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Die Gegenwart · 1870-08-12 · 33 (12.8.1870) · p. Seite 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
33 (12.8.1870)
Date
1870-08-12
Page
Seite 307 (sequence 7)
Language
German
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807 tarn „Volk-boten" von Alxheim (Elsaß) recht bittere Reflexionen ein. Man kann sich kaum einen Begriff davon machen, mit welchem Haß diese- Blatt gegen die Juden vorgeht. »Niemals,- sagt e-, „wird ein Senator zur Seite eine- Reb b e sitzen wollen." — Nach einer jüngst im gesetzgebenden Körper officiellen Mittheilung leben in Frankreich 89047 Israeliten. (Rew. Isr.) — Die Witwe Frau Cahn, welche sich seit einer Reihe von Jahren mit Ausübungen von LiebeSwerken beschäftigt, begibt sich wegen Pflegung der Berwundeteu zur französischen Armee. Auch Frau Goudchaux, die Witwe des frühem Ministers, hat ihre Dienste die Verwundeten zu pflegen, angebothen. — Herr Dr. Oulmout wurde zum General-Inspektor der ambulanten Militär- LazarethckorpS der Osteisenbahnen ernannt. — Der „TempS" zufolge find bei der Armee 59 katholische, 9 protestantische und 3 iSraelittsche Feldprediger. CS ist zum ersten Male, daß Rabbiner der Armee folgen, unter diesen sind die Herrn Felix Lazard, Rabbiner iu Paris, und Oury Rabbiner in Toulouse. — Die Academie francaise hat dem Herrn Eugene Manuel, dem Verfaffer der „OuvrierS" den von der Frau Landrieaux bestimmten Preis von 4000 Franks zu erkannt. — Herr Julius Loel, erhielt den zweiten Preis als erstm Violoncelle — Accezist für das Jahr 1869. In Loulofe erhielt ein katholisches Waisenkind zum Vormund einen Juden und zwar den dortigen Rabbiner Hrn. Oury. In Hmevitle veranstalten die Israeliten große patriotische Sammlungen, an deren Spitze der Rabbiner Alfred Levy steht, man hat auch eine große Anzahl Betten zur Verfügung der Verbündeten gestellt. Ein israel. Bataillonschef der Mobilen-Garde hat einen Theil seines Hause« der Stadt wegen Einrichtung eines ambulanten Spitals zur Verfügung gestellt. Hr Raphael Targi in Larissa hat ein polnisches Waisenkind adoptirt. Hr. B. Peixoto erhielt das Consulat der nordamerikanischen Freistaaten für Bucharest, und wird über Paris sich hinbegeben. (Styrum. Asien. Der bekannte jüdische Reisende Joseph Tischarni hält sich gegenwärtig in Armenien auf. Von den dortigen Juden wurde er mit Jubel begrüßt, ebenso unterstützt ihn die russische Regierung mit allem ihr zu Gebote stehenden Mitteln. (Hamagid.) Chicago. Chicago, das daS New-Aork des Westens zu werden verspricht, indem eS sich in einer kurzen Zeit erstaunlich vergrößert, hat gegenwärtig vier jüdische Gemeinden, drei derselben huldigen der Reform, während die vierte dem Ritus der Orthodoxen treu geblieben ist. Die Zahl der beitragenden Mitglieder kann man auf 600 schätzen; aber es wohnen viel mehr Familien daselbst, da Viele sich gar keiner Gemeinde anschließen. Chicago ist bekannt durch seine prachtvollen Kirchen, die Israeliten haben mehrere derselben um einen billigen Preis gekauft. So hat eine isr. Gemeinde vor 11 Jahren eine Kirche um 7000 Dollar erworben, sür.deren Raum man jetzt 40,000 Dollar erzielen könnte. Der jährliche Beitrag eines Mitgliedes zu einer dieser Gemeinden ist im Durchschnitt 20 Dollar. Die Ausgaben werden 'hauptsächlich durch die Miethe der Plätze, deren cs von 200 D. — 20 Dollar gibt, gedeckt. Die Israeliten Ehicago'S haben vor einiger Zeit ein prachtvolles Hospital errichtet. Der jüd. UnkrrstützungSverein vertheilt jährlich an 10,000 Dollar. Chicago hat eine bettächtliche Anzahl wohlhabender Israeliten, aber was noch befriedigender ist, eine große Mittelclasse. Armuth ist da unbekannt. (J"w. Time«.) M i s c e l l t n. Einige« über die Mutter Meyerbeermittheilen. Wie bekannt war der Vater Meyerbeer« der reiche Bankier Beer aus Berlin: sein Sohn nahm, nachdem er sich nach Jtalil» begeben hatte, den Namen Giacomo Meyerbeer an, indem er den Namen seiner Mutter, mit dem seine- Vatervereinigte. Sein Vater Giacomo Herz Beer, am 10. Juli 1760 in Frankfurt am Main geboren, war eln sehr geistreicher Mann, und besonderfür Kunst und Wiffenschaft sehr eingenommen, er besuchte auch fleißig Konzerte und Theater, so wie auch ausgezeichnete Opern. Seine Mutter war besonders ein Engel von Güte, sie war ohne Unterschied der Glauben-genoffen gegen alle gütig. Sie hieß Amalie, war die Nichte von Wolf Taußk aus Wien und die Tochter drreichen Lippmann Meyer Wullf, auch Berliner Crösugenannt. Sie besaß auch eine außerordentliche Bildung, sie lebte für die Poesie und Musik und verehrte Poeten und Compositoren. Obwohl treu ihrem Glauben lasie doch die Meffiade von Klopstock und seine Oden mit Entzücken, und hielt ihren Sohn in seinen jüngcrn Jahren an, religiöse Arien zu kom» poniren. Nach Klopstock liebte sie Schiller ungemein und wußte von seinen Werken manche Acte auswendig. Mit besonderem Wohlwollen verfolgte sie die genialen Versuche ihre« geliebten Sohnes und kränkte sich sehr, wenn sie anfänglich nicht den gewünschten Erfolg hatten. „Der Schwur Jephta'S" wurde im Jahre 1812 bloinjMünchen aufgeführt. Im Jahre 1813 komponirte Meyerbeer eine zweite Oper „Der Wirt und die Wirtin", welche in Stuttgart mit nicht besserem Erfolge gegeben wurde. Entmuthigt begab er sich 1815 nach Paris und 1816 nach Italien. Hier übertrafen die Erfolge seiner Opern: „Die erkannte SemiramiS, Margarethe von Anjou, Almauzor" imd andere Werke seine Erwartungen." Seine Mutter folgte mit besonderer Freude die Triumpfe ihres Sohnes, und war darauf bedacht, ihm eine zärtliche Gattin zu geben; sie reiste 1825» nach Italien, u» ihn in sein Vaterland zurückzurufen: und kam cbcn recht um Theil an seine Triumpfe zu nchmcn. Meyerbeer wurde von allen Theilen der Bevölkerung wegen seiner „Kreuzfahrer in Egypten" hoch gefeiert. Wo er hin kam, genoß er Triumpfe und auch seine Mutter wurde mit Blumen und Lorbcerkronen überschüttet. Meyerbeer folgte seiner Mutter nach Berlin und verband sich* mit der Tochter ihrer Schwester einem Fräulein Mosson. Der im Jahre 182.5 erfolgte Tod des Vater» verzögerte seine Ehe, welche im Jahre 1827 statt fand, wo er sich nach Paris begab, und dort seinen Aufenthalt nahm. In Paris folgten auf einander seine Opern „Robert der Teufel" und die „Hugenotten," welche die Runde in der Welt machten, die Mutter wünschte sich kein höheres Glück, und sic sah sich am Ziele ihrer Wünscht, da sie ihren Erstgeborenen unter den ersten Konponistcn nennen hörte. Heinrich Heine, welcher oft die Familie Meyerbeer besuchte, schrieb zu jener Zeit von Paris: „Ich kenne nur eine einzige glückliche Mutter, und zwar die Mutter Meyerbeer». Sie schwimmt in einem Meere von Seligkeit, denn die Erde ist ihr zum Paradiese geworden. Überall hört man die Musik ihres Sohnes und das macht sie glücklich." Auch da theilte sie den Ruhm ihres Sohne». Sic selbst hörte die Partitur „daö Lager von Schlesien;dessen Musik öder da« Melodram Struensee, von ihrem zweiten Sohne verfaßt, dann war sie bkl^der Ausführung des „Propheten." Am 27. Juni 1850 starb sie in Berlin im vorgerückten Alter; ihrem Leichenzuge folgten Tausende von Menschen jeder GlaubenSgenoffenschaft. Meyerbeer verlor an seiner Mutter, seine wärmste und glücklichste Verehrerin. I-. X (Die Mutter Meyerbeer'«.) Es dürfte dm Lesern diese« Blattes nicht unangenehm sein, wenn wir

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