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Die Gegenwart · 1870-09-02 · 36 (2.9.1870) · p. Seite 326

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
36 (2.9.1870)
Date
1870-09-02
Page
Seite 326 (sequence 2)
Language
German
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326 i bruche gelangt», dann werden Deutsche und Böhmen in dem glorreichen Königreiche Böhmen, Ein glückliche- Volk bilden, da» mit Stolz auf die ruhmvolle Geschichte seine-, von so schweren Leiden geprüften Vaterlandes zurückblicken wird. Mit «vereinten Kräften" werden sie dafreiheitliche Gebäude aufführen helfen, daallen Stürmen trotzen und eine neue glücklichere Aera eröffnen wird. Nur jene, die nicht mit Hand angroße Werk der Bereinigung gelegt haben, die bis zum letzten Momentein ihrem Starrsinne verblieben, werden die Früchte einer Freiheit athwenden Versöhnung nicht alein selbst errungene- Ziel betrachten, sondern nur als ein Geschenk hinchmen dürfen. Der den Juden von unberufener Seite so oft in boshafter Weise vorgespiegcllc und von jenen gefürchtete UltrawontaniSmuS und die vorgefabeltc Jntolleranz der „bösen Erechen" wird beidem Sonenaufgang wahrer Fciheit wie ein Nebelbild verschwinden. Nicht nur nationale und politische, sondern auch konfessionelle Gteibcrechtigung werden die. Sicgestrophäen auf dem behaupteten Kampfplatze dcö Rechtesein, auf welchem Sieger und Besiegter einander die Hände zum dauernden Frieden und zum Segen des Vaterlandes reichen werden. Jene^Juden in Böhmen, die der böhm. Nation wacker zur Seite standen, werden ihren mit Blindheit geschlagenen hauptstädtischen GlaubenSgeuvsscn in dem ehrlichen,freiheitlichen Streben der Nation demonstriren, daß diese stetda- Beste de- Vaterlandes und seiner edlen Söhne wollte, daß Staat-re cht und Freiheit einander nicht a u s s ch l i e ß e n, welche den Glorienschein nnsereS theucrn Vaterlandes bilden werden. B. Der Nebel von Ehlum. Was ist das der Giebel von Ehlum? hörte ich einen Jungen seinen ewaan einen Nebel leidenden Onkel fragen. Der Nebel von Ehlum, erhielt er nach einer Weile nebcl- Hafter Uebcrlcgung zur Antwort, legt sich vor die Augen und »nacht kurzsichtig, drückt auf daS Gehirn und schwächt das Gedächtniß, er hat in unserer Zeit viel Schaden angcrichtct. Der Junge schien befriedigt und ging, auch der gute Mann »nachte sich ans dem Staube, wohl ahnend, er könnte über diese Definition interpcllirt »vcrdc». Mir schien c-, allegte sich der Nebel von Ehlum vor meine. Augen und drückte schon auf meinem Gehirn; ich dachte lange und lange nach »iber diese Erllärung und kam bei Durchlcsung eine- Arer nicht »'jeder LandcSau-schuß würde? er müßte dorthin gehen, »votier er gekommen. Nicht verhält e» sich so mit seinem Wahlkaineraden Friedi. dieser ivürde nur den häuslichen Pantoffel mehr spiiren, nnter dem er stellt. Und sie zahlten ihre Stimmen. weil sic sonst selbst bei ihrer Partei nichtzäblen und richtig ersaßt und beurtheilt, zuriickgedrängt wtzden. wälirend sic sich de» bilden immer aufdrängen. Bei den Wahlen in den PersöhnnngSansschuß saßen die Herren Zosefstädter Vertreter unbeachtet in ihrer Nichtssagenden Bedeutung und der stille, hinbrütrndc Friedi kränkte sich, daß man ilm nicht zum Arrangeur ded Vcrsölmnngssestes mache. Und so wie da-liebliche Diosknrenpaar nur durch Drang und Zwang ohne Sang und sUang in jenem antiguarischen Viertel, dadurch die EcheidungSdrälite von dem intelligenten Stadtviertel der Altfloht getrennt ist, gcwäblt wnrde, so erging cunserem Doktor MosrS Nandnih in Nizdorf. Dieser allersidclste NcklamationSkom- Mandant reiste kurz vor der Wahl dahin, hatte seinen Herb stlleberzieher mit. bankettirte im Hotel und sprach sehr zu den — Vacktmtmeln. Cotclcttes und den verschiedenen Getränken. Zm Herbst dachte man sich stiaudnitz wärmer und so wurden die Nizdorfcr und Schönlindncr bekehrt, beim Mosezu bleiben; denn tikelS int „Local Anzeiger der Presse" Nr. 229 übertrieben „Theologische Lehranstalt für Israeliten" endlich zu dem Resultate: der gute Mann möge nicht so Unrecht haben mit dem Nebel, er bringt wirklich Kurzsichtigkeit und Schwäche de- Gedächtnißehervor und tritt sogar epidemisch auf. Oesterreich litt vor 4 Jahren in Folge de- Nebels von Ehlum. Dieser »var aber kein 66er, da war schon der Niederschlag, er datirte von viel früher, seit auf die Allianz- »värme die Erkältung. erfolgte und in den obern Regionen die Luft dichter und schwerer wurde, daS Auge kurzsichtig und da- Gedächtniß schwach machte. Der Imperator an der Seine, der jetzt so schwer darniederliegt, er leidet an einem solchen Nebel von Ehlum, der 1859 ihm mit einem Hellern Kern in der Mitte aufsticg, 1866 ihn »»m alle Fernsicht brachte und heute, da er. trotzdem wir erst 1870 zählen, um Oesterreich; Allianz sich bewarb, sein ganze- Gedächtniß unter Nullpunkt geschwunden sein muß. Die meisten Redakteure politischer Zeitungen und alle die Hilfscomitc für deutsche Verwundete, die jetzt so warm und voller Enthusiasmus unter der Firma „Deutschlands Humanität" für preußisches Interesse faseln und Propaganda machen — ein Nebel von Ehlum muß sie »nehr als benebelt haben! Diese haben kein Gedächtniß »nehr, wie ihre lieben wackeren Preußen, dieses Volk der Humanität, im Jahre 1859 Oesterreich- Krieger verbluten ließen, ohne ihnen auch nur ein wenig Charpie aus alter verschlißener Leinwand zu reichen, und Jene »nüßen auf beiden Augen mit Blindheit geschlagen sein; denn sie sehen in ihrem preußischem ServiliSmuS nicht mehr, was sie feit 4 Jahren geschrieben, erinnern sich nicht »nehr ihres Unheiles, daö sie sooft und oft gefällt, haben ganz und gar vergcßen wie vielemal mau von deutscher Seite Oesterreichs Deutschthum auf höflicher und unhöflicher Weise von sich ablehnte. Jener Bergmann, der unlängst geäußert hqt: „DaS preußische Silber hat viel vom Magnet an sich,- m»»ß wohl in den Schachten, in die er Gelegenheit hat einzudringen, richtige Beobachtungen angestellt haben, da eS im Stande ist. die Redaktionen, diese gewesenen festen Bollwerke gegen Preußen, aus ihrer an Haß grenzenden Antipatie in die überschivcngliche S»)mpathie, aus der Lieblosigkeit in die voll aufgcbauschte Liebenswürdigkeit zu ziehen.- Dann freilich liegt der Nebel von Ehlmn im Hintergrund und im Vordergrund eine biblische Persönlichkeit, die auch schon 1000Silberstncke eine Augendecke nannte. Ich bin freilich ein unpolitischer Politiker, »venn ich einen so weiten Umtveg »nache um den Correspondentcn „Theologische Lehranstalt für Israeliten" in einem Nebel v. Ehlum zu zeigen. Doch heißt es nicht immer: der Krieg wird nur geführt um einen dauernden Frieden zu begründen? So gelangen auch »vir, liebe Leser, nach der langweiligen Excurwenn d c r Moseauch kein großer Mann ist. so heißt er wenigstens Mose-, der die Plagen über Nizdorf gebracht. Wie sind Ludi, Friedi und Mose» erschrocken, als sie von der Anbahnung eine- Ausgleiches hörten, sie find gerade so erscheockcn wie der kleine Görkaucr David »nt seiner Bnchdruckerei. Gott über die Welt so kalknliren diese Staatsmänner, »venn das Geschäst »nt dcr Verfassung anfhört hört auch ihr Geschäft auf, und waS sollen sie mit dcr ganzen Musik anfangcn, wenn bei ihnen dcr Ton aufhort! Und grade so denken die Lügenschnappcr, daß ihre Ezistenz gefährdet ist. wenn Alle» schön ausgeglichen und ruhig wird. Der eine könnte nicht mehr zm» Herrn Statthaltcreirath in Schnlangelegenheiten laufen, dcr andere hätte kein Entree mehr beim Hrn. Hosräth. der dritte—Zapplcrlcbcn — könnte nicht daS Bcrgnügen habeii^mit dem Herrn Lieutenant die Compagnie anzuführe». Alles hält' ein End', ihre Freude hätt ein End' und die Berfas, snng hieße eine schlechte, eine verrottete. Also wozu ein Ausgleich, lieber GlcichauS! so wünschten eS die Herrn Ordens- und Ehrcnstcllcnjägcr, sic brauchen und wollen keinen Augleich, je mehr Kreuz desto lieber ist ihnen.

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