Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 37 (9.9.1870)
- Date
- 1870-09-09
- Page
- Seite 334 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Der altersschwache Mann, dessen Leben einer großen Leidensgeschichte gleicht, stüryte sich in den bodenlosen Abgrund, den ihm der Absolutismus bereitet hat. Wie ein verzweifelter Hazardfpielrr nahm er das blutige Roulettespiel aul, mochte auch seine eigene Person als Einsatz verloren gehen. Wer jedoch über den Helden der blutigen Tragödie, den statt der feindlichen Kugel die Demüthigung niedergeschmettert hat, noch so schlecht urtheilt, darf und kann nicht mit feinem Urtbeile so grausam verfahren, um dem zerknirschten Kaiser die Größe deßhalb streitig zu machen, weil sie durch seinen raschen Fall mit Einem Mal« so klein erscheint. Napoleon III. war, mag die Geschichte über ihn noch so hart zu Gerichte sitzen, ein Genie, weicbcS das mächtige Schwert de» großen Korsen mit der Feder vertauschte, die schließlich zum Schwerte geworden, dessen Spitze nun gegen Frankreich gekehrt ist. T»otz der Erntralisation der verschiedenartigsten Extreme in vem Geiste Napoleon 111. schien in diesem, dem so streng imperialistischen, dennoch das demokratische Moment durchznschimmern. In erster Linie wußte er die Nationalitäten zu schätzen, in zweiter die Religionen zu achten. In letzter Beziehung braucht man nur auf die Intervention der Napoleonischen Regierung hinzuweisen, die stets im ersten Augenblicke ihr Veto einlegte, so oft es sich um Unterdrükknug der Juden handelte. Diese» Moment machle ihn dem Iudcnthume werth und theuer. Und wenn heute die Juden in Deutschland sich des Siege« über Frankreich freuen, so wird gewiß Niemand gegen diese natürliche Mitcmpstndnng ankämpfen, sie mögen sich aber fragen, ob je der König von Preußen oder einer seiner verbündeten Fürsten an die rumänische Regierung sc» Bewußtsein lähmte seine Kraft und warf ihn auf daS Krankrnlagcr, wo er i» ei» hitziges Fieber verfiel. Nun kamen dir^Eollegen voll Schadenfreude und Frohlocken, in das Krankenzimmer de» Jüngling», vor besten Geistesgröße und wiflcnschaftlicher Bedeutung sic sich unwitlkührlich beugen mußten. Jetzt war der Löwe krank und die Esel kamen, um ihm einen letzten Fußtritt zu versetzen und sich für all die malieiöscn Bemerkungen, womit er sich »brr diese Sippschaft lustig gemacht, zu rächen. Diese jüdische» Jünger Lovola'S vrrriethen auf den ersten Augenblick den Typus eines Crminaristcn. Die gedrückte, devot gebeugte Gestalt, die nach aufwärts geUhrte» scheinheiligen Auge», die eS jedoch nicht verschmähte», »nt der Br.er Dem i-M o » dc lüsterne Blicke zu wechseln; die heftig gestikulirenden Anne und die von niedri- M uck e r. wie er leibt und lebt, und in folgenden Bcrscn geschildert wird .Ich war ein armer Schlucker, Hatte kaum mein täglich' Brod: Da wurde ich ein Mucker, Und mm hat'ü keine Roth, käglich zehnmal beten lind Bibelsprüch' im Maul Sonst Hab ich nichts vonnvthcn. Bi» ganz entsetzlich faul. - - — Auf einem armseligen, schmutzigen Bette lag eine blasse, gebeugte Gestalt, deren suukelndc Blitze schießende Augen dießmal gcschloßen, deren beredter Mund vcrsinnnnt zu sein schien, llnr diese kranke Gestalt unseres Freundes Ludolf Tuhok grupplrteii sich die hoffniuigSvollcu Sprößlinge der jüdischen Fesuiteuanstalt, indcur sic ohne alle Rücksicht aus den Schwerleidcnden, eine geräuschvolle Unterhaltung begannen. „Was glauben Sie Hr. R r." sagte rin Hr. — 8 eine a»»gedorrte, ausgehungerte, lange Gestalt, die leibhaftige Inearnation de» Hunger tuph t>». „dieser gute Mann ' hier pfeift wohl aus den» letzten Loche? Mit Recht sagt der Prophet IesaiaS (Kap. 2. B. 3): „Da wird gebeugt der Mensch, erniedrigt der Erdensohiihier liegt der Hochmüthige, der un» Aste meistern wollte, dessen Stil ii» Deutschland Aufsehen, dessen Kenntnisse Beeinen Mahnruf ergehen ließ, der da- Elend der Juden in rnem Rumänien lindern sollte, davon einem deutscher» Fürsten aus dem Hause Hohenzollern regiert wird, davielleicht durch die erzielte Einigung Deutschland« der hingeschlachteten jüdischen Opfer vergessen dürfte, welche noch au» den kaum verschütteten Gräbern dampfen. Wer wird nun künftig sein Haupt, wer seine Stimme erheben, wenn die trotz aller Freiheitsphrasen gedrückten Juden Unbilden erfahren werden? Niemand vermag es zu bestimmen, bevor die eisernen KriegSwürfrl ruhen und da» blutige Schauspiel vollends beendet ist. Die Republik ist bereits in Frankreich proklamirt, die provisorische Regierung zusammengesetzt, unter deren Mitgliedern wir wieder den ausgeprägtesten Republikaner E r e m i e u x, den Borkämpfer de- IudenthumS finden, in dessen Hände die Leitung der Justiz übertragen wurde. Die französische Nation manifestirt auch da, wo ihr Schicksal einzig und allein ihr anvertraut ist, die Gleichheit aller Religionen und verwirklicht die Ideen der Toleranz, die Napoleon I. begründet, Napoleon 111. niemals verletzt hat. Da» Prestige der französischen Nation hat wol durch den unglücklichen Krieg gelitten, sie selbst aber von ihrer moralischen Kraft nichts eingebüßt. Napoleon III. hat zwar, um unparteiisch zu nirtheilen. so geendet wie er begonnen, zwischen Anfang und Schluß jedoch liegt immerhin eine bedeutende Epoche, die der Weltgeschichte angehört. B. A-olf^Cremieur. Gegenüber der großen StaatSumwälznng in Frankreich, die die Proklamation der Republik und die Ernennung einer wundernng und dessen Schrifteil in der europäischen Presse Sensation hervorgebracht haben! Wie schön sagt derselbe Sänger (3esf. Eap. 14. B. 12): „Wie bist du vom Himmel gefallen, schmier Morgenstern! Wie bist du zu Boden geworfen, der du die Geistcr unterjochtest! Du aber sprachst in deinem Herzen: Ich will in deil Hinunel steigen und meinen Sitz im Reiche der Unsterblichkeit über die glänzcndsttn Sterne der Genies erhebe» I — — Ja. jetzt fährst du zur Holle, in den Schoß der Grube I Wer dich jetzt sieht, blickt dich staunend an, indem er ausruft : Ist da» der Mensch, der daS Seminar erzittern und die D ire kt o r e n, Lehrer. Euratoren und Schüler erbeben machte?!" Wir haben ihn Gottlob gebändigt, die innersten Triebfäden des Gcmüthes sind zerrissen, er ist ein — kalter Mann geworden! I" — ^Nväsi" fäMR^-r. der 'erst einige Jahre hernach, durch e rh c n ch e l t e ^rthodozie nach M —g sich hinübcrschmuggclte.^eine dicke, feite, pastoralisch.süffisante Persönlichkeit, eine Act mixtum compositum vom Prinzen Pion-Pton und einem ausgefütterten polnischen Juden, „ei was, der Tuhok hat ein zähes Lebe» I Maie soll nicht über die Haut des Bären feilschen, bevor man denselben erlegt hat! Die schönen Sätze, die Sie geehrter Eollcge, ans dein Propheten Icsaias (nicht wahr : eS ist dies der Proto-Zcsaias?) anführcn, lassen sich allenfalls höre». Aber ich bin bezüglich der Bedeutung de» -tranken ganz anderer Meinung. Er war nur ein geschickter Wühler. eine revolutionäre Natur, ein Stück Mazziui und K o s- -su th steckt in diesem Kerl! Und weih ich cs auch nicht, ob wir nicht bester gethau halten diesen jungeir StaatSauuvälzcr dadurch unschädlich zu mache», iudein wir ihn bei der Behörde als gefährliches 7>ndividuuin angezeigt hättet»? das Mühlcr'sche System komint »ms ja olmedicß sehr gm zu Statten, Prof. 3*' hat hohe Eonnaistauseu. ein Wink von oben — und die Sache ist erledigt I" — „Nicht doch! meckerte ein junger Laste, dem man die unnatürlichste. aber im Seminar schauderhaft grastirende Demoralisation auf seine»» fahle» Gesichte nur zu sehramnerktc „nicht doch! Ich »vürdc »un diesen Gimpel unschädlich zu machen, wie Sic sich monsieur R—r. auSdrückcn. ein ganz anderes Mittel anivenden, ein vortreffliches, probates,' »vundcrwirkcndeS Mittel I"