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Die Gegenwart · 1870-08-12 · 33 (12.8.1870) · p. Seite 305

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
33 (12.8.1870)
Date
1870-08-12
Page
Seite 305 (sequence 5)
Language
German
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I 305 I worden sei, welche zudem an der Gartenseite über 3 Klafter hoch find, und von den Häusern agbeobachtet werden können. Die Leiche wurde vorläufig an Ort und Stelle belassen und dak. k. Landesals Strafgericht von dem Verbrechen in Kenntniß gesetzt. Noch um 7 Uhr Abmds erschien eine GerichtSkommiffion unter der Leitung des Hrn. LandeSgerichtöratheS Dr. Kraus, nahm den Lokalbefund auf und verfügte die Uebertragung des Rumpfes ins pathologisch anatomische Institut. Sonntag Vormittags fand im pat.-anat. Institute die gerichtliche Sektion der Leiche statt. Die Sektion nahm Hr. Prof. Dr. von Ritter im Beisein von sieben israelitischen Zeugen vor. Es wurde konstatirt, daß die Frau erst nach einem gewaltsamen Tode verstümmelt worden sei. An dem Rumpfe fanden sich im Rücken und an der rechtm Hand Stichwunden vor. Der Kopf war sammt dem Halse abgeschnitten, die beiden Unterschenkel schienen abgehackt worden zu sein. Mehrere Spuren deuten darauf hin, daß die alte Frau erst nach einem hartnäckigen Widerstande den Tod erlitten habe. Von dem Augenblicke an, da man die ruchlose That entdeck: hatte, befanden sich die Polizei Bezirksleiter des HrrdschinS und der Kleinseite und das SicherheitSdeparlement in vollster Thätigkeit. Schon Sonntag Nachmittag gelang es, Anhaltspunkte auf,»finden, welche auf die Spur der Thäter führen kannten. Bald darnach wurde ein Haus in der BruSka von Polizeiorganen umstellt. In diesem Hause wohnte ebenerdig eine Schneiderswitwe mit ihrer Tochter. Diese beiden Personen ohne Erwerb, führten doch ein bedeutendes HauS und hatten bei der Ermordeten Humpoletz Schulden gemacht. Die Durchsuchung ihrer Wohnung lieferte der polizeilichen Kommission solche Daten in die Hand, daß der Verdacht, die Beiden seien die Thäterinnen ein dringender wurde. Man soll nämlich nebst verschiedenen Gegenständen, welche die Ermordete bei ihrer Entfernung vom Hause bei sich gehabt hatte, imZimmer auch Blutspuren gefunden haben. Die beiden Frauenpersonen wurden in Haft genommen und deren Verhör von dem Bczirksleiter der Kleinseite Hrn. Polizeiobcrkommissär Preßl geleitet, dauerte bis 11 Uhr Nachts, worauf die beiden unter starker Eskorte in das PolizeidirektionSgebäude abgcführt wurden. — Bon Seite der Sicherhcitsbehördc waren sofort dicumfasiendsten Erhebungen insbesondere bei den Bewohnern des HradschinS in der Nähe des Fundortes cingcleitet worden. Es gelang denn auch wirklich vier Zeuginnen zu ermitteln, welche übereinstimmend behaupten, am Samstag gegen 3 Uhr Nachmittags 2 Frauenzimmer, deren eine über 40 die andere gegen 20 Jahre alt sein mochte, von der Marienschanze kommend, den Weg auf der Schanze gegen die Pohorelccer Lackirerei zu, gehen gesehen zu haben. Die Frauenzimmer wurden dann bemerkt, wie sie von dort im langen Umwege auf den Fahrweg gelangten, und die Stelle passirtcn, woselbst die Leiche später gefunden wurde. Das eine dieser Frauenzimmer trug einen schweren Tragkorb, schritt jedoch, als tö später auf dem Rückwege gesehen wurde, leicht einher. Eine der Zeuginen erklärte, die jüngere der beiden Frauen lieber erkennen zu wollen. Gleich nach dem Verschwinden der Frau Humpoletz hatten deren Angehörige Nachforschungen cingclcitct, und auch bei einer Partei, die mit der Ermordeten in Geldvcrkehr stand, und in N.E. 152—3 (Waldsteingassc) in der Nähe des Blindcninstitutcs. also in einem Hause wohnt, welches in der Nähe des Weges der Humpoletz gegen Bubenc gelegen ist, angcfragt, jedoch keine nähere Auskunft erlangt. Es lenkte sich bald der Verdacht auf jene Partei um so mehr als die von den Zeugen gemachten Angaben aiff zwei dort wohnhafte Frauenzimmer paßten. In N.C. 152—3 wohnen nehmlich die 45 Jahre alte Schneiderswittwe Anna Palic, und deren 21 Jahre alte Tochter, welche an den Schriftsetzer SefLik verheirathet ist. Beide Frauenzimmer waren bereits Tags zuvor bei der Sicherheitsbehörde vorgeladen und befragt worden, ob sie vom Aufenthalte der Humpoletz Kenntniß hatten. Beide wurden jetzt in unauffälliger Weife mit der einen Zeugin confrontirt, und es wurde die Jüngere mit voller Bestimmtheit als jene erkannt, die den Tragkorb auf der Schanze getragen hatte. Sonntag' gegen Abend nun verfügte sich der k. k. Polizeioberkommiffär und Bezirksleiter der Kleinseite Hr. Preßl unk» der Polizeiaktuar Hr. Marschau, welche rastlos die Spuren des Verbrechens verfolgten, nebst SicherheitSwachleuten in die verdächtige Wohnung, um daselbst eine genaue Revision vorzunehmen. Die beiden Frauenzimmer bewohnen daselbst ebenerdig ein großes Zimmer, eine Küche und Speisekammer, deren Fenster dem fürstlich Fürstenbergschen Garten zugekehrt sind. Alle Effekten wurden genau durchsucht und eS fanden sich die verschiedensten Merkmale vor, die mit dem Fundorte der Leiche, sowie mit dieser selbst im Zusammenhänge standen. So fand man eine Anzahl blutbespritzter Kleider, ja Blutspuren in der Speisekammer auf der Erde selbst. Ein abgerissenes Stück Wachsleinwand paßte genau an jenes, das unter dem Sacke der Leiche vorgefunden wurde. Bemcrkenswerth ist auch der Umstand, daß das ältere der beiden Frauenzimmer Säcke zu nähen pflegt. Der gravirendste Umstand war jedoch der, daß außer einem Geldbeträge in der Schublade in der Röhre des Ofens eine Handtasche vorgefunden wurde, welche mit Bestimmtheit als die der Ermordeten erkannt worden ist. Beide Frauenzimmer wurden nach diesem Ergebnisse augenblicklich als des Raubmordes dringend verdächtig verhaftet, und auch der Gatte der Jüngeren, der erst kurz nach Beendigung der Revision heimgekehrt war, vorläufig in Haft genommen, obgleich er jede Mltwissenschaft entschieden in Abrede stellt. Die drei Personen wurden sofort auf das k. k. Polizei-Kommissariat der Kleinseite abgeführt, woselbst der Herr Oberkoininissär Pre ßel dieselben bis in die späte Nacht einem cinvringlichen Verhöre unterzog. Noch in der Nacht wurden dieselben der k. k. Polizeidirektion eingeliefert, nm dem k. k. Landesals Strafgericht zur weiteren Behandlung übergeben zn werden. Beide Frauenzimmer läugnen das Verbrechen beharrlich.. Die kurze Haft hat jedoch auf die Witwe einen solchen Eindruck hervorgerufen, daß sic um zehn Jahre gealtert erscheint. Bei ihrer LeibeSrevision fand man die Strümpfe mit Blut bespritzt, sie suchte diesen Umstand zwar auf natürliche Weise zu erklären, allein man überzeugte sich bald von der Unwahrscheinlichkcit ihrer Angabe. Auch die Außenseite ihres Rockes und ihrer Kottonjuppe zeigten Blutspurcn. Das 'Wohnzimmer und dir Küche waren Samstag gewaschen, daher alle weiteren Merkmale verwischt worden. Die Ermordete wurde Sonntag gerichtlich sckzirt. ES zeigten sich Stichwunden am Rücken und eS wurde konstatirt, daß die Verstümmelung der Leiche nach deren Ermordung vor sich ging. Zur Ermittlung der dringend verdächtigen Personen haben vor Allem die schnelle gegenseitige Unterstützung der Herren Bczirksleiter der Kleinseite und des Hradschin, dann der Beamten deS SichcrheitSdepartementS so wie des Klcinscitner SicherheitSinspcktors Hrn. Schwank beigctragen. Das,am Montag stattgefundcne Verhör mit der inhaftirten Sefcik ergab ihr umfassendes Geständniß, aus dem hervorgcht, daß sic von Humpoletz Geld ohne Wissen ihres Ehegatten entlehnt hatte, welches sie in Raten zurückzahlte. Am 4. d. war die letzte Rate pr. 16 fl. 00 kr. fällig. Fra» Humpoletz fand sich auch Vormittag« betreff des Jacasfo ein, die Sefcik aber gab vor. den Schlüssel vom Kasten verlegt zu haben und bestellte H. auf Nachmittag 3 Uhr. Sefcik besaß jedoch weder Vornoch Nachmittag da« nothwendige Geld. Der Umstand, daß H. der S. bereits Vormittags drohte, bei Nichtbezahlung der Rate ihren Ehegatten hievon zu verständigen, so wie der Umstand, daß H. welche sich zun» Tisch setzte und der Gewohnheit nach, das in der Tasche befindliche Geld zählte, brachte 2. außer Fassung. Sie ergriff eine Hacke, versetzte der H. zunächst von rückwärts einen Hieb in den Kopf, der die Humpoletz betäubte, worauf sie ihr noch einen Abhieb in die Stirn und in die Schläfe beibrachtc. Hierauf schleppte S. den Leichnam durch da« Zimmer in die Küche und warf ihn daselbst 0, eine Kiste. Bald darauf griff sie jedoch zu einem Met Kennte den Kopf von» Rumpfe, löste die Füße vom K , enke los, wobei sie f»

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