Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 32 (5.8.1870)
- Date
- 1870-08-05
- Page
- Seite 299 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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299 1>a6 Studium des Talmud einen nicht zu verkennenden Stempel aufgedrückt, stehen mit gebeugten Rücken und tief gefurchter Stirne erwartungsvoll da; man sieht eS ihnen an. daß Müßiggang nicht ihre Gewohnheit ist. Jüngere Männer und Buben, die wie Küchlein der Ausdruckweise der Alten in Gang und Haltung nachzuahmen bemüht sind und den nie fehlenden Stock mit Würde zu handhaben suchen, gehen auf und ab, um sich überall bemerkbar zu machen. ES sind die Lehrer und Lehrerchen der Gegend. Da nähern sich einige Männer, die ihre Einkäufe bereits gemacht haben, denn der Eine schleppt sich mit schnatternden Gänsen, der Andere mit Kalbsfellen u. s. w. zu dieser Gruppe. Jetzt beginnt eine außerordentliche Bewegung unter den Lehmit; jeder trachtet sich in die günstige Position zu versetzen; der eine setzt nach Philosophenart den Hut nach rückwärts, während sein Nachbar durch stillen Ernst zu imponiren sucht. Die Jüngelchen beeilen sich mit der größten Zungenfertigkeit zu beweisen, daß das Alter kein Monopol der Weisheit be» sitze, während der bejahrte Mann auf seine bereits gepflückten Lorbeern hinweist. ES sind zumeist verunglückte Geschäftsleute oder ganz arme Knaben, die sich dem Lehrerhandwerke widmen; der ״Bochur- (Talmudjünger) nimmt den höchsten Rang in die» ser Klaffe ein. Der ״Balboos- (Bürger) unterhandelt mit mehren Kandidaten gleichzeitig, sein Begleiter hält mittlerweile staute pede ein kleines Examen ab, und der Glückliche, der dem Gcschmacke des Fragenden zumeist entspricht, geht dann mit seinem Herrn in spe zu einem Stadtsreunde und unterzieht sich einer neuerlichen Prüfung. Er war glücklich, wieder einen Posten zu erhalten, hier bekommt er 20—50 Gulden auf den ״Sman" (Semester) und besteigt dann, nach zweitägiger Rast, den beladenen Frachtwagen, um als ein neu acqurirtes Möbel seinem Herrn zu dienen. Nun hat der Lehrer sechs Monate lang täglich 12—14 Stunden auf einer und derselben Stelle zu hocken und die unterschiedlichen Querköpfe mit dem Pfeifenrohre gerade zu schlagen. Dieser Sklavenhandel hat schon vielen Skandal erregt, man versuchte da und dort für eine Art Lehrervermittlungs» bureau zu interessiren, allein auf dem Markte und nur auf dem Markte kauft sich der ״BalbooSseinen Lehrer. X (Vor 180 Jahren). Während eines jener Raubkriege, mit denen Ludwig XIV. die Rheingegenden heimsuchte, saß in seiner Klause zu Mannheim der Rabbiner, Der Talmudfoliant lag aufgeschlagen vor ihm, er lernte, sah aber doch zuweilen, mißmuthig sein halblautes Summen unterbrechend, aus, denn die Zeit des Schiur war längst da. aber die Jünger blieben aus. Endlich traten sie ein, verstört und bleich. Wo bleibt Ihr? fragte verwundert der Rabbi״ wie seht Ihr aus, was geht vor? — Rabbi, hört Ihr denn uicht den Lärm? der Franzose ist vor dem Thor! — Nun, was will er? — Er will herein. — Nun, was ist's damit, laßt den Franzosen auch hier wohnen! — Aber Rabbi, er will Alles über die Klinge springen lassen! — Der Rabbi sieht einen Augenblick mehr verwundert als erschreckt aufwärts, dann abwärts, läßt die Finger erst langsam, dann rasch über den Bart gleiten und spricht mit jener Handbewegung, mit der der Talmudkundige eine höchst rinfache Frage beantwortet: ״Nun, waö ist da Großes? so so macht man das große Thor zu und das kleine auf und läßt einen nach den andern herein und schlachtet sie ab — was gehtS unS an, sie werden eS schon machen. Wir wollen anheben, wir wollen lernen. X Ein Beweis, das Tod an gebrochenem Herzen auch heutzutage (wenn auch gerade nicht häufig) vorkommt, liefert folgende Geschichte: Mitte Februar starb in Marrokko ein jüd. Lehrer, der seit vierzig Jahren mit Unterricht beschäftigt gewesen und eben so lange verheirathct war. Er empfand in seiner Ehe keinen andern Summer, als die Bxsorgniß, daß seine Frau eher als er vom Tode abberufen werden könne. Das Schicksal bewahrte ihn jedoch vor solchem Verlust. An einem Freitag fand die Beerdigung de- Lehretstatt in dem Augenblicke als der Sarg in die Gruft Hinabgelaffen werden sollte, bat d!e Witwe den Deckel noch einmal aufzuheben. Das arme Weib neigte sich über da» bleiche Gesicht des Tobten küßte es und rief mit schluchzender Stimme: ״Hol mich bald ab!- Dann, wandte sie sich um, trat einige Schritte vorwärts und — sank leblos zu Boden; ihr war ״das Her; gebrochen.- Heute ruht sie im Grabe neben ihrem Ehegenossen, der sie bald zu sich gerufen chatte. Wochenameiger. im Monate August 6. Samst. — 0. Aiv Thoraabschn. דברים Has. thara, הדון ישעי׳ Sabbathcing. 7 II. 45 M. SabbathauSgang 8 Uhr 30 Minntra 7. Sonntag -- I«. ״ תשעה ב8ב 8. Montag ״ .11 0. Dienst. - 12. , 10. Mittw. ״ .13 11. Donnerstag - 14. .. 12. Freitag ״ .15 - 13. Samstag — 1«. * Thorabschnitt ואתחנן Hafthara כחמר Sabbathcing. 7 Uhr30 Minuten SabbathauSg. h Uhr 20 Miauten Markte. Böhmen. 8. Böhm.-Kamnitz (S Tage), Budin, Lhrudim Fiirstenbruck, ,Klomju, Kcatzau, Nelschelin, Rrureichcuau, Pnchowitz, Rokitzan, Sangcrberg, Schlazgenwa>d Rm. Schlackcnwerth Rm.Schmiede» berg. S. Asch Rm. Luck, Postapitz, Nuterchadau Rm. 10. Bautzen, Tutet Kalschiug, Kolinetz, Ko;lau, Kreuzverg. Mänchengrätz Rm. Reupali^ Petschkau. Plania», Prietha!, Razmilal. Skalitz (vrag. Kr ), Slrunkomitz, Tiuischt,Trstbau, Wernstadl,Wilimow, Wetitz. 11 (51rans1o«ltz»Sat1omitz f Kcouaa, Mänchengrätz, Rechanitz, R.uknin, Ro;dialo!vitz, Schönfeld Rm. Mahren. 9. Acchtebau. Braun-berg, Beding, Kremster. Letputk Steruderz, Un!. Brod. 10. BoSkowitz Rm. äernahora, Trulbach * Koflrletz, Lispitz. Schlesien 10. Künigrberz, Weidenau Als geboren nachträglich angemeldet Juli. 20. Zda T. d. H. Joachim Brun Handelsmann v. Kolli» RL. 220—5. Phiiipine T. d. H. Abraham Steiner Lehrer von Tercschau Bez. .ibiroiv NC. 142 — 1. Verstorbene im Monate Juli. 27. EigiSmund Jettete» HandclSm. CommlS v. Prag RL. 4 7 Weinberg 28 '3. a. Tubercuiose — Jsak M. Klemperec Kausm. v. Prag «;0 3. a. Mara» muS — 28. Regina T. d. ledigen Dicnstmazd Barbara Wotizkch. v. Tabor NC. 242—5 0 M. a. Auszehrung —- Otto 0. d. Asm. H. Hermann Schwarz v. Rcttovic in Böhmen RL. 2.27—51» 18 T. Gatarrl). — 30. Ida T. d. Kfm. H. Moritz Schick voß Renbidschow RT. 710—2. 0', M--ar Meningitis l. AußM. Isar Popper unch.Dienstmagdtsohn v. Prag RL. 1024—2. 5 M a. Latarrh. — Lamilla l. d. HandtSm. H- Eduard Ascher von Tajedii in Böhmen RL. 50—5. 10 M. Lungenentzündung — Jacob Ofner HandelSin. v. Prag NL 802 — 1. 78 2. «.Lunge»- entzündung.