Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 32 (5.8.1870)
- Date
- 1870-08-05
- Page
- Seite 296 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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; VI* »IHJ — 296 - festgesetzte Gebühren entfallen. Der jährliche Gehalt belauft sich auf 120V fl., von denen 5'/, zur Gründung eine» RabbiuerwittwenfondeS an die CultuSkaffa abzugeben sind; nebst« dem ist für ihn eine prachtvolle eingerichtete Wohnung bestehend auvier Zimmern eingerichtet. Die Emolumente sind nicht fixirt, aber immerhin bei der Wohlhabenheit der Proßnitzer Gemeinde und dem Umstande als Proßnitz nur Einen Rabbiner hat, sehr hoch anzuschlagen. Der Gemeinde steht nicht da- Recht zu, Herrn Dr. Hoff zu kündigen, dagegen ist dieser berechtigt, nach Ablauf von sechs Jahren zu kündigen, sollte er vor Ablauf dieser Frist die Gemeinde verlassen wollen, so unterliegt er einer Eonventionalstrafe von 100V fl. an den jüdischen Armenfond. %* Alindrn-Prüsung. Verflossenen Samstag fand die öffentliche Prüfung der Zöglinge deunter dem Protektorate Sr. Eminenz de- Cardinal- und FürsterbischofS von Prag Herrn Friedrich Fürsten zn Schwarzenberg stehenden Privat- ErriehungS-Jnstitut« für Blinde im PrüfunzSsaale deS Institut-haufeiu Gegenwart einesehr zahlreichen und distinguirten Publikums statt. Die schlagfertigen Antworten sowohl der weiblichen als männlichen Zöglinge in den verschiedenen Fächern, die zur allgemeinen Bildung gehören, waren nahezu überraschend. In der Sprachlehre, im Rechnen und den schriftlichen Aufsätzen bekundeten die Schüler eine Sicherheit, wie in der Geografie mit Anwendung einer Reliefkarte und in Geschichte eine Gcwandheit, wie man sie selten bei jenen Gewahr wird, die sich deö Augenlichtes erfreuen. Auf einem gewissen Höhepunkte stehen die Zöglinge in der Musik; mit wahrer Virtuosität weiß jeder derselben sein Instrument zu handhaben und auf demselben die betreffende Piece mit Präcision vorzutragen. In dieser Beziehung haben wir zumal hervorzuheben Marie Kreuzmann, die auf der Harfe Variationen vortrug, Johann Bathory, der der Flöte die herrlichsten Melodien zu entlocken wußte und schließlich Sigmund Sobotka (Isr. aus Prag), der mit fast künstlerischer Fertigkeit und mit einer nahem hinreißenden Gefühlswärme eine Fantasie von Benot auf der Violine vortrug. Diese geistigen Fortschritte, deren Erzielung bei blinden Kindern doppelt hoch anzuschlagen sind, sind zumal der richtigen Methode und der Gewissenhaftigkeit ausgezeichneter Lehrkräfte zu danken, und verdiene» diese die vollste Anerkennung. Der wehmttthige Eindruck, den die blinde Jugend auf un« gemacht, hat uns die Gründung eines Institutes für die blinde «fr. Jugend in Wien doppelt wcrlh gemacht, und wir lernten immer mehr tinfehcn, daß sich die Vertretung der präg. isr. Gemeinde mit der Direktion jenes Institutes in Verbindung fetzen sollte, um durch jährliche Subvention desselben, etwaigen blinden isr. Kindern in Prag die Aufnahme in da- Institut zu ermöglichen. Inland. Der Kaufmann Louis Hamburger in Proßnitz (Mähren) sandte am 2t». d. an seinen wiener Geschäftsfreund Adolf Perlhofrr, in der Leopoldstadt, UlrtchgasseNr.1. wohnhaft, ein Telegramm deS Inhalts ab, daß er an demselben Tage ihm eine» rrkommandirtcn Brief mit einer auf 1)000 fl. lautenden bei der Nationalbank zu präsentircnden Anweisung zuschickcn und ihn an die Börse adreffiren werde. Herr Perlhoser ein Börsenbesuchcr, begab sich in Folge dessen vorgestern Vormittagdahin, um den avisirten Brief abzuholcn. Der Portier wußte von der Ankunft desselben und wollte ihn dem Adressaten, den er kannte, auSsolgcn. Zu seinem Erstaunen war der Brief aber verschwunden und nur da» Rezepiffe zurück geblieben. Es besteht an der Börse der UsuS, daß der Briefträger die rekommandirten Schreiben dem Portier übergibt, der sie dann bis zur Uebergabe in Verwahrung behält und dem Postdiener, wenn er wieder kommt, die auSgrfüllten Recepiffe retournirt. Daß der Brief gestohlen worden, leuchtete ein, weshalb Herr Perlhofer auch sofort die Anzeige bei der Polizeidirektion machte. Kommissär Krebs begab sich hierauf in die Nationalbank, wo er die Nachricht erhielt, daß die Anweisung bereits Mittwoch Vormittag» zwischen 11 und 12 Uhr präseutirt und der Betrag von 3000 fl. dem Ueberbringer auSgefolgt worden war. Der betreffende Beamte kann sich auf das Individuum, welches da» Geld behob, nicht mehr entsinnen, seine Unterschrift zeigt einen kräftigen und schönen Zug, wie man aus der Quittung, die „Adolf Perlhofer" unterschrieben war, ersieht. Die Noten, mit denen der Betrüger ausbezahlt wurde, dürften 3 Stück Tausendguldennoten gewesen sein. Die Frage, wer den Schaden zu tragen hat, wird wahrscheinlich zu einem Rechtstreite führen, wenn c» nicht der Behörde früher gelingen sollte, deS ThäterS habhaft zu werden. Dieser Tage meldete sich, wie der „Volkskrcund" berichtet, bei einem Pfarrer der innern Stadt in Wien ein junger Mann, der in Gegenwart zweier mitgebrachter Zeugen sich für einen Katholiken auSgab und seinen Katholizismus mit einem Atteste de» Wiener Magistrats auswies, vor dem er seinen Austritt aus dem Judenthume und feinen Eintritt in die katholische Kirche erklärte. Aufmerksam gemacht, daß erst die erhaltene Taufe ihn zu einem Gliede der katholischen Kirche mache, sagte er, daß er nich^ im Mindesten Lust habe, sich taufen zu lassen, sondern sich schon jetzt al» Katholik und als berechtigt erachte, eine Katholikin zn heiraten, da ja auch bei den Juden die Befchncidung nicht mehr strenge gefordert werde, wenn man Jude sein wolle. Der Pfarrer klärte ihn mit vieler Geduld über daS Unstatthafte seiner Meinung auf, allein der ungetanste Katholik beharrte darauf und verlangte ein Zeugniß, worin ihm der Pfarrer seine Weigerung, ihn als Katholiken anzuerkenncn und als solchen mit seiner Braut zu verkünden, bestätigen sollte. Als auch dieseverweigert worden war, entfernte sich der neuartige katholische Christ, und man ist gespannt, welche Schritte er machen werde, um seinen Katholizismus zur gewünschten Anerkennung zu bringen. A » s l a n d. Gieiwih. Das Reviforat der hiesigen jüdischen Communalschule hatte bisher der jedesmalige Pastor von Gleiwitz. Der gegenwärtige Pastor Schulz hatte die Enthebung von diesem Amte bei der Regierung in Oppeln beantragt und andererseits hatte die jüdische Gemeinde die Uebertraguya dieses Amtes auf den Rabbiner vorgeschlagen. Das Ministerium hat nun, wie wir glauben, im Gegensatz zur Oppelner Regierung, entschieden, daß das Reviforat von jüdischen Communalschulcn auf Rabbiner, falls sie pädagogische Bildung haben, übertragen werden könne; demgemäß ist der hiesige Rabbiner vr. Hirschfeld mit dem Reviforat der Schule betraut worden. Groningen. Herr Dr. S. Rosenstein, Sohn des verewigten RabbinatsaffefforS Elchanan Rosenstein in Berlin, ist für daS Jahr 1876—1871 zum Ueetor wsgniäeu8 der Universität zu Gröningen ernannt worden. (N. I. W.) Nach dem Pariser „Figaro„ hat der Pariser Notar Thomas eine Wette von 200.000 FrkS. gegen 100.000 FrkS. proponirt, daß die Franzosen bis zum 15. August d. I. in Berlin einziehen würden; daS Geld sei erlegt. Die Berliner „Staatsbürger Ztg." ist nun in der Lage, dem Herrn Thomas knudzuthun, daß die Wette ausgenommen wo rden i st. Bereitam Sonntag Abend ist von einigen Mitgliedern de- Berliner UnionS-Klu b b S die Summe von 100.000 Frk». an da» Bankhaus v. Rothschild in London zum Depositum gegeben, in der Voraussetzung, daß Hr. Thomas dort ebenfalls seinen Betrag deponiren wird. I Ia, man ist dem Herrn Gegner bei Formulirung der Wette entgegengekommen. Nach einer Mittheilunz eine» der betheiligten Herren des UnionS-KlubS schlagen dieselben folgenden