Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 38 (16.9.1870)
- Date
- 1870-09-16
- Page
- Seite 342 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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342 \ sich zu ’.inbictrtn, — oder deutlicher gesagt, die Ehrenstellenertheilung von der CultuS-Rkpräsentanz abhängig zu machen, um dann iitit bezirkS- und landeSschulräthlicher Leidenschaft über alle« das herzufallen, wanichtnach dem Geschmacke dedeu'schen Casino auSfällt. Die Josefftädter Schule, dawußten die Herren, die sich gegenseitig mit Ehrenstellen einen holden Lenz bereiten, werde einmal bei erfolgter Auflassung durch die Stadtgemeiude ein saftiger Braten sein, über den die schulräthlichen Herren Raudnitz und Wiener mit deutschen Appetit herfallcn werden, nm die Stadtgemeinde nicht nur in deren Rechte zu schmälern sondern sie auch nationaler Tendenzsucht zu beschuldigen. Beide Advokaten wiflen so gut wie die ganze Repräsentanz, daß ein ehrlicher Mensch beim Abschlüße eines Vertragedaran denkt, diesen ehrlich durchzuführen und nicht hintendrein durch eine schlaue RechtSvcrdrehuug den Vertrag annulliren oder wenigstenpartiell verkürzen zu wollen. Herr Dr. Wiener hat, wahrscheinlich im Aufträge der Cultusrepl äsentaiij, der er zur Sicherstellung jeder künftigen Wahl verpflichtet sein muß. handeln zu müssen geglaubt, ohne zu bedenken, daß die Competenz der CultuS Repäsentanz mit dem Verschwinden dekonfessionellen Charakerv der Josephstädter Schule, die früher eine Judenschule war, aufhörte. Herr Dr. Wiener hat nicht- Besserezu thun gewußt als diesen Gegenstand dem LandeSschulrathc vorzutragen und über ihn Bericht zu erstatten. Er hat dicß zweifelsohne in einer Weise gethan. daß, sobald Herr Wiener A gesagt der ganze LandeSschulrath B sagen mußte. Mit der Auslassung der Josefstädter Schule hat der Prager Stadtralh seiner Zeit beschlossen, die israelitische Jugend an den Besuch der städtischen BokSschulen überhaupt, der für eine lärinendr Klatsch, und rratschgescllschaft! Ein Pfeife», Schreie» . Joben . Schimpfen . rin widerliches Durcheinander van Stinnncn. an» deren Chao» inan kein einzige» Wart verstand! War man in Wadrheit in der Synagoge, iva Ordnung, Ruhe und Andacht herrschen müssen, oder vielmehr in einer Wcinkneipe, oder in einem Keller, wa eine betrunkene Harde sich der angeborenen Menschenwürde eutäußert und um jeden Prci» — Skandal zu machen bestrebt ist?! — Worüber echauffirtcn sich denn so sehr die Herren und Dan,e»? Galt dieser Höllenspektakel etwa der Diskussion über ein talinudische» Thema worüber sich die Pr.er Bachuri ni5) einander in den Haaren lagen? Oder diSputirten sic etwa über tantische, hegelsche oder schapenhaucrschc Philosophie? — 0, diese lockere Gesellschaft batte ganz andere Dinge im Kopfe, wie den S ch » l ch a n - A ru ch') Jorc-Dca/) die Acharonim") «nd R i s ch o n i m >') Auch war sie nicht im Geringsten angekränkelt van de» Gedanken- Bläffe, die etwa das Studium den großen philosophischen Geister in dem „strohencn" Kapitalium der IrsultenGarde hervorgerufen hätte! eine anständige Schinkenpastete mit Kurst belegt, einige Hammelkeulen mit fettem Speck waren den Herren jüdischen Seelsorgern iu »po bei Weitem angenehmer, al» solche Snbtilitäten wie z. B. der k a t e g o ri s ch c Imp er a t t v. da» R o u m r-u. o n und P h ä n o m c ii>n, das a b s olute Sei», die Bejahung und B e r » c i n u n g des Leben»! u. s. w. Eine ganz andere Affaire die hier in der „Schul" zum Außtrage kommen sollte, beschäftigt heute die Schüler LoyolaS! Der Schrecken der Anstalt, der Popanz des Direktors und seiner Schergen, der leibhaftige „Sei- Beiu»S," vor dcffen Rainen das Mucker- Institut zittert und in seinen innersten Grundfesten erbebt, — der wieder genesene Ludolph Tuhok soll heute vor daS Schiedsgericht der .jüdisch-theologischen" Anstalt gestellt werden und sich fürstine literarischen Attentate auf da» Zopsthum und die Perivorfeilheit de» Br.er Muckerthums rechtfertigen I Hei, jubiliren die Sbirttn, das wird eine Haupthcßc abgebcn! Endlich wird doch die bohr Leder gefällt, u. z. unter dem Hohne der Judenschaft der ganzen S t a d t Br.die zu dieser ') Student«. ') Gedeckter Tisch, d. i. talmudlschr» Kodex. ’) Edendasseldr. *) Dir späten» Lalmudlrhrer. Altstädter deutschen Haupt- und Mädchenschule und der deutschen Schule bei St. Maria de Victoria zu verweisen und dadurch dem § 4 drs Erlaßedehohen k. k. Staat-ministeriumS vom 22. Jäner 1861 vollkommen Rechnung getrager. Diese Verfügung wurde aber durch den k. k. LandeSschulrath auS dem Grunde annnllirt, weil nach der dortstelligen Auffassung die Josefstädter Schule eine öffentliche Volksschule ist, und derlei Schulen nur mit Bewilligung der k. k. Schulbehörden aufgehoben werden dürfen. Der Kostenaufwand der Josefstädter Schule wurde aber bisher aus den Mitteln der isr. Gemeinde bestritten und die Schule selbst, für eine die isr. Schuljugend unterhaltene konfessionelle Schule behandelt. Das k. k. Staatsminist, hat überdicß die Vereinbarungen über die Unterhaltung und die Auflassung der Josefstädter Schule im I. 1861 genehmigt, und da der Wirkungskreis des k. k. Staat-minist, auch auf das Bolksschulwesen sich erstreckte, zur eventuellen Aufhebung der Joscfst. Schule als oberste k. k. Schulbehörde die Zustilninung ertheilt. Die präg. Stadtvertretung glaubt somit coiiscquenter Weise zur Unterhaltung der Josefstädter Schule, welche in ihre Verwaltung als eine Konfessionsschule überging, weder verpflichtet noch berechtigt zu sein. Da übrigens die Umwandlung der Josefstädter confessioncllen Schule in eine öffentliche Volksschule nicht geboten erscheint, hat der Stadlrath wider die Entscheidung des k. k. Landes SchulratheS die Berufung eingcbracht und mittelst derselben dargcthan, daß die Prager Stadtgemeinde der übernommenen Fürsorge für den Unterricht der isr. Jugend derart gerecht wurde, daß der isr. Schuljugend, um dieselbe der christlichen Jugend gleichzustellen, sämmtlichc städtischen, insbesondere aber die deutschen Schulen wie dies übrigens bisher auch Hvchjagd feierlich eingcladen wurde!" — Die Rache, brüllen sie, ist ja eine Speise, die kalt genoffen werden muß!- Dicht an der Bundesladc saß der Direktor £.. neben ihm fran Rose und um das erlauchte Paar placiren sich die Hohen Herrschaften und Würdenträger des jüdischen Ultramon. tanismus. Mit dem Glockcnschlage elf erhob sich der Direktor £. von seinem Siße, in einer Hand die Ruhe verlangende Glocke, in der anderen ein Manuskript haltend. „Meine Damen und Herren," laS er vom Manuskript ab, nachdem er endlich zu Worte kommen konnte, ivir sind die Berkreter, der „jüdisch-theologischen" Wiffenschaft. Jeder Rabbiner und Prediger. der nicht auS dem Seminar hervorgeht, ist ein A m-H a a r e z *) Bitte sehr, vergleichen Sie über dieses Wort mein Buch: „Darte H a in i s ch >i a. "*) Ja doch ja, meine Herren, daher haben wir unS auch bisher alle Mühe gegeben das Judenthilin mit Wiffenschaft »nd Kultur zu versorgen, damit in Erfüllung gehe — ja doch ja— daS Wort der Rowi:") „Damit die Erde voll werde der Erkenntniß Gottes, wie Waffcr den Meeresgrund bedeckt." Bitte ebenfalls ergebenst, über diesen Satz meinen „M o w o I e r us ch a l in i '*) zu vergleichen. Durch GotteS allmächtigen Beistand haben wir bereits daS gebildete Judenthum mit unseren» Samen befruchtet. Nord- und Snddeutschland, Österreich, Ungarn. Galizien und andere Länder haben bereits die Segnungei» unserer Anstalt genoffcn, indem ivir überallhin unsere Schüler gesandt. damit sie erobern das Himmelreich und die Söhne Israel» beglücken mit Thora,") Aboda") und profaner Wiffenschast. Nachdem wir Jahrelang darauf loSgearbeitet, daß alle meine „cntlaffencn Hörer" sich in unserer Stadt versamineln und in diesen» Jahre mit der Hilfe de» „Höchsten" (die Eleatikcr nennen ihn rot^ die» auch erreicht habeil, ist ein junger Haman gegen un» ausgetreten. — ja doch ja, — meine Herren und Damen, aus unsrer eigenen Mitte gegen unS aufgetreten, der die Keckheit hatte. unS kritisircn und meistern zu wollen I! Ja doch ja, wir haben Sie hichcr berufen uin diesen Renegaten, diesen Abtrünnigen, diesen Korah, der eine ganze unseelige Rotte von biffigen Schrift- *) Ignorant. I0) Die Wege der Mischna. S. oben.'') Prophet» ") Einleitung zu« Talmud Jerujchalmi. ") Lehre. ") Gottesdienst.