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Die Gegenwart · 1870-08-05 · 32 (5.8.1870) · p. Seite 294

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
32 (5.8.1870)
Date
1870-08-05
Page
Seite 294 (sequence 2)
Language
German
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294 I zu Ende, Ihr habt Euch dema-kirt und unter der Ma-ke steckt die Fratze der Falschheit! Wo wolltet Ihr hinaus mit dem Borwurfe, daß die Böhmen zur ruffischen Knute riechen, während Ihr Euch an den Feuerfunken ergötzet, die von den Schwertern abspringen, um Euere Phantasie zu erleuchten. Blut und Eisen sind mit der gewuchligen Knute gleiche Be» griffe, Blut soll Euere pangermanischen Ideen zusammenkit» ten, Eisen soll Euch trennen von Eurem Boden von dem Euch Euer Patriotismus adstoßt. Wenn Ihr für Preußen schwärmet, wenn Euer oster» reichischer Patriotismus bis zur Unverschämtheit ins Gegentheil umgeschlagcn, dann seid Ihr schon an das Stadium der Verfassungsschwindsucht angelangt und Ihr habet die Juden, die mit Euch gegangen, miSbraucht. Warum geht Ihr nicht mit der Regierung, wenn Ihr so oft aus Euerem Sprachrohr gerufen, man müsse mit der Regierung gehen, warum geht Ihr nicht jetzt mit ihr, da sie doch in der Zeit der Roth ist, warum wünschet Ihr dem Feinde Oesterreichs Steg, wenn Ihr Freunde Oesterreichs seid. Ihr von des deutschen Casino Gnaden AuSerwählten habt Euere Rolle erbärmlich gespielt, trotzdem man Euch verhüt» schelt, in Euch eine Natter am Busen genährt hat, und heute ist ist eS die verhängnisvolle europäische Krisis, die Eueren PatriotiS» muS bloS gelegt. Jetzt gilt Euch von den getäuschten Iuden.de׳ ren Ihr Euch so schlau bedient, der Mahnruf: Man muß mit der Regierung gehen, wenn sie nicht mit Preußen geht, so dürft Ihr nicht mit Preußen gehen. Ist doch die Fiktion der deutschen Krähwinkelei in Oester» reich zu groß, ist diese ja förmlich in den ParoxiSmus teu» tonischen Wahnsinns verfallen, als daß an eine Rückkehr zum oesterreichischcn Patriotismus zu denken wäre, wie kann es mit der Verfassungstreue aufrichtig gemeint sein, wenn J--.-■ . — ' 11 11■ Gifcn, mit betten man die Theorie» der Civilisation vernichten will, sind die medizinischen Ingredienzien die Circulation jüdischen BinteS erst recht!,crzustcllen und jüdische Nerven zu stärken, die sonst in unbarmherziger Weise affirirt ivcrdcn. Es ist allerdings ein königlicher Gedanke, die Allmacht des auf hiininlischen Throne residircndcn Meltcnbchcrrschcrs für die Lhristen allein in Ansprnch zu nehmen, da man doch bis heute noch nicht weiß, zu welcher Religion er sich bekennt. Oder sollte er Protestant sein, das, man als Protestant mit Zuversicht auf ihn rechnen könne, daS scheint doch nicht bewiesen zu sei», das zu bcstii». men, treffen nicht einmal Staatsmänner, deren Parole ״Blut und Eisen" ist, nicht rintnal Könige, die sich ״unfehlbar" dünken in allgemeinen Bet tagen, an denen der Sieg vom Himmel herabgrstcht ivcrden soll, der sich doch über die Angehörigen aller Religionen wölbt. In kriegerischen Zeiten entpuppen sich sonderbare Charaktere. Als eine egoistische Clique, nur int Dusel ihrer ״ausgezeichneten" Bestrebungen, daS Heft in Händen zu haben glaubte, die fricdensliebenden Juden in Böhmen für sich gewinnen wollte, da griff sic zu Phrase: ״Wir müssen mit der Regierung gehen." Run sehen Sie, was von dieser Phrase mit» waS von dieser Clique zu halirn ist. Heute gehen die Pcrsaffungstreurn der dcutschrn Prügelei wegen mit Preußen, das Oesterreich in seinen Grundvesten crschütirrt, und an das Ziel gebracht, an dem es sich heute befindet. Der jüdische Dienstbotc deS deutschen Casino zeigt heute seinen Dienstbotencharakter vollends und die vierte politische Wandlung, die er durchgemacht, sagt, was man von der VerfaffungStreue jener deutschthümelnden Partei zu halten habe. Cie sehen, die Gegend ist nicht sehr malerisch und es gleicht die Welt der Zerstörung von Jerusalem, auf die der Fluch des Sängets ruht, der wehklagend ruft: ״Die Mauern liegen nieder, die Hallen sind zerstört. Noch eine hohe Säule zeigt von verschwundcner Pracht." Diese hohe Säule ist der Glaube an Gott, den wir zu jeder Zeit anftehen. auch gegen unsere Feinde uns als Menschen zu verhalten. man für ein großes Oesterreich lieber ein große- Preußen setzte möchte. Das ganze deutsche Zelotenthum vom magyarisch-deutsch centralistisch-dualistisch'preußischen ״Tagesboten" angefangen bis hinunter zum letzten Schmock des deutschen CaffeehauseS ist sich in der Thal keiner rechten Tendenz bewußt, und schreit rS auch wie im Wüthender: ״Das deutsche Vaterland muß größer sein", so hat eS nichts weiter damit -erreicht, als zu überzeugen, wie hoch man den Patriotismus der sogenannten Deutschen in Oesterreich anzuschlagen habe. Und in der Thal die Sympathien, die die Männer ans der Deutschen Gesellschaft bei den Juden genoßen, waren nie groß, nun nach dem preußischen Patriotismus der österreichischen Deutschen, sind die Sympathien total verronnen. Dieß möge sich die deutsche Clique gesagt sein laffen. S—r. Leijlimmung un- Wie-erspruch. Der geehrte Korrespondent des Artikels ״der Humbug" hat ein trauriges Bild von dem ״Schlächtcrhandwerk" bei uns in Böhmen entrollt, dennoch aber nicht die ganze MiS-- wirthschaft desselben geschildert, nicht die ganze Gesunkenhrit dieses Ritualgesetzes bloSgelegt, nicht die totale Frivolität derjenigen, denen die Funktion des Schlachtens anvertrant ist, ins Licht gesetzt. .Ja es sieht in dieser Hinsicht noch viel trauriger aus, so traurig, daß ein ehrlicher Jude, der sein jüdisches Gewissen nicht belasten will, in vielen Gemeinden selbst in solchen, die keinen Anstrich vorgeschrittener Cultur in sich tragen, keine Fleischspeisen genießen dürfte. Biele Schlächter sind sehr unwissend, wie das liebe Vieh, das sie schlachten, haben bald den Inhalt deS Büchleins, den sie für die Prüfung sich eintrichterten, vergessen, und viele wieder haben sich gehäutet, ihren religiösen Sinn allmälig abgelegt und sind nicht mehr rigoros. Darin also, daß eS bei uns mit der Schchita traurig aussicht, daß ein wahrer Schwindel damit getrieben wird, damit müffen wir dem H. Corrcspondenten beistimmen. Daß er aber einzig und allein die Rabbiner vor das Forum der Oeffentlichkeit auf die Anklagebank setzet, den Rabbinen allein die ganze unsaubere Wirthschaft in die Schuhe schiebt, ihnen die ganze Schuld aufbürdct, dem können wir nicht beistimmen, dem müffen wir aus eigener Beobachtung widersprechen. Wer denn die Schuld trägt? die Gemeinden selbst! Es ist ihnen ja nicht mehr wahrhafter Ernst mit der Schchita, sie ist ihnen bloß Formsache geworden aus Gewohnheit,.blos stellen sie noch einen Schochct an, fast könnte man sagen aus purer Feigheit schaffen sic nicht dieses Institut ab. Die Funktionäre der Schchita entziehen sich gerne jeder Controlle und stehen auch unter keiner Controlle, die Gemcindcvorstände wünschen gar nicht eime Beaufsichtigung, eS scheint ihnen ein Eingriff in ihrer autonomen Administration. Und was soll auch Männern, die öffentlich alle Speisegesetze übertreten, daran liegen, ob der Schachet ganz regelrecht schlachtet oder nicht? Soll ein Rabbiner einen gewissenlosen Schochct snöpcndiren wollen, welch Zettergeschrei würde sich in der Gemeinde erheben! ״Einen Familienvater umS Brod bringen!" als wenn die Schchita eine Humanitäts-Institution wäre, um erwerbSunfähige Leute zu versorgen. Der Rabbiner stört den Gemein» defricden, er hat hierarchische Gesinnung würde es heißen, und gewiß, er würde gegen den Schochct unterliegen, der Schochet über ihn den Sieg davon tragen. Ich war unlängst anwesend bei einer Hochzeit in einer keinen Gemeinde; der Rabbiner aus der nächsten Gemeinde, welcher auch die Matrikenführung jener keinen Gemeinde obliegt und diese daher gesetzlich zu diesem Rabbinate gehört, kam zur Trauung. Der Schochet ein ganz untergeordnetes, unwissendes Individuum, präsentirte dem Rabbiner die.121ns er lasie durch uud zeigte ihm, daß sie strotzte voll grober

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