Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 34 (19.8.1870)
- Date
- 1870-08-19
- Page
- Seite 309 (sequence 1)
- Language
- German
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Um «fvmiivtffir «MWHM, |L 5.- »EM» „ LÜO «eMMrtß„ IAO «tt »»IntM» r MwHHilg fl. 5.50 mmürig „ 2.75 «erteljähriz,, ILO T«0 A«Al««d r «uqMrtg 4 Thlr. -.ttjNrig 2 Thlr. Jvferite werde» billigst berechiet. Gegenwart. Israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Intereffen. Erscheint an jedem Freitag. M Mt t XfilwMI M» IIRRMI PMfc Wm* tttfifftUr». 419—1 »«hi» afle vrirft ». Grlbfe»b»^e« z, richte, M*. Lnfchrtste» »erde, fraak» rrbett». 9te» »»slripte »erd«, M «icht»er»e»dn»A «ch Derla»g«, jtdMtz anftaikirt z»riicker stitttt. Nr. 34. Prag 19. August 1870. ///.3<tlpgtmj. Zur bevorstehen-rn Landlagswahl. Ernster als je bisher tritt die Frage der bevorstehenden Wahlen in den Landtag des Königreichs Böhmen, unseren engeren Vaterland-, an die israelit. Bevölkerung desselben, insbesondere aber an die israelitischen Wähler per königlichen Ha»ptstadt Prag heran. Wir greifen zu weit auS mit dieser Bezeichnung. Der Arei-, den wir mit derselben ziehen, ist ein viel zu umfassender, den tatsächlichen Verhältnissen, wie sie seit den letzten Dezenien sich herausgebildet, lange nicht mehr entsprechender, und wir wollen ihn davor enger ziehen! Eine com- Pakte israelitische Wählerschaft, wie sie etwa vor Jahren in Prag noch bestand.-gibt es in Prag nicht mehr; siehat mit der Auflassung de- „fünften JudenvicrtelS,"mit der Gewährleistung der unbeschränkten Freizügigkeit aufgchört zu ezistiren. Ein höchst bedeutender Theil isr. Wahlberechtigter seitdem ist in andere Stadtviertel, namentlich in die Altstadt übersiedelt und übt sein Wahlrecht in den Wahlbezirken seine- Wohnsitzeau-. Eine sehr geringe Anzahl nur ist in der ehemaligen „Judenstadt" wohnen geblieben, und in den verlassenen Wohnstädten hat ein sehr nahmhafteS voi» Jahr zw Jahr zunehmende- Contingent beinahe durchgehende techisch-nationaler Wahlberechtigter, sich niedergelassen, daS — Feuilleton. Plaudereien (zweite Folge) IX. Der böhmische Landtag ist aufgelöst, mit dieser Auflösung beginnt daS Roulettespiel um die Deputirtcnsitze am Fünfkirchenplatzc von Neuem und für die jüdische Josefstadt in wahrscheinlich unveränderter Weise. Sie sehen in dem KandidatcnspeiSzcttel des vcrfassungStüchtigen Casino wiedrr die Herren Tedcsco und Wiener, ersteren mit feinem zur rechten Zeit erlangten -Lrdcn, letzteren mit der Hoffnung auf einen solchen glänzen, um dem jüdischen JndiffercntißmuS vorgesetzt zu werden. Die Josefstadt hat viel AehnlicheS Mit» dev alttcfiamentarischen Stadt Brody in Galizien, und wenn jene auch nicht wir diese einen Kalir aufzuweisen hat, mit besten Hilfe der Herr Reich-kanzler auö der Lantagswahl in der Handel», kammrr hervorging, so hat fie nach Ansicht der „Preise" in Herrn Trdeöko ihren jüdischen Erzbischof, besten verfastung-trene Unfehlbarkeit bereit» proklamirt ist. Diese Unfehlbarkeit scheint ihm auch bei.den jüdischen Dählem de» Brodyer Mertelin Prag für ewige Zeiten di« Naht gesichert zu haben, die einst durch Brandbriefe gezündet Hab und immer wieder von Neuem zündet. ekann mit mathematischer Gewißheit dievorauSgesehen werden, — nach einer nicht zu langen Reihe von Jahren in dem besagten ehemaligen „Judenviertel" zum Urberge- Wichte gelangen wird. Von einer Aussicht der auder denstadt in die andern Wahlbezirke übersiedeltrn israelitischen Wähler ein politisches llebergewicht ihrerseits in denselben zur Geltung zu bringen, kann wol füglich die Red« nicht sein. Der Ausfall der letzten Wahl, namentlich in der Altstadt, hat diesattsam gelehrt, und wir glauben nicht, daß Einer von ihnen in diesen: Augenblicke noch der trügerischen Erwartung sich hingeben dürfte, die gesunkene Fahne der Casinomänncr bei dem nächsten Wahltage daselbst wieder aufrichten zu können. Die Sache dieser Partei ist, wir dürfen ewohl mit aller Zuverlässigkeit antizipiren, vor allen Wahlurnen Prag-, mit Einschluß jener der Kleiusrite, eine verlorene, selbst dnrch die äußersten Anstrengungm aller israelitischen, dabei in den Wahlkampf mit eintretenden i-rael. Wähler nicht mehr zu rettende. Nur auf unsere glauben-genössischen Wähler defünften Wahlbezirkes de-vormaligen „JudenvicrtelS" kann die vorliegende Betrachtung sich beziehen, und an ihre Adresse allein daher ist dieselbe gerichtet! Die Frage nun, die an sie herantritt, ist die: Welche Haltung sollen sie den nächst zu eröffnenden Wahlurnen gegenüber einnehmen '? Werden sie wohl und politisch llug daran thun, die Männer, die sie bisher mit ihrem Mandate Die jüdische» Bcivohncr der Josefstadt haben ihr Appellantcnthum, ihre nnikormirtm Hausmeister »nd Amtsdicner, ihren Schlächter, warum sollten sie nicht ihre jüdischen LandtagSabgeordnctcn haben, die wenn nie in der Shnagoge so doch im geflnnung»- gleichen Landtage auf Alle» „Amen" sagen I Man sagt zwar, die Juden seien GcwohnheitSwählcr. die äu» schlechter Gewohnheit imnier Tedcsco und Wiener und Wiener und TcdeSco wählen, weil sie sonst die Herren vergeffen könnten, wa» für dir Juden kein kleines Unglück wäre, allein nicht immer ist rS die üble Gewöhnheit, eS ist auch der Lügenschwindcl, mit den» man die jüdischen Wähler förmlich harangnirt. Einige behaupten zwar, die jüdischen Wähler seien von den fulminanten weiterschütterndr» LandtagSreden jener modernen Cicero» so sehr begeistert, daß jenen eine andere Wahl schwer fiele. Und hieße r» auch in der Ihat Undank, bar, die Heldenthat eine» TcdeSco, dir er in der FindelhanSfragr bewiesen, mit einem non placet zu belohnen, so wäre r» strafbar, einen Wiener nicht zu wählen, nachdem er doch während der kurzen Wirksamkeit al» LandeSaüsschußstellvrrtrrter eine" temporäre EintrittspreiZ-Erhöhung im deutschen Lande»thratrr befürwortet und verfaffungssrcundlich durchgekänipft hat. Eie sehen also die beiden patentirtrn Inhaber der Josefstädter Landtagsabgordnetensitze find, wenn ich mich eine» Ausdrucke-, der mit dem Strafgesetzbuchr kollidirt. bedienen darf, nicht zum „ umbringen "I Ganz natürlich werden Sie sagen, w«ll sich