Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 32 (5.8.1870)
- Date
- 1870-08-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IR«« mittfat V-g°'r G«>zjShrig fl. 5 — Haldjährig H 2.50 vierteljährig,, I SO Mt Postzusendung: Ganzjährig fl. 5.50 Halbjährig „ 2.75 Vierteljährig „ 1.50 Für» Ausland: Ganzjährig 4 Tblr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate werden dilligst berechnet. Die Gegenwart. Israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Intereffen. Erscheint an jedem Jrntag. McMKn «. fhri> » ßratian Prag, fttt» ttrgafleRra. 408—1 Mlii alle vrteft h. Geltzsrndnnge, N |« richten sind." Znschriftrn »erbe, franco erdete». Mt« »ustripie »erden bei Nichtverwendnng ans Verlangen jedoch unsraalirt znrncker. stattet. Ur. 32. Prag 5. August 1870. III. Jahrgang. Mit der Kegirnmg! Co oft die verfassungStteuen Israeliten auf den Ruf dcS jüdisch-deutschen Moniteur» und auf Cvmmando der deutschen Clique in Dnpplirschritt unter teutonischen Trommelwirbel drr schwarz-roth-goldenen Fahne zu folgen nicht rccht entschlossen waren, so erhob sich im Lager der sich im Krampfe deö DeutschthumS windenden Partei das Frldgeschrei: Mit der Regierung! mit der Regierung,! das wie ein Pelotonfeucr in die Reihen der rathlos gewordenen Israeliten von Ohr zu Ohr drang und in schlauer Weise benutzt wurde, dieselben für die Clique oder vielmehr für deren Zwecke zu gewinnen. Den so eingeschüchterten politischen Hermvphroditen, gewohnt an der alten Tradition, sich unter dem Schutze der Regierung zu stellen, fest zu halten, fiel eS allerdings nicht schwer, der scheinbaren Ehrlichkeit der politische Puritaner Vertrauen zu schenken und in der erkünstelten VersassungSschwärmerei die ganze politische Existenz zu erblicken. Tief einzudringen in die geheimen Pläne der groß-deutschen Generäle war jenen keine Notwendigkeit, weil ihnen der Syllogismus zu einfach schien und da« Kreuzfeuer Ux Nationalitäten in das sie gerathen, noch zu wenig intensiv war, um sich aus ihrer Position, die sie auf deutschem Terrain gefaßt, durch die einfachste Logik der Thatsachen verdrängen zu lassen. Hat man eS ja verstanden, die Juden mit dem faulen Patriotismus der nicht deutschen Parteien zu schrecken, die Oesterreich gerne zerstückelt haben wollten, war eS dann Feuilleton. Plaudereien (zweite Folge) VM. Gewöhnlich hört man, wenn die Literatur mit einem neuen Lustspiel bereichert wird, über dasselbe urthrilen : Was kann damn fein? Zwei lieben einander und zuletzt „kriegen sie einander". Die Liebe ist somit der röche staden, der sich durch die Handlung zieht und daS „Kriegen" ist da» dialogische Schlußtqblrau. Europa beschäftigt jetzt rin Theater; auf besten Bühne ein blutige» Drama abgespielt werden soll und vielleicht im gegenwärtigen Momente abgespielt wird. Die Handlung ist krinrSweg» schön, denn di« Helden de» Spiele» handelten nicht gut- Dießmal ist nicht Lieb« da» Motiv de» Trauerspiele», aber die, die einander nicht lieben, „kriegen" sich doch. 3m Kriege herrscht die vollständige Gleichstellung, e» find den Christen dir Juden. dir Juden dm Muselmdmern gleichgestellt, diese wie jenepartieipiren an dem Rechte, sich tobt schießen zu lassen, alle Rrligtonm um so leichter, die Juden völlig zu brkchrrn, wenn mau ihnen zu wiederholten Malen eindrillrn sollte, der Jude müsse vor Allem österreichisch sein, er müsse mit der Regierung gehen. Diejenigen Völker, die zur Erstarkung Oesterreichs ihre politischen Ideen nicht der fixen Idee einer treulosen Masse opfern wollten, wurden kontumazirt, weil sie die deutsche Hegemonie als den gähnenden Abgrund bezeichneten, in den das erschütterte Oesterreich gestürzt zu werden droht. Wenn ein Oesterreich nicht wäre, so erklärte einst feierlich ein im politischen Kampfe ergrauter böhmischer Pattiot, so müßte Einegeschaffen werden, während die deutschen Intelligenz» rilter die deutsche Idee überall in den' Vordergrund stellen. Nun heute, da der unleidige Krieg zwischen Preußen und Frankreich ausgebrochen, bricht auch drr österreichische Patriotismus der Verfassungstreuen in eine so eminent aatiösterreichische Demonstration au», daß man versucht wäre zu glauben, die Abart der Deutschen in Oesterreich sei preußischer als die Preußen. Co weit verflieg sich die Verfassungstreue, daß man für die Verfassung schwärmte, um desto besser die Pläne Preußen» zu fördern. Wo seid Ihr aber, Ihr Helden des DezembriSmuS hin« gerathen mit Euerer Hegemonie? Gellen Euch nicht in E a» r en Ohren die patriotischen Mahnungen, die Ihr, so oft e» sich um einen Ausgleich mit der nationalen Opposition handelte, der Regierung zugerufen r Laßt heulen die Feinde gebt keinen Pardon? Und Ihr wagtet immer die Juden mit Euch fortzureißen, um sie Euch dienstbar und den anderen Nationen verhaßt zu machen? Ihr seid mit Euerem Latein sind sonach vor den Kugel- und Dampsspritze» gleichberechtigt. Ganz ander» denkt die preußische Majestät, ihr scheinen die Juden im Kriege kugelfest zu sein, ihr will e» nicht recht einleuchte». daß christliche Kugeln durch da» jüdische Herz dringen; darum betet sie zu dem König aller Könige, daß er ihrer Armee Gnade gebe, auch gegen ihre Feinde sich al» Christ en zu verhalten. So weit geht die majestätische christliche Liebe, daß sie wohl Tausende von Juden zum Znsammcnscuern brauchen kann, die nach hohenzollrrnscher Austastung keine Menschen weil keine Christen sind, aber für sie Gnade zu erstehen bei dem Gotte, der gerade dir Juden zum auserkorenen Volke machte, ist ganz überflüßig. Und wozu denn auch? War doch ein Frankfurter Jude so christlich und hat dem um Gnade, Gnade stehenden König fünf Millionen Thaler geliehen, hat der Jude Oppenheim in Berlin sein Pferd, um de» Prri» von 18000 Thalern gekauft, dem protestantischen Köniße zum Geschenke gemacht, auf dem er an da» Jiel freiheitlicher Idee» um so schneller gclairge» solle, war in Hamburg der erste ein Jude, der 5000 Thaler al» freiwillige KriegSsubvention zeichnete, wozu für die Juden beten, daß Gott auch sie zum Siege führe, da doch der Staat nur im Frieden die Juden brauche, ihn zu unterstützen, im Kriege sie todt schießen zu lassen. Doch Gemach! die Juden gehen au» jedem Kampfe neu gestählt hervor, und da» Blut und