Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 32 (5.8.1870)
- Date
- 1870-08-05
- Page
- Seite 298 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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mm luipppii» i i Wl AL'u > . II. I'WWWYWM^W», l-BiitNU JMflJ jpuj tot mitten unter Len gräßlichsten Verfolgungen des Mittel- «UerS und der Reformationszeit fest hielt an der Fahne, deren Devise ist „Einheit GotteS", beweist der Verfasser, daß bet Emancipation-kampf für das Judmthum durchaus nicht, wie man gewöhnlich anzunehmen pflegt, mit dem RrformationSapostel Martin Luther beginnt, mit einem Manne, der das Wort auSzufprechen gewagt, man solle den Juden „ihre Zunge hinten am Halse herausschneiden." Erst in der Sturm- und Drangperiode der Menschheit, wie der Verfasser die zweite Hülste des achtzehnten Jahrhundert so treffend nennt, erklangen die Stimmen der für Freiheit, Gleichheit^ Brüderlichkeit kämpfenden Männer wie Rousseau, Diderot, Marmontel, ganz besonders aber die mahnenden Rufe der großen deutschen Elassiker Vessing und Herder für die Sache der Juden. Nachdem der Autor mit einigen kernigen Worten die Verdienste Messingum das Jndenthum seizzirt, entwickelt «rauden Schriften H e r d e r ü die Hnmanitäts-Jdeen dieses herrlichen Geistes und zeigt, daß unter allen Deutschen Herder am m e i st e n und am eindringlich st e n für die Rechte des Volkes Israel gekämpft und gestritten. ES ist sehr interessant, die Ansichten der drei größten OenieS des achtzehnten Jahrhunderts bezüglich des JudenthumS, die giftgeschwollenen Anklagen eines Voltaire, Goethe und S ch i II e r mit den milden, für die sociale politische und humanitäre Gleichstellung der Juden plaidirenden Ansichten eines Herder zu vergleichen. Ebenso wohlthuend berührt es uns, wenn wir (Seite 23» lesen, welche Hochachtung Herder für die R a b b i n e n, diese so oft verhöhnten und verlüumdeten Kulturträger so vieler Jahrhunderte, und ihre Geisteserzeugnisse den Talmud und Midrasch, welche selbst in unser« Tagen so viele hervorragende christliche Gelehrten zu schmälern pflegen, an den Tag legte. Wie R e u ch l i n meinte Herder, daß der Talmud nicht dazu geschaffen sei, „da» jedermann mit ungewaschenen Füssen drüber lauff und sag, er tuend» auch; bicimil nun ein so kleinsinniger Kopf nit mag ergreissen und fassen die Heimlichkeit einiger Kunst und ist dero nit würdig und verstat die Ding anders dan sie an selber sind." — Nachdem ferner der Verfasser daS Gespräch Herdermit einem Rabbi bezüglich der damals Sensation machenden Epopöe Klo Pflocks „Messiade" anführt, ein Dialog, der deS Interessanten und Vehrreichen so vieleenthält, und wir die Vertheidigung Spinoza» und anderer verkannter jüdischer Denker durch Herder erfahren, führt uns der Verfasser in.seinem mit großer sthlistischer Meisterschaft «u-geführten und eine enorme Belesenheit verathenden Essay über Herder» Beziehung zur jüdischen Wissenschaft die Anschauungen, Winke, Rathschläge und bahnbrechenden Untersuchungen des waimarischen Ober * Consistorial Rath« über die Bibel, da» sogenannte alte Testa, m en t, G e n i u - d e » Oriente*, bic Auffassung und Schriftauslegung der historischkritischen Schule, der mit gebührender Energie unerbittlich der Fehdehandschuh hingeworfen wird, vor. Bekanntlich hat der als Schrifsteller so außerordentlich thätige Adolph K o h u t über da» Verhältnis! A l c x a nder von Humboldt-, dessen hunderjährige» Jubiläum wir vorige- Jahr gefeiert haben, zum Judenihum so manches noch bisher Unbekanntes veröffentlicht °, und ist es sehr instructiv die Parallele, die der Verfasser zwischen H u inboldt und Herder ^Seile 48 f. f.) zieht, mit einander zu vergleichen. Zu den schönsten Partien de» uns vorliegenden Werkes zählen wir die schönen Aussprüche Herders über die H a g a d a und die Poesien de» M i d r a s ch, von denen der Verfasser einige in der Herderschen Umarbeu. tun- (Seite 50 — 70) mitlheilt. Wenn wir noch hinzufügen, daß Hr. Kohutnochzum ersten Male eine voll ständige chronologischsystematische Briefsammlung zwischen Herder und dem deutschen Socrate- Mose» Mendelssohn mittheitt, so glauben wir durch dieses kurze Referat, das keineswegs den Anspruch macht, daS Buch selber ersetzm zn wollen, auf ein Werk hingewiesen zu haben, daS nicht zu den sog. Dutzendarbeiten, die den literarischen Markt überschwemmen, gehört, sondern daS ein Meisterwerk genannt zu werden verdient. vr. dl. 6. „Kurz und gut!" Zwanzig Predigten für Feste, Sabbathe und Gelegenheiten. Zum Gebrauche der Prediger, Borbeter und Vtlner in kleinen Gemeinden von Samson G u n; c ii h ü u s e r Rabbiner in Mergentheim. Zweite Ausgabe, Breslau Schletter'fche Buchhandlung (H. Skutsch) 1870. Der Titel diese- Buches bringt den Kritiker in eine peinliche Verlegenheit, da es den Anschein gewinnt alob der Verfasser den Titel „Kurz und gut" absichtlich wählte, um jede^ Referat in Vorhinein unmöglich zu machen. Wir lassen uns aber vc nder vom Versal'. angepriesenenKürze und Güte der Predigten nicht beirren und rangiren sie in die Kategorie zener homiletischen Elemente, die sich mit Mühe auf der Oberfläche, gewöhnlicher Beurtheilung erhalten. Die Predigten, zwanzig an der Zahl, scheinen mühevoll zusammengeschweißt worden zn sein, aber sie entbehren jeder linguistischen Glätte und sind allenfalls als mittelmäßig zu bezeichnen. Ob die Kritik „gut" ist, wird der Verfasser wieder beurtheilen, daß sie „kurz" ist, bleibt Thatsache. — r — 9Ä i 0 c e II e n.~ X (Gin a ltehrw ürdiges Denkmal) wurde kürzlich durch ftanz. Forscher an der Nordküste de« tobten Meerein Palästina entdeckt. Es ist dieses ein großer Basaltblock mit phönizischer Inschrift und datirt auS den Zeiten der jüdischen Könige Jvram uud Jehosaphat. ES wurde der Inschrift zufolge von dem Moabiter König Mesa errichtet, mit welchem die Juden damals im Kriege gestanden. DaS Denkmal ist nahezu 3000 Jahre alt. X (E i n jüdischer S k l a v e n m a r k t.) In Nord Ungarn und Polen findet sich in jedem Gehöfte und Dorfe eine mehr oder minder große Anzahl von Israeliten, manchmal ganz isolirt inmitten der andersgläubigen Nachbarn, und auf ihre eigene Kraft angewiesen. Män hat den Israeliten viel SchlimMeS nachgesagt, so viel aber steht fest zu ihrem Lobe, daß kein Stamm der Welt mit solcher Aufopferungsfähigkeit für die Erziehung und geistige Ausbildung der Kinder besorgt ist. Natürlich richtet sich der Unterricht der Kinder "nach der Anschauungsweise und nach der Umgebung der Eltern. In den gedachten Lüudergebieten. wo die Kultur bi« heute sich nur mühsam die Bahn gebrochen, wo der Talmud daS Alpha und Omega aller Weisheit ist, werden die Zöglinge mit diesem so Übersättigt, daß kaum ein Atom der verderblichen deutschen Wissenschaft inden OrganiSmu» de» Schüler» eindringen kann. „Wo kommen denn aber die zahlreichen jüdischen Lehrer her, die sich jeder nach seinem Geschmacke wählen kann?•* Vom Sklavenmarkt! Epeiie» ist ein liebliches Städtchen, da« Petöfi, der ungarische Dichter, rtttt einem Mädchen vergleicht, da« beim ersten Anblick da« Herz des Manneerobert. Dem Rathhause gegenüber erhebt sich ein Hügel, welcher ziemlich die Mitte deö Orte« bezeichnet; hier ist der Zentralmarkt, der von allen Gegenden beschickt wird. Zweimal jährlich, im Frühlinge imd im Herbste, findet hier ein eigenthümlicheS Schauspiel statt. Aeltliche Männer, denen