Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 35 (26.8.1870)
- Date
- 1870-08-26
- Page
- Seite 322 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I fit rin« erbärmlichen Denn nzianten zu erklär«^ so lange er nicht den Beweifür seine lügnerischen Erfindungen geliefert haben wird. Lre - lau, dm 17. August 1870. Adolph Kohut. Wochenchronik. WakiresuUat. Glänzender schon konnte der Sieg der Wahlen in der böhm. Landtag nicht sein, wie er dießmal in Prag für die nationale Partei zu verzeichnen ist. Von 1818 Wahlberechtigten bctheiligten sich auf der Altstadt 1237 an der Wahl. Als gewählt erscheinen der Deklarant Dr. Wenzel B e l S k y mit 894 und der Deklarant Franz Pstroß mit 890 Stimmen. Die Kasinokandidaten Prof. Med. Dr. Halla und Or. Jaroölav Rilke je 342 Stimmen. Auf der Neustadt, erschienen von 2.322 Wählern 1.35,6 im Wahllokale, 1,065, gaben ihre Stimme dem Deklaranten Friedrich Hanke 1.662 dem Deklaranten I. U. Dr. Josef Frit. Der Kasinokandidatcn B. Eichmann erhielt 281 und AloiS Janka 278 Stimmen. Auf der Kl eins eite ist für die nationale Partei ein neuer Sieg zu verzeichnen — AuS der Wahl gingen die Candidaten der (nationalen) Fortschrittspartei I. U. Dr. S. Karl S e e l i n g mit 457 und Franz O i t t r i ch Bürgermeister der k. Hauptstadt Prag mit 453 Stimmen siegreich hervor. Die Kasinokandidatcn Oberlande-gerichtsralh Marauschek erhielt 228, Schubert 221 und Herr Junck 1 Stimme. Am Hradkin erschienen im Wahllokale von 135 Wahlberechtigten 97 Wähler 71 gaben ihre Stimmen dem Deklaranten Kanonikus 1\ Vinzenz Bradai und 70 dem Deklaranten Stefan Pollach die beiden Kasinokandidaten erhellen 25 und 23 Stimmen. Als Unikum steht die Ioskphstüdt da. An der Wahl haben sich von 198 Wahlberechtigten 165 an der Wahl bcthciligt. Gewählt wurden die Kasinokandidatcn Dr. Ludwig T e d e S k o mit 117 Stimmen und Dr. Fr. W i e n er mit 113 Stimmen. Außerdem erhielt Johann Blöha 48 und Med. Dr. Siegfried Kapper 47 Stimmen. Die Juden der Joscphstadt geben sich der Hoffnung hin, daö mit der Wiederwahl TcdeskoS und Wiener der Dualismus gerettet ist. BcmerkenSwerth ist, daß danationale Wahtkomitc nur auf Anrathcn mehrerer isra« clitischcn Wähler Kandidaten für die Joscfstadt ausgestellt hat. V Wie sie lachen und wir sie weinen. Gegenüber den bereits verflossenen Laudtagswahlcn in der Joscfstadt haben die Hrn. Doktoren TcdrSco und Wiener vor den Wahlen folgendes Bittgesuch an die Wähler jenes Stadtviertels geschickt und mit ihren Namen unterfertigt: Am 24. August sind Euer Wohlgeboren berufen, au der Wahl zweier LandtagSabgcordnctcn für den Wahlbezirk der Joscfstadt Prags als Wähler sich zu betheiligcn. Wir beehren uns, abermals als Eandibaten aufzutretcn, und Sic um Ihre Summe zu bitten, (sie lachen.) Hiezu crniuthigcn uns die mehrfachen Beweise des Vertrauens, welche die geehrten Herren Wähler uns bei früher» Wahlen angcdcihrn ließen, (sic weinen,) Seil nähe einem Jahrzehcnt haben wir die Ehre, diesen Wahlbezirk zu vertreten. Unser gut österreichischer Patriotismus war unser Programm, (sic lachen) ist cs und wird cs immerdar bleiben, (sie weinen). Die besonderen' Interessen des Wahlbezirkes sind uns genau bekannt, (sie lachen) und haben in unS jederzeit in allen Stellungen, die wir einnehmen willige und eifrige Vertreter gefunden (sie weinen). Viele von den Wählern sind in der Lage dieses ehrlich zu bezeugen, (sie lachen.) So glauben wir denn, dem in uns gesetzten Vertrauen vollkommen entsprochen zu haben (sic weinen), wie wir cs auch in der Zukunft stets treu verdienen werden (sie lachen.) In diesem Sinne, und in der Absicht zu wirken und zu nützen (sie lachen), bitten wir sie am Wahltage Ihre i Stimme zu unfern Gunsten abgeben zu wollen (sie weinen). V «A» die Adresse der ^Brchemia". Die Verfassung-» schnupfende Kartenauffchlägerin aus dem Annahofe mit ihrem verantworüichen Kompilator von Schauernotizen aus alte« Pfennigmagazinm läßt in einem von einem zum Doktor getauften Barbiergehilfen für einige Zeilenkreuzer gelieferten Bericht auch den Redakteur der „Gegenwart" nicht verschont. Schon längst überzeugt, daß die alte Mattone fammt ihrem „Verantwortlichen" in Judenfeindlichkeit da« Aeußerste bietet, widert uns ihre säuische Wollust an, mit der sie sich im Momente, wo sie die judenfeindliche Masche fallen läßt, an unser Blatt reibt. ES scheint der alten frommen Betschwester ein jüdisches Organ ein Dorn im Auge, weßhalb sie zum Himmel blickend, der „Gegenwart" keine Zukunft wünscht. Dem alten Weibe, das so oft an politischem Wechselfieber leidet, ist die Abnormität des Gehirnes zu verzeihen, nachdem sie sich von verlorenen, brodlosen jüdische» Aerzten behandeln läßt, die in selbst fabrizirten Lügentinkturen ihren kecken Rüssel stecken, um sich selbst vor dem Hungertodk zu retten. Zu diesen Aerzten gehört in erster Reihe der lange, gasscnbübische Notizler mit seinem schwarzen Fleischerhunde. Dieser möge apportiren, jener rapportiren wie er will, er ist und bleibt ein ordinäres Subzekt. ^(Theologische Lehranstalt für Israeliten). Wie die Korr. „Schweitzer" von kompetenter Seite erfahren haben will, steht eine Maßregel von Seite der Regierung bevor, welche die seit den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts ventilirte Frage bezüglich der Errichtung einer öffentlichen höheren theologischen Lehranstalt für Israeliten zum Abschlüsse bringen dürfte. Seit der Errichtung des Convitto Rabbinico in Padua im Jahre 1829 machen die jüdischen Gemeinden der anderen österreichischen Länder vergeblich Ansttengungen, um die Errichtung einer ähnlichen theologischen Lehranstalt zu erzielen, deren Zustandekommen vorzüglich an innerm Zwiespalt im Lager der Israeliten und an dem Mangel der nöthigen Geldmittel scheiterte. Ueber Vortrag des Herrn Kultusministers v. Stremayer hat nun der Kaiser mit Entschließung von 17. August die Errichtung einer öffentlichen israelitischen theologischen Lehranstalt zur Heranbildung von Rabbinern und israelitischen Religionslehrern im Prinzipe bewilligt und zugleich eine angemeffene Subvention aus Staatsmitteln in erster Reihe zur Besoldung der Professoren der theologischen Disziplinen und zur Dotirung der Bibliothek der zu errichtenden Lehranstalt zugestanden. Wie man weiter berichtet, werden demnächst die nöthigen Vorkehrungen bezüglich der Feststellung des Organisationsstatutes der Lehranstalt, sowie des Ortes der Errichtung derselben getroffen werden. *** Chrenadrrsse und Pokal. Der Vorstand der Pinkaösynagoge hat ihrem aus derselben scheidenden Rabbiner und Prediger Herrn Dr. E. Hoff als Beweis der ungetheiltesten Anerkennung und tiefsten Verehrung eine Ehrenadreffe überreicht, welche von ersterem in corpore unterfertigt war. Die mit einer in einem ausgezeichneten Hebräisch abgefaßte Adresse, mit einer vom Kaligraphen Herr I. BindeleS künstlerisch auögeführtcn, die BundeSlade, die Kanzel und den Sitz des Predigers darstellenden Zeichnung versehen, hat den als hebräischen Literaten vortheilhaft bckannten Gelehrten Herrn JonaS Spitz zum Autor und ist der hebräische Text von Herrn Jg. Löwenbcin geschrieben, ein kalligrafisches Meisterstück. Wciterö erhielt Herr Dr. E. Hoff vor seinem Abgänge aus der PinkaSsynagoge von einer Anzahl ihrer Mitglieder einen prachtvollen silbernen Pokal, der eine passende Inschrift trägt. BemerkcnSwerth ist eS, daß die PinkaSsynagoge in der Prager Jsraeliten-Gemeinde den ersten Fall einer derartigen Ovation bietet, welche nicht nur ihren gefeierten Rabbiner ehrt, sondern auch die Eintracht der Synagogenmitglied er, ihr einhelliges und taktvolles Borgehen zum Ausdrucke bringt. Wir lasten die wortgetteue Uebersetzung des hebräischen Textes der Adreffe folgen, und man wird einen Begriff von der Liebe erhalten, die sich der bereits in Proßnitz weilende Dr. Hoff bei dem Vorstände und den Mitgliedern der PinkaSsynagoge erworben hat. Sie lautet: