Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 36 (2.9.1870)
- Date
- 1870-09-02
- Page
- Seite 330 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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330 Mechen, wir Juden stehen mit Gut und Blut für das Ba» Inland nicht minder ein, wie unsere christlichen Mitbürger: Niemand wird uns die- Zrugniß verweigern. Wir müssen also entschieden Protest dagegen einlegen als wäre Mild» thätigkeit und Menschlichkeit der Vorzug einer bestimmten Eonfession und hoffen, daß diese Einseitigkeit endlich schwinde." Unterzeichnet ist diese« Schreiben von: I. Ruhemann jr., Kaufmann, l'oui« Herbst, Kaufmann. Tr. Bramm. Hermann Joachim, Kaufm. Lev Moral, Kfm. Adolf Meyer, Kfm. M. Blumcnfcld, Kaufm. I. Eigner, Kausm. Im Aufträge Vieler!" Im Großhcrzogthum -achsin-lvrimar beschloß die Regierung die Hälfte zur Besoldung der Rabbiner bcizutragcn. Der Gemeinderath in Kiel beschloß da« zur Beleuchtung der Synagoge nüthige Ga«, so wie er c« den andern Glaubensgenossen bewilligt, unendgeldlich zu liefern. In Brüssel hat ein großmüthiger Anonymus60000 Frc«. zur Adoption scch« russischer Waisen bestimmt. Unter den seltenen zum Verkaufe von den Herren Patttf und Simpson in London ausgestellten Gegenständen gehört auch ^ine illustrirte Bibel, sehr merkwürdig auSgeftattet. Sie faßt 03 Bände, enthältjlOOOO Holzschnitte 1100 Bilder und Figuren. — Der Baron Edmund von Rothschild wurde zum Hauplmann ernannt. — Herr Mose« Defries Gemeinderath in London hat 1000 Pfund Sterling geschickt, um die bei der Feucrsbrunst in Konstantinopel Verunglückten zu unterstützen, Birmingham. Die Missionsgcsellschast hat jüngst eine Versammlung hier abgchaltcn. Der Präsident ließ sich vernehmen, daß die Mission unter den Juden nicht populär sei. Er bekämpfte die Vorurtheile, die gegen die Juden czistircn, ebenso, „daß c« Verläumdung sei, daß die getauften Juden gekauft seien." Ein anderer Redner (getaufter Jude) hat sich auch die Mühe gegeben, die Juden zu vcrtheidigen und zu sagen, daß sie wenigsten« ebenso rechtschaffen und gewiß moralischer sind, al« die übrigen Völker. Er beklagte sich ferner, daß die getauften Juden von den Ehristcn ebenso ge-, haßt sind al« von den Juden. (Jcw. Chron.) Herr Elia Vita Levi au« Vercrlli wurde zum Ritter der Krone Italien« ernannt und zum Gcmcindcrathc wiedergewählt. In dem in Pisa sich befindlichen Pereirschcn Institute sind 50 Zöglinge und ihr Erfolg ein sehr günstiger. — In der zu Mantua stattgefundenen Gcmeinderathwahl sind auch vier Israeliten: die Herren Dr. Arturo, Norsy, Dr. Josef Vitcrbi Dr. Eäsar Laria und Adr. Vitale Franchelle. Auch in Schweden beginnen die Ideen des Fortschrittes und der Emancipation sich den Weg zu ebnen, indem der Dr. Rubcnso» (ein Israelit) zum Professor der Metereologie an der Universität zu Upsnla ernannt wurde. Daö schwedische Journal „Alle Lande" äußert sich, wie viel die Wissenschaft diesem gelehrten Manne verdankt und daß seine Thätigkcit in der Sphäre de« öffentlichen llnterrichtr« bis jetzt, weil er Israelit ist, gefesselt war, und freut sich daß diebcrühmie Universität zu Upsala die erste Gelegenheit habe, um für sich sowohl, al« auch für die Wissenschaft die neuen liberalen Gesetze in Anwendung dringen zu können. Nr« Porir. Wir werden so schreiben die Jew. Time«, von glaubwürdiger Seite brnaebrichtigt, daß hier — wir glaube» in Et. Mark'« Place —eine Schule rristirt, welche einen Aushängeschild mit der Aufsebrift: „Hebräisck)r Schule" zu dem Zwecke hat, um jüdische Kinder herbcizulocken, in der sie zwar h>bräischen Unterriclit erhalten, aber nur um sie um so leichter nach und nach in die lehren der christlichen Religion rinznsührc», Es ist eine Missionsschule. Die Eltern dieser jüdischen Kinder werden in völliger Unwissenheit über da« wahre Ziel di ser „hebräischen Schule" gehalten. Die Kinder werden nicht blo« i» den Dogmen de« christlichen Glaubt»« sondern a>,cl> in Prinzipien erzogen, die jeder wahre Ehrist verabsäienen muß. Man lehrt sic da die Lüge und die Vift. E« wird nämlich dcn Kindern strengstens anbefoblrn nnd eingcschärft. nicht die Wahrheit zu sagen, wenn sie gefragt werden in welchen Gegenständen sic llnterricht erhalten, sie werden angehalten, die besonderen Dogmen, welche sie lernen, geheim zu halten und. so bald man glaubt, daß sie genug vertraut mit dem Christenthum sind, werden sie getauft und zu activen Mitgliedern der christlichen Gemeinde gemacht. Dieses Werk, wodurch die Herzen der Kinder von ihren Eltern und die der Eltern von ihren Kindern abgewendet, wodurch Uneinigkeit und Streit in der Familie gestreut wird, wird in größter Stille ,und im Geheimen vollzogen. Man gibt vor, daß dzc Schule eine „Industrieschule" sei und daS Aushängeschild „Hebräische Schule" wird weggenommen, sobald ein wichtiger Besuch zu erwarten ist. Die Lehrer sind sehr vorsichtig in ihren Antworten gegen Besucher mit Ausnahme gegen Personen die eine Empfehlung von einem der geheimen „Missionäre" bringen. Das Geschäft wird-in dcr Weise betrieben, als wenn man in diesem Hanse ein Verbrechen vorbereiten wollte und wo die Verschwörer und Verbrecher Alles anfbietcn, um ihre Entdeckung zu verhindern. An 60 unglückliche jüd. Kinder besuchen diese Schule, wurden hineingelockt in dieses fielenfängerische Institut. In Nichmond (vereinigte nordamerikanische Staaten) begab sich ein Verein von Damen auf den jüdischm Begräbnißplatz, um auf die Gräber der im letzten Civilkriege gefallenen Soldaten Lorbcerkronen zu legen. Beschneidung in Lima. (Peru) Zum ersten Male wurde da die Beschneidung eines jüdischen Kindes vollzogen und gefeiert. Gegenwärtig sind dort 50 jüdische Familien die sich noch in Betracht des intoleranten Gesetzes der Republik zu keiner Gemeinde organisiren konnten, doch haben sie wenigstens einen Gemeindcbegrübnißplatz gekauft. (Arch. Jsr.) Damaskus. Hier starb dcr ehrenwcrthe und hochgeachtete Hr. Josef Elias. Sein Nahine war sehr geachtet in ganz Syrien sowohl bei den Muselmännern als auch bei den Christen. Dreißig Jahre hindurch war er Attache beim Consulat, nnd er verwandte seinen ganzen Einfluß um die verfolgten Israeliten zu schützen. Im letzten Dezenium war er österreichischer Cousul und von Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich ausgezeichnet. Er sprach acht Sprachen und war auch auf religiösem Gebiete sehr bewandert. Kunst, Theater und Literatur. L. — Es wurde bereis in diesen Blättern des Meisters USigno wegen seiner neuen Oper La Scommessa erwähnt, dessen Musik außer ordentlich gefiel und daß er daher ein würdiger Gcnoße des Donizzetti, Rossini und Mercadante ist. — In der Mahlerei verdient besonders erwähnt zu werden Herr Otto d' Ancona von PeSaro wegen feines in Paris ausgestellten Gemählde«: Die Oranicnvcrkäuferin im fizilianischen Kostüm. Seine drei Brüder sind die ehrenwerten Samson de'Ancoua Deputirtcr im Parlament Ritter Alcr D' Ancona, Professor der Literatur an dcr Universität zn Pisa und Dr. Cäsar D' Ancona Profeffor der Geologie und Mineralogie im k. Institute der höher« Studien Florenz. — Hr. Angclo Ayo veröffentlichte eine sehr schöne Erzählung in dcr neuen Antologie unter dem Titel: die Schwalben unter dem Dache. — Hr. Rabbiner F. Servi veröffentlicht in der „Famiglia Jsraclitica" von Corfu eine umfaßlichc Biografie de« unlängst verstorbenen Angelo Paggi dcr sich al« Filoloq, Lehrer, Israelit und Staatsbürger ausgezeichnet hat. Von dcr berühmten Frau Randegger, jetzt Friedenberg, erscheint in Triest eine zweite israelitische Ncujahrsgabc welche die Erzählung einer ihrer Reisen nach Jerusalem einige Miszelle» und Gedichte enthält. Die Erzählung durchweht ein religiöser Hauch und Begeisterung, die Ortschaften, die lokalen Sitten und Gebräuche namentlich dcr Israeliten sind lebhaft geschildert und erregen wahre» Interesse. — Vom Herrn Marcus Wahltuch einem Israeliten aus Odcffa, welcher mit besonderer Vorliebe sich auf