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Die Gegenwart · 1870-08-26 · 35 (26.8.1870) · p. Seite 319

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
35 (26.8.1870)
Date
1870-08-26
Page
Seite 319 (sequence 3)
Language
German
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Der VathanM Mord i» nach de, „New-Norker Tagesiachrichte,." Sin abgeblitzter Reporter und seine Rache. Obgleich Mörder namentlich Raubmörder in unserer gutm Stadt New-Aork nicht so selten sind, daß man sich sehr darüber aufregen sollte, wenn ein solcher mitgrtheilt wird, so hat doch Mr. Benjamin Nathan, welcher, wie wir bereits am Freitag ausführlich mitgrtheilt, in der Nacht zum 25. Juli von Donnerstag zu Freitag in seinem Hause in der Ost 23. Straße ermordet worden ist, eine so ausgezeichnete Stellung eingenommen und hatte sich namentlich durch seine große Wohlthätigkeit-besondcrs unter seinen jüdischen Glaubensgenossen so. viele Freunde erworben, dazu ist die Art und Weise, in welcher dieses entsetzliche Verbrechen begangen worden ist und das räthfelhafte Entkommen des Mörders in ein so geheimnißvolleS und scheinbar so undurchdringliches Dunkel gehüllt, daß man befürchten muß, den Urheber dieser entsetzlichen That werde, gerade wie der wirkliche Mörder deS Dr. Bordell, niemals von dem Arme des Gesetze« erreicht werden, und daß in Folge die Aufregung in allen Kreisen der Bevölkerung unserer Stadt eine ganz ungeheure ist. Diese Befürchtung scheint unö indeß nicht begründet, denn einerseits war der Ermordete keine unbedeutende Persönlichkeit, — er war auch Präsident deS israelitischen Mont- Sinai- Hospitals — über deren Ermordung mit einem Anschein von polizeilicher Thätigkeit man auch hinweggehen kann, sondern das Haupt einer Familie, welche mit den besten Häusern unserer Stadt verwandt oder mindestens enge befreundet ist; sondern ist auf die Entdeckung des ThäterS, ja auf die Auffindung der geringsten Spur, welche eventuell zu einer solchen führen konnte, eine Belohnung von 10.000 Dollars gesetzt, daß nicht zu befürchten steht, die sprichwörtliche Gauncrehrlichkeit werde einer solchen Versuchung widerstehen, und daß der Mörder gar keinen einzigen Genossen oder Mitwisser bei der That gehabt habe, ist anzunehmen. Daß unsere Dedektive, H ungaria entsendet, damit sie hier überall der Kanzel, der G c m ü t h c r und der verschiedensten jüdischen A c m t e r sich bemächtigen können. Nomina odiosa sunt; und deßhalb wollen wir nicht alle diese H i r t e n d e s H e r r n, die die Schafe Israels thcils als „Rabbiner" und „Prediger", theils als s. g. f„Rcligio»slchrcr" für theures Geld weiden, ein. zeln namhaft machen. Wir finden sie säst alle hier b'sammcn, die Jesuitcngenerale ebenso wie die d i i minorum gcntiu m, die noch nicht alle Kniffe und Ränke kennen, mit denen man die Religion des JudenthumS fälscht, die Grundsätze der Bibel verdreht und die Gemeinden der civilisirten Länder Europas durch jesuitische Lehren v c r n n si t t l i ch t. Hier plaudert ein hübscher Mann in den dreißiger Jahren, mit feinge. schnittcnen Gcsichtszügen, mit einem alten' Fräulein, dem alterego deS Direktors, das unter dem Namen Wiratz sowohl durch ihre Häßlichkeit als Lügenhaftigkeit in den Ecminaristcn-Kreiscn übel berüchtigt ist, Wer sieht eS z. B. diesem Hannovcranischcn feinen Herrn an, daß er sich seit einigen Jahren als Führer der Ort ho. doxic in der größten Stadt deS österreichischen KaiserthmuS gcrirt? Sein Groll und seine Wuth müffen ganz entsetzlich sein, denn er erzählt eben in rasender Aufregung dem Fräulein Wiratz, daß der junge E c m i n a r i st in dem Centralorgan der deutschen Orthodoxen ihm die steche MaSke vom Antlitz heruntergeriffen und den Beweis geführt hätte, daß er, der große Rabbiner, kein Orthodoxer, sondern ein durch und durch hohler Mensch wäre, der für, 1000 fl. Gehaltserhöhung der Chorführer der Reform sein würdeI? Dort flüstern zwei junge Leute mit einander, wie eS scheint, ebenfalls sehr erregt und heftig gestikulircnd. Wir wollen Sie einen Augenblick belauschen. „Ja" sagte rin junger „Rabbiner" und „Prediger," ja. wir müffen ganz energische Mittel ergreifen l Wissen Sie, Herr tberrabiner, (diese Hem, nennen sich gegenseitig alle dem» Geschäft eS ist, derartige Geheimnisse auszutlären und die Verbrecher dem strafenden Arme de« Gesetzezu überliefern, sich jede mögliche Mühe geben, die von dem Board of Exchange, dem Mayor unserer Stadt und der Familie des Ermordeten auSgesetzten hohen Belohnungen zu verdienen, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Nichtdestoweniger muß eS leider eingeräumt werden, daß ihre bisherigen Bemühungen gänzlich ohne Erfolg waren, ja daß sie, soviel uns bekannt ist, nicht einmal mit einiger Aussicht auf einen guten Erfolg eine wirkliche Spur gefunden haben, welche sie verfolgen könnten. Daß es an den verschiedenartigsten Theorien über die Ausführung dieses Mordes und den muthinaßlichen Thäter nicht fehlt, versteht sich von selbst nnd abgesehen von den verschiedenen Berichterstattern, welche nach dem ersten Blick auf die Stätte deö Verbrechens und sein Opfer in der Regel es schon ganz genau anzugcben wissen, von wem und in welcher Weise dieses Verbrechen begangen worden ist, bildet sich jeder einzelne Privatmann mehr oder weniger seine eigene Ansicht. Daß jeder Detektive seine besondere Theorie darüber gebildet hat nnd in seinem Innern seine Eollcgen, welche anderer Ansicht sind wie er, verlacht, versteht sich ganz von selbst und man darf sich um so weniger darüber wundern, als jeder derselben fcircti eigenen Kreis von verschiedenartigen Bekanntschaften hat, ans welchem ihm die verschiedenartigsten Mittheilungcn über den stattgehabtcn Mord zugehen. Bekanntlich braucht nur irgend ein großes Verbrechen zu geschehen, so finden sich gleich Hunderte, welche etwas wissen wollen, was auf dieses Verbrechen Bezug hat. und welche nicht eher Ruhe finden, als bis sie ihre Wissenschaft an den Mann gebracht haben. In der That, wer sich eine kurze Zeit in dem Gedränge, welche daö UnglückShauS noch immer umlagert, bewegt und den verschiedenen dort gepflogen«, Unterhaltungen lauscht, muß sich nur darüber wundern, daß eS noch einige Menschen in unserer Stadt gibt, welche dieses Verbrechennicht schuldig und deshalb noch auf freien Füßen sind. Die vielen Gerüchte, welche in Beziehung auf den Thä- O b c r r a b b i n c r) was dieser L u d o l p h I uhok vor Kurzem in eine berühmte politische Zeitung zu schreiben wagte? Er sagte, daß wir alle unS unsere Stellen erschleichen durch P r o t c k t i o u S w e s c n, Nepotismus n. s. w. daß wir weder Reformer »och Orthodoxe »och überhaupt Juden wären, sondern überhaupt kein Prinzip hätten, daß alle Schüler deS Seminars weder Fleisch noch Fisch, sondrm von beide» ein widerlich Gemisch wären und nur daraus Bedacht nähmen, wo sie das meiste Gehalt .bekämen u. s. w."- Während man so in allen Gruppen mehr oder minder erregt, flüsterte und disputirtc, klingelte plötzlich der Direktor heftig mit der auf dem Tische sich benndcndcn kleinen Glocke, indem er um Stille bat. In einem Ru hatte sich Jeder auf seinen Platz begeben. Es war so stille geworden, daß man hätte können eine Stecknadel fallen hören. „Meine Damen und Herren," begann der Direktor Jf. von dem ein wenig zn viel genoffenen Wein wankend geworden, „nachdem wir zu Ehren der anwesenden Gäste, in Erinnerung an die wichtigem Bcrathungcn. die wir mit einander vor einigen Iah. rcn geführt, dieses Fest veranstaltet haben, kommt unS eben dir Nachricht zn, daß in der gesamniten jüdischen und deutschen Presse, mit Ausnahme der hiesigen Zeitungen, denen ich selber die Referate über die vertraulichen und öffentlichen Sttzungen zukommen ließ, die Zusammenkünfte meiner Schüler und der' Hem, Lehrer deS Seminar», wie auch die durch üe gefaßten Entschlösse in einem sehr schlechten Lichte dargcstellt. kritistrt. vrrurthellt und verspottet, ja wir selbst, meine Dame» und Herren, drnkea Eie sich die Keckheit! heftig angegriffen wurden. Diese Angriffe haben alle unsere Beschlüsse zu Schanden gemacht. Was können wir ausrichten, wenn die liberale, conservativr, nattonal! t b e r a l e, frelconservattve. mit einem Worte die 35*

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