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Die Gegenwart · 1870-09-09 · 37 (9.9.1870) · p. Seite 335

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
37 (9.9.1870)
Date
1870-09-09
Page
Seite 335 (sequence 3)
Language
German
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335 p rovlsorischen Regierung zur Folge hatte, deren Mitglied auch Adolf Cremieux ist, glauben wir unseren Lesern «ine Biografie diese» Manne» nicht vorenthalten zu können. Adolf Cremieux, geboren 3V. April 1796 zu NimeSvon israelitischen Eltern, studirte, nachdem er seine Vorbildung zu Paris erlangt, die Rechte z» Aix, wo er 1817 Advocat wurde und bei mehreren Processen viel Talent und Muth entwickelte. Nach 1830 an Odilon Barrot'S Stelle zum Advokaten beim CasiationShofe in Paris ernannt, machte er sich hier einen populären Namen als Hauptvcrtheidiger der in Preß« und Eriminalproceffen verwickelten Opposition-schriftsteller und Demokraten. Während der Debatten über die orientalische Frage 1840 ergriff er eifrigst die Sache seiner Glaubensgenossen, unternahm eine Reise nach der Türkei und Aegypten und erwirkte die Freisprechung der wegen Unthaten gegen einen katholischen Priester angeklagten Juden zu Damaskus. 1842 trat er als Abgeordneter des Wahlbezirks von China» in die Kammer und ward auch 1846 wiedergewählt. Ohne mit der Julimonarchie zn brechen, führte er einen hitzigen Krieg gegen das Guizot'sche Ministerium und förderte kräftig die Reformbewegung. In den Februartagen von 1848, wo er sich anfangs für die Regentschaft der Herzogin von Orleans aussprach, aber infolge der übermächtigen Umstände, nicht ohne Bedenken, der Proclamirung der Republik britrat, wurde er Mitglied der provisorischen Regierung und übernahm bei der Theilung der Staatsgewalt das Justizministerium. Cr war im Departement Jedre in die constituirende Versammlung gewählt, welcher er als Regierungsmitglied und Minister Rechenschaft ablegte. Einen Monat später, bei der ersten Nachsuchung um Bevollmächtigung zur Einleitu ig einer gerichtlichen Klage gegen Louis Blanc bezüglich des Attentats vom 15. Mai sahen die Staatsanwälte Portalis und Londrin in Cremieux'S Votum zu Gunsten seines Eollegen eine Vcr- „Lassen Sir hören, K—sch I schrieen alle UM80U0 „K—sch soll leben I Lassen Sie hören!" „Sic wissen, meine Herrn," grinste K—sch, in einem widerlichen Dialekt entsetzliche Gurgeltöne antzstoßend, „Sie wissen, daß dieser Simson mit den schönen ungarischen Locken, dieser Hercules mit der wuchtigen Keule ein Schwächling wird, wenn ihm sein Geheimniß der Stärke verrathcn und zu Schanden gemacht wird. Diese Stärke beruht in der — Feder dcS Ludolph Tuhok. Run den», wir wollen den Gänsekiel ein für alle Mal seinen Händen cntwinden und die Waffe, die er bisher gegen unS gezückt, jetzt gegen l h n zu kehren suchen." „Wie wollen Cie daS anfangen liebster K—sch? schrieen die Herren RabbinatScaudidaten, vor Freude außer sich gcrathend und die Anwesenheit dcS Kranken ganz und gar vcrgeffcnd. _^—„Sie fragen-Nicht» einfacherwie bn6t dtr SchlaiM. die unS so oft in die Ferse gebissen, liegt jetzt todtkrank darnieder, aber bei ihrer zähen Lebenskraft kann sic urplötzlich erwachen und ihr Zischen und Gistspricn auf'S Rene beginnen. Wir müflcn daher rasch zu Werke gehen. Der Rabbiner Dr. G—n in der öfters rrichischen Hauptstadt, den die Otter ebenfalls wüthend angefallen, befindet sich noch hier. Sr. Hochwürdcn wollen wir den Beweis liefern, wie eS sowohl in seinem wie auch im Interesse einrS jeden Seminaristen liegt, Tuhok zu zennaimrn. Dr. G—n wird bei dem Direktor und den Lehrern eS wohl erwirken können, daß wir — natürlich anonym oder pseudonym — in Inseraten weitverbreiteter Zeitungen ängrcifen, während gleichzeitig daS Ceminar auf dem schwarzen Brett der Anstalt verkündet, daß der Seminarist Tuhok auSgestoßen und verwiesen wurde. Eo glaube ich, meine Herren, den Untergang dcS Störenfriedes leicht bewerkstelligen zu können, denn da weder die Lehrer und daS Direktorat deS Seminarnoch wir die Ursache der Ausweisung ungebrn werde», so wird die Welt gewiß der Ansicht sein, Tuhok hätte rin schwere-, entehrende-, denselben für alle Zeiten schändende- Verbrechen begangen!" „Hurrah, K—sch!" brüllten die Jesuiten „Sie sind ein Salan-kiudl Eie beziehen nicht umsonst ei» jährliche- Stipendiuin von 200 fi. von Ihrer Heimath Pr. . . — Sie find werth, daß leugnung der Befehlt, denen sie bei der Stellung jene« Antraggehorcht hatten,» und gaben ihre Entlassung, welche 7. Juni ebenfalls die Abdankung de- Minister« nach sich zog. Als Repräsentant trennte sich Cremieux bet Principienfragen nicht von der demokratischen Linken bewies aber wenig Sympathie für die Regierung des Generals Cavaignac, sondern begünstigte vielmehr die Candidatschast deS Prinzen Ludwig Napoleon. Nach dessen Wahl zuin Präsidenten 10. Dezember näherte sich jedoch Cremieux der Bergpartei und war einer der eifrigsten OppositionSredner. Zur Gesetzgebenden Versammlung wiedergewählt. bekämpfte er mit aller Macht die Coalition der alten monarchischen Parteien, machte aber auch der Privatpolitik de- Präsidenten keine Zugeständnisse. Bei dem Staatsstreich vom 2. Dez. wurde er verhaftet und nach dem Gefängnisse MazaS adgeführt, aber nach kurzem Arrest wieder fteigelaffen. Seitdem hielt er sich von allen ösiemlichen Angelegenheiten entfernt und beschränkte sich auf seine advocatorische Praxis, in der ihm fein Talent und das Würdige feines Benehmens allgemeine Achtung erworben haben. WaS Cremieux für da- Judenthum geleistet, braucht nicht näher erörtert zu werden. Nächst Montefiore ist Cremieux überall da zu finden, wo es sich um Berthcidigung des JudenthumS handelt, überall sehen wir ihn intervenirend eintreten, wo es die Befreiung der Juden vom rumänischen Joche gilt. Cremieux ist überdieß Stifterder wohlthätigen „Alliance israllite universelle.“ Als Präsident derselben hat er sein Augenmerk stets auf das Judenthnm gerichtet. Zur Linderung des durch HungerSnoth herbeigeführteu Elends der Juden in West-Rußland hat Cremieux das Meiste beigetragen, so wie er im Nahmen der Alliance zur Adoptirung jüdischer russischer Waisen alle jüdischen Gemeinden der Welt aufmunterte. man Ihnen noch bei Lebzeiten rin Monument errichte I K sch lebe hoch!!" „Aber," ließ sich eine süddeutsche, sanft lispelnde Etlmme vernehmen, „aber, bedenken Sie doch, meine Herren, wenn Tuhok auseinem Fieber in einigen Tagen erwachen und er von unseren Anschlägen erfahren sollte, würde er rasend werden und ein« noch heftigere Brandschrift gegen unS schleudern." "Morbleu! Herr B—n," nahen G —S abermals daS Wort, „wenn Cie gegen den vortrefflichen Plan de- Herrn K—sch Eiltwände erheben, so möchten wir denn doch Ihre Ansicht verneh. men, denn mit Ezoß*)und CchimieS*') sind wir reichlich versorgt!" „Run denn," seufzte Herr P —n „ich habe einen Brief de» jungen Tuhok an seinen Bruder Dr. Tuhok in Et. W. im Coneept gelesen, worin ersterer seine Absicht auSsprach, in einiaku Wo-_ "ttrcTT“ fliiejutrttcii und nach der Hauptstadt der norddeutschen Metropole zu übersiedeln, anfgeschoben ist nicht aufgehoben: wäre eS daher nicht rathsam, den Haupt- und BernichtuugSschlag in seiner Abwesenheit von Br.zu führen?" „Topp! Eingeschlagen I" rief K—sch „Ich nehme meinen Vorschlag zurück und aeeeptire den trefflichen Plan meines Freundes B—n. Ich rathe Ihnen, meine Herren, denselben cn bloc anzunehinen." __,__ -i,gt ist angenommen!" jauchzte die zanze Suite, hüpfend vor Entzücken, als wäre sie von der Tarantel gestochen worden. „Rasch auf zuin Direktor! Theilen wir ihm unsern Plan mit!" schrien die Mucker iu Choru» und verließen, auf den wehrlosen Kranken allerlei Grimaffen schneidend, da- Stübchen im «. Stock der W. . . straße. Ludolph Tnhok hatte alle diese herzlosen Jnvektiven der feigen Memme», die selbst den verwundeten Feind noch zu schänden psiegen, auf seinem Siechbette angehört; da» Blut stieg ihm mehrmals heftig in die Schläfen, er wollte alle seine Kraft ausiaffrn, um wie in ein Blitz unter diese» Jesuitenkorp» zu fahren — — aber die Flügel de» hohen Geiste» waren gebrochen, er konnte nicht fliegen, die Schwingen sanken jedeSmal ermattet zusammen. *) Ralhschlägr. *•) Redentorten. 37*

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