Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 37 (9.9.1870)
- Date
- 1870-09-09
- Page
- Seite 337 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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SS7 Nabbiaea audem A«-l«mde ihrer höhern Bildung weg«. Wir rathen dem H. Corp. eine Rundschau zu halten, einen Blick nach S . . . . nach £.nach P. nach L.zu werfen, wo in den Gemeinden die Rabbiner vom Au-lande thronen, und er wird gestehen, daß nicht die höhere Bildung, sondern daß sie überhaupt Au-länder sind, ihr größere-, vielleicht ihr einzige- Verdienst ist. lvocheuchromk. *,* verein „Chanuka". Vor einiger Zeit nahm der Vorstand de- Vereinezur Unterstützung (kompletter Bekleidung) armer israelitischer Kinder „Chanuka" wieder seine Thätigkeit auf. Im Interesse der edlen Tendenz diese- Vereine-, der sich seit seinem kurzem Bestände allseitiger Sympathien erfreut, appelliren wir an den bekannten Wohlthätigkeit-sinnder Israeliten und muntern diese auf, sowol dem Vereine mit dem Jahresbeitrag von nur Einen Gulden beizutreteu, als auch dem Vereine Spenden von Effekten, wenn auch im kleinsten Maße, zufließen zu lassen. Die Redaktion erbietet sich die vom Lande eingelaufenen Geld- und Effektenfpenden zu Händen de- Verein-Vorsitzenden zu übernehmen und durch diesen den Empfang bestätigen zu lassen. Spender, die in Prag ihren Wohnsitz haben, wollen sich direkt an den Vereinsvorsitzenden Hrn. Friedmann Leipen (im Kin-ki'schen Palais am Altstädter Ring) wenden. *** Deutsche Bühne. Morgen Samstag den 10. d. stellt sich der jugendliche Charakterdarsteller Herr Carl Löwe der bereitauf mehreren Bühnen Deutschland'- mit entschiedenem Glücke auftrat, in einem einmaligen Debüt im «Kaufmann von Venedig" dem Publikum seiner Vaterstadt vor. Er wird den Shylok spielen, eine allerdings sehr schwierige Rolle, die sich von den gewöhnlichen Paraderollen, wie Franz Moor u. s. w. wesentlich unterscheidet. Bei dem jugendlichen Alter de- Darsteller- — er zählt erst 21 Jahre — ist da- Auftreten in der Rolle de- Shylok jedenfalls ein Phänomen. Die Vorstellung verspricht bei der Mitwirkung unserer einheimischen Künstler eine sehr interessante zu werden. *.* Romanliteratur. Den 7. d. erschien der der „Politik" beigegebene Roman „Die Glockenstürmer von Komotau", der Siegfried Kapper zum Verfasser hat, als beendet. V Journalistische». Wir brachten in der letzten Nummer dieser Blätter die Notiz, daß die „Jüdische Presse" emgegangcn ist. Diese Meldung war der „Isr Wochenschrift" entnommen. In deren jüngsten Nummer dementirt sie die von ihr gebrachte Notiz. Die „Jüdische Presse" erscheint demnach fort. V Gedenktafel. Biele kommen in die Lage, de-Sterbe- Jahrestageihrer Eltern oder sonstiger Verwandten nicht gedenken zu können, weil oft dagenaue Datum in Vergessenheit gerathen ist. ES 'wird sonach bei Manchem eine Erinnerungstafel zum Bedürfniß. Diesem wußte Herr I. M. Friedenthal in Triesch mit der Herausgabe eineprachtvollen Tableau abzuhelfcn, welches mit kalligrafischen Zeichnungen und Emblemen geziert, mit passenden Inschriften in deutscher und hebräischer Sprache und mit, zur Ausfüllung der Sterbetage geeigneten leeren Räumen versehen ist. Das Tableau bildet überdieß eine schöne Zimmerzierde. Das Debit hat die Firma Senders und Brandeis übernommen, an welche sich die Besteller, unter genauer Angabe der deutschen und hebräischen Namen der Verstorbenen, so wie da- Datum de- Sterbetagenach hebräischer Zeitrechnung wenden wollen. Ein Tableau im klein Folio Format kostet loco 1 fl. 25 kr. mit Postversendung und Emballage 1 fl. 50 kr. .Inland. Au- Holir» wird berichtet: Die k. k. Familienherrfchaft Holichat auch da- Patronat über die Kirche. Borige Woche kamen Kirchenäcker zur Verpachtung, zu welchem Zwecke eine öffentliche Licitazion anberaumt wurde, bei der sich auch einige israelitische Oekonomiebesitzer elngefuuden hatten. Diewollte jedoch der hierortige Pfarrer Schmircr nicht zulassen, daß auch Israeliten Kirchcnäckcr pachten sollten, und hatte diese Weigerung über Verlangen eines Israeliten auch schriftlich abgegeben. Diese schriftliche Weigerung lautet: „Nach Anordnung dehochwttrdigen Ordinariatzu Tirnan bei Vornahme der Kirchenäcker. Verpachtung ist dem gefertigten Pfarramte angedeutet, daß die Verpachtung der obgenannten Aecker ausschließlich nur zwischen den Gläubigen der Kirche vorzunchmen sei. Pfarramt HolicS, 25. August 1870. Schinirer, Pfarrer." Wien Der israelitisch polnischen KultuSgemcindc war von der betreffenden Behörde die Bewilligung rrtheilt worden, behufs Erbauung eineneuen Gottcshiuses Sammlungen einzuleiten. Diethat auch ein Unbefugter, indem er den angesehensten Bankiers mittelst gefälschter Quittung bedeutende Geldbeträge entlockte. Die Sichcrhcit-dchördc wird diesen Schwindler wohl auszuforschcn wissen. — Vor einigen Tagen fand hier der Uebcrtritt des Fräuleins Hildegarde Eibenstein;um mosaischen Glauben statt, um Herrn Girolamo Lewi, Großhändler, zu heiraten. Herm. TodcSco'schcS Spital in Baden bei Wien. Bor ungefähr 30 Jahren wurde hier auf Kosten des Herm. TodeSco ein Spital sammt dem Ferdinandsbadc errichtet, da aber damals noch kein Israelit hier Besitz haben durfte, so mußte Hr. Baron von Dobbclhof (Katholik) seinen Namen pro form» hergeben, wofür ihm die Courcssion gemacht wurde, daß auch 25 Christen Aufnahme finden sollten, ebenso dürfen Arme ohne Unterschied im Ferd. Bade ihre Cur gebrauchen. Früher war in der Anstalt.nur ein christl. Inspektor der aber oft die jüdischen Kranken schlecht behandelte, daher jetzt in der jüd. Abtheilung von der Wiener isr. EultuS-Gcmcinde H. Pollak angestellt ist, der mit Umsicht und Eifer seine mühevolle Pflicht erfüllt. Seitdem, leben auch die beiden Eonfcssionen in schönster Friedfertigkeit. Nachdem Stiftbricfev. An uo dazumal hat der hiesige Magistrat über die christl. Abthcilung zu verfügen, doch könnte, wie ich glaube, die hiesige oder Wiener isr. Gemeinde es bewirken, daß diese unberechtigte Einmischung beseitigt, und einer liberalen Anschauung der Jetztzeit Raum geschafft werde. ES ist recht und billig, daß die Verwaltung ganz in jüd. Händen sei, nachdem die Stiftung jüd. Gelbe ihr Entstehen und ihre Erhaltung verdanken (vurch em Todesco'sches Fond) wie auch schon die H. v. Todcsco (Söhne) nicht Zeit und Lust haben, sich um dieses ihnen zustehende Recht zu bewerben. 8. G. Cfrldu. Dem hiesigen ungarischen Blatte „Egcr" zufolge baut die israelitische Gemeinde zu Pest e»ne neue Synagoge in der Hombachgasse. Das Gebäude, dessen Kosten man auf eine Million Gulden bestimmte, soll eines der monumentalen Merkwürdigkeitrn der Hauptstadt werde». Die Synagoge soll den Wünschen der kouscrvativru Partei entsprechend gebaut und eingerichtet werden. Ausland. Franskurt. a. M.31. August. Lazarus Geiger. Die Wissenschaft hat wieder einen schweren Verlust erlitten.. Gestern Morgen starb (wie schon gemeldet) im 42. Lebensjahr Lazar Geiger der mit dem im I. 1*«»* im Eotta'schen Verlag erschienenen ersten Band seines bedeulenden Werkes „Ursprung und Entwicklung der menschlichen Sprache und Ver nunft den Grund zu einem gewaltigen und genialen sprachphilosophischen Gebäude gelegt hat, nämlich zu einer ,Ge-