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Die Gegenwart · 1870-09-16 · 38 (16.9.1870) · p. Seite 344

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
38 (16.9.1870)
Date
1870-09-16
Page
Seite 344 (sequence 4)
Language
German
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— 3*4 Hali» schlecht, weil sie mit der Ehrlichkeit nicht durchzukomme« gruben. So gestaltete e« sich auch bei den letzten Landtagswahlen. Um nur die alten Abgeordneten, deren Sprach» and Lhateulosigkeit sprüchwörtlich geworden, wieder in den Landtag -u bringen, mußten diese politischen Herren mit der Io« sefstädter Schule demonstriren, welche vom Stadtrathe ausgelassen wurde. Dieser Witz mußte herhalten, auch wenn er schlecht und gemein ist. Um nur nicht nach dem Wunsche einer Bersöhnung anstrebenden Ration zu handeln, mußte mau doch wenigstens den Stadtrath verdächtigen, und dieses Alles nur zweier Herren wegen, von denen der eine das Judenthum fiir ein Mamutthicr anschen dürfte, der andere seine Apathie für da- Judenthum mit eincin Ehrensitz im Tempel deS Herrn nur bemäntelt. Man blicke nur rückwärts, um zu urtheilen, wa« für einen stutzen die Faktoren der Repräsentanz der JsraelitenGemeindc gebracht haben. Nichts als Zwietracht, Haß und Skandal. Wenn man diese Spezialitäten auch Nutzen nennt, dann ist er allerdings groß zu nennen. B. VochenchromK. *H* Journalistische Stimme über die Josefstädter Landtagowahl. Au» Prag liegen unö, so schreibt die in Breölau erscheinende „Jsr. Wochenschrift," Artikel aus der „Politik" und verschiedene Wahlmanifeste vor, welche die am 24. d. M. vollzogene Landtagswahl und die Stellung der Juden zu ihr zum Gegenstände haben. Es handelt sich um Deutsch oder C^chisch, oder nach den von der czechischcn Partei an die Juden gerichteten Aufrufen um einen friedlichen Ausgleich gegenüber (Kleiner Schelm!) und rathe ich Ihnen, wähle» Sie da» Erstere. Inder Br.er und Schl.. cn Ieitung können Sie Ihren Widerruf veröffentlichen, und ich schwöre e» Ihnen bei meiner E h r e (kluges Kerlchen!,) daß wir Sie mit Stipendien versehen, Ihne» Alles verzeihen und Sie brüderlich Neben wollen l" „Ja — widerrufen oder Auftreten l" schrie das Echo desDr. A.der Professor der Homiletik, Dr. A—n der blöde Pädagoge." Alle Augen richtete» sich nach Lndvlph Tuhok. Er schritt aus der Menge hervor und näherte sich dem Eitze deS Direktors. „Herr Dr. §.sagte er," ich willfahre dem Willen Ihre» alter ego. I ch trete hiermit au S Ihrer Anstalt a u ». Eie haben mir die schönsten Tage meine» jugendlichen Gebens vergiftet, Eie haben mich entehrt und vor öffentticher Berfaumituug geschändet — Sie und dieser da (auf Dr. Ä.zeigend) und alle Ihre Satelliten sollen es düsten! Ich scheide, aber meine A a ch e wird Eie und Ihre Anstatt, mit Allem, was drauf und drunter ist, überall verfolgen und ängstigen. Eie glauben, mir jetzt die Pistole an die Brust sitzen zu müffe». indem Sie mich zum Austritt aus Ihrem Institut zwingen — e» wird eine Zeit kommen, wo Sie und Ihre Trabanten diese Stunde bitter bereuen werden. BiS dahin. Sott befohlen, Dr. Ignaz v. Lovola I — Mit einem Sprunge war Ludolph Tuhok aus dem Bereiche der Seminaristen verschwunden, wie ein Blitz rannte er die Treppen hernnter und war im Ru auf der Etraste. Der Direktor und die übrigen Jesuiten sahen sich wie die Auguren an. von denen ü i e e r o erzählt, daß sie sich gegenseitig «Mander ins Gesicht lacheii »uüffe». Die ganze Gesellschaft war auch unsterblich lächerlich — Jonathan S w ist würde sie für Bürger aus Liliput gehalten haben.— — — Wische, beiden Rationalitäten. Als Vertreter dieses Programmewerden den Wählern vorgeschlagen „die beiden Ccmdidaten der Fortschrittspartei, Herr Stadtrath Jos. Bläha und Herr MDr. Siegfr. Kapper, in deren Wahl, so wie beide Eonfeffionen in ihnen vertreten sind, unsere Mitbürger auch den Austausch einegegenseitigen Unterpfandes wohlmeinender und aufrichtig herzlicher Verständigung erkennm mögen!" — wie es in einem Aufruf heißt. Bon der anderen Seite scheint die Agitation ihren Sitz im „deutschen Casino" und ihre jüdischen Vertreter in den Herren Dr. TedeSco und Dr. Wirrer zu haben; e« wird über einen gewaltigen Druck geklagt, den diese Männer auf einen großen Thcil der jüdischen Wähler geübt haben sollen. *** Mandatsniederlegung. In der abgelaufenen LandtagSsrfsion hat der Landtagsabgeordnete Hr. I. S. Skreyöovsky, bevor die Cvnsequenz zu überschreiten und entgegen seinem Mandate zu handeln, nach einer fulminanten Rede sein Mandat niedergelegt. Nicht so würden es die Herren Dr. Tedesco und Dr. Wiener thun, die doch nur durch Zwang und allerlei Forcemittel gewählt wurden, da ihnen der LandtagSsitz mehr gilt als das Interesse ihrer Glaubens» genossen und der Friede zwischen diesen und den Mitbürgern. Wir sind überzeugt, daß im Falle alle Landtagsabgeordne» ten ihr Mandat niederlegen möchten, die Herren TedeSco und Wiener sammt ihrem Gesinnungsgenossen Dr. Randnitz im Landtage verbleiben, auf die Gefahr hin, daß Wiener die Rechte, TedeSco die Linke und Raudnitz das Ccntrum bilden würden. Offen zu sagen, hätten wir eS lieber gesehen, wenn diese Herren statt deS Hrn. SkreyöovSky ihr Mandat niedergelegt hätten. *** Nenovirung. Die RenovirungSarbeiten in der großen Hofsynagoge sind bereits vollendet, so zwar, daß in derselben zu den bevorstehenden Festtagen der Gottesdienst wieder ausgenommen werden wird. Gleich beim Entree, zu dem eine breite lichte Treppe führt, wird man von der innern Ausstattung der Synagoge nahezu überrascht. Die Wände schmückt eine im angenehmen Braunroth ausgeführte orientalische Malerei, der Plafond "rcpräsentirt einen blauen mit Goldsternen besäeten Himmel. Zur Bundeslade, die einfach aber geschmackvoll mit weißen stark vergoldeten Säulen geziert ist, zwischen denen die Gesetztafeln MoseS angebracht sind, führen von beiden Seiten Stufen, welche ein mit Draperien verkleidetes Galender verbindet, vor dem sich zwei imposante GaSkandelaber erheben. Nicht weit von der Bundesladc, ist, um auch dem alten RituS gerecht zu werden, der Almemor in sehr niedlicher Form angebracht. Die Synagoge wird von einer großen Anzahl Gasflammen beleuchtet, die aus den zierlich gearbeiteten Wandleuchtern strömen. Letztere stammen aus der städtischen GasbcleuchtungSanstalt. Um die Angabe und die Bewachung der RenovirungSarbeiten hat sich der Synagogenvorstand, in erster Reihe jedoch Herr Beit S. Bondi Vorstandsmitglied verdient gemacht; auch Herr Joseph Kassowitz Synagogenmitglied hat an dem Arrangement einigen Antheil. Hervorzuheben ist noch die Con» sequcnz des Synagogenvorstandes, mit der dieser die Renovirung der Synagoge durchgesetzt, ohne erst an die Kultu»- Gcmeinde-Repräsentanz bettelnd herangetreten zu sein, welche dem Synagogenvorstande das bei der betreffenden Behörde angesuchte Anlehen verrammelt hat. Uniformen für Ausläufer anfertigen zu kaffen, um sich selbst auf Beamte hinauf zrr spielen und das Geld der Gemeinde hinauszuwerfen, das paßt der CuluSrepräsentanz, eine Synagoge bloß durch Worte zu unterstützen, verschmäht sie. Die große Hofsynagoge, dere» Cantor Herr Bachrach zur Verherrlichung de- Gottesdienstes beiträgt, ist heute dennoch eine der schönsten Synagoge» Prag'». V Handeioiebranstait. Wem es zu thun ist, sich eine gründliche Kenntnis der Handel-Wissenschaften anzurignea, dem empfehlen wir die vortheilhaft bekannte HandelSlehraa» statt des Hrn. Adolf N o c a r, welcher beim Unterrichte eine leichlfaßliche Methode anwendet, durch die edem Schüler ermöglicht wird, mit Theorie und Praxi« gewaffaet, ist*

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