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Die Gegenwart · 1870-09-09 · 37 (9.9.1870) · p. Seite 338

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
37 (9.9.1870)
Date
1870-09-09
Page
Seite 338 (sequence 6)
Language
German
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338 schichte der Begriffe." beider ist nur der erste Band im Druck erschienen; der zweite Band liegt zwar druckfertig da, allein «S ließ sich bei dem rastlosen Eifer de- Verfassers erwarten, ^aß er denselben noch mit zahlreichen, sein rminentr- Wissen bekundenden Anmerkungen versehen haben würde, wie er ja das Manuskript seit S Jahren fortwährend umarbeitrte. Zum dritten Bande der namentlich die Entwickelung der Begriffe auf dem Gebiete des Mythus und der Religion behandeln sollte, liegen nur Vorarbeiten vor. Einen populären Ueberblick über die ganze Aufgabe, die er.sich gestellt hatte, gab Gei. ger in dem 1*09 gleichfalls im Eotta'schen Verlag erschienenen ״Ursprung der Sprache." Seine letzte Arbeit war daS Schulprogramm der israelitischen Real- und Volksschule in Frankfurt a. M., an welche er 9 Jahre lang als Lehrer Ihätig gewesen ist. Diese höchst originelle Abhandlung bespricht die ״Deutsche Grammatik als Lehrgrgenstand an deutschen Schulen."_ Drückfrrtig sind auch 9 Abhandlungen, unter andern der im vr> stoffenen Winter gehaltene MuseumSvortrag über ״Die Entstehung des Feuers," ber ebenso großes Aufsehen erregte als der im Jahre 1867 in der Naturfor scherversammlung mit seltenem Beifall aufgenommene Vortrag über den ״Farbensinn im Allerthum". Geiger erlag einem Herzleiden mit beginnender Wassersucht. Er starb in den Armen seines treuen Arztes und Jugendfreundes, deö Dr. Theodor Neuburger, dem auch sein Hauptwerk gewidmet ist. An seinem Sarge weinen betagte Eltern und eine 96 jährige Großmutter. Berlin 24. August. Einem Gerüchte zufolge soll vom betreffenden Ministerium bei dem Vorstande der Hiesigen jüdischen Gemeinde die Anfrage gestellt worden sein, ob man einige jüdische Geistliche in das KriegSlager abgcvrdnct zu sehen wünsche. Ein Thril der jüdischen VerwaltungS-Körperschasten soll sich denn auch bereitwilligst für Abordnung des Herrn Gemeinde Rabbiners Dr. Geiger erklärt und den Wunsch ausgesprochen haben, auch den Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer mit abgeordnet zu sehen. Man glaubt, daß dadurch sich die Alles vereinigende ״Menschenliebe" in hochster ״menschlicher Gesittung" auf's Beste dokumentire. Breslau. Die Mittheilung, welche wir in der vor. Nummer über den Heldentod des Landwehr - Lieutenants I a s f e brachten, wollen wir heute mit Details aus der "Jüd. P." ergänzen. Der Gefallene war der Sohn dein hoher Achtung stehenden Kaufmanns Louis Jaffe aus Rawicz. Als die Eltern von dem Tode ihres Sohnes hörten, der, indem er seinem Zuge mit geschwungenem Säbel voranstürmcnd, von feindlichen Kugeln durchbohrt, dahingcsunken war, da ließen sie nicht ab, bis sie die Erlaubniß auswirktcn, daß ihr zweiter Sohn, der ebenfalls als Lieutenant hier in Breölau steht, in Begleitung eines verwandten Kaufmanns nach dem Kriegsschauplätze eilen und die Leiche recognoSciren konnte, um sie in heimatlicher Erde zu bestatten. Es ist den frommen Eltern der wenn auch schmerzliche Wunsch in Erfüllung gegangen. Ein dem Gefallenen befreundeter Arzt aus Brieg konnte dem tirfbrkümmertrn Bruder die Grabstätte genau angegeben, wo der Gefallene mit noch zwölf anderen Offizieren in einem Grabe vereint lag. Als der Gesuchte, den man durch den Siegelring und die Brieftasche genau rccognoScirte, vorgrsundrn war, wurden alle nöthigen Veranstaltungen gct» offen, um dir Leiche nach der Heimath zu tranSportirrn. Donnerstag vorige Woche langte dieselbe in Rawicz an. Die ganze Stadt, der ganze Umkreis, der Landrath und die Spitzen der Behörden, sowie selbstverständlich die ganze jüdische Gemeinde empfingen den zur Ehre seines Vatcrlandes so früh Geopferten. Die ganze Garnison begleitete mit Traurrmusik den Eonduct zum jüdischen Friedhofe, woselbst die erschütternden Gcwrhrsalvrn es laut verkündeten, daß die Söhne unseres Stammes auch fürs Vaterland zu kämpfen und zu sterben wissen. Der zufällig in Rawicz anwesende Rabbiner Braun aus Schncidemühl, ein entfernter Verwand- Irr des Gefallenen, hielt die Leichenrede. Kein Auge blieb thränenleer beim Anblicke deoffenen Grabe-, in dadie schönen und ttostreichcn Worte de- Rednerhinab ertönten. DaS Räuberunwesen, welchesich seit schon längerer Zeit im Nachbarstaate Moldau, wie auch iman» grenzenden Siebenbürgen fühlbar macht, erstreckt nunmehr schreibt man au- Atanyynetz (Bukowina,) 29. August, auch seine Thätigkeit auf die Bukowina, wo man bisher von organisirtcn Räuberbanden iu den neuesten Pnioden nur selten hörte. Wir erhalten soeben aus Suczawa von glaubwürdiger Seite die Nachricht, daß vor ungefähr achd Tagen auf dem Gute Komanestie (bei Suczawa) der Pächter Mendl Simchc, während er im Kreise seiner Familie beim Abendessen saß, von einem Haufen bewaffneter Bauern überfallen und zur Herausgabe seiner Barschaften aufgefordert wurde. Obgleich nun mehrere Knechte und Nachbarsleute bei der Hand' wäre», so wurden diese dennoch von der drohenden Stellung der Räuber im Schach gehalten, und Mendl Simche, die Ohnmacht des Widerstandeerkennend, zahlte an die ungestümen Förderer 6000 Fr., worauf sich dieselben entfernten, ohne eine Gcwaltthat auSgeübt zu haben. ES soll diese Bande ein Theil jener berüchtigten Räuberhorde sein, welche schon seit längerer Zeit damoldan-siebenbitrgische Grenzgebiet unsicher macht und durch die vor Kurzem stattgehabte Stteifung versprengt, den Boden der Bukowina alneues Feld für ihre nächtlichen Züge auSersah. Paris. In demselben Maße wie die deutschen Juden durch Zeichnung von beträchtlichen Summen für die Verwnndeten sich hervorgethan, geschieht es auch von unfern französischen Glaubensgenossen. So gab das Hau- Rothschild 50.000 Fr., Frau Furtado 25,000 Fr., Frau Heine 40,000 Fr., viele Andere 1000 Fr. In den Synagogen sind Sammelbüchsen ausgestellt, durch die ebenfalls schon namhaftes Geld eingcgangen ist. Gröningen. (Holland) Unser GlaubenSgenoffe, Herr I. Oppenheim wurde am hiesigen Gymnasium al- Lehrer der Staatskuudc angcstellt. (N. I. W.) Mein letztes Wort an Herrn Treuenfels in Stettin. Durch Vornehmthuerci kann sich der Mohr nicht weis waschen; die allerbeste Seife der Spitzfindigkeit reicht nicht hin, die afrikanische Schwärze des GewissenS ein klein wenig zu — bleichen. Sie wollen, so schreiben Sie kleiner Schäcker, mit mir nichtzu thun haben — in diesem Punkte stimme ich ganz und gar mit Ihnen überein: es war für mich ein sehr peinliches Geschäft, mich mit Ihnen zu befassen. Aber Sie haben die furchtbaren moralischen Anklagen, die ich gegen Sie zu erheben gezwungen war, nicht entkräftet, und trotz aller Jesuiteukttnste sind und bleiben Sie solange ein erbärmlicher Denunziant, solange Sie nicht den Beweis der Wahrheit geführt haben werden. DieseS Urtheil fällt nicht der Unterzeichnete, der sich über Ihren Hochmuth wahrlich keine grauen Haare wachsen lassen wird, sondern die ganze gebildete Welt, die öffenl i ch e M e i n u n g. Leben Sie wohl kleiner Schäcker! Breslau, den 5. September 1870. Adolph Kohut tvochenanzeiger. im Monate September 10. Samstag — 14. Slul Thoraabschnitt תצא Hasthara מי עקרה ועניה סוערה Sabbatheingang 6 Uhr 55 Minuten Sabbathau-g. 7 Uhr 25 Minuten 15. Slnl I I. Sonntag

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