. Staatsministeriums gleichlautend sein m>. k. k. Landrsschulrathes, dann hätten wir in der liouaicti Aera der jüdischen EultuS-Repräsentanz eine Iudenschule zu danken, deren Abschaffung man mit Jubel begrüßt hat. 8. Prag den 22. Sept. 1870 (0. K.) Die erste am 20. d. stattgehabte Hauptversammlung wurde um9 Uhr Vormittags eröffnet. Herr Bürgermeister Dittrich war erschienen, um die versammelten Lehrer Namens der Stadtgem. zu begrüßen. Hr. Prof. Dr. C h c v a l i e r begann nun nach Aufforderung des Vorsitzenden, seinen angemeldeten Bortrag „Herder als Pädagog/ In demselben charakterisirt er vorerst das Jahrhundert der Reformation und schildert Herders Verdienste um die verschiedensten Zweige der Wissenschaft und um die Pädagogik. Hierauf gelangt der zweite Gegenstand der Tagesordnung „über die Mängel des Volksschulgesetzes" zur Debatte. Ein gewisser Kohn, wahrscheinlich Ho- ^'IP 111 I IIP'H II nur in dein Bewußtsein, daß Sie meine „Memoiren" veröffeutlichen. Wollen Sie schwören?" Tief ergriffen von der Sprache des jungen Mannes, fdesien trauriges LovS mir nur overstächlich bekannt war, erhob ich meine Hand und faßte: „ich schwöre!" Freude trnnkc» küßte mir, ohne daß ich cS verhindern konnte, Rudolph lubok die Hand und entfernte sich rasch, fortwährend, den innigste» Dank stainniclnd. Ich ivar tief bewegt und konnte die ganze Rächt hindurch nicht einschlafcn. Rach einigen lagen crbielt lch die erste Verlustliste und erfuhr zu meinem Entsetzen, daß Ludolph luhok bei der Schlacht voil Wärt h den Hcldentodt gefunden. Er muß sehr tollkühn gekämpft haben, denn kl hatte sechs Scbüffe mitten durch die Brust erhalten. Seine irdische Hülle ruht auf französischeil Bode», mit den edelsten Söhnen Deutschlands, ein gemkiiisameS Grab thcilcnd. Das Herz das für astcS Hohe und Edle so heiß geschlagen, bat zu hämmern' aufgchört. Friede seiner Asche! Ehre seinem Andenken! » 4 ♦ Rachdem ich leider die traurige Gewißheit von dem Tode des nierkwürdigcn Jünglings erhielt, cröffncte ich das Manuskript und habe ich siüchtige Aufzeichnungen und Rotizeil vorgcfunden, die ich hier, in einzelnen Details umgcarbeitet, dem geehrten Lefepublieuin über-, gebe. Beim Lesen dieser „Memoiren" hat mich oft ein herber Schmerz niedergedrückt, zumal ich mir gestcbeil mußte, daß dieses junge Leben unnüß verblutet, indem es gegen eine Anstalt gewühlt, auf welche die Worte des Dichters mit Recht angewandt werdcil können: Ja. das Schrecklichste auf Erden Ist der Kampf mit llngeziefcr Dein G—f als Waffe dient! — Das Duell mit einer Wanze! — — hepriester zu Litten, findet da- Bolk-schulgesetz mangelhaft und schildert ist einem sehr unangenehmen Kikeriki ähnlich« Tone die großen und kleinen Leiden de- Lehrerstand«» und markirt das Schicksal der zahlreichen deutsch-jüdische» Schulen auf dem Lande als ein trauriges. Als langjähriger Lehrer auf dem Lande bin ich in der Lage, mich von der Wahrheit der angeführten Thatsachen von Seife des Hr». Kohn zu überzeugen, und ich bin gewiß einer von jenen, die den, deutschen Lehrertag freudig begrüßten, der dazu bestimmt war, vor dein Tribunal der Oeffentlichkeit gerechte Beschwerden zu führen. So lange demnach der obskure Lehrer Koha bei der Sache blieb, hatte gewiß Niemand gegen seine Expektorationen etwaeinzuwenden, so bald aber derselbe mit einer unverantwortlichen Keckheit gegen „den Großgrundbesitz," gege» „clericalen Einfluß," gegen „einige Schreier, die das Volk am Gängelbande herumführen" gegen den „Druck des Sta» rosta" spricht, muß sich das Gemüth jedes noch so deutschesten Lehrers empören, weil die Klagen des Redners nicht nur Beschwerden waren, sondern Verdächtigungen und Angriffe, die von einem jüd. Lehrer in einer Versammlung von Christen ausgesprochen, nur Gehäffigkeit zu erzielen, bezwecken. Es muß somit jeder Gebildete, ob Lehrer oder nicht, den Schulmeister von Litten in die Schranken des Anstandes zurückweisen, ans daß doch dieser nach eigenem Wunsch „der erste Beamte des Staates" werden könne.. Es ist keine geringe Selbstüberschätzung des Herrn Kohn der erstes Beamte im Staate sein zu wollen. Wenn solche Männer wie der jüdische Schullehrer von Litten, am Ende die Anforderung stellen, die Reichskanzlerschaft des Grafen Beust zu übernehmen, so wäre das allerdings kein kleines Wagestück! Herr Kohn denkt freilich sehr praktisch, wenn er dem ersten Beamten im Staate eine bessere Stellung zumuthet als einem jüd. Lehrer. Hat aber auch Hr. Kohn von den jüd. Lehrer» auf dem Lande in dieser Richtung gesprochen, daß sie größtentheils einseitig gebildet, oft nicht über die AnfangSgründe der deutschen Sprache hinaus find, hat er darauf aufmerksam gemacht, wie viele der jüd. Lehrer auf dem Lande mit den frivolsten Dingen ihre Zeit vergenden, würde er dieß gethan, hätte er sich auf den Rechtsstandpunkt gestellt, nebst den Mängeln des Volksschulgesetzes auch die Mängel der jüdischen Lehrer ehrlich und offen gerügt, dann hätte gewiß die Versammlung, anstatt die Gemeinden, den Starosta, den Großgrundbesitz als Schuld tragenden Theil anzusehen, die jüdischen Lehrer vcrurtheilt, diesen kein besseres LooS gegönnt, wie dasselbe Herr Kohn so gräulich geschildert hat. Wenn nun dieser moderne DemosteneS aus Litten Klagen über Raub der deutschen Muttersprache in böhmischen Gegenden geführt hat, warum hat er nicht in dem kurz vor dem deutschen Lehrertag, getagt habenden böhm. Lehrertag seine Beschwerden heruntcrgeredet, warum meuchlings die Böhmen aufallcn? Soll das in dem Charakter eines jüdischen Lehrers liegen? Vermag ich mir in der That nicht den Zweck der in Litten eingekeilten in Prag förmlich herausgekrächzten Rede zu erklären, so erlaube ich mir nur dem hohen Priester von Litten zu bedeuten, daß er sich s e i n e r deutschen Muttersprache wegen einer unnützen Furcht aussetze. Mag nun der Schulmeister Kohn, wie er apodiktisch spricht, „mit der Verfassung stehen oder fallen" oder der „erste Beamte im Staate" werden, er möge bei seiner Heimkehr in Litten einen ähnlichen Speech versuchen, mit dem er in Prag sich so sehr vom Herzen und Magen gesprochen hat. So viel jedoch zur allgemeinen Richtschnur: Der jüdische Lehrer, wie solcher Zweifelsohne Herr Kohn ist, ist von der jüd. Gemeinde ausgenommen, von ihr bezahlt und verpflichtet, die Schüler in deutscher und hebräischer Sprache zu unterrichten. Nikmanb hindert weder den Lehrer noch die Schüler daran und kein Großgrundbesitzer, kein Starosta u. s. w. haben etwa» mit dem jüdischen Lehrers» schaffen. Ich achte das Versammlungsrecht, verkenne nicht den Zweck eines deutschen Lehrertages, wenn dieser nützlich angewendet, nicht zu gemeinen eine» Lehrerunwürdigen Verdächtigungen benützt wird. US» ist aber empörend, wenn bei dem Takte der anwesenden christü-