Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 32 (5.8.1870)
- Date
- 1870-08-05
- Page
- Seite 297 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— rv7 — Wortlaut vor: ״t)tt 3c. EhomaS legt 200.000 Franc» gegen 100.000 Frc». und behauptet, die Franzosen würden bi» Ende August in Berlin als Sieger einziehen. Graf Götzen zu Berlin hält im Namen einiger Bekannten die Wette, deren beiderseitige Beträge bei Rothschild in London zu deponiren sind." Damit nicht etwa Unkenntniß vorgeschützt werden möchte, wurde der Redaktion des ,Figaro," in welchem Blatte Herr Thomas feine Herausforderung veröffentlicht hat, Mittheilung von Vorstehendem gemacht. London. Den 13, Juni war das jährliche StiftungS« essen der jüdischen Freischulen, dem viele angesehenen Glaubensgenossen beiwohnten. Die Schulen werden gegenwärtig von 1600 Knaben und 1000 Mädcken besucht. Die AuSgaben bettugen im verflossenen Jahre 52800 fl. Der Vorsitzende gedachte bei dieser Gelegenheit in warmen Worten des verstorbenen Alfred Davis, der nicht nur den Schulen testa« mentarisch 360000 fl. vermacht, wie wir s. Z. gemeldet, sondern schon bei seinen Lebzeiten denselben 252000 fl. geschenkt, in welche Summe seine jährlichen Beiträge nicht miteingerechnet sind. Jerusalem. Der bekannte Quellenforscher Abbe Richard weilte längere Zeit in Jerusalem und hat auf Ansuchen des Gouverneurs von Jerusalem. Kiamil Pascha, Hydro geologische Studien um Jerusalem vorgenommen. Derselbe ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß Jerusalem auf zweierlei Weise hinreichend mit Wasser versehen werden könnte, unv zwar I. durch Brunnen in und um die heilige Stadt, welche je» doch durch den Felsen getrieben werden müssen; 2. durch eine Wasserleitung, welche das Wasser des ״versiegelten Brunnens״ und deS Brunnens Arroub und Jerusalem leiten würde. In beiden Fällen würde der jährlich wiedcrkehrenden Wassernoth Jerusalems abgeholfen werden. Abbe Richard gibt dem zweiten Projekte vor dem ersten den Borzug und dies wegen der größeren Quantität und besseren Qualität des Wassers. (Jsr.) Aus Mosul (Afrika) schreibt man dem ״Newy. Hrld." Nachstehendes: Ich habe Ihnen als Neuigkeit aus Mosul noch zu berichten, die neue Bibelübersetzung des Consul Rassam, Bruders des in Abessynien gefangen gewesenen Consuls Rassam. Dieser treffliche Mann ist vielleicht unter allen jetzt lebenden der gelehrteste und tüchtigste Arabist; fast sein ganzes Leben brachte er im Dienste der engl. Regierung als Agent unter den Beduinen zu und spricht alle Dialecte der Wüste geläufig. AIS vor wenigen Jahren Mr. Rassam eine hebräische Bibel aufschlug, konnte er, obgleich er vom Hebräischen nicht viel mehr als die Schriftzeichen verstand, zu seinem großen Erstaunen dennoch das Buch ziemlich leicht lesen. Kurz, er erkannte sofort das Hebräisch der Genesis als genau denselben Dialect, welcher jetzt von den Beduinen in der Nähe deS Sinai gesprochen wird. — Das Merkwürdigste ist. daß Stellen, welche den europäischen Hebraisten noch immer Räthsel sind, dem Mr. Rassam durchaus keine Schwierigkeiten bieten, so z. B. die Stelle: Die Söhne Gottes nahmen sich von den Töchtern der Menschen zu Frauen rc. (Gen. 6, 2.) Auf die ״berühmte Stelle Jes. 7, 14 ,הנה העלמה הרד wird ein neues Licht (?) geworfen, indem nach Mr. R. עלמה nichts bedeutet als ״jung", aber nie ״Jungfrau". Mr. R. steht gegenwärtig in Unterhandlung mit einer Londoner -verlagsfirma, um die neue Uebersetzung herauSzugeben; wenn dieselbe erscheint, können wir einen zweiten ״Eolensosturm" erleben. (J.W.) Kunst, Theater und Literatur. Böhmische Bühne. Samstag zum ersten Male und bereitjeden daraus solgeuocn Tag ging Offendach's neueste dreiaktige komische Oper iss brigands mit dem angepaßten Titel Banditä über Me Bretter der böhmischen Bühne und zwar mit einem so glänzenden GucciS. wie sich desselben feine frühern musikalischen Erzeugnisse bei weitem nicht so erfreuten. Trotzdem die Oper ein Ragout des bereit» so oft Gebrachten zu sein scheint, so ist die Musik dennoch höchst pikant, die Effekte sind mit einer gewissen Virtuosität an einander gereiht und die Melodien so lieblich, daß man faktisch glaudt, ein OffenbachscheS Opernpotpourri zu hören. Der französische Geschmack und Humor sind vorherrschend und die muflkällschen Einfälle sehr drastisch. Das Sujet ist von Meilhac und Halevy bearbeitet und sehr interessant. Die Haupträger de- Stückes waren in erster Reihe Herr FrankowSky mit seiner urwüchsigen Komik, die Herren Seifert und <vamberk, so wie Frl. Kupka die den verdientesten Beifall erntete». Vom Liichertische. Ioh. Gottfried v. Herder und die Hum an itätSbe st reb ungen der Neuzeit. Eine literarhistorische Studie. Von Adolf K o h u t. Erster Theil Berlin, Louis Gerschel Verlagsbuchhandlung, 1870. Das Buch des berühmten Emanuel Deussch: ״Der Talmud" ausgenommen, wüßten wir keine Schrift über Jaden und Judenthnm, die in den letzten Jahren mit solchem enthusiastischem Beifall ausgenommen worden wäre, wie da» uns vorliegende Werk des genialen Schriftstellers, der ja auch ein Mitarbeiter der ״Gegenwart" ist. Adolph Ko Hut. Fast die gesammte deutsche Presse begrüßt mit Freuden eine Schrift, welche sich weit erhebt über den Wust der Tage»- literatur, die besonders den Vorzug besitzt, mit einem odsec-" tiven, pragmatisch geschichtlichen Inhalt die clasische Sprache und den gediegenen Styl unserer besten Autoren harmonisch zu verbinden. Das Buch zerfällt nach einer geistreichen Vorrede i» 3 Abschnitte: 1. I. G. v. Herder und die Juden. 2. I. G. v.Her» der und die jüdische Wissenschaft 3. I. G. v. Herder und MoseS Mendelssohn. AuS dem Vorwort wollen wir bloS den einen Passu», der auch für die Gegenwart sehr zeitgemäß sein dürfte, hervorhcben. Wie recht hat doch der Verfasser wenn er au-ruft: ״Geben wir uns keiner Täuschung hin: unser ewige» Prahlen mit unserer Intelligenz und Humanität hat nur in sehr geringen Maaße Berechtigung! Wohl ist es toatyr, daß fast alle Disciplinen des W i ff e n S besonderdie Raturwissenschaften einen nie geahnten, wunderbaren Aufschwung erlebte» — aber wer wird es wohl wagen, zu behaupten, daß durch die Fortschritte der Wissenschaften auch unser Herz veredelt und unser G e m ü t h geläutert wurde? DaS neunzehnte Jahrhundert ist zwar das Zeitalter etae» Hegel und Humboldt aber änch eines Krupp und > Dreyse! Die Anwendung des Dampfes als bewegmde Kraft die Telegraphie und Photographie sind große, in der Geschichte der Eivilisation Epoche machende Empfindungen — aber auch die gräßlichen In st ru mente de» Mordes die der EäsarismuS zur Vernichtung einzelner Individuen und ganzer Rutionalitäten gesch miedet, sind bezeichnend geuug für die Signatur unserer Zeit!" Klingen diese Worte nicht, als wären Sie in propheüscher Vorahnung der jetzt rasenden KricgSsurie, die über die Menschheit hereinbricht, geschrieben worden? Doch gehen wir auf den Inhalt der Schrift selber eia; wir begnügen unstatt jeder lobenden Kritik ein Resumt de- Ganzen zu geben. Nach einer schwungvollen und degei» 1 sterten Apotheose der herrlichen Wahrheiten de» Judenthu»^