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Die Gegenwart · 1870-08-19 · 34 (19.8.1870) · p. Seite 310

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
34 (19.8.1870)
Date
1870-08-19
Page
Seite 310 (sequence 2)
Language
German
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betraut, mit demselben neuerdingzu bekleiden? Oder thun sie wohler und politisch klüger, eS ihnen, die sich um dasselbe , abermals bewerben, zu versagen? Wir wollen, um den Wählern der Josefstadt, so viel an unS liegt, die Beantwortung dieser unstreitig hochwichtigen Frage zu ermöglichen, mit schonender Umgehung alles Persönlichen, uns darauf beschränken, lediglich die Thatsachen zu Rathe zu ziehen. Und da dürfte denn vor Allem die Frage am Platze sein: WaS haben die Herren TedeSco und Wiener bisher gethan? Wodurch haben sie ihren Mandataren sich nützlich gemacht? In welcher Weise haben sie daS in sie gefetzte Vertrauen gerechtfertigt? Leider gibt eS hierauf nur eine Antwort: — Schweigen. Denn daß sie speziell für ihre israelitischen Wähler nichts gethan, sott und kann ihnen nicht zum Vorwurfe gemacht werden. Der Landtag ist eben nicht der Platz für solches Wirken, dafür ihnen Raum genug in ihrer Stellung an der Spitze der Kultus gemeinde geboten, bezüglich welcher jedoch wir hier nicht erst in Erörterungen eingehen wollen. Jemand kann immerhin, — wiewol wir das von den genannten Herren kcinswegs behaupten wollen, — ein ganz guter EultuSvorstand sein, dabei aber zum landtäglichenBer» treter schlechterdings nicht taugen! Daß aber diese Herren in dieser ihrer letzteren Eigenschaft ihr äußcrtcö Mögliche dazu beigetragen, die zwischen den beiden unser schönes Vaterland bewohnenden BolkSstämmen, leider entstandenen Gegensätze zu schärfen, sic bis zur höchsten Erbitterung zuzuspitzen, daß sic insbesondere der Stellung der Israeliten zu ihren Mitbürgern öechischcr Nationalität, durch ostentative, herausfordernde, ja geradezu erklärt feindselige Haltung gegen dieselben aufs Empfindlichste geschädigt, kann denn doch nicht verschwiegen, nicht einmal von ihnen selbst ernstlich in Abrede gestellt werden. Wir erinnern nur beispielsweise Herrn Dr. TedeSco an seine geradezu taktlose und ticfvcrlctzcnde Arußcrung bei Gelegenheit der Zusammenstellung der Listen für die Geschworenen, durch die er sich nicht entblödct, die iechische Sprache, also eine der beiden Landessprachen, bezüglich der ihr gebührenden Berücksichtigung mit einer — fremden auf die gleiche Stufe zu stellen, und fragen ihn selbst ob er damit im Sinne des Besten seiner Mandatare gehandelt zu haben glaube? W i r für unser Theil nun glauben nach derlei Vorgängen nicht, daß Männer von solcher Haltung geeignet seien, die israelitischen Wähler deS fünften Wahlbezirkes, deren Streben ganz sicherlich kein anderes ist, als mit ihren Mitbürgern in gutem Einvernehmen zu leben, noch weniger aber die Israeliten Prags oder gar Böhmens im Landtage zu repräscntlren. Wir meinen vielmehr, daß nur solche Männer hiezu berufen seien, die, ganz im Gegentheil, daS friedliche Einvernehmen zu fördern, die Israeliten aus der unliebsamen Stellung, in der sie nachgerade der weitaus überwiegenden Majorität Prags, ja des ganzen Landes gegenüber hineingevrängt worden sind, wieder herauszuführen, den redlichen Willen fowol wie die Fähigkeit besitzen. Daß die Herren TedeSco und Wiener dies nicht im Stande sind, darüber kann wohl kein Zweifel mehr bestehen. Es frägt sich nun bloS, wie in dieser Hinsicht die israelitischen Wähler der Joscfstadt denken. Meinen die Herren, die Politik des CasinoS in der Neustädter Brcitengasse mit seinem Streben nach Vergewaltigung des kechischen Elementes, also nach Fortsetzung und noch weiterer Zuspitzung deS nationalen Zerwürfnisse« im Lande, mit feinen preußischen Sympathien und slavenfeindlichen Kraftradomontadcn. sei die richtige, zum Heile führende und meinen sic ferner und insbesondere, die Prag r Joscfstadt, als der einzige Wahlbezirk Prags, der nach dem Dictate dieses Casino wählt, besitze Kraft, Gewicht, Macht und Einfluß genug, um dem ausgesprochenen Willen deS ganzen übrigen Prag gegenüber die Fahne der Politik jener Clique aufrecht zu erhalten und zum Siege zu führen, — wohlan denn, so müssen sie den Kampf aufnehmen und die Herren TedeSco und Wiener wiederwählen! Sic thäten unklug, eS dann zu unterlassen. Meinen sie Niemand m» sic schlägt, und Schwäger-Vetter- und Bruderschaft schon für die Erlangung einer gewissen nothwcndigen Stimmen, .iaht sargt. Man versuche einmal beide Herren im verfassungssaftigen SpciSzettcl nicht aufzustellen, und sic werden, selbst wenn sic niemand Anderer wählt, auch durchdringcn, da doch Hr. TedeSco einen wahlfähigen Schwager hat, der die Aufgabe hätte, vorgenannte Herren zu wählen. Die Wahl siele selbstverständlich bei der Eiiisliiinnigkeit recht glänzend auö. In geographischer Beziehung scheint daS Ioscfstädtcr Viertel sehr schlecht sitnirt, und ich schreibe eS der großen Sündsiuth zu, « die dasselbe aus dem Egerer oder Saazer Kreis nach Prag geschwemmt haben muß, auch ist eS nicht anders zu erkläre», sonst gebe eS nicht in der böhniischcn Hauptstadt einen Bezirk, der nur mit grosideiilsche» Artikel» handelt. Da scheinen mir die nichtjüdischen Wähler nachgiebiger, sie wählen lieber gar nicht, bevor durch die Wahl anderer .üandidatcn dem Eoiisortmm Tedcsko-W jener Dcittonstration z» mache». Es ist freilich für jene uiiangench m, sich passiv zu verhalte», nachdem sie doch eine eben solche Vatcrlandölicbc besitzen, wie die Wähler außerhalb deS Iosefstädter Viertels. Doch Tic scheinen die Sache nicht recht zu begreifen und eS will Ihnen nicht einleuchtend sein, daß die jüdischen Bewohner deS - Iofcsstädter WahlvicrtctS immer und iniiner die beiden so oft genannt sein wollendeii Herren wähtcii und diese sich auch bewogen fühlen, die Wahl stets anzinikhmc». Wißen Tie denn nicht, daß Hr. TcdeSeo und Wiener beinahe die ganze Indenschaft der Iosefstadt ernähren und diese auf die Bevölkerung PragS nichts, ja gar nichts zu geben habe'.' TedeSco i»acht alle Gesunden gesund, Wiener vertheidlgt die Iudenschaft i» Zeiten der bSefahr, waS haben die Juden Frieden und Eintracht mit den Nichtjudcn nothwcndig! Leere Phrase! wenn nur TcdcSeo wieder LandcSauSschußbcisitzcr wird, ist er und mit ihm sind alle Juden versorgt, wenn Wiener LandtagSabgeordneter ist, da sind die Juden deS Iosefstädter Viertels im Eldorado. Also eS scheint nichts BeffereS auf der ganzen Erde zu fein als jene immer und immer aiifgcdrungencn Eandidate», die um allen Preis gewählt werden müffcn. Ich finde eS auch für billig und recht, denn, wenn cs bisher keinem Staatsmanne in Oesterreich gelungen ist, die Völkcrdiffercnzcn ausziigleichen, so ist eS in erster Reihe gewiß der Dr. TedeSco, der das Verdienst hat, in öfscnttichen Sitzungen so friedliebend vstentirt zu haben. * Also haben Sic ebensowenig als ich gegen die Wahl der Herren TedeSco und Wiener, gesegnet seien sic beide zum Segen der Prager Iosefstadt, die nicht eher aushören wird, eine Judenstadt zu sein, als biö Tedesco und Wiener werden aufhören Abgeordnete der Juden zu sein! Eine Sabbathfeier- I. Der Freitag Abend. „Unendlich ist des SabbatS Segen, Wenn wir nur feinen Ruf versteh n, Nicht träger Ruhe nur zu pstcgcn. Der Heiligung ist er auscrsehn (Salonwn.) Kommt her zu mir Ihr arbeitenden Männer und Frauen, Ihr emsigen Jünglinge und Jungfrauen, Ihr stcißigrn Schüler und Schülcrincn! Schaaret Euch um mich Ihr vom hohen Alter Gebeugten, von der drückenden Sorge Gequälten I Verlasset die stau, lüge Werkstätte, die beengenden Räume, in denen Ihr in sechstägigei! Emsigkeit, vom frühen Morgen bis zum späten Abend verweilt, auf daß Eure müden Glieder sich erquicken, Euer Geist von der sechStägigcn Anstrengung sich erhole, auf daß sie zur frischen Thätigkeit sich neu beleben! Kommet alle, Ihr Reichen und Arme», ich führe Euch ein in den hell erleuchteten Saal; denn btt Heu-

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