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Die Gegenwart · 1870-08-26 · 35 (26.8.1870) · p. Seite 317

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
35 (26.8.1870)
Date
1870-08-26
Page
Seite 317 (sequence 1)
Language
German
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Me» «Hv»«irtf»» Prag: «uzjilhrtg V. 5.- HMjiihrig „ 2.50 «atüjährig,, I SO flttt Postzuseaduug: van-jährig p. SLO Hettbjährig „ 2.75 vierteljährig,, 1.50 Für- Ausland: ««-jährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Zajerate werden billigst berechnet. Nr. 35. Gegenwart «edakti», ,.«Kk nijtrali», Prag, Mit« ttrgafieNrr. 408—1 wahin 18c Briefe n. Geldsendungen ,n richten find. Zuschriften »erde, franco erbeten. Ra. Israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Intereffen. «»NM« werde» bei Nichtverwendung »f verlangen jedoch kirt zu klattet. «Erscheint an jedm Jreitag. uufraalirt zuräcker, Prag 26. August 1870. ///. Jahrgang. Nach -en Wahlen in den böhmischen Landtag. Der glänzende Ausfall der Wahlen in den böhm. Landtag manifeflirt neuerdings die so oft geprüfte Ausdauer der böhmischen Nation, die bereit ist, jedem von neuem an sic herantretcndcn Versuche etwaiger Beugung kräftig zu widerstehen. In den böhmischen Land- und Städtebezirken wurden die nationalen Candidaten überall fast durchgängig mit Stimmeneinhelligkcit gewählt, in der königlichen Hauptstadt Prag gingen sie in allen Vierteln mit Ausnahme des Josefftädter siegreich hervor. Das deutsche Casino hingegen, dem der Ruhm für dauernde Zeiten bleiben wird, die Verbitterung zwischen den Bewohnern eines und desselben gesegneten Landes durch maßlose Herrschgier, und beispiellose Rücksichtslosigkeit für die Jnteresien des Gemeinwesens bis zum schroffsten Gegensätze gesteigert zu haben, hat selbst in deutschrn Bezirken mit mehr Feuilleton. Memoiren eines jüdischen Seminaristen. II. Breslau 15. August 1870. In dem großen prachtvoll auSgestatteten, durch unzählige Lu. streS fast feenhaft beleuchteten Empfangsalon des Direktors 8.auf der V... straffe im Eeminargebäude, in der ersten Etage, war gegen Ende des Jahres 186* eine zahlreiche buntgemischte Gesellschüft von Herren und Damen, wie cS schien, zu einer großen Festlichkcit versammelt. In der Mitte des Saales saß der Direktor, Obrrrabbincr etc. etc. 8.und seine Gemahlin und absolute Beherrscherin, die der alte Herr in besonders zärtlichen Stunden „Rose mein Leben," zu nennen pflegte. Diese Dame nun schien den Mittelpunkt aller Unterhaltung und das erlauchte Objett aller Huldigungen zu bilden. Galten diese in reichlichstem Maaße verschwendeten Courtoiflen der Schönheit der Hen in deS HauseS? — 0, bewahre I die ehemalige Dresdner „Rebbizin" und jetzige alma water der jüdischen Jesuitrnzöglingc war geradezu eine Vogelscheuche der menschlichen Gesellschaft. Ein geschwollenes, aufgedunsenes Gesicht, worin sich Dummheit mit Bosheit paarten, ein paar schielende, listige Augen, ein runzeliger, breiter Mund, drffen Oberlippen mit einem recht kräftigen Schnurbart geschmückt waren, eine in der Mitte dieses holden Antlitze» wie ein Leuchtthurm, erhellt durch die glänzende Kupfersarbe de» übermäßigen Deingenuffr», sich im Umfange von circa einer halben Elle in kühnem Bogm erhebende Rase, hiezu röthliche Haare, die als einem Dritttheile seiner Kandidaten ein horrendes Fiasko gemacht, und dadurch selber den eklatanten Beweis geliefert, daß selbst die Deutschen Böhmens aufgehört haben, mit seinen verderblichen Tendenzen Hand in Hand gehen zu wollen. Selbst in der k. Hauptstadt Prag hat die Partei, welche die unveräußcrlichen Rechte Böhmens auf ihre Fahne geschrieben, durch den Wahlsieg auf der Klcinseite einen nicht zu unterschätzenden Zuwachs an Kraft und Bedeutung gewonnen. Rur unsere glaubenSgenössischen Wähler der Iosefstadt haben diesem allgemeinen Siege, dieser um sich greifenden Umkehr zur bessern Ueberzcugung beinahe vollzählig sich widersetzen und nach wie vor sich zu Schleppträgern des nahezu politisch bankerotten deutschen Casinos sich hergeben zu sollen geglaubt. Welche, ftagen wir nun. sind die Ursachen, welche werden die voraussichtlichen Wirkungen dieser Erscheinungen sein? Eine politische Bedeutung vor Allem ihnen zuzuerkennen, wird Niemanden, der die Lage der Dinge kennt, auch im Entferntesten beisallen. Eine politische Ueberzeugung, die der verräthcrisch ans dem pechschwarzen Haarscheitel hcrvorlugten und obendrein diese wackelige, kurze, dicke Gestalt — diese allerliebste Persönlichkeit, die beinahe 60 Jährchen auf ihren Schultern trug, konnte nach europäischen Begriffen durchaus nicht al» schön gelten und keine-Anziehungskraft auf die hier versammelte jstnge Männerwelt ausübcn! Oder war vielleicht die Rebbizin eine gcistreiche Frau, deren Worte WitzeSrakcten, Geistesfunken entzündeten und bei deren funkclndcin, blitzendem und lnstig.praffelndem Lichte selbst dieses Harpyengrsicht i» bengalischer Beleuchtung rrglühtr? O. nein I Wenn diese kreischende und schrillende Stimme laut wurde, da erschien cö, als ob chinesische Taintannnusik, da» Katzenconzcrt der Tourco'S und der schnarrende, da» Trommelfell unerbittlich zerfleischende Chor de» Richard Wagner scheu: Daia, Waga, Wallala, Waiala, Waia auf einmal und zu gleicher Jett ertönen und ein Attentat auf die Gehörnerven deS Zuhörer» ausüben würden! — — Und erst diese Unterhaltung I I Mit den Damen schrie die Frau Direktor über die theucrn Gänse, die jetzt gar nicht zu haben wäre», da man 2 Silbergroschen mehr all sonst bezahlen müßte, dann cchanffirtc sie sich über dir Dienstmädchen, die jetzt mehr sein möchten, als die hohe Herrschaft, die mehr aus ihren Liebhaber wie auf die Küche achten —-und mit den Herren plauderte, d. h. kreischte sie über den Rabbiner So und So, der sich in Ungarn vennählte, ohne ihre Bewilligung zu dieser Hcirath erhalten zu haben, über dir Oberrabbinattwahl, in einer der größten Städte Böhmen», auf deren erledigten Posten ihr .großer" Mann — Dank den Bemühungen seines Bruder», de» Vorsteher» £ ...... in Pr . . — unter allen Rabbinrn der Welt allein für würdig befunden worden, um berufen zu werden u. s. w. u. s. w. Sie wir sehen, war Frau Direktor £.eine Klatschschwester. eine Plappcrlirst. deren unaufhörlich das dümmste Zeug dreschender Mund das mobile perpetuum verwirklicht zu haben schien — woher rührte also

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