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Die Gegenwart · 1870-09-02 · 36 (2.9.1870) · p. Seite 325

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
36 (2.9.1870)
Date
1870-09-02
Page
Seite 325 (sequence 1)
Language
German
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M«» «tonuirtsür Pr«gr Guzjilhrig fl. 5.— HIMrtg „ 2.50 «ttrtÄj«riG„ 180 KU P»stzuse»duog: «Myjilhrig fl. 5.50 HAtjiihkig „ 2.75 vierteljährig „ ILO Tür» Ausland: «»»zjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Th Irr Jaftrate werden billigst berechnet. Die Gegenwart. Israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Interessen. Erscheint an jedem Jreilag- Redakti», ,. IU»(. . »iftrattaa f ng, «tttergaffeNra. 408—1 »»hin alle vriese u. Geldsrndnngea z, richten fin». Zuschriften werde, franeo erbeten. M». nuslripte werde» bei Nichtnerwrndung ans verlangen jedoch nnfrankirt zuriicker stattet. Nr. 36._Prag 2. September 1870._ ///. Jahrgang. Der erste Schritt. Dem glänzenden Wahlsiege der nationalen Partei auf allen Linien folgte eine Ereignißreiche Woche, die in der Geschichte Böhmens einen wichtigen Abschnitt bilden wird, welcher einer für die böhmische Nation leidensvollen Epoche gefolgt ist. Während eine» dreijährigen Zeitraumes, in welchem die Deutschen Böhmens die Suprematie und im Landtage, die, wenn auch erkünstelte Majorität hatten, konnte man nie von ihrer Seite auf den Impuls zu einem Ausgleiche zwischen den beiden unser gesegnetes Vaterland bewohnenden Bolksstämmen hoffen. Heute, wo die Böhmen trotz dem ungerechten WahlmoduS ihre rechtmäßige Majorität zurückerobert haben, iuauguriren diese ihren Sieg mit der Initiative eines ftiedlichen Entgegenkommens, mit einem Akte der Versöhnung, der des rdelmüthigen Siegers würdig ist. Ohne sich auf ihr Uebergewicht zu stützen, betraten die Böhmen zuerst den Weg zur Anbahnung eines Ausgleiches, und mögen auch die Consequenzen wie immer sein, der einmal geschehene Versuch ist ein, die böhmische Nation nur ehrender. Wir wünschen nur, daß dieser hochherzige Akt, den wir mit Freuden registriren, uns das Buch mit sieben Siegeln öffne, das in seinen geheimnißvollen Blättern die Geschicke der Völker verschlossen hält. Haben wir in unserem letzten Artikel mit fast prophetischem Blicke vorhergesagt, daß das gute und natürliche Recht allmählig zur Anerkennung gelangen, daß Deutsche und Böhmen in dem anerkannten Königreiche Böhmen brüderlich einander die Hand reichen werden, so ging leider auch unser Orakel in Erfüllung, daß das LooS der jüdischen Wähler der Josefstadt mit dem Gleichniß der zwei Sessel identisch geworden, zwischen welche der Wankelmüthige, unbeachtet von beiden Theilen, auf dem Boden zu sitzen gekomm« Gegenüber jenem erstell Schritte zur Versöhnung,-best Tragweite für die Geschicke unseres Vaterlandes und sef der ganzen Monarchie von unberechenbarer Bedeutung den kann, stehen die Juden der prager Josefstadt auf Seite der Unversöhnlichen. Bilden sie, in ihrer Abhängigkeit von" ehrsüchtigen Personen und bei dem Mangel an Selbstbestim, mungSrecht, auch in der That keinen Faktor in der politischen Bewegung, so haben sie doch den MiStou verschuldet, der von der angestrebten Ausgleichsharmonie gewaltig absticht. Was sie jedoch gethan, haben sie mit ihrem Gewissen abzurechnen. Wir, von der besten Absicht beseelt, haben ihnen stets de« richtigen Weg grzeiat. Währuü» sie so dazu sich nicht aufzuraffen vermochten, dem ehrlichen Rufe der böhmischen Nation zu folgen, hat der böhmische Adel, die Zierde des Vaterlandes, die Reihen der nationalen Partei verstärkt, und sich gleich dieser erklärt, auf dem staatsrechtlichen Boden unerschütterlich verharren zu wollen, und selbst die Krone hat sich, wenn auch in einer etwas unllaren Weise, den Intentionen der nationalen Vertreter hingeneigt. Besieht man nun diese Wendung, beurtheilt man die im Landtage von dm deutschen Abgeordneten abgegebene Erklärung, in welcher daS Festhalten an die Verfassung allerdings, nicht aber auch die Nichtanerkennung des böhmischen StaatSrechteS ausgesprochen ist, so bleibt zu erwarten, daß sich beide Parteien im Prinzipe der staatsrechtlichen Stellung Böhmens zum Gesammtreiche endlich einigen und die verschiedenen Disfercnzm werden ausgeglichen werden. Wird sodann das gute und natürliche Recht, an dem beide Nationalitäten des Landes participiren, zum Durch- Feuilleton. Plaudereien (zweite Folge) X. Am Sude einer Wahl- und Qualvollen Woche bin ich wieder einmal in der Verfassuug mit Ihnen ein wenig zu plaudern. Da» war ein wahre- Kreuzfeuer, in daS meine GläubrnSgenossen in der Josefstadt hineinmitraillirt wurden, um ihre Wahlzrttel auf dem Altar der vcrfassungSseuerigen Götter hinzuopfrrn, wenn e« auch gilt, zu wissen. daß daS DioSkurenpaar Tcdeoeo und Wiener für sich viel, für ihre Mandaten gar nicht» gethan haben. Bomben und Granaten l war da» eine Schlacht in der alle Bedienstete der CultuSgcmrind« manövrirt haben und selbst der Generalmajor von der jüdischen Sanität-truppe Zappler nicht fehlen durfte, um schnell für die Beerdigung der Gefallenen Sorge zu tragen. Die Bataille nahm, Dank der guten Löhnung der Truppen und der Avancements-Bersprechungen für den jüdisch-drutschen Ludwig Castor und Friedrich Polluz einen günstigen Berlaus, wie e» bei der Schnorr-Dieeipltn auch nicht ander» zu erwarten war Denn hätte man den nihmlichst bekannten Wählern der Josefstadt den Wirten und den Invaliden au» dem deutschen Cafino ausgestellt, jene mußten die beiden wählen, da sie sonst allerlei Leidm auSgesctzt gewesen wären. 2n allen Land- und Etädtebczirken, wo die nationalen Sandidatcn ausgestellt waren, drangen dies« durch, in den meisten Bezirken, wohin die Sandidatcn dev deutschen Sasino kommandtrt waren, drangen diese nicht ^.durch, die Wahlen Dt» Großgrundbesitze» fielen zu Gunsten der kcchischen Partei au» und au» sämmtlichcn Vierteln Prag» gingen die nationalen -standedaten siegreich hervor, nur dir Josefstadt mit ihren armen jüdischen Wählern machte ein« Ausnahme in der Regel, fie wählten wieder die Alten, die sich weinend an sie hcrangedrängt haben. Was würde Ludi thun, wenn

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