Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 35 (26.8.1870)
- Date
- 1870-08-26
- Page
- Seite 318 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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318 i staatsrechtlichen Frage, um die es sich handelt, sich klar bewußt wäre, ist bei ihnen schlechterdings nicht vorau-zusetze«. Wir haben dieß in hundertfachem.Verkehr mit ihnen unumstößlich erfahren, ein national deutsche« Bewußtsein, ein Eintreten für deutsche Cultur- und Mission-Macht würde bei ihnen ebenso vergeblich gesucht werden. DaS Einzige, was bei ihnen maSgcbend und leitend ist, ist ihre Beziehung zur CultuSrepräscntanz, an deren Spitze eben die Herren Tede-co und Wiener stehen. Die jüdischen Wähler der Josefstadt sind in ihrer großen Majorität von den velschiedenen Darlehen- WohlthätigkeitS- und EultuSvercincn theil« als Bewerber, theilS als Betheiligtc, theilS als Bedienstete abhängig. Die trübselige Organisation aller dieser Vereine, die weitaus mehr eine willkührlich burcaulratische denn als eine freiheitliche repräsentative ist, bringt cS mit sich, daß den Vorständen und Ausschüssen derselben über ihre Mitglieder ein nahezu unumschränll wallender Einfluß eingeräumt ist, und alle bisherigen Wahlen haben uns gelehrt, in welchem Maße dieser Einfluß bloß im Interesse jene« Häufleins von Personen auögcbeutet wird, die einmal durch den Zufall an die Spitze gestellt, ihre Macht unersetzlich auf alle Gebiete polippenhaft auSzugleichcn sich bestreben. Warum sollten diese Herren eS auch unterlassen, diesen ihren Einfluß daran zu sehen, wo eS sich darum handelt ihre beiden Oberhäupter die Herren TedeSko und Wiener, was man so sagt, „bei der Schüssel zu erhalten?" denn „fällt der Herzog fällt auch der Mantel," und sielen diese Herren, dann hätte das ganze saubere Gebäude unsere« jüdischen Vereins- und EultuSverwaltungSwcsenS, einem gesünderen weichend zusammcnsinkcn müssen. Ucber die Art, wie auf solchem Boden und bei solchen Voraussetzungen die Stimmenpression geübt wurde, wollen wir nicht erst viele Worte verlieren. Entziehung von Benefizicn, Erlässe von Schuldigkeiten, Versprechen nnd Drohungen jeglicher Art. haarsträubende Androhungen grauenhafter daS allgemeine Drängen um diese „jüdisch-theologische" GanS t'umiuv il lnut?! Run, diese Dame war die .V a n t i p p e ihres jüdischen S okr a tc S, sic übte ein unbeschränktes Pantoffclrcgiment Über ihren schwachen Mann a»S und ihre zahlreichen Gardinenpredigten sollen, wie man sagt, in dieser Branche wirklich m u st e r g i l t i g und sehr oft für ihren Ehegatten, also ihren einzigen den „andächtigen" Zuhörer, von wirklich nied e r s ch m e t» c r n d c r Wirkung in dcS Worte« ä ll e r v e rw c fl t 11 fl t r Bedeutung — gewesen fein. Dieser Umstand erklärt Alles l AlS ällgcnmltige Regentin dcS Direktor« war ftra» Rosedie eigentlich mehr D o r n e alS Rose war — der Schrecken und zugleich die Hoffnung der Seminaristen. In ihren schwiclen Händen lag Leben und Tod für die — materielle Cysten; der „Hörer," wie der o ff i c i c 11 c Raine der Jcsuitcnzöglinge benamset, die aber iveit richtiger alö „H ö r i g c r" bezeichnet werden könne». Wie glücklich konnte sich der geschnieidige, diplomatischgeschulte Seininar-Dandii schätzen, ivcnn er Gefallen gefunden in den Angcn der Frau Rose! Da war sein (Wut gemacht I Seine Zukunft eine glänzendes Während de« Besuchs der Anstalt genoß er reiche Stipendien AnSzeichnnngen aller Art, wurde jeden Freitag nnd an den Rüfttagen de« Sonnabends nnd der hohen Feste zu ihrer Tafel geladen, und wenn er dann nach einigen Jahren als „D v kt o r" und „R a b b i » e r" am 27. Januar feierlichst „entlaste n" < ebenfalls o ff i c i c ll e-Bezcichnung!) wurde, da brauchte er sich gar nicht um einen RabbinatSpostc» zu kümmern, sondern die Uran Rose setzte ihre rabbinische Eamarilla, die sich, ivtr rin ekelhaftes rothe« Thterchcn, das wir aus Anstand nicht nennen wollen, in den berühmtesten Und größten Vemcindrn Deutschlands kingenistrt, in Bewegung und diese schüttelt dann in fibcr- Hafter Hast und Schnelligkeit den Baum der Prcdiger-Baranzrn— der stinktlnagelneuc Seminar-Echößling braucht nicht einmal die Hand auSzustrccken, denn die reife Frucht fällt von selbst, in Gestalt einer sehr f e t t e n P f r ü n d e. ihm in den Schooß! — — Ader wehe drin Unvorsichtigen, dem Selbstständigen dem Ta- Entsetzlichkeiten, welche der „Juden" angeblich harrm sollen, wenn die „Erchen" zur Macht gelangen würden. Ueberlisten, Wegnehmen der Wahlzettel und bevormundendes Ausfallen oder Ueberschreiben derselben daselbst eine Art polizeilicher Eskorte der armen gepreßten Wähler bis so zu sagen an den Wühltisch geben da ein miStönende« Concert, in dessen Details wir uns — offen gestanden ans konfessioneller Rücksicht nicht einlassen wollen. Nur auf die wissentliche Ausnutzung der politischen Unreife seitens der Eassnoagitatoren wollen wir noch hindeuten, die weit entfernt, die wahre Lage der Dinge in unserem Baterlande zur Erkenntniß kommen zu lassen, alles Mögliche daran zu setzen durch Wort und Schrift dieselbe nur noch mehr zn trüben. Und welche voraussichtlich werden die Wirkungen hievon sein? Wir gestehen offen, daß wir sie nicht rosig nennen können. Die Prager Judenstadt hat sich in diesem Augenblicke zur staatsrechtlichen Partei in Prag einzig und allein in Gegensatz gestellt. Die Erfolge derselben oder auch nur die Erhaltung wird sie dadurch nicht im mindesten alteriren. DaS gute und natürliche Recht wird darum auch wieder, wenn auch vielleicht langsam schließlich zur Anerkennung gelangen. Deutsche und Eechen werden im dem anerkannten Königreiche Böhmen an dem Tage, an welchem die glorreiche Krone dieses Landes auf das gesalbte Haupt seines König« gesetzt werden wird, brüderlich einander die Hand reichen, die nationale und politische Gleichberechtigung im Lande wird zur lebendigen Wahrheit werden, da« Loos der jüdischen Wähler der prazcr Josephstadt aber, im Gegensätze zu dem erfreulichen der Juden ans dem Lande, wird daö sein, welche« wir ihnen nur durch das Gleichniß mit den zwei Sesseln vor Augen führen wollen, zwischen welche der Wankelmüthige nicht beachtet von beiden Theilcn an der Seite der Herren TcdeSco und Wiener schließlich auf dem Boden fällt. Icnt- und Charaktervollen der in dem Seminar seinen eigenen Weg gehen will und es verschmäht, sich unter den U n 1 e r r o ck der Frau Direktor zu verkriechen!! Wehe über den Unglücklichen, der nicht cingcstehcn will, daß die Hauptcrfordniffe und die Grundsätze des jüdischen Jcsnitcnzöglings nicht in dem D c k a l o g sondern in folgenden Zeh n-G e b o t e n: Schleichen, Kriechen, Ducken, Hcnchcln, Schmeicheln, Mucken, Lügen, Gleiße n, Bücke», Beugen, Wedeln, Drücken als civig-giltigc Norm uicdcrgclcgt wären II Der „Rebell" wird verfolgt, verhetzt, verhöhnt; cs werden ihin vor Allem alle materiellen Subsidicn, soviel als möglich entzogen, indem man ihm auS den überreichen StipcndicnfondS deS SrminarS jede Stütze vorcnthält und obendrein noch in den Br... .er Familien wo der gewöhnlich sehr arme Rabbinatskandidat durch Unterrichtsstunden seine kümmerliche Eystcnzguellc zu suchen und zu finden pstcgt, v e r l ä u m d et und ihn alS unwürdigen Eharaktcrdcnunzirtl! — Ich habe ans den ausführlichen Aufzeichnungen meines seeligen FreundcS die Schilderung dieses intriguantcn und ränckcvollen Weibes dannn so ausführlich mitgcthcilt, weil diese Frau in die Schicksale unseres Ludolph Tuhok mächtig nnd unheilvoll cingcgriffcn hat, wie. wir dies im Laufe unserer, aus die authcntischsten historischen Daten beruhenden Erzählung sehen werden.- Um den Direktor und seine liebevolle Ehehälfte gruppirten sich ungefähr fünfzig junge Leute und 10 Frauen, die hicher auS aller Herren Ländern zusammcngckommen waren. Der heutige Tag galt nämlich der festlichen Feier der ersten 3 u s a m m c nkunft der meisten seit 18 Jahren entlassenen Hörer de« jüdisch-theologischen Seminars. Seit 15 Jahren besteht dieses Institut; feit dieser Zelt hatte c« seine Zöglinge alS Mtfflonaire dcS neuen Jesuitenordens — der zum ersten Male auf jüdischem Boden errichtet worden — in die größten Städte der schönen Germania und