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Die Gegenwart · 1870-08-12 · 33 (12.8.1870) · p. Seite 306

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
33 (12.8.1870)
Date
1870-08-12
Page
Seite 306 (sequence 6)
Language
German
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306 verging, wie wenn mau Geflügel zur Küche zubereiten pflegt, und nähte den Rumpf in einen Sack ein. Erst als dies allevollführt war, kam die Mutter der S., welche angeblich von all dem Borgefallenen keine Mitwiffenschaft hatte, worauf ihr die Tochter da- Verbrechen eingestanden haben soll. Dageraubte Geld betrug 130 fl., wovon die S. den Miethzin« bezahlte, und die vorerwähnte Rate pr. 16 fl. 60 kr. an die Tochter der Ermordeten mit dem Bemerken berichtigte, daß sie vergeben« auf Frau H. gewartet habe und das Geld lieber selbst bringe. — Kopf und die Füße, auf welchem sich noch die Strümpfe der Ermordeten befanden, in Lappen eingehüllt, wurden von einend Sicherheitswachmanne unterhalb der Bastion Nr. 10 nächst der Eivilschwimmschule eruirt und in da« pathologisch-anatomische Institut übertragen, woselbst die Mörderin im Beisein der Gerichtskommission der Leiche gegenübergeftellt wurde. Inland. Marienbad. Ein von mehreren Kurgästen Unterzeichnete- Schreiben au« Marienbad meldet uns, daß hier vergangenen Samstag Herr Rabbiner LengSfeldcr von der Kanzel herab gesprochen hat. Wir beschränken unS auf die wörtliche Wiedergabe des Berichte-: „Daß Rabbiner LengSfeldcr ein wissen-reicher, talmudisch gelehrter Mann, ein Rabbiner von altem Schrott und Korn sei, daweiß man allgemein, wiflen aber dürfte man allenthalben nicht, daß er ein so hervorragender geistreicher Prediger mit blumenreicher Sprache und herrlichem Bortrage sei, wie käme es sonst, daß er in Reichenau und nicht in einer der angesehensten Gemeinden Oesterreich« seinen Sitz hat. Im Namen der jüdischen Kurgäste wurde dem hier gefeierten Redner durch eine Deputation eine überaus schmeichelhafte Dankadresse überreicht." (M i ß h a n d l n n g). Ein jüdischer Promessenhändler, Namen- Josef Pollak in Wien, Pillerödorfgasse Nr. 1 wohnhaft, fuhr dieser Tage zum Besuche seiner Frau nach Tulln. Auf dem Wege kehrte er in Langenlcbarn in einem Wirthöhause ein, in welchem zwölf Bauern zechten und bald Streit mit dem Angrkommenen begannen, der in Begleitung eines Freundes war. P., den die Bauern einen Roßdieb schimpften, wurde fürchterlich zugerichtct. Bluttriefend kam er um 12 Uhr Nacht« zum Bürgermeister, welcher ihm Gcnugthuung versprach. — Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien. Da« mit der israel. Kinderbewahranftalt in Verbindung stehende Bildungsinstitut für Kindergärtnerinnen in Wien hat da« zweite Jahr seiner Wirksamkeit mit einer Prüfung abgeschlossen, welche am 1. August d. I. unter dem Vorsitze des LandcöschulinspcktorS Hrn. Ritt. v. Becker und in Anwesenheit dcS Gründers der Anstalt, Hrn. Josef Ritter von Wcrthcimer und seiner Gattin der Frau Baronin von TodcSco und der Frau Pauline Schiff, als Mitglieder des Vorstandes ftattfand. Die jungen Kandidatinen, welche sich im abgrlaufcnen Schuljahre zu Kindergärtnerinnen hcranbildcten, zeigten durch ihre Antworten au« der Erzichungslehrc und den andern cmschlägigcn Fächern, so wie durch ihre praktischen, mit den Kindern der Bewahranstalt vorgcnommenen Lehr und Spiclprobcn. daß da« junge Institut unter der Leitung de« Hrn. Direktor Fischer still und geräuschlos eine segensreiche Thätigkcit entfaltet. (Ehen zwischen Inden nn d N ich tjnden.'l ES ist eine bcachtenSwcrthc Thatsachc auf dem intcrconfessionellen Gebiete zu verzeichnen, indem der hiesige Magistrat bcschloflen hat, dav Aufgebot einer Ehe, welche zwischen einem confessionslost» Bräutigam und einer israelitischen Braut beabsichtigt wird, zu vollziehen. Ein junger Mann, Katholik, wollte, falls dies ohne den bekannten Akt der Bluttaufe möglich wäre, sich in da« Jndenthnm aufnehmc» lassen und sich mit einem jüdischen Mädchen verhrirathen. Da jedoch die erwähnte Vorbedingung nicht zu umgehen ist, meldete er einfach seinm Austritt auder katholischen Kirche an unt> erNärte zugleich, daß er nicht beabsichtige, zu einem anderen Glaubensbekenntnisse zu Übertreten. Hierauf ersuchte dercvnsession-lose Bräutigam den Prediger Hrn. Dr. Jelinek um Vornahme deS Aufgebotes seiner Ehe mit-einer israelitischen Braut. Dr. Jellinek ließ die Frage, in wiefern der Ehe der Brautleute vom Standpunkte der jüdischen Glaubenslehre im gegebenen Falle ein canonischeS Ehehindernis entgegenstehe, offen, berief sich auf die in Kraft bestehenden Ehegesetze, welche (vermeintlich) eine Ehe zwischen Juden und Nichtjuden nicht gestatten, und stellte den Brautleuten darüber, daß sie sich an ihn mit der Bitte um Aufbietung erfolglos gewendet haben, eine Bestätigung auS. Die Brautleute wendeten sich nun mittelst eines von ihrem Rechtöfteunde Dr. Knepler verfaßten, die Rechtsfrage beleuchtenden Gesuches an den Magistrat, damit derselbe die Verkündigung im Sinne de- Artikels 2 des neuen Ehegesetzes vornehme. Der Magistrat ging auf die Ausführungen de« Dr. Knepler ein und lud die Brautleute zum Zwecke des Aufgebotes vor. Hiemit sind die mannigfachen Zweifel, welche über die Zulässigkeit der Civilehe confeffionSloser und Nichtchristen bei Juristen und Seelsorgern bestanden, für Wien praktisch gelöst. ES wird nun an die israelitischen Seelsorger die Nothwendigkeit herantreten, sich zu erklären, ob der Schließung von Ehen zwischen ConfeffionSlosen und Personen mosaischen Glaubensbekenntnissevom Standpunkte des mosaischen Gesetzes ein canonisches Hindernis entgegenstehe oder nicht. Wie unS mitgetheilt wird, soll in dieser Beziehung eine Schwierigkeit in der jüdischen Trauungsformel liegen, wonach der Bräutigam die Braut „nach dem Gesetze MosiS und Israels" zu ehelichen erklärt, welche Erllärung voraussetzt, daß das mosaische RcligionSgesetz für den Bräutigam verbindliche Kraft habe. 31 II f I and. Berlin. ES ist nicht uninteressant zu vernehmen, daß der GeneralftabSchcf des Kronprinzen von Preußen v. Blumenthal mosaischer Astammung ist und demselben talmudische Studien nachcrzählt werden. — Die „jüdische Presse" in Berlin schreibt unter Anderem. Es scheint uns fast überflüssig, noch zu erwähnen, daßder Patriotismus der hiesig. Israeliten auch diesmal auf eine glänzende Weise sich bewährt. .In allen Vereinen für Krankenpflege verwundeter Soldaten, zur Hülfe der Hinterbliebenen etc. etc. sind Israeliten hervorragende Mitglieder. Bei der an der hiesigen Börse veranstalteten Sammlung waren die größten Summen im Betrage von 10,000 Thalern und darüber von jüdischen Firmen gezeichnet. Daß unsere jüdischen Soldaten im Kriege ihren nichtjüdischen Brüdern an Tapferkeit auch nicht um Haaresbreite nachstehen werden, wird unS selbst die „Kreuzzeitung" gerne bestätigen. Hat doch der bekannte hiesige Dichter und Herausgeber der „Schaubühne," Herr Martin Perels, schon dieser Tage ein Madrider 100 Fr. LooS (Nr. 422, 791) mit EouponS und Uebcrweisung deS LotteriegcwinneS für den Soldaten der deutschen Armee jüdischen Glaubens bestimmt, welcher vom Gencral-Eommando in diesem Feldzüge als besonder« tapfer, unerschrocken und hcldenmüthig bezeichnet wird. Es ist keine Frage, daß es dieser Behörde schwer fallen dürfte, gerade den jüdischen Soldaten zu bezeichnen, der der tapferste wäre; da sic alle mit gleicher Begeisterung einstehen werden für Deutschlands Ehre und Freiheit. Paris. Man berichtet, daß Hr. Wdlf, Generalintendant der französischen Armee ein Jude wäre. — Hr. Jsak Schamascki, au« Bagdad Zögling der Schule in Paris der „Alliance“ hat den ersten Preis dcrEhcmie bei den philotcchnischen Vereine erhalten, so wie Hr. Wormser wieder am Eonservatorium der Musik. — Die demnächst zu erwartende Erhebung de» Obrrrabbincrö von Frankreich zur Würde eine- Senator« flößt

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