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Die Gegenwart · 1870-08-19 · 34 (19.8.1870) · p. Seite 311

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
34 (19.8.1870)
Date
1870-08-19
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
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tttfj aber nicht, dann mögen sie in ihrem eigenen Ipteresie nnd in wohl erwogener Voraussicht der unausbleiblichen Entwicklung der Dinge in unserem Lande auch von ihrer Seite zur Herstellung deinnern Friedenbeitragen, bei jenen Herren für die gute Absicht, sie neuerdings im Landtage zu vertreten und zu — comprommitiren sich höflickist bedanken! Jedenfalls aber thäten sie gut daran, die beiden Herren, bevor sie ihnen wieder.ihre Stimmen geben, vor eine Wählerverfamm'ung zu bitten, und an sic die beiden Fragen zu stellen : Was habt Ihr bisher gethan, um den leidigen Zwist im Lande zu begleichen? Und wagedenkt Ihr in dieser Richtung ferner zu thun? t Lin Ilrtheil übnN. Wagners Iudenpamphlet. Die famose Broschüre, die die eitle ZukunftSapostel Richard Wagner vor noch gar nicht langer Zeit von Stapel gelassen, ist bereits in der gcsammten Presse der civilisirten Welt dermaßen lritisirk. befehdet und der gebührenden Verachtung und hoffentlich auch der gebührenden Vergessenheit überliefert worden, daß es eigentlich überflüssig erscheinen dürfte pos tot discrimina rerum, abermals auf das Pamphlet : „Da s I ud e n t h u m in der M u si k" noch heute zurückzukommen; leider jedoch ist der Judenhaß unsterblich, und während er in e i n e m Staate mit der Wucht der Gesetze und der fortschreitenden Bildung nirdergeworfrn wird, erwacht er mit proteusartiger Vielseitigkeit in einem anderen Lande, um abermals eine Judenhctze zu veranstalten und sei es auch nur, einen jüdischen Banquier zu meucheln oder dem wehrlosen Israeliten in den Synagogen das Heiligste was sic besitzen, die GcsctzcSrollcn zu entreißen und dieselben zu besudeln. UcbcrdicS gehört Herr Richard tige Abend und der morgige Tao Ist Such gcweihct und Gott Euerem Herrn l Ihr wollt einen Tag in Frieden nnd Einigkeit leben, einig mit Eurem Schöpfer und einig mit Euch selbst. Es naht der Freitag Abend. Männer und Weiber, Söhne nnd Töchter lenken eilend ihre Schritte heimwärts nm den Alltagsstaub abzuschüttcl», ihren Arbcitsschweisi abzuspiclen. Frauen nnd Kinder haben schon die Wohnung zurecht gemacht, das Beste vorbereitet. In einer Ecke fijjt der Familienvater vor einem Spiegel, fein Kinn von dem halbergrauten Barthaar nach altväterlicher Weise befreien, dort im Winkel steht die züchtige Jungfrau, ihr rabcnschwarzes, dichtgelocktcs Haupthaar zurecht machend. Und mit waS ist jenes Mütterchen dort an der offenen Kastenladc fo ernst beschäftigt? Eie legt ihre Cpitzcnhanbc zurecht, die ihr hochbctagtcS Haupt.für den morgigen Tag zieren soll. Plötzlich lasten sich drei Schläge vernehmen, ein Signal, daß der Sabbath bald seinen Einzug halten wird. Pätcr nnd Söhne sicht man dem Gcttcshause zucilen, alles in Sabbath-Gcwändern gekleidet, vom Reichsten bis zum Dürftigste», zu Ehren der kommende» Cabdathbraut, dem Ruhe u»d FrirdenStagc, dem Tage des Herrn. Mit dem Eintritt in die heilige» Hallen ist jede Sorge und jeder Kummer gebannt. Der Kopf wird leichter, das Gcinüth heiterrr, es tritt in u»S neues Leben ein. Und während im festlich beleuchteten KotteShausc das „Lecho dodi“ angcstimmt wird, bereitet die fromme Hausfrau mit freudigen Gefühlen die Sabbathlichter, die übliche Benedeiung sprechend, die schöne Tochter an ihrer Sette, deren lebhaftes Auge andächtig auf das oficnlicgcndc Gebetbüchlein gerichtet ist. Der Gottesdienst ist in solenner Weise beendet. Mit dem üblichen Gruße auf den Lippen und der ansrichtigsten Gesinnung im Herzen verläßt die fromme Schaar den heiligen Ort. Am dunklen Hiinmel schinimern die zahllosen Sterne, in der Brust der Heimkchrenden stammt da- Licht de» Glauben- und anS den Fenstern der geschmackvoll geordneten Wohnung, welcher wir zugehen, strahlt die achtzackige Lampe mit ihren Hellen Sabbathstammen uns feierlich entgegen. Wagner zu btf Spezies von Leuten, die in unserem lieben Deutschland seit einigen Jahren sehr stark z» grasiiren anfangen, — er leidet bekanntlich an Größenwahnsinn und läßt keine Gelegenheit unbenützt vorübergehen, um sich bemerklich zu machen, freilich meistendurch eine Grobheit etwa gegen da» B e e t h o v e n c o in i t e. in Wien, das die unerhörte Taktlosigkeit beging, einen Mann der außer seinem winzigen „Ich" Keinen neben sich aufkommen laffen will, zum Dirigenten eines Festeberufen zu haben, oder durch eine Rohheit und Beschimpfung der Juden und L i t e« raten." Diese Donquirotischen Harlrkiuaden sind viel gefährlicher als man gewöhnlich glaubt, denn sie finden in der unerschöpflichen — Dummheit der Menge und deg e i stigen und literarischen Proletariats noch manchen Sancho Pausa, der bereit ist. mit Tartsche und Lanze den Windmühlenkamps ihres Herrn und Meisters gegen Bildung und G e si t t n n g aufznnchmcn. Solche Schmarotzer hat Herr Wagner in Hülle und Fülle; aus ihn scheint dadichterische Wort gesprochen zu sein: (5s schaut zu ihm ein großer Haus' Von mancherlei Bcwundcrcrcn auf; Doch diesen Pack, so schwer nnd groß, Wird er wohl schwerlich jemals los. AnS diesen Gründen muß gegen diese Herren der GuerillaSkrieg stets fortgesetzt werden, will man sich nicht der Gefahr anssetzen, abermals überrumpelt oder gar besiegt zu werden. Die geehrten Leser der „Gegenwart" werden sich wohl noch aus meiner Besprechung des Pamphlets (Rr. 0) des vorigen Jahrgangs) erinnern, daß Richard Wagner seine Brandschrift gegen daö Judenthum bereitim Jahre 1^50 in der Brendcl'schen „Musikzeitung." unter dem Titel Die „V e r j ü d u n g d c r D e u t s ch e n Mn si k" geschrieben habe; damals nannte sich der Znknnstsmusiker „Gut Cchabes!" Mit diesen! trauten Gruße treten wir in die Räunie. die der eingetretenc Sabbath in kleine Hciligthümcr nmgewandelt hat. „Gut Schabe-1" erwiedcrn die Anwesenden. Söhne nnd Töchter, Enkel und Enkelincn treten dein koininendrn Batcr nnd Großvater ehrerbieiig entgegen »nd neige» bescheiden den Kopf, um den Segen ihrer Fainilieuhäuplcr zu empfangen. „Gott möge dich sein laste», wie Ephraim und Menaste! nnd dich wie Sara, Ribka, Rachel und Leah!" Aus dem Antlitze des hoffnungsvollen Jüngling- und der reizenden Jungfrau strahlt Scclenvcrgnügcn beim Empfange des Segens aus de» Händen ihrer theurren Familicnglieder. Die Tafel ist geschmackvoll gedeckt. Die weisen Sabbatbrode, von der niedlichen Hand der schönen Haustochter zierlich gesonnt, deckt eine weiße Serviette, neben ihnen steht der Becher mit Wein gefüllt. Das Familicnhaupt hat. langsainen und feierlichen Schrittes auf- und abgchcnd, -'fein „Scholoni alechem“ bereite beendet und wir folgen ihm zum Waschbecken, um unsere Hände zu dein jcpt konnnciiden wichtigen Akte zu weihen. Nu» so seht Euch um die Takel Ihr Kinder und bejahrte Bätcr, abgcplagte Männer nnd sorgsame Frauen! Hören wie, was der altehrwürdige Mann dort auf dem weich gepolsterten Fantcuil beim Kidusch-Gebet „von dem erhabenen Weltschöpser" und dessen Weisheit uns verkündet! Alter Mann! wie zittern Deine bereits erschlafften Hände beim Emporheben des geweihten Doppelbrodrs. doch wie lieblich strahlt dein Angesicht' Schwach »nd inndc von den langen Kampfen des mühevolle» Lebens fühlt Dein Her, sich ewig jung durch den Glauben und da- Bertranen an und aut unserer heiligen Religion. Die Ehrcnkrone, welche Dein hohe- Alter Dir aufgesetzt, lastet nicht drückend auf Deinei» silberbehaarten Haupt! O mögen die Dich hier Uinsitzendkn in Deine Fußtapfen treten und von gleichen Gesiiinuiigen sich beseelen laffen, auf daß ein gleiches Loos ihnen des chieden sei I Wie herrlich prangt der heutige Abend l Nichts als höhere Gefühle und Gedanken der Liebe zu Gott und Menschen I 34*

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