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Die Gegenwart · 1870-08-12 · 33 (12.8.1870) · p. Seite 303

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
33 (12.8.1870)
Date
1870-08-12
Page
Seite 303 (sequence 3)
Language
German
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303 fanden die Berathuvgev statt; zuerst wurden die Grundsätze beschkosien, welche bei der vorliegenden Arbeit die Bersamml. leiten sollten. Die ,hebräische Sprache soll in den ältesten Gebetstücken beibehaltcn bleiben. Alle« was Bezug hat auf die Rückkehr nach Palästina, die Erwartung eines persönlichm Messiah, die Wiederherstellung des Opferkultus, die leibliche Auferstehung und die Engellrhre, soll mit durchstreifen- - der Konsequenz ausgeschieden werden. Dem hebräischen Texte soll eine selbstständige Bearbeitung in deutscher oder englischer Sprache gegenübergestellt werden. Die außerhebräischen Originalgebete sollen die erhabenm Grundideen des JudrnthumS und die heilige Mission Israels in geeigneter Weise zum Ausdrucke bringen. — Nachdem diese Sätze als Richtschnur ausgestellt waren, ward eine Kommission bestehend aus den HH. Hübsch, Mayer (Clevelland,) E onneschein und Kleeberg ernannt, um eine Vorlage für Wochentags, und Sabbath« Gottesdienst vor der Versammlung zn bringen. Hr. Dr. Lilienthal brachte hierauf Resolutionen ein, welche den Standpunkt der versammelten Rabbinrn gegenüber den großen Fragen, welche unsere Zeit bewegen, genau präzisiren sollten. Die Resolutionen wurden von der Versammlung einstimmig angenommen. Ehe die Vorlagen für den Sabbathgottesdienst durchgenommen wurden, ward eine Resolution eingebracht und einstimmig angenommen deS Inhalts: daß der im Decalog gebotene, jüdisch-historische Sabbathtag festgehalten bleibt und, daß der Sabbath-GotteSdienst auf keinen 'andern Tag verlegt werden kann. Nach Erledigung der Vorlagen wurden Commissionen für die weitere Arbeit in ihren verschiedenen Zweigen ernannt. Am 17. Nachmittags vertagte sich die Versammlung bis zum 24. Oktober d. I. Ort der nächsten Zusammenkunft ist New-Iork. gediegene gelehrte Abhandlung, noch hatte er sich bis heute irgendwie geistig hervorgethan. Ganz au coutraire! Die böse Welt, die auch in den geheiligten Hallen deS Seminars zu spuken pflegt, diese verleumderische, verpestete böse Welt wollte gar meinen, daß er in gewisien anrüchigen Lokalen der Stadt, wo sich die — Tugend erbricht/ und das Laster zu Tisch setzt, Studien treibe über altcstamentarische W e i b e r e m a n c ip a t i o n t a l m u d i s ch e T ä n z c u. s. w. Run. der Dr. H.besaß eine Eigenschaft, die ihn glücklich machte: er hatte die Geschmeidigkeit und die Glätte deS Aals; stets schwerenzelte er um den Direktor und — wir bitten um Entschuldigung — war gleichsam das „wahre Raabenaas," der „echte Sündrnknüppel" des alten und beinahe schwachsinnigen Gelehrten. Daher diese Favoriten Wirthschaftl — Die übrigen drei Herren waren der Lehrer der Mathematik der der Homilettk und der des s. g. Klastischen und der — jüdischen Geschichte. Dieser letztere hatte einen Ruf als jüdischer H i st o r i k c r, d. h. alS rin Forscher, der die Manen eines B a S n a g e, 3 o ft u. A. besudelnd, die Stirne hat, die Forschungen derselben 8NN8 pllrase zn — anncktiren. So macht der gute Mann Geschichte! — „Meine Herren" rief der Direktor, „haben Cie Alles gehört'?" „Ja I" schrieen die vier Männer in Chorus. „Was ist zu thun'?" nahm erstercr wieder das Wort. „Der Rabbiner Dr. Tuhok hat uns in seinem Bruder einen gcsäbrlichen Feind in das Haus gebracht. Seit den Decrnnien des Bestandes unserer Anstalt hat bis jetzt unter den meisten „Hörern" — Dank Ihren Bemühungen, meine Herren — (das Bier-Männrr-Collcgium verbeugte sich höchst rcstspektvolls der erfreulichste „Esprit de Corps“ geherrscht. Gewaltiger wie die preußische Militärdiseiplin den Soldaten, beherrschen wir unsere Zöglinge, den» wir untcr>ochrn ihre» Verstau d. ihr Herz, ihren Wille» und ihr — Gewisten. Aber seit Kurzem hat ei» revolutionärer Geist in unserer Anstalt Platz gegriffen, wir haben diese räudigen Elemente noch bei Zeiten ausgerottet — aber nicht nur ein gutes, sondern auch Wrchrnchronid. V Sine Abftüiedsrrdr. Morgen den 13. d. wird Herr Dr. E. Hoff ^Rabbiner und Prediger der PinkaSsynagoge von den Mitgliedern derselben in einer Kanzelrede Abschied nehmen. Der außerordentliche Zudrang von Gästen, die sich in dem GotteShause einfinden dürften, um die AbschiedSworte aus dem Munde jenes allgemein geachteten und strebsamen Redners zu hören, macht ein Erscheinen der Gäste vor der Thoraverlesung nothwendig, der unmittelbar die Predigt folgt. Herr Dr. Hoff gedenkt schon nächste Woche Prag zu verlassen, um in Prerau eine TranungSfunklion zu übernehmen, mit deren Vollzug er vom Proßnitzrr EultuS« Vorstände beehrt wurde. *** Dir Armee ist gerüstet. Was wir i» letzter Num. mrr über die Uniform berichtet, bestätigt sich vollkommen. Die Repräsentanz ist aus ihrer Neutralität herauSgetrtten und hat Hausmeister und AmtSdirner schlagbereit gemacht. Die Armee erhielt eine komplette Uniform, der schwarze Rock ist mit Metallknöpfen versehen, in denen das EultuSgemeinde- Monogramm gravirt ist, das Käppi umgibt eine zweifarbige Rundschnnr, über welche die Rosette mit den EultuS« Gemeinde Buchstaben sich befindet. Ist die Adjustirung schon an und für sich eine Schmockerei und unnütze Geldverschwendung, die keinen anderen Zweck hat, als die Unisormirten der Lächerlichkeit prciSzugeben, so sehen wir in ihr auch eine Ueberschreitung der Eompetenz der Repräsentanz, die sich er» dreistet, mit dem Gelberer Gemeinde nach Belieben zu wirthschäften. Eö ist nahezu unerhört so z. B. einen Hausmeister auch die Rolle eines AmtSdienerS und Leiblateicn spielen und ihn sammt Weib und einer Anzahl von Kindern darben zu laffen, wogegen die Repräsentanz kein besseres Mittel gegen den Hunger zu finden glaubt, als den abgehetzten HauSverein böseS Beispiel weckt Nacheiferung. Diese auSgerodrten Ezseminaristen gehen lcidergottrS I unter die Literaten und speien Gift und Galle gegen nnS. Dieser L u d o l p h Tuhok meine Herren, kann für uns eine Schlange werden, die uns — was der Allmächtige verhüten möge — leicht tobten könnte' WaS nennen Cie, Herr Proi. 3,** sollen wir Lndolph Tuhok ins Seminar aufnehmen?" — Der angeredete Prof. Z** — der Raine des Historikers—macht einen höchst widerlichen Eindruck. Seine fahle, undesinirbare Gefichtsfärbe, die entsetzlich lagt Rase, die katzenartigen Augen, der breite, Mund— wahrlich selbst kür einen Seminarproicssor zu — affenartig!! „Wir dürfen dem jungen Manne," sagte Pros. Z." „die Aufnahme nicht verweigern. denn einestlicils besitzt er die hierzu erfordcllichcn Fähigkeiten, andercnthciis könnte uns fein Groll viel schaden, da er mit der tonangrl'cndcn Preise in. inniger Berbindüng steht, die unS ja genug zu schaffen macht. Mein Rrth wäre: wir nehmen ihn als Hörer auf — d e m » t h i g e n. f c st e l n und v c r h ö h n c n aber diesen aufstrebenden G c i st d e r m a ß c n, daß er n a >1, einigen Jahren, i m I n n c r st e n g e b r o ch e ,v z u G r u n d e g e h t!" „Ja", riefen die Lehrer und der Direkor einstimmig, sich vor Freude die Hände reibend, „ja er in n ß \ ii Grunde gehen!" ck ch ch Armer Geist des verblichciien edlen Freundes' Du bist in eine Höhle gerathe» die furchtbarer wie die Hohle dcS Tigers, deS Löwen, der Hnäne — — D u b i st in das B r n t n e st des jüdischen Jesuitenordens g e b r a ch t w o r d e n, d e r d i e S r c I e d c s U n f ch u I d i g c n u n d G e i st t g- Freien vergiftet und feinen Leib verpestet!— — 33*

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